PAPPENHEIM, Graf Gottfried Heinrich zu

"Daran erkenn´ ich meine Pappenheimer". Mit diesem Zitat aus Schillers Drama "Wallenstein" (III.Akt, 15. Aufzug) wurde Graf Pappenheim zum Synonym für Zuverlässigkeit und Tapferkeit. Wallenstein , dessen Macht vorrangig auf der Gewalt über das Heer beruhte, wußte diesen Einfluß Pappenheims erst richtig nach dessen Tod bei Lützen zu schätzen. Pappenheim hatte eine ausgeprägte Zuneigung zu Wallenstein, und die Art, wie er ihn bewunderte und an ihm hing, begeisterte auch die Truppe.

Die Begeisterung seiner Truppe war nur natürlich, denn Pappenheim besaß die Attribute, die einen General seiner Zeit auszeichnen sollten: Persönlichkeit, Autorität, Orginalität und Mut.

Hätte aber Schiller in seinem Drama auch den kaiserlichen Feldherrn Tilly   zu Wort kommen lassen, wären für dessen Urteil über Pappenheim sicher die Worten zitiert worden, die Tilly vor der (von Pappenheim provozierten) Schlacht gegen die Schweden bei Breitenfeld 1631 äußerte: "Dieser Kerl wird mich um meine Ehre und meinen guten Ruf bringen und den Kaiser um sein Land und Volk."

Pappenheim, der bis 1631 unter Tilly diente, hielt den in die Jahre gekommenen kaiserlichen Feldherrn, der bis dahin noch keine Schlacht verloren hatte, für unfähig, ja für senil und machte auch gegenüber Dritten keinen Hehl daraus. Pappenheims zweifellos vorhandenes taktisches Geschick, sein sprichwörtlicher Mut und sein soldatisches Glück veranlaßten ihn zu oft, ohne Zustimmung seines Vorgesetzten Angriffe zu unternehmen, die strategisch gesehen, große Fehler waren.

Pappenheim besaß niemals Wirklichkeitssinn. Für einen Oberbefehl fehlte ihm die nötige Geduld und die Gabe, die Gesamtsituation objektiv zu erfassen. Andererseits hatte er auch nicht das Zeug für eine untergeordnete Stellung. Er war rücksichtslos gegen die Mannschaft, anmaßend und arrogant; - aber er war auch der Abgott seiner Soldaten: der erste beim Angriff und der letzte beim Rückzug. Um seinen unglaublichen Mut rankten sich Legenden. Seine hundert Narben, deren er sich rühmte und das Muttermal, das zwei gekreuzten Schwertern glich, bestätigten die Soldaten in ihrer Meinung. Sein Sebstbewußtsein wurde außerdem durch eine Weissagung seiner Familie bestärkt, daß ein Sprößling des Hauses einen einfallenden König töten und das Vaterland retten werde.

Er stammte aus dem Geschlecht der Calatine, die sich bereits bei den Kreuzzügen hervortaten.

Pappenheim genoß eine gründliche Schulbildung und hatte ausreichend Erfahrungen durch Reisen gesammelt, als er 20jährig als Reichshofrat in den Dienst des Kaisers Matthias trat. Zuvor trat er, wie sein Stiefvater, Adam von Herberstorff , zum katholischen Glauben über.

Eine Tätigkeit im Dunstkreis kaiserlicher Bürokratie entsprach aber weder seinem Temperament noch seiner vorausgesagten Bestimmung. Folgerichtig findet man Pappenheim nach einem kurzen Kriegsdienst in Polen, 1620 im Heer der katholischen Liga des Herzogs Maximilian von Bayern unter dem Oberbefehl Tillys wieder.

