SCHAFFGOTSCH, Hans Ulrich

Graf Schaffgotsch gehörte ab 1632 zum engeren Kreis der Vertrauten Wallensteins. Schaffgotsch war ein reicher schlesischer Magnat und Schwager der Herzöge von Brieg und Liegnitz.

Im April 1632 hatte Wallenstein mit fast unbegrenzten Vollmnachten erneut den Oberbefehl über die kaiserlichen Truppen - oder was davon noch übrig war - übernommen. Einer seiner ersten Aufgaben war die Befreiung Schlesiens und Böhmens von der schwedischen und sächsischen Besatzung. An diesen Kämpfen nahm auf kaiserlicher Seite Schaffgotsch als Oberst teil und er war es auch, den Wallenstein als militärischen Befehlshaber der kaiserlichen Teilstreitkräfte zur Sicherung Schlesiens zurückließ. Später wurde Schaffgotsch für seine Leistungen von Wallenstein zum General ernannt.

Nach der Schlacht bei Lützen 16. November 1632 schien Wallenstein auf dem Höhepunkt seiner Macht zu sein.

Offenbar hielt Wallenstein nun den Zeitpunkt für gekommen, den seit 14 Jahren wütenden Krieg, bei dem es nach seiner Erkenntnis keine militärischen Sieger geben konnte, durch Verhandlungen nach seinen Plänen zum Ende zu bringen. Der Kaiser und der Wiener Hofkriegsrat drängten ihn jedoch nach dem Tode Gustav Adolfs zu einer entgültigen Entscheidung auf dem Schlachtfeld. Wallenstein schob jodoch jede militärische Konfrontation hinaus, um - wie Gerüchte behaupteten - mit Schweden und Sachsen geheime Friedensverhandlungen zu führen. Wallenstein war von jeher einer der meistverleumdeten Machtmenschen seiner Zeit im damaligen Europa gewesen. Ein gefährliches Gerücht belastete ihn sehr bei Hofe: die Behauptung, daß ihm die Böhmen die Königskrone angetragen hätten. Diese Gerüchte waren - wie neuere Forschungen bestätigen - nicht aus der Luft gegriffen. Im September 1633 waren die Verbündeten der antihabsburgischen Koalition bei vorbereitenden Gesprächen für Verhandlungen mit Wallenstein bereit, bei einem Übertritt in ihr Lager die ihm von den böhmischen Exilanten angebotene Königskrone anzuerkennen.

Handfeste Beweise dafür gab es dafür bei Hofe nicht, aber die Gerüchteküche brodelte, und im Dezember 1633 spitzte sich das Verhältnis zwischen Wallenstein und dem Kaiser dramatisch zu. Anlaß war die Verweigerung eines kaiserlichen Befehls vom 14. Dezember 1633, das von den Schweden besetzte Regensburg zurückzuerobern.

Durch seine Agenten hatte Wallenstein schon seit längerer Zeit Kenntnis davon, daß ehrgeizige Offiziere aus seinem nächsten Umfeld ein doppeltes Spiel trieben. Zu auffällig verkehrten die Geheimkuriere zwischen den Garnisonsstädten und dem Hof in Wien. Wallenstein sah sich daher zum schnellen Handeln gezwungen. Am 12. Januar 1634 berief Wallenstein seine Obristen zum Kriegsrat nach Pilsen. Ohne große Umschweife eröffnete er ihnen, daß er nach Lage der Dinge die Absicht habe, als Oberbefehlshaber der Armee zurückzutreten. Seine endgültige Entscheidung machte er davon abhängig, ob die Generäle in einer offenen Abstimmung mehrheitlich und namentlich für oder gegen seinen Verbleib stimmen werden. Der Schock hatte Erfolg. Natürlich wußten die Obristen, daß sie nur mit einem erfolgreichen Oberfehlshaber Karriere und Beute machen und eventuell auch zu ihrem Sold kommen konnten. Seine Generäle bestürmten ihn, im Amt zu bleiben, doch Wallenstein akzeptierte nur, wenn alle Anwesenden eine schriftliche Erklärung unterschrieben. Am Morgen des 13. Januar 1634 unterzeichneten 47 Generäle das sogenannte erste Pilsener Revers. Der Herzog erhörte daraufhin die Bitten und das Flehen seiner Generäle und willigte ein, noch einige Zeit ihr Oberbefehlshaber zu bleiben. Angesichts solchen Großmuts unterschrieben die Offiziere, für ihn ihr Leben "... bis zum letzten aufgesparten Blutstropfen aufzusetzen...". Auch Schaffgotsch gehörte zu den Unterzeichnern. Unglücklicherweise hatte er sich von Trczka dazu überreden lassen, die schlesischen Regimenter für eine mögliche Kraftprobe mit dem Kaiser bereitzuhalten und Quartier für die erwartete Verstärkung Brandenburgischer Reiter zu schaffen. Die wichtigsten Orte in Schlesien wie Glatz, Neiße, Troppau und Glogau sollten für alle Fälle gesichert werden.

Die schriftliche Verabredung dieser Einzelheiten fiel den falschen Leuten in die Hände. Am 24. Februar 1634 ließ daraufhin der kaiserliche Feldmarschall Colloredo den Grafen Schaffgotsch gefangennehmen.

Der Kaiser erhielt umgehend Kenntnis von diesem Dokument und dem Pilsener Revers. Er deutete die Inhalte als Verrat am Hause Habsburg.

Auch die Gegner Wallensteins bei Hofe interpretierten den Inhalt der Pilsener Urkunde in der Form, daß der Feldherr seine Offiziere nicht auf den Kaiser, sondern auf seine Person schwören ließ. Ein Kaiser ohne Befehlsgewalt über die Armee käme einer Entmachtung gleich. Eine vom Kaiser einberufene Untersuchungskommission sollte die Frage beantworten, ob sich Wallenstein des Verrats und der Rebellion schuldig gemacht hatte. Die Kommission, die in ihrer Urteilsfindung von der spanischen Partei bei Hofe bestärkt wurde, fand die Befürchtungen des Kaisers bestätigt und sprach Wallenstein schuldig.

Ferdinand unterzeichnete daraufhin am 24. Januar 1634 ein geheimes Ächtungsdekret gegen Wallenstein und dessen Gefolgsleute Ilow und Trczka. In diesem Dekret wird zum vorläufigen Befehlshaber der Armee Wallensteins Stellvertreter Graf Gallas ernannt. Ihm wird die Aufgabe übertragen, den Herzog und seine beiden Mitverschworenen gefangenzunehmen und nach Wien zu bringen oder als überführte Schuldige zu töten.

Das Ziel, Wallenstein zu ermorden, war damals den Drahtziehern des Komplotts am Wiener Hof schon klar, nur der Weg, die Mittel und Methoden waren unklar. Nachdem der Versuch Piccolominis, Wallenstein in Pilsen gefangenzunehmen, durch die Flucht des Herzogs fehlgeschlagen war, bot sich Eger als die letzte Chance für die Attentäter an.

In der Nacht vom 25. zum 26. Februar 1634 werden die Vertrauten Wallensteins, Ilow, Trcka und Kinsky auf einem Bankett auf der Burg in Eger überfallen und ermordet.

Wallenstein selbst wurde in seinem Quartier durch Devereux, einen Hauptmann des Butlerschen Regiments, ermordet.

Die Meldung vom Tode Wallensteins erreichte Ferdinand am 2. März 1634. Der Kaiser ließ daraufhin scheinheilig für die Ermordeten 3.000 Seelenmessen lesen...

In Schlesien probten Wallensteintreue Offiziere den Aufstand. Mit Manifesten an die Stände Oberschlesiens versuchte ein Oberstleutnant Freiberger, ein Freund Schaffgotschs, Unterstützung für die protestantische Sache zu finden. Für die kaiserlichen Generale war Freiberger ein Warnzeichen; am 18. März wurde Troppau, die letzte schlesische Festung, die sich den Kaiserlichen widersetzt hatte, von General Götz eingenommen. Freiberger geriet in Gefangenschaft. Im Frühjahr 1635 wurden den inhaftierten Angeklagten Schaffgotsch, Losy, Sparr, Scherffenberg, Freiberger und Haimerl die Todesurteile ausgehändigt.

Auch die zweite Instanz fand die Urteile gerechtfertigt. Mit den Aussagen des Grafen Schaffgotsch über konspirative Verbindungen Wallensteins, insbesondere zu den Schweden, war die Kommission jedoch noch nicht zufrieden. In einer schriftlichen Anfrage an den Kaiser, in der auch der Name Slavatas auftaucht, wird empfohlen den bereits zum Tode verurteilten Graf Schaffgotsch noch vorher einer Folter zu unterziehen, da aus ihm bisher nicht die (erhofften) Wahrheiten zu erfahren seien. Der Höhepunkt der Menschenverachtung findet sich im Zusatz des Schreibens: die Folter könne ja umso unbesorgter über ihn verhängt werden, da Graf Schaffgotsch "für nichts anderes mehr als für ein Cadaver mortuum zu achten sey." Es gab für Schaffgotsch aber nichts zu gestehen, und so ließ man nach dreistündiger "scharfer Befragung", daß heißt nach dreistündiger sich ständig steigernder Qual von ihm ab...

Der Prozeß war eine Enttäuschung für die "Richter" und eine Farce; deshalb entschloß sich der Kaiser letztlich, die Angeklagten - bis auf eine Ausnahme - zu begnadigen. Ende 1635 wurden die Inhaftierten unter dem Versprechen entlassen, sich zukünftig tadelfrei zu betragen.

Aber einer mußte schließlich schuldig sein und Schaffgotsch besaß ein Riesenvermögen...

Graf Schaffgotsch wurde im Juli 1635 enthauptet. Den größten Teil seines umfangreichen Vermögens konfiszierte der Kaiser. Der Rest wurde anteilig unter seine Henker und die Mörder Wallensteins verteilt.



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