TRCZKA, Maximiliana

Maximiliana Gräfin von Trczka war die Schwester der Gattin Wallensteins.

Ihr Bruder, Graf Ernst Albrecht von Harrach, war Kardinal und Erzbischof von Prag.

"Die Trczkas gehörten zu den reichsten Familien in Böhmen; ihre Güter Nachod, Neustadt, Opocno, Hermanitz, Kaunitz, Smirice, Dymokur, kamen in ihrer Gesamtheit etwa der Hälfte des Herzogtums Friedland gleich. Ererbt war dieser Besitz zum kleineren Teil; zum größeren billig erkaufte und ertauschte Beute aus der Konfiskationsmasse von 1621. Denn die Trczkas hatten an der Katastrophe ihres Vaterlandes sich bereichert und gemästet nach der Art Wallensteins; lebten sie gut schon vor dem Weißen Berg, so noch viel großartiger danach. Mit dem neuen, gierig ausgenützten Zustande hätten sie zufrieden sein müssen. Das waren sie aber nicht."[2]

Die Trczkas waren habsüchtig und Patrioten. Der Patriotismus und die Vaterlandsliebe zu Böhmen reduzierten sich allerdings auf den bloßen Stolz, dem Herrenstand anzugehören. Sie hatten weder Zuneigung noch Verständnis für die Nöte der Mehrzahl aller Böhmen, die Bauer, entwickelt.

Ihr vermeindlicher Patriotismus hinderte sie nicht daran, ihre eigenen böhmischen Bauern grausamer zu behandeln als deren Leidensgenossen in Böhmen bereits durch den Adel behandelt wurden.

"Im Frühjahr 1628 war es auf den Gütern der Trczkas zu einem Aufruhr der gequälten Untertanen gekommen, Wallenstein selber, damals in Böhmen, hatte ihn niederschlagen müssen; nicht ohne Ekel übrigens, denn gegen Bauernpack zu kämpfen, fand er seiner unwürdig. Den gefangenen Rädelsführern wurden in Prag die Nasen abgeschnitten und Male auf den Rücken gebrannt; so, zu jedermanns Warnung, schickte man sie nach Hause."[2]

Maximiliana Gräfin Trczka war es, "der Herzogin Schwester", die Schiller in seinem "Wallenstein" zu der "Gräfin Terzky" machte, indem er ihr einige Züge ihrer Schwiegermutter verlieh und andere dazuerfand. Damit tat er ihr unrecht, denn gerade von den Grausamkeiten ihrer Schwiegermutter reden die Leute von Opocno heute noch; auf dem dortigen Schloß hängt ihr strenges, dunkles wenig symathisches Porträt.

Sehr viel nachsichtiger wird Maximiliana von ihren Zeitgenossen beurteilt.

Der Marchese di Granada beschreibt sie in einem Brief an den Kaiser: "... die Fraw Graffin Terzkin, so von Harachischem Geblüdt, ist gewiß gueth und fromb."

In den letzten Monaten vor seiner Ermordung gehörte Trczka mit Ilow und Kinsky , "...die Blöden..."[2], zu den Freunden und Ratgebern Wallensteins.

Im Jahre 1633 verhandelte Wallenstein mit den Schweden, Franzosen und Sachsen über mögliche Wege zum Frieden in Deutschland. Seine engsten Mitarbeiter und "Freunde" verfolgten dabei jedoch oft eigene Strategien mit egoistischen Zielen. So arbeitete Kinsky gemeinsam mit dem französischen Gesandten Feuquières und den Schweden an Plänen eines nationalen Aufstandes in Böhmen.
Von vielen Verhandlungen muß unterstellt werden, daß Kinsky dabei aus eigener Initiative handelte. Insofern sind die Informationen über angebliche und tatsächliche Verhandlungsergebnisse (die auch dem Wiener Hof zugespielt wurden) ein Gespinst aus Lüge und Wahrheit gewesen, bei denen wahrscheinlich auch Wallenstein nicht in allen Details unterrichtet war..

Dabei wurde auch um die böhmische Krone verhandelt und Feuquières versprach, daß Frankreich Wallenstein als König anerkennen würde, wenn er die Seiten wechseln würde. Angeblich soll Wallenstein im Dezember zum Entschluß gekommen sein, das Angebot anzunehmen.

Dem muß entgegengehalten werden, daß Wallenstein an einer Wiederherstellung der alten Ordnung in Böhmen nicht interessiert sein konnte, war er doch nach der Niederlage der "Böhmischen Aufständischen" einer der Hauptnutznießer der Güterkonfiskation der geflohenen oder verurteilten böhmischen Adligen gewesen. Das gleiche galt für den gesamten engeren Freundeskreis. Schon aus rein ökonomischen Überlegungen hätte er das Angebot der im Exil lebenden böhmischen Adligen nicht annehmen können.

Als der Kaiser aufgrund der zunehmenden Anschuldigungen und überkochenden Gerüchte am 24. Januar 1634 ein geheimes Ächtungsdekret gegen Wallenstein und dessen Gefolgsleute unterzeichnete, war damit auch das Urteil gegen den Gatten der Gräfin Trczka gefällt.

Als Wallensteins enger Vertrauter wurde Trczka gemeinsam mit Ilow, Kinsky und Niemann auf einem Bankett auf der Burg in Eger in der Nacht des 25. Februar 1634 ermordet.

Die Gräfin Trczka befand sich zum Zeitpunkt der Ermordung ihres Mannes gemeinsam mit ihrer Schwägerin, der Gräfin Kinsky , in einer Herberge auf dem Marktplatz in Eger, - gegenüber dem Quartier Wallensteins.

Beide Frauen wurden nach dem Tode ihrer Männer nach Pilsen gebracht und verhört.

Einen Beweis für die Mitschuld ihres Gatten am angeblichen Verrat konnte die Untersuchungskommission nicht erbringen; Gräfin Trczka hatte sofort nach der Todesnachricht die gesamte Korrespondenz ihres Gatten verbrannt. In Anbetracht der Situation ein Zeichen von bemerkenswerter Geistesgegenwart! Abgesehen davon wurde Gräfin Trczka als Tochter des hochgeschätzten Grafen Harrach mit sehr viel Nachsicht behandelt.

Selbst die Chronisten dieser Zeit gehen sehr moderat mit der Gräfin Trczka um; Khevenhüller schreibt über sie: "... die Frau Tertzkin aber Maximiliana, eine gebohrne Gräfin von Harrach, hat keine Wissenschaft hievon, (gemeint ist hier der angebliche Verrat Wallensteins und seiner Berater am Kaiser), sondern großes Mitleiden, wie die Sachen ausgebrochen, mit Jhr. Kay. May. und deßhalben großen Widerwillen gehabt."

Gräfin Kinsky konnte sich nach Dresden in Sicherheit bringen.

Als der Kaiser wenige Tage später Nachricht erhielt von dem erfolgreichen Abschluß der Aktion, d.h. dem Tod Wallensteins und seiner Anhänger, ordnete er an, in den Kirchen des Reiches für die Toten 3.000 Seelenmessen zu lesen...

Die Gräfin Trczka verheiratete sich später erneut mit dem Freiherrn Hans Wilhelm von Scherffenberg, einen Vetter des lange Zeit wegen Mitwisserschaft über den angeblichen Verrats Wallensteins verurteilten Johann Ernst von Scherffenberg.




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