In der Schlacht am weißen Berge, im Kampf gegen das böhmische Heer des "Winterkönigs" Friedrich von der Pfalz, wird er seinem eigenen Anspruch gerecht. Mit nachgesagten 20 Hieb- und Stichwunden wird er auf dem Schlachtfeld gefunden. Kaum genesen, schließt er sich erneut Tilly an. Gemeinsam verfolgen sie Mansfeld, den einzigen ersthaften militärischen Gegner dieser Zeit, bis in die Unterpfalz. Dieses Unternehmen muß für Pappenheim ein voller Erfolg gewesen sein, denn auf dem Reichstag zu Regensburg 1623, auf dem u.a. Herzog Maximilian von Bayern die von ihm langersehnte Kurfürstenwürde als Nachfolger des inzwischen geächteten Friedrichs von der Pfalz übertragen bekam und Tilly in den Grafenstand erhoben wurde, erhielt Pappenheim vom Kaiser persönlich den Ritterschlag und ein Regiment Kürassiere, - die unter ihm bekannt gewordenen Pappenheimer.

1625 war Pappenheim mit einem Hilfscorps auf dem Wege nach Italien. Der Kaiser unterstützte mit diesem Corps die Spanier im Kampf gegen Genua und die Franzosen. Auch dabei fiel Pappenheim, der unter dem Herzog von Feria kämpfte, durch seine Tapferkeit auf. Der Nachweis seiner Tapferkeit fand aber im Frühjahr 1626 durch einen Friedensschluß sein vorübergehendes Ende.

In der Zwischenzeit hatte der Stiefvater Pappenheims, Graf Adam von Herberstorff unerwartet Schwierigkeiten mit aufständischen österreichischen Bauern bekommen. Herberstorff war von Maximilian zum Statthalter in Österreich eingesetzt worden. Der sittliche und wirtschaftliche Niedergang der Bauernschaft als Folge der Kriegseinwirkungen fand auch unter dem Eindruck des als Ausländer empfundenen Statthalters ein Ventil im Aufstand am 17. Mai 1626 bei Haibach.

Herberstorff war nicht rücksichtlos genug, danach die nach Linz ziehenden 16.000 Mann militärisch zu besiegen, noch fehlte es ihm an Gespür, sie zu versöhnen. Die Folge davon war, daß die Bauern in kürzester Zeit 60.000 Mann unter Waffen hatten und auch genügend Kanonen besaßen. Herberstorff wurde am 24. Juni in Linz von den Bauern eingeschlossen. Kampf der Bauern gegen marodierende Ritter Zwischenzeitliche Erfolge kaiserlicher Truppen und deren barbarische Rache an den Bauern ließen den Aufstand ständig neu aufflammen.

Pappenheim wurde von Ferdinand II. und dem Baxerischen Herzog Maximilian zum Entsatz der kaiserlichen Truppen beordert, die am 10. Oktober 1626 in der Schlacht bei Wels von den Bauern geschlagen worden waren.

Pappeneim war mit seinen bayrischen Elitetruppen dem Bauernheer zahlenmäßig unterlegen, seine geschickte, überlegene Strategie zersprengte jedoch das Heer der Bauern. Das Hauptheer der Bauern wurde bei Gmünden vernichtend geschlagen, die Reste verfolgt und bei Vöcklabrück und Wolfsegg endgültig besiegt. So einfach wie sich der Ablauf hier darstellt, waren die Bauern allerdings nicht zu besiegen. Pappenheim selbst schildert einen typischen Zusammenstoß zwischen einem Söldnerheer und einem Bauernhaufen: Vor der Schlacht bei Eferding am 9. November 1626 sangen sie im Emlinger Holz gut verschanzt, Psalme. So im feierlichen Gesang gestärkt, stürmten die Bauern aus dem Gehölz und riefen die Söldner Pappenheims "in Furia" zur Schlacht: "Komm her, Du Pappenheim!" Die "unglaubige Kühnheit", mit der sich die Bauern auf ihre Feinde, darunter die schwerbewaffneten "Eisenreiter" und die Geschützbedienung warfen, flößte den Söldnern Grausen ein. Sie meinten nicht anders, als daß die Bauern "schußfrei", d.h. kugelfest "unnd den harten Felsen gleich" seien.

