OXENSTIERNA, Johan

I  1611
=   1657

Johan Oxenstierna war der Sohn des schwedischen Kanzlers Axel Oxenstierna , der unter Gustav Adolf bereits die schwedische Außenpolitik und nach dessen Tod auch die innerpolitischen Entwicklungen in Schweden entscheidend bestimmt hatte. Johan Oxenstierna war Verhandlungsführer der schwedischen Delegation bei den Friedensverhandlungen zwischen dem Kaiser und dem Königreich Schweden in Osnabrück.

Die Verhandlungsergebnisse von Osnabrück bildeten gemeinsam mit denen von Münster die Grundlagen der Dokumente, die unter dem Begriff des "Westfälischen Frieden" formell den 30jährigen Krieg beendeten.

Seine Position bei den Verhandlungen verdankte Johan jedoch nur dem Namen und dem Ansehens seines Vaters.

In der Literatur wird Johan Oxenstierna sehr direkt charakterisiert [1]:

"Er war ein großer Mann mit einem roten Gesicht, ziemlich beschränkt, leicht erregbar, sehr hochmütig und dem Wein und den Frauen sehr zugetan. Er ließ die Stunden seines Aufstehens, Speisen und Schlafengehens mit Fanfaren verkünden, die in ganz Osnabrück zu hören waren...

Oxenstierna war angeblich gegen einen Frieden, weil ein solcher seine und seines Vaters Bedeutung schmälern würde.

Salvius hatte aber von der Königin Weisung, Oxenstierna daran zu hindern, die Verhandlungen unnötig aufzuhalten; sie hatte ihm gesagt, daß ihr jeder Friede erwünscht sei, ohne Rücksicht auf die privat oder öffentlich geäußerten Wünsche Oxenstiernas und seines Sohnes.


Ergänzend sei hier noch erwähnt, daß Johan die Fanfaren nicht nur morgens blasen lies, sondern auch wenn er sich mittags zu Tisch setzte und wenn er abends zu Bett ging...

Er gab beeindruckende Bankette und fuhr grundsätzlich mit einem Riesengefolge.

Schon bei seinem Einzug in Osnabrück mußten 500 Bürger in den Straßen Osnabrücks Spalier stehen. Sein Gefolge bestand aus 144 Bediensteten. Für die repräsentative Ausstattung seiner Gesandtschaft bewilligte im die Regierung in Stockholm 9.870 Reichstaler. Dafür läßt sich Oxenstierna Ledertapeten, Teppiche und unter anderem ein 72teiliges Silberservice anschaffen; damit kann er ebensoviel Gäste bewirten wie der kaiserliche Gesandte...

Bei seinen Gelagen erwies sich Johan Oxenstierna als ausgesprochen trinkfreudig. Es ist überliefert, daß einige seiner Verhandlungspartner vor solchen Gelagen Bittermandeln aßen, um während der Gespräche nüchtern zu bleiben...

Johan Oxenstierna blieb auch nach Ende der Verhandlungen in Deutschland.
Bis 1651 gehörte er einer Kommission an, die die Verhältnisse in Pommern regeln sollte.
1654 wurde er zum Reichsmarschall ernannt und 1655 Kanzler der Universität Greifswald und Präsident des schwedischen Oberappellationsgerichts in Wismar.

Er starb am 15.12.1657 in Wismar und wurde wie sein Vater und Großvater in der Kirche in Jäders in Södermanland bestattet.




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