TIEFENBACH (Teuffenpach), Rudolph, Freiherr von

U 1653

Kaiserlicher Feldmarschall; kaisertreu, tapfer und katholisch; Träger des goldenen Vließ;

Rudolph war der Sohn des berühmten Türkenkriegers Christoph von Tiefenbach, welcher 1598 als kaiserlicher Feldherr in Ungarn fiel. Sein Geburtsdatum konnte nicht ermittelt werden; als er aber 1653 stirbt, gilt er als hochbetagt.

Nach dem Tode des Vaters kämpft er zunächst für König Heinrich IV. von Frankreich im Krieg gegen Savoyen.
Nach längeren Reisen findet man seinen Namen bei Kämpfen gegen die Türken bei Weißenburg und Gram wieder.
Er ist auch unter Georg Basta an militärischen Unternehmungen gegen die ungarischen Aufständischen beteiligt. In den sich anschließenden Friedensjahren ist er zunächst Landobrist in Mähren, dann Grenzobrist in Neuhäusel. Im Jahre 1618 tritt Tiefenbach als Generalwachtmeister in das kaiserliche Heer ein. 1619 kämpft er als Führer eines Corps gegen Bethlen Gabor bei Preßburg.

In der Schlacht am Weißen Berge kommandiert Tiefenbach am 8. November 1620 den ersten Angriff der kaiserlichen Truppen; gleichzeitig greift Tilly mit dem Heer der Liga an. Der Sieg der vereinten katholischen Heere ist total. Anschließend ist er an der Eroberung Mährens beteiligt und besiegt unter Biquoi die Ungarn.

In dieser Zeit fällt er dem Kaiser durch seine Kaltblütigkeit auf: Von drei meuternden Regimentern umringt, erschießt er bei den Verhandlungen den Anführer der Meuterer. Diese Raktion imponiert den Landsknechten; damit ist die Disziplin wieder hergestellt. Der Kaiser dankt ihm persönlich.

Ferdinand II. scheint sehr von Tiefenbach eingenommen gewesen zu sein, denn als Tiefenbach 1623 zum Katholizismus übertritt, erhält er einen eigenhändigen Brief des Kaisers, in dem der u.a. geradezu überschwenglich schreibt: "... ich wollte Euch Euren Kopf küssen, wenn ich bei Euch wäre".

Als Wallenstein sein neuformiertes Heer aufstellt, stellt sich Tiefenbach 1625 unter dessen Kommando. Er wird übrigens sehr häufig in den Briefen Wallensteins erwähnt. 1628 unterstütz er ihn in der siegreichen Schlacht bei Wolgast gegen den Dänenkönig Christian IV. Bei der erfolglosen Belagerung Stralsunds wird sein Regiment fast völlig aufgerieben.

Nach der Absetzung Wallensteins auf dem Regensburger Reichstag 1630 wird Tiefenbach dem Heere Tilly´s als Feldmarschall zugeordnet. Seine Aufgabe war es, Frankfurt an der Oder gegen die angreifenden Schweden zu verteidigen. Die Bürger Frankfurts mögen aber die kaiserlichen Verteidiger nicht sonderlich und beschießen sie aus den Fenstern.

Im April 1631 erobert Gustav Adolf Frankfurt, und Tiefenbach muß sich und die Reste seines Heeresteiles, die nicht erschlagen oder gefangengenommen wurden, nach Glogau retten. Die Bürger Frankfurts, die die Schweden als Befreier begrüßten wurden böse überrascht. Sie wurden Opfer der nachfolgenden Greuel.

In den folgenden Monaten und Jahren scheint Tiefenbachs militärische Tapferkeit oder zumindestens sein Schlachtenglück verlorengegangen zu sein: Im Verlauf des Jahres 1631 marodieren seine Regimenter durch Kursachsen und verwüsten ganze Landstriche bis Dresden. Als dann der sächsische Feldherr Arnim in die Offensive geht und bis nach Böhmen eindringt, hat ihm Tiefenbach nichts mehr entgegenzusetzen.

Den unbestimmten Andeutungen verschiedener Quellen nach zu urteilen, muß Tiefenbach in diesem Zeitraum körperlich und gesundheitlich sehr angegriffen gewesen sein.

Als Wallenstein zum zweiten Mal den Oberbefehl übernimmt, übergibt Tiefenbach das Kommando und nimmt an keiner weiteren militärischen Operation mehr teil. Erst nach Wallensteins Tod begleitet Tiefenbach den König von Böhmen Ferdinand III. zur Musterung des Heeres nach Böhmen und 1634 zur Schlacht bei Nördlingen.

Allerdings ist in keinem Bericht erwähnt, daß Tiefenbach als militärischer Führer vor der Front aktiv war.

Vom Kaiser erhält er für treue Dienste 200.000 Gulden.

Nach dem Tode Wallenstein´s besaß der Kaiser ausreichende Mittel, und nach der gewonnenen Schlacht befand er sich in einem Stimmungshoch. Anders ist die ungeheure Summe nicht zu erklären.

Ein Vergleich verdeutlicht die kleinen Unterschiede: für seine dreijährige Arbeit an der Ausgestaltung der fürstbischöflichen Residenz in Würzburg erhielt der damals schon weltbekannte Maler Tiepolo und seine Söhne einige Jahre später für ihre Arbeiten 25.000 Gulden.

Nach 1634 kämpft zwar das Regiment Tiefenbachs noch bis 1641 in den Reihen des kaiserlichen Heeres, er selber ist nur noch im Kabinett tätig.

1644 besucht er den Konvent in Thyrnau und verhandelt neben Questenberg und Esterhazy den Frieden mit dem Siebenbürger Fürsten Rakoci aus. Auch in den Jahren 1646 bis 1647 ist er für den Kaiser in Ungarn tätig.

Von den Spaniern wird Tiefenbach mit dem Orden des goldenen Vließ ausgezeichnet und stirbt 1653, nachdem er zum Geheimen Rat und Reichszeugmeister ernannt wurde.

Er starb als Katholik.
Sein Bruder Friedrich blieb seinen Prinzipien als Protestant treu. Nach den böhmischen Unruhen flüchtet er in die Schweiz, wird aber durch einen Schweizer Landvogt an die Kaiserlichen ausgeliefert und zum Tode verurteilt. Durch Fürsprache seines Bruders wird er jedoch vom Kaiser begnadigt. Die Begnadigungsurkunde erreicht die Henker zu spät.

Friedrich Tiefenbach wird am 17. Mai 1621 auf dem Schafott in Insbruck hingerichtet.

In Schillers "Wallenstein" wird der Obrist Tiefenbach durch die Unterschriftenszene der Anhänger Wallensteins eingeführt. Auf Trczka´s Frage: "ein Kreuz steht hier" antwortet Tiefenbach: "das Kreuz bin ich". Isolani erläutert seinen Mitstreitern: "Er kann nicht schreiben, doch sein Kreuz ist gut und wird ihm honoriert von Jud und Christ".

Diese Szene mag typisch sein für das Niveau unter den Obristen; für Tiefenbach stimmt diese Darstellung nicht.

Das nachfolgende Faksimile seiner Unterschrift möge ihn von diesem Vorurteil entlasten...

Faksimile der Unterschrift von Rudolph Freiherr von Tiefenbach



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