Pappenheim gesteht, daß es ihm "nur mit flehentlichen Bitten und schrecklischen Drohungen" gelungen sei, die Soldaten erneut gegen die Bauern zu treiben. Diese wagten sich "bißweilen 8 oder 10 under eine ganzte Company" (etwa 80 bis 100 Mann), haben "grossen Schaden gethan/viel Pferd und Leuth verwundet...!" [16]

In der Pfarrkirche in Gmünden steht eine vergoldete Statue des heiligen Georg als Dankopfer für den Sieg; - im folgenden Frühjahr wurden 20 Rebellenführer in Linz hingerichtet. Diese Statue, sein Degen am Hochaltar dieser Kirche und die Trauerlieder der Bauern ließen Pappenheim in der Gegend des Höllengebirges und des Salzkammergutes lange Zeit unvergessen bleiben.

Bauern werden niedergemetzelt Eine weitere Facette im Charakter dieser schillernden Persönlichkeit zeigt sein Verhalten bei der Belagerung Wolfenbüttels: Nach der Niederschlagung der aufständischen Bauern in Österreich zog es Pappenheim nach Norden. Dort kämpften inzwischen Tilly und Wallenstein erfolgreich gegen den dänischen König. Ihnen schloß sich Pappenheim an, und mit 12.000 Mann Tillyscher Truppen rückte er im September 1627 vor Wolfenbüttel. Zwischen den Kämpfen um die Festung traf sich Pappenheim mit den Verteidigern, zechte mit ihnen und bestätigte, daß sie tapfere Feinde sind, mit denen man gut und gerne über ritterliche Taten diskutieren könne. Er konnte deren Taten nur 2 Monate rühmen, denn am 9. Dezember 1627 ergab sich Wolfenbüttel. Ein Grund mehr, sich nach einem neuen ritterlichen Freund umzusehen; - er fand ihn im Herzog von Friedland! Gemeinsam belagerten sie Magdeburg   und führten Verhandlungen über deren Übergabe. (Wallenstein war auf dem Gipfel seiner Macht und Herr des ganzen nördlichen Deutschlands - außer Magdeburg und Stralsund. Auf Empfehlung Wallensteins wurde Graf Pappenheim zum Feldmarschall ernannt.

Die ein Jahr später erfolgte Absetzung Wallensteins auf dem Reichstag zu Regensburg führte wieder Pappenheim und Tilly zusammen. Die persönlichen Vorurteile dieser beiden gegensätzlichen Charaktere wurden zunächst dadurch verdeckt, daß Pappenheim der Raum Unterelbe zum Operationsfeld zugewiesen wurde und er in dieser Zeit Ratzeburg eroberte und den Herzog von Lauenburg gefangennahm. Danach vereinigte er sich mit Tilly zur Belagerung Magdeburgs. Tillys Heer war zu diesem Zeitpunkt in einem außerordentlich schlechten Zustand. Die Versorgung des kaiserlichen Heeres durch Wallenstein aus Friedland erfolgte nur in dem Maße, wie bar bezahlt wurde. Eine Einquartierung der Truppen in Mecklenburg sabotierten Wallensteins Beamte auf dessen Geheiß nach Kräften. Aus gutem Grund, denn Wallenstein war seit kurzem Herzog von Mecklenburg geworden, und hatte keine Interesse an der Zerstörung seiner neuen Ressorcen durch ausgehungerte kaiserliche Soldateska. Tillys Soldaten liefen daraufhin zu Arnims neuen Heer über, ihre Pferde verendeten. Wallenstein wollte und Ferdinand konnte Tilly nicht helfen. In dieser verzweifelten Lage drängte Pappenheim auf einen Sturm Magdeburgs. Magdeburg war einer der strategisch wichtigen Punkte in der militärischen Planung Gustav Adolfs und - so nahm Pappenheim sicher zu Recht an - mit Vorräten gut versorgt.

Diese Annahme traf allerdings nicht auf die Verteidiger Magdeburgs zu.

Zur Organisation der Verteidigung Magdeburgs wurde von Gustav Adolf der Hesse Dietrich von Falkenberg beauftragt. Das Heer des schwedischen Königs war jedoch noch weit entfernt und die Bevölkerung Magdeburgs wollte nicht als Märtyrter sterben; die Bürgerschaft stritt sich in Fraktionen über ihre Ziele. Im Ergebnis dessen hatte Falkenberg ständig Schwierigkeiten, die notwendigen Vorräte von der Bevölkerung zu bekommen. Die hungrige Reiterei meuterte, und er schrieb an den König: "Hier geht es sinnlos zu. Wir leben von einem Tag auf den anderen."

