MAXIMILIAN I.

Bevor die wichtigsten historischen Daten einer der herausragenden Persönlichkeit der deutschen Geschichte jener Zeit, und ihre Einflußnahme auf Politik, Wirtschaft, Religion und Kultur definiert und erläutert werden, wird zunächst die historische Bewertung der Person des bayerischen Kurfürsten, des Menschen Maximilian vorangestellt.

C.V. Wedgwood [1] hat ein außergewöhnliches Talent, wie es wahrscheinlich nur englischen Historikern vorbehalten ist, historische Persönlichkeiten in ihren Werken zum völlig normalen Menschen zu entkleiden. Plötzlich und im Nebensatz wird aus der geschichtlich hochgejubelten Person ein Mensch mit einem Buckel, Pickeln, Geiz, verklemmten Idealen und hausbackenen Ansichten.

Sie soll hier auszugsweise zitiert werden. Dem Betrachter erschließt sich dadurch eine andere Art der Bewertung der politischen und persönlichen Handlungen Maximilians und eine neue Sicht der Reaktionen seiner Vertragspartner oder Gegner. Es ist reizvoll, nach genauer Kenntnis der Charaktere, persönlichen Vorurteile und Verhaltensweisen, z.B. der beiden bestimmenden Persönlichkeiten des 30jährigen Krieges, Wallenstein und Maximilian, die Geschichte neu zu überdenken.

"Weder seine Politik noch seine persönlichen Eigenschaften machten Maximilian anziehend. Die Natur hatte seine Erscheinung besonders stiefmütterlich bedacht; er war schmächtig, mager und klein, hatte mausfarbene Haare und ein fettiges Gesicht, und seine Sprechweise und seine Gesichtszüge ließen erkennen, daß er an adenoiden Wucherungen litt. Seine Umgangsformen waren glatt, seine Konversation war fließend und wohlunterrichtet, aber seine schrille Stimme erschreckte jeden, der darauf nicht gefaßt war. Seiner Gemahlin, einer lothringischen Prinzessin zu Ehren huldigte er der französischen Mode, deren elegante Schöpfungen jedoch seine körperlichen Mängel kaum verdeckt haben können."

"Obwohl Maximilian von Bayern kein Kurfürst war, genoß er von allen deutschen Fürsten im Ausland das größte Ansehen. Ein weitläufiger Vetter des Kurfürsten von der Pfalz, entstammte er der Familie der Wittelsbacher, deren Ansehen in einigen Teilen Deutschlands das der weniger alten Familie der Habsburger übertraf. Nach der Meinung seiner Zeitgenossen war er der fähigste Fürst Deutschlands; ein unerschöpflich erfinderischer Mann von ebensoviel Geduld wie Berechnung, hatte er seit der Abdankung seines Vaters in Bayern über zwanzig Jahre regiert und war ... mit 41 Jahren, einer der erfolgreichsten und am wenigsten anziehenden Fürsten Europas. Durch gutes Wirtschaften hatte er in seinen Geldtruhen so große Reserven aufgespeichert, daß er nicht nur die bayrischen Stände beherrschte, wenn er geruhte, sie zusammentreten zu lassen, sondern auch gewohnt war, die finanzielle Hauptlast auf sich zu nehmen und die gemeinsame Politik zu diktieren, wenn er sich mit einem andern Herrscher verbündete.

Von einer kühlen Güte, peinlich genau und unbeugsam moralisch,nahm Maximilian das schwierige Amt des Regierens nicht leicht. Er ließ Spitäler bauen, organisierte die öffentliche Wohlfahrtspflege, förderte die Erziehung und die Künste und flößte seinen Untertanen jenes Gefühl der Sicherheit ein, das von einer stabilen und zahlungsfähigen Regierung ausgelöst wird. Aber auf Ehebruch setzte er die Todesstrafe, verhandelte alljährlich einige Verbrecher an die Galeeren und wohnte Hexenprozessen bei, die sich zum Verhör der Folter bedienten. Er unterhielt ein stehendes Heer und hatte die militärische Dienstpflicht im ganzen Land eingeführt. Selbst in die privatesten Angelegenheiten seiner Untertanen griff er ein: Niemand, nicht einmal ein Adeliger, durfte unter 55 Jahren eine Kutsche besitzen, damit die Zucht seiner Reitpferde und die reiterliche Eignung seiner Untertanen nicht beeinträchtigt wurden. Innerhalb dreier Jahre verordnete er sieben Bekleidungseinschränkungen, damit die Kleidung seiner Untertanen nicht nur anständiger, sondern auch für den Kriegsdienst geeigneter blieb. Es gab keinen Schlupfwinkel, aus dem er nicht ein Verbrechen an den Tag bringen konnte. Aus Empörung über die Sittenlosigkeit unter den Bauern verbot er ihnen das Tanzen und bestand darauf, daß männliche und weibliche Arbeiter nicht unter einem Dach schliefen. Es scheint ihm nicht eingefallen zu sein, daß die Armen wenig Vergnügen haben und nicht immer für ihre Lebensbedingungen verantwortlich sind. Seine Knauserigkeit war in Europa sprichtwörtlich. So ließ er das Jahresgeld für seinen alten Vater herabsetzen, da es ihm für einen nicht länger regierenden Fürsten viel zu hoch erschien, zahlte seine Diener zwar regelmäßig, aber kärglich, und herrschte über seinen Hofstaat, indem er Unterwürfigkeit und Angst erweckte.

