HOË, Matthias

« 1580
U 1645

Matthias Hoë von Hoënegg, (oft auch von Hohenegg geschrieben), Doktor der Heiligen Schrift und Hofprediger mit bedeutendem politischen Einfluß am Hofe der Kurfürsten von Sachsen.

Doktor Matthias Hoë von Hoënegg war protestantischer Geistlicher aus gutem katholischen Hause.

Insofern hatte er volles Verständnis für die Fehler der katholischen Kirche. Im Gegensatz dazu waren ihm die Lehren des calvinistischen Glaubensbekenntnisses suspekt. Sie enthielten nach seiner Auffassung hundertmal mehr Irrtümer als die der Katholiken. Da er diesen Standpunkt durch polemische Äußerungen ständig wiederholte, wurde er in Anspielung auf seinen Namen von den Calvinisten als "der Hoëpriester" verspottet.

Hoë entstammte einem österreichischen Adelsgeschlecht und gab schon allein durch sein gesellschaftliches exklusives Auftreten eine Zielscheibe des Spottes ab. Hinzu kam, daß er von sich sehr eingenommen war. Man konnte ihn sagen hören: "Ich kann Gott nicht genugsam danken für die hohen großen Gaben, die seine heilige Allmacht mir verliehen."

Er war ein aufrichtiger Protestant und in gleichem Maße ein giftiger Schriftsteller und fließender Redner. Seine unersättliche Leidenschaft war alles Gedruckte. Er war leicht erregbar und in ganz Deutschland als Polemiker bekannt.

Sein Einfluß auf den Kurfürsten war groß. Hoë wurde schon 1602 Hofprediger bei Kurfürst Christian II. von Sachsen. Insofern war sein Einfluß auf dessen Sohn intensiv und erfolgreich. Kurfürst Johann Georg I. war ein guter Christ und als solcher erschien er dreimal wöchentlich mit seinem gesamten Hofstaat, um eine Predigt zu hören.

"In Dresden hielt Hofprediger Hoë herrliche, donnernde Predigten gegen der Papisten Tyrannei,...."[2] Der Kurfürst war von einfachem Gemüt und glaubte, was in der Bibel stand.

Leider war der Einfluß seines Hofpredigers, dem der Kurfürst ausgesetzt war, auch bestimmend bei seinen politischen Entscheidungen.

Hoë war ein wortgewaltiger Streiter, der auch zeitweise die böhmische Regierung beschuldigte, den lutherischen Glauben an den calvinistischen Antichrist verraten zu haben. Da er ein Anhänger der verfassungsmäßigen Regierung war, hatte er keine Skrupel, auch für den katholischen Kaiser zu streiten, obwohl er zahlreiche Schriften sowohl gegen die reformierte als auch gegen die katholische Kirche verfaßte.

So war es für ihn nur natürlich, daß er als berufener Gegner des Calvinismus für den Feldzug des katholischen Kaisers gegen den calvinistischen König von Böhmen plädierte. Es gab für ihn auch handfeste Argumente: "O wie schad um so viele schöne Länder, daß sie dem Calvinismus in den Rachen sollen gesteckt werden.".

An die Adresse der böhmischen Regierung gerichtet, wetterte er: "Gott ...wird alle Eurer Kaiserlichen Majestät muthwillige Feinde auf die Backen schlagen, ihre Zähne zerschmettern, sie zurücke kehren und kläglich zu Schanden werden lassen".

Daß bei dieser Gelegenheit die protestantischen Glaubensbrüder in Oberösterreich von bayerischen Truppen abgeschlachtet wurden, störte den Glaubenskrieger offenbar weniger...

Golo Mann charakterisiert Hoë mit folgenden Worten:"Hoë von Hoënegg, ein intriganter Patron, war früher gut österreichisch und spuckte auf die Calviner; neuerdings ist er schwedenfreundlich beziehungsweise von den Schweden gekauft."[2]

Aber Hoë ließ sich nicht nur von den Schweden kaufen; auch die Franzosen wußte er zu schröpfen.
Durch Vermittlung des außerordentlichen Botschafters des französischen Königs am sächsischen Hofe, Marquis Feuquières, wurde er auch Nutznießer einer französischen Pension. Als ein französischer dieser Edelmann wieder einmal durch den Kurfürsten brüskiert wurde, klärte ihn Hoë mit folgenden Worten über den sächsischen Hof auf:
"In Dresden sei die Roheit nun einmal zu Haus, besser, sie einzugestehen als etwas Gewohntes, Unvermeidliches, als sie zu beschönigen." [2].




                                 zurück zum zuletzt geöffneten Fenster
                                 zurück zum Personen-Index
                                 zurück zum Inhaltsverzeichnis


Diese Homepage wurde von Dr. Klaus Koniarek bereitgestellt ©. Sie wird regelmäßig überarbeitet und erweitert.