Vor den Stadtmauern stand ein erschöpftes katholisches Heer, das verzweifelt versuchte, Magdeburg zu erstürmen.Tilly und Pappenheim waren sich darüber im klaren: falls Magdeburg nicht erobert wird, wird das eigene Heer durch die heranrückenden Schweden vernichtet.

Am 20. Mai 1631, an einem windigen Morgen zwischen sechs und sieben Uhr hatte Pappenheim seinen Truppen den Befehl zum erneuten Angriff gegeben. Der Befehl wurde ohne Kenntnis Tillys erteilt, denn Pappenheim fürchtete dessen Zögern. Pappenheim hatte einen günstigen Zeitpunkt gewählt: die Verteidiger wurden überrascht, und nach starker Gegenwehr, bei der Falkenberg fiel, brachen die Angreifer auf zwei Seiten durch. Magdeburg war gefallen.

Naturgemäß ranken sich um solche Situationen Legenden und Geschichten. Einige behaupten, Pappenheim hätte als Erster den Wall an der hohen Pforte erklommen und das Stadttor geöffnet. Anschließend ließ er Feuer legen, um Verwirrung unter den Feinden zu verbreiten. Andere Quellen unterstellen Falkenberg das Feuer geplant und die Ausführung einigen verläßlichen Bürgern, Soldaten und Fanatikern seiner Partei überlassen zu haben, um Tillys Beute und sein Heer im Augenblick des Sieges zu vernichten. Da für diese Vorgänge bislang keine Beweise vorgebracht werden konnten - bleiben sie Legenden. Keine Legende, sondern traurige Tatsache ist: von den 30.000 Einwohnern Magdeburgs waren ungefähr 5.000 am Leben geblieben. Meistens Frauen, die sich die Soldaten als erstes sicherten und ins Lager schleppten. Bei 25.000 Toten ist es unerheblich, wer eventuelle Heldentat vollbracht oder welchen Brand gelegt hat. Ganz Europa war vor Schrecken wie gelähmt. Auf Jahre hinaus wurden kaiserliche Soldaten, die nach verlorener Schlacht um Pardon baten, mit den Worten "Magdeburger Pardon" niedergeschossen.

Auch auf Tilly und Pappenheim lastete der Fluch Magdeburgs; der Glücksstern der beiden so ungleichen Persönlichkeiten sank. Pappenheims Tapferkeit der früheren Jahre verlor in der Asche Magdeburgs seinen Glanz. Schon im Juni 1631 erlitt Pappenheim im Kampf gegen die Schweden die ersten Verluste.

Der bekannt schlechte Zustand des kaiserlichen Heeres entwickelte sich durch die Vernichtung der Vorräte in Magdeburg zur Katastrophe. Tilly wurde durch Gustav Adolf aus seinem befestigten Lager bei Werben herausgedrängt und fand auch im Erzstift Magdeburg keine Nahrung. Der Einfall in Kursachsen war für ihn die einzig mögliche Lösung, um zu überleben. Die Truppen Pappenheims und Tillys entwickelten bei der Eroberung und Plünderung der sächsischen Gebiete einen selten gezeigten Eifer. Pappenheim nahm im September 1631 die reiche Stadt Merseburg beim ersten Angriff. Am 6. September waren sie schon auf dem Weg nach Leipzig, wobei sie das umliegende Land verwüsteten. Ihr Vormarsch wurde nicht durch taktische Zwänge diktiert, sondern durch das Gewicht der mitgeschleppten Beute. Leipzig wurde am 14. September 1631 erobert. Die Soldaten machten ungeheure Beute. Vierzig Kilometer nördlich von Leipzig vereinigten sich indessen die Heere des Schwedenkönigs und die des Kurfürsten von Sachsen und zogen südwärts.