Begabter und politisch erfolgreicher als
(der Kurfürst von Sachsen,) Johann Georg, besaß Maximilian aber nicht die zähe Ehrlichkeit, die bei dem Kurfürsten von Sachsen so vieles aufwog. Seine übertriebene Behutsamkeit hielt ihn von Bindungen ab, wodurch er bei allen, die ihm schmeichelten, falsche Hoffnungen erweckte. Wie Johann Georg war er aufrichtig um das Gemeinwohl Deutschlands bemüht, hatte aber mehr politischen Klarblick und ein richtigeres Urteil. Bei ihm war es weniger zu entschuldigen, wenn er wie Johann Georg seinen persönlichen Vorteil obenan stellte. In dieser Hinsicht haben beide ihre Länder im Stich gelassen, aber Maximilian stets mit einem unverblümteren Egoismus. Niemals lag einem Manne mehr daran, daß andere das Errungene dem allgemeinen Wohl zum Opfer brächten, und niemals wachte ein Mann eifersüchtiger und verhängnisvoller über das von ihm Erreichte.

Durch Heirat war Maximilian mit Erzherzog Ferdinand doppelt verwandt (seine Tante war Ferdinands Mutter, seine Schwester Ferdinands erste Frau); er hatte seine Regierung als eifriger Anhänger der Gegenreformation begonnen, und es hieß, daß in ganz Deutschland seine Länder am freiesten von Ketzerei seien. Im Jahre 1608 war er zur Vollstreckung des über Donauwörth verhängten Urteils auserwählt worden. Durch die ungesäumte Übernahme dieser Aufgabe wollte er zeigen, daß er der kaiserlichen Gewalt unwiderruflich zur Seite stand. So unbeliebt wurde er bei den Verfechtern der "deutschen Libertät", daß er die katholische Liga fast zum Selbstschutz als Antwort auf Christians von Anhalt protestantische Union gründete.

Später, als die Einmischung Spaniens in Deutschland ihn mit mehr Besorgnis erfüllte, änderte er seine Politik. Zuerst versuchte er, alle habsburgischen Fürsten aus der katholischen Liga zu verdrängen. Dann löste er sie ganz und gar auf und gründete eine neue Liga, die nur aus ihm ergebenen Fürsten bestand. In einem Schreiben an den Kurfürsten von der Pfalz stellte er die Liga als eine rein politische Vereinigung zur Wahrung der Verfassung hin und regte ihre Verschmelzung mit der protestantischen Union in einen Bund ohne konfessionellen Charakter an. Der Vorschlag war damals nicht so lächerlich, wie die spätere Geschichte dieser zwei Körperschaften ihn erscheinen läßt, und es besteht kein Grund, an dem Ernst von Maximilians Absicht zu zweifeln.

Sowohl Katholiken als auch Protestanten munkelten von einem Plan, bei der nächsten Kaiserwahl Maximilian als Gegenkandidaten gegen Ferdinand aufzustellen. Eine solche Ehrung stand mit seinem Ansehen im Einklang; auch war er frei von gefährlichen ausländischen Verpflichtungen. Außerhalb Bayerns hatte er keine besondere Feindseligkeit gegen die Protestanten gezeigt, und gegen den Kurfürsten von der Pfalz war er immer außerordentlich freundlich. Dies würde ihm die Gefolgschaft der drei protestantischen Kurfürsten verschaffen; was die drei rheinischen Bischöfe betraf, so war der von Köln sein leiblicher Bruder, der von Mainz konnte durch den Kurfürsten von der Pfalz eingeschüchtert werden, und der von Trier stand unter dem Einfluß des französichen Hofes. So würden alle, mit Ausnahme des Königs von Böhmen, ihm günstig gesinnt sein. ....

Er hatte die Wahl, aber seine Vorsicht überwog seine Urteilskraft; es mangelte ihm an der ungehemmten, wenn auch nicht blinden Kühnheit, die weiß, wann und wofür ein Wagnis unternommen werden muß.

Maximilian I. war