GUERICKE, Otto von

Physiker und Bürgermeister von Magdeburg

T   Magdeburg   30.11.1602
=     Hamburg      21.05.1686

Die Beisetzung Otto von Guerickes im Jahre 1686 glich einem Staatsbegräbnis. Sie war die Referenz an einen Mann, der in Wissenschaft und Kommunalpolitik Hervorragendes geleistet hatte. In Magdeburg geboren, studierte er zunächst in Leipzig, Helmstedt, Jena und Leiden Rechts- und Naturwissenschaften. Bildungsreisen nach Frankreich und England schlossen sich an. 1626 wurde er zum Ratsherrn in Magdeburg berufen.

Als solcher erlebte er im Jahre 1631 inmittelbar die Belagerung, Erstürmung und Verwüstung Magdeburgs durch die kaiserlichen Truppen unter Tilly  

Guericke konnte mit seiner Familie nach Schönebeck an der Elbe fliehen und trat dann als Oberingenieur in schwedische Dienste, um 1632 nach dem Siegeszug der Schweden in seine Heimatstadt zurückzukehren. Zunächst war er als Kämmerer beim Wiederaufbau beteiligt.

Die von ihm erarbeiteten Pläne für den Wiederaufbau Magdeburgs sind so voraussschauend gewesen, daß nach dem 2. Weltkrieg auf sie zurückgegriffen werden konnte.

Von 1646 bis 1678 war Guericke einer der vier Bürgermeister Magdeburgs. In dieser Eigenschaft vertrat er vom Oktober 1646 bis August 1647 auch die Interessen der Stadt bei den Friedensverhandlungen in Osnabrück. Sein Ziel, die Selbständigkeit Magdeburgs als städtischer Kleinstaat zu erhalten, konnte er dort nicht erreichen. Dazu waren die wirtschaftlichen Interessen der umliegenden Fürsten an der immer noch strategisch wichtigen Handelsstadt zu groß. Schließlich fiel Magdeburg an Brandenburg.

1646 verfaßte Guericke sein Manuskript über die Belagerung Magdeburgs. Diese Schrift stellt eine der wichtigsten Quellen zur Geschichte des dreißigjährigen Krieges und der sozial-ökonomischen Ursachen des Unterganges dieser Stadt dar.

Parallel zur Amtstätigkeit arbeitete Otto von Guericke an seinen wissenschaftlichen Experimenten.

Er erfand die Luftpumpe mit Zylinder, Kolben, Saug- und Druckventil und führte sie im Frühjahr 1657 auf dem Reichstag zu Regensburg vor. Die kaiserliche Majestät, Ferdinand III. und die anwesenden Kurfürsten haben an seinen Vorführungen "ein gar gnädigstes Vergnügen gehabet".

Erst als 70jähriger publizierte er seine Experimente und die daraus entstandenen Schlußfolgerungen in einem in Amsterdam erschienenen Buch "Experimenta Nova (ut vocantur) Magdeburgica de vacuo spatio". Er lehnt darin unter anderem alle Spekulationen über den leeren Raum ab, formuliert das Wesen des Luftdruckes und bekennt sich recht streitbar zum heliozentrischen Weltsystem.

Im Jahre 1655 führte er das erste Großexperiment in der Geschichte der Wissenschaft durch. In diesem berühmten Schauversuch waren acht Pferde auf jeder Seite der luftleer gepumpten "Magdeburger Halbkugeln" erforderlich, um den äußeren Luftdruck, der diese Halbkugeln zusammenhielt, zu überwinden.

Wie die Flugblätter propagierten und die Zeitungen schrieben, war die Wirkung auf das Publikum gewaltig.

1666 wurde Otto von Guericke vom Kaiser geadelt. Damit erhielt er sich die Immunität als Ratsherr, die ihm von konkurrierenden Ratsherren (trotz aller seiner Verdienste um den Wiederaufbau Magdeburgs) streitig gemacht wurde.

Dieser Streit führte auch dazu, daß Otto von Guericke im Jahre 1676 verbittert sein Amt niedergelegt hat.

Nach seinem Tod in Hamburg, wohin sich Guericke mit seiner Familie vor der Pest geflüchtet hatte, wurde sein Leichnam ehrenvoll nach Magdeburg überführt und in der St. Johannis Kirche beigesetzt.




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