Pappenheim verließ am 16. September das Lager mit einem Kundschaftertrupp. Bisher unbesiegt, provozierte er Tilly, die Schlacht bei Breitenfeld   anzunehmen. Gustav Adolf hatte nicht nur ein diszipliniertes, hochmotiviertes Heer, er hatte auch eine neue Schlachtordnung. Obwohl die kurfürstlichen sächsischen Truppen den anstürmenden kaiserlichen keinen langen Widerstand entgegensetzten (der Kurfürst floh als erster), siegte Gustav Adolf total. Tilly und Pappenheim verloren 20 Kanonen, 12.000 Mann als Tote und 7.000 Gefangene. Tilly mit Hals- und Brustwunden und zerschmetterten rechten Arm, zog sich nach Halle zurück. Pappenheim bleibt allein zurück, um die Reste des Heeres zu sammeln. Mit 4 Regimentern glückte ihm der Rückzug nach Leipzig. Es ist typisch für Pappenheim, daß er persönlich den ganzen schwerden Rückzugskampf organisierte und kommandierte. Er soll sogar von 14 schwedischen Soldaten umzingelt gewesen sein und sich doch herausgehauen haben. Pappenheim begleitete den verwundeten Tilly bis Fritzlar, wo beide sich mit den Heeresteilen des Aldringer und Fugger vereinigten. Auf diesem Rückzug kam die Liga um ihren Kriegsschatz...

In dieser für das kaiserliche Heer kritischen Zeit ging Maximilian ein Geheimabkommen mit Frankreich ein. Frankreich verpflichtete sich darin, Maximilian als Kurfürsten anzuerkennen und im Fall eines Angriffs beizustehen. Maximilian seinerseits verpflichtete sich, den "Feinden Frankreichs keine Hilfe zu gewähren." Gustav Adolf war zu jener Zeit aber mit Frankreich befreundet. Die Konsequenzen dieser unbegreiflichen Diplomatie trafen den loyalen Tilly. Als Oberbefehlshaber des kaiserlichen Heeres hatte er die klare Aufgabe, den König von Schweden aufzuhalten.

Als Feldherr der katholischen Liga unterstand er auch Maximilian; von dem war ihm aber klargemacht worden, daß er jede offene Konfrontation mit Gustav Adolf, einem Freund eines Freundes (also Frankreich), vermeiden muß. Pappenheim machte alle wenig rühmliche von Maximilian diktierten Züge zwischen Nürnberg und Nördlingen mit. Das war genau die Situation, die einem Mann vom Format Pappenheims zur Opposition trieb. Pappenheim bezichtigte Tilly offen, Bayern zuliebe das ganze deutsche Reich preiszugeben. Tilly wiederum wiederholte nun täglich, daß Pappenheim ihn um Ehre und Ruhm gebracht hätte und an den Verlusten der Breitenfelder Schlacht schuld sei. Pappenheim, wuntentbrannt und voll verächtlicher Entrüstung beschuldigt seinerseits den Feldherrn strafbarer Unentschlossenheit. Bei erster Gelegenheit schrieb er an Wallenstein: "Es fällt mir zwar die Last bei dieser Confusion sehr schwer allein zu ertragen ..." und bittet ihn, sich "... dieses Krieges...anzunehmen und das Werk mit Gewalt..." fortzusetzen.

Die Überreste des kaiserlichen Heeres trennten sich. Pappenheim zog nach Westphalen und an die Weser, um den Vormarsch der Hilfstruppen des Schwedenkönigs längs der Nordseeküste zum Stillstand zu bringen; - auf eigene Faust! Wie Pappenheim sich diesen Sonderstatus erzwang, ist nicht nachzuweisen. Zunächst zog er mit seinen Kürassieren nach Köln, um schließlich im Dezember 1631 das von den Schweden belagerte Magdeburg zu unterstützen. Es gelang ihm mit viel List, den schwedischen Heerführer Baner soweit abzulenken, daß er in die Stadt kam. Kaum hatte er sich in der Stadt, die ihm seinen Ruf gekostet hatte, etabliert, mußte er sie auch wieder verlassen, um die sich abzeichnende Gefahr für Wolfenbüttel abzuwenden. Er begann nun, im Rücken des in Süddeutschland siegreichen Gustav Adolf die Nachschublinien der Schweden zu attackieren. Nacheinander griff er den Herzog Georg von Lüneburg, die schwedischen Generäle Tott, Baner und den Herzog Wilhelm von Weimar an. Das Konkurrenzverhalten dieser Generäle ermöglichte es Pappenheim, sich bis an die Weser und bis nach Stade vorzuwagen und anschließend Hessen zu verwüsten.

