Buquoy,

Karl Bonaventura Graf von

(in der Literatur oft auch Bucquoy geschrieben)

â in Arras am 9.1.1571,
É gefallen vor Neuhäusel (Westslowakei) am 10.7.1621



Karl Graf von Buquoy war ein Vertreter des Typus eines Feldherrn der ersten Hälfte des dreißigjährigen Krieges: eine (wenn auch autoritäre) Persönlichkeit, beherrscht, strategisch begabt, durchsetzungsfähig und somit für seine Aufgabe qualifiziert.

In späterer Zeit, etwa in der Phase des Schwedisch - Französischen Krieges (1635 - 1648) mutierten die Offiziere und Feldherren (mit wenigen Ausnahmen) zum menschlichen Abschaum. Ungezügelter Ehrgeiz, Skrupellosigkeit und Geldgier übertrafen oft militärische Fähigkeiten.

Der schwedische Feldherr Baner. war zum Beispiel ein unangenehmer Vertreter dieser Gattung.

Buquoy war ein Berufsoffizier, der sein Handwerk von der Pieke auf gelernt hatte.

Er war beherrscht, hatte Renommee bei Hofe und im kaiserlichen Heer, beliebt bei seinen Offizieren (bis ihm Wallenstein durch großzügigere Soldzahlungen den Rang ablief) und er war ein überragender Stratege, der die Militärstrategie der kaiserlichen Armee maßgeblich beeinflußte.

Er galt als Meister der defensiven Kriegsführung, der sogenannten Ermattungsstrategie und Buquoy hätte nie eine Schlacht begonnen, wenn ihm der Ausgang ungewiß erschien.

Es gibt mathematische Modelle der Kriegsführung, nach deren Aussage letztlich nicht die Anzahl der Siege oder das Draufgängertum Erfolg hat, sondern es wird auf Dauer immer derjenige militärische Erfolge haben, der im Kampf die geringsten Verluste verzeichnet.

Buquoy hat diese Modelle nie gekannt, aber er hat auch keine militärische Niederlagen (außer der bei Nieuport im Jahre 1600 gegen Moritz von Nassau) hinnehmen müssen.

Ein weiterer Aspekt seiner Strategie war die Eintreibung von Kontributionen und die gezielte Plünderung der von seinen Truppen heimgesuchten Städte und Landstriche.

Sein Modell der Truppenverpflegung, das unter dem Namen "der Krieg ernährt den Krieg" in die Geschichtsliteratur einging, wurde von ihm erstmalig konsequent umgesetzt und von den nachfolgenden Heerführern zur Geißel des Dreißigjährigen Krieges entwickelt.

Karl Graf von Buquoy entstammte einer Familie mit militärischer Tradition.

Er wurde um den 9. Januar 1571 in Arras als Sohn von Maximilian von Longueval, Baron von Vaux und - seit 1580 - Graf von Buquoy und seiner Frau Margueritha de Lille geboren.

Es handelt sich bei seinen Vorfahren um ein ursprünglich französisches Geschlecht, sein Vater war als Obrist vor Tournai gefallen.

Karl von Buquoy verdiente sich zu Beginn des 17. Jahrhunderts zunächst in der spanischen Armee in Flandern erste militärische Meriten im Kampf gegen Franzosen und Niederländer.

Vor Emmerich a. Rh. wurde er gefangen und später ausgelöst.

Bei Nieuport wurde er 1600 von Moritz von Nassau geschlagen, konnte aber seine kriegerische Tüchtigkeit aufs neue bei der Belagerung Ostendes und bei der Einnahme von Herzogenbusch beweisen.

Im Jahre 1602 war er bereits kaiserlicher Generalfeldzeugmeister, wurde 1606 Statthalter von Hennegau und kam 1610 als Gesandter an den französischen Hof.

In der Folgezeit stieg er rasch in der militärischen Hierarchie auf.

Im Jahre 1618 bestimmte ihn Kaiser Matthias. zum Oberbefehlshaber seiner Truppen und ernannte ihn zum Feldmarschall.

Buquoy kannte seinen Marktwert, denn er verlangte und erhielt als Monatsgehalt 3.000 Gulden, - für damalige Verhältnisse eine gewaltige Summe.

Buquoy sollte im Kampf gegen die aufständischen Böhmen und die Protestantische Union die Interessen des Kaisers durchsetzen.

Dazu mußte Buquoy einen gefährlichen Gegner ausschalten - den Grafen Mansfeld. .

Der militärische Ruf Mansfeld´s beruhte sowohl auf dem Schrecken, den er verbreitete, als auch auf seinem organisatorischen Talent.
Mansfeld kämpfte in vergangenen Jahren in Ungarn und im Jülicher Krieg für die Interessen Kaiser Rudolf II..

Verlorene Illusionen oder zerstörte Hoffnungen machten ihn zu einem gefürchteten Gegner des Kaisers.
Von Jahre 1610 an war er überall dort zu finden, wo dem Kaiser ein Feind erwachsen war.
Als der 30jährige Krieg ausbrach, hatte Mansfeld für Savoyen gerade 2.000 Mann in Deutschland geworben.
Er überließ sie auf Empfehlung Savoyens den Truppen der Protestantischen Union.
Von den Böhmen wurde er zum General der Artillerie berufen und sein erster Einsatz war der Kampf um Pilsen.

Pilsen war der reichste und bedeutendste Stützpunkt der Katholiken in Böhmen.

Als Mansfeld mit 20.000 Mann die Grenze überschritt, flammte in ganz Böhmen noch einmal die Begeisterung für die protestantische Sache auf.

Nach fünfzehnstündigem verzweifelten Kampf fiel Pilsen am 21. November 1618.

Die Begeisterung der Protestanten nach diesem Sieg ergriff auch Mähren, Ungarn, die Lausitz und Teile Österreichs.
Ein Jahr später wendete sich das Kriegsglück für Mansfeld.

Mansfeld zog mit einem Teil seines Heeres auf Budweis. Am 10. Juni 1619 wurde er auf seinem Vormarsch beim Dorf Záblati (Sablat) von kaiserlichen Truppen unter dem Kommando der Feldherren Buquoi und Wallenstein. zum Kampf gestellt.

Nach siebenstündigem Kampf mußte er sich unter hohen Verlusten und der Aufgabe seines Trosses zurückziehen.
So kam es, daß im Jahre 1619 auch die letzte große Chance der Protestanten vergeben wurde, als die Truppen Thurns. sich mit denen Bethlen Gabor. , dem Siebenbürger Fürsten verbündeten, Preßburg belagerten und auf Wien marschierten. In Preßburg war der Kaiser eingeschlossen und ein gut geführter Angriff einer Übermacht von nunmehr 50.000 Soldaten hätte den totalen Sieg für die Böhmen bedeutet und sie hätten den Frieden diktieren können.

Aber strategische Unfähigkeit, mangelnde Disziplin und Mangel an Geld brachten nur Krankheit, Hunger und Seuchen.

Graf Thurn, der Kommandeur der böhmischen Streitmacht, welcher mit seinen Truppen schon vor Wien lag, mußte nach der Niederlage Mansfelds den Rückzug antreten und wurde von Buquoy bei Eggenburg geschlagen.

(Glaubt man den historischen Quellen, so wäre Thurn ohnehin nicht in der Lage gewesen, ohne Unterstützung der Wiener Bevölkerung in Wien einzumarschieren. Sein Heer soll so kathastrophal ausgerüstet gewesen sein, daß man seine Soldaten in Lumpen gehüllt oder sogar nackt plündern sah... Es fehlte dem Heere Thurns an Artillerie, an Menschen und an Motivation.)
Die erhoffte Hilfe durch Bethlen Gabor blieb aus; der sammelte seine Beute und zog sich nach Siebenbürgen zurück...

Dieser erste katholische Sieg seit langer Zeit der Unsicherheit hatte ungewöhnlich große politische Auswirkungen.

Am 8. September 1620 vereinigten sich Buquoys Armee bei Krems mit dem Ligaheer unter Tilly. .
Diese überlegene Streitmacht schlug das protestantische Heer am 8. November 1620 in der Schlacht am Weißen Berg.

Buquoy konnte in dieser Schlacht das Kommando über seine Truppen aufgrund seiner Verwundung, die er im einem Gefecht bei Rakonitz im Kampf gegen eine böhmische Heeresgruppe erlitten hatte, nicht persönlich führen.

Einige Quellen behaupten, daß er trotzdem die Schlacht vom Wagen aus befehligte. Andere [1] schreiben, daß sich Buquoy beim Angriff der kaiserlichen Truppen auf das Zentrum der böhmischen Stellungen aufraffte, sein Pferd verlangte und ungeachtet seiner Verwundungen dem Kern des Heeres die kaiserlichen Reserven zuführte.

Danach eroberte Buquoy für Ferdinand II.. die Burg Karlstein und zwang die mährischen Stände zum Huldigungseid für den habsburgischen Kaiser.

Anfang 1621 bat er um seine Entlassung, blieb jedoch im Dienst, als ihm der Kaiser die konfiszierten (ehemals Schwanbergschen) Herrschaften Gratzen, Rosenberg, Schumberg, Zuckenstein und andere in Böhmen verlieh.

Im Februar 1621 marschierte Buquoy erneut gegen den in Ungarn eingefallenen Bethlen Gábor.
Er zog zunächst nach kurzer Belagerung in Preßburg ein und rückte im Juni 1621 vor Neuhäusel (Slowakei).

Dort kam er ums Leben.

Über seinen Tod gibt es zwei unterschiedliche Berichte.
Ein Bericht erwähnt, daß er am 10. Juli 1621 bei der Abwehr eines Ausfalls der Belagerten ums Leben kam.
Eine andere Quelle [33] berichtet, daß er bei einem Erkundungsritt von seiner Begleitung getrennt und durch Schüsse und Lanzenstiche getötet wurde.

Der Oberbefehl über seine Truppen ging an Rudolf von Tiefenbach über.

Wappen des Grafen Buquoy




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