Pappenheims Name hatte inzwischen auch außerhalb Deutschlands einen guten (militärischen) Ruf. 1632 rief ihn die Statthalterin Infantin Isabella in die Niederlande. Sie bat ihn für zwei Monate um Hilfe beim Entsatz von Maastrich. Die Stadt - noch in spanischer Hand - wurde vom Prinzen von Oranien belagert. Zwei spanische Heere unter Cordova und Santa Coove konnten den Belagerungsring nicht durchbrechen. Eine so ehrenvolle Berufung war für eine Persönlichkeit, wie Pappenheim zu verlockend. Er überließ dem General Gronsfeld die Kriegsführung in Niedersachsen, Hessen und Westphalen und stand im August 1632 vor Maastrich. Die 24.000 holländischen Belagerer hatten sich sehr gut verschanzt und Pappenheim, der nie lange zögerte, ging davon aus, daß Teile der 16.000 Spanier ihm bei seinem Sturm auf die Holländer unterstützen werden. Pappenheim griff am frühen Morgen an. Um 19.00 Uhr hatte er 2.000 Mann und einen seiner besten Offiziere, Thiman von Lintelo verloren. Die Spanier sahen spöttelnd seinem Angriff zu, ohne ihn zu unterstützen. Der Marchise von Santa Croce ließ sich selbst beim Kartenspiel nicht stören, als Pappenheim ihn um Unterstützung ersuchte. Pappenheim mit dem ihm eigenen Sendungsbewußtsein und Sinn für Ruhm und Ritterlichkeit (wie er sie verstand) zog tief gekränkt ab. Sein Rückzug war gekennzeichnet durch raubende und brennende Soldateska, die selbst die eigenen Glaubensbrüder nicht verschonte.

In Deutschland angekommen, erwarteten ihn nicht nur Vorwürfe, sondern das Kriegsgericht. Gegenstand der Anklage war erwartungsgemäß sein eigenmächtiger Zug nach Maastrich. Bevor es aber zur Verhandlung kam, vereinigte sich Pappenheim mit General Gronsfeld und Merode und zog mit 2.000 Mann gegen das nur 5.000 Mann zählende Corps des schwedischen Generals Baudissin. Die in Norddeutschland operierenden schwedischen Generäle hatten keinen Oberbefehlshaber und ein ungestilltes Bedürfnis, sich selbst zu profilieren. Demzufolge mußte Baudussin - auf sich allein gestellt - aus Höxter weichen. Pappenheim rückte bei Poll über die Weser. Die Befreiung der belagerten Festung Wolfenbüttel und die Einnahme von Hildesheim führten zur Einstellung der Anklage vor dem Kriegsgericht. Sein nächstes Ziel war die Belagerung von Pattensen bei Hannover, als ihn die wiederholten Befehle Wallensteins zur Unterstützung seines Hauptheeres bei Lützen riefen. Mit 8 000 Mann brach Pappenheim nach Sachsen auf. Sein Weg nach Lützen war gezeichnet von Verwüstungen und Zerstörungen. Am 4.November 1632 stieß er in der Ebene zwischen Merseburg und Leipzig zu Wallenstein.

In der Gegend um Lützen, zwischen Naumburg und Leipzig standen sich die Heere Gustav Adolfs und Wallensteins gegenüber.

Wallenstein, Horn, Pappenheim und die kommandierenden Generäle der Kaiserlichen hielten Kriegsrat. Sie kamen zu dem Schluß, daß das schwedische Heer in der rauhen Jahreszeit keine entscheidende Schlacht wagen werde. Diese Annahme ist insofern logisch, wenn man die Situation der beiden Heere vergleicht: Gustav Adolf konnte nicht mehr als 16.000 Mann aufbieten, seine Reiterei war geschwächt. Auf dem Marsch waren 4.000 Pferde verendet. Mit der Unterstützung des sächsischen Kurfürsten Johann Georg konnte er nicht rechnen. Wallensteins Heer bestand aus

26.000 Soldaten. Unter diesen Voraussetzungen befahl Wallenstein, daß Pappenheim zunächst die Stadt Halle erobern sollte, um dann der von den Holländern bedrängten Stadt Köln zu Hilfe zu eilen. Von dieser Entscheidung Wallensteins bekamen die Schweden durch die Aussagen gefangener Kroaten Kenntnis. Während Pappenheims Truppen in Halle plünderten, überraschte Gustav Adolf die Kaiserlichen am Nachmittag des 15. November mit dem Aufmarsch seines Heeres bei Lützen. Ein eiligst nach Halle entsandter Kundschafter übergab Pappenheim den Befehl zum sofortigen Rückzug nach Lützen mit folgendem Inhalt:

Der Brief Wallensteins
an Pappenheim

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"Der feindt marchirt hereinwarths, der herr lasse
alles stehn undt liegen undt incaminire sich
herzu mitt allem volck undt stücken auf das
er morgen früe bey uns sich befünden kann,
ich aber verbleibe hiemitt des herrn dienstwilliger
A.h.z.F. (Albrecht Herzog zu Friedland)
Lützen, den 15. Novemb. Anno 1632.


Er ist schon an dem pas wo gestern der lastweg gewest ist."




Dieser Brief ist heute noch im Militärhistorischen Museum in Wien ausgestellt; - mit dem Blute des gefallenen Pappenheims getränkt.

Soweit man plündernden Soldaten des 30jährigen Krieges Befehle erteilen konnte, - Pappenheim gelang es mit 8.000 Kürassieren Wallenstein zu Hilfe zu eilen. (Andere Quellen sprechen von nur 3.000, was wahrscheinlicher ist.)

Er traf gegen 13.00 Uhr auf dem Schlachtfeld ein; - etwa zu der Zeit, in der Gustav Adolf fiel.

Der zweite Abschnitt der Schlacht begann mit noch stärkerer Intensität und Verbissenheit als die erste Hälfte der Auseinandersetzung.

Gegen 14.00 Uhr wurde Pappenheim von einer Drahtkugel getroffen, die ihm die ganze Seite aufriß. (Andere Quellen behaupten, Pappenheim erhielt einen Lungenschuß, an dem er auf dem Wege nach Leipzig erstickte.)

Sein Trompeter schleppte ihn aus dem Gewühl der Schlacht. Als seine Kürassiere den verwundeten Pappenheim erblickten, wendeten sie die Pferde. Verdiente Offiziere, wie Oberst Bönninghausen, Oberstleutnant Hofkirch und all die anderen demonstrierten mit ihrer Flucht, welchen ungeheuren Einfluß eine Persönlichkeit, wie Pappenheim auf die Kampfmoral der Truppe gehabt haben muß.

Pappenheim wurde nach Leipzig gebracht und starb am 17.November 1632 in der Pleißenburg in Leipzig an den Folgen seiner Verletzungen. Er empfahl vorher seine Witwe und seine Kinder der Fürsorge Wallensteins. (Von einem Familienleben des Grafen Pappenheims ist nur wenig bekannt. Zum Beispiel soviel, daß er einen Sohn besaß, der 29jährig in einem Duell mit General Freiherr von der Golz gefallen war.)

Wallenstein ließ für Pappenheim in Prag eine eindrucksvolle Totenfeier halten. Sein Leichnam wurde im Stift am Stralow beigesetzt. - Dort begrub man 1647 auch seinen Sohn.

(Übrigens ist die imposante Stammburg der Grafen von Pappenheim in Bayern heute eine Ruine, in deren Mauern jedes Jahr Ende Juni historische Burgfeste und Ritterspiele gefeiert werden.)

Weitere Informationen zum Geschlecht derer von Pappenheim finden Sie unter www.burgpappenheim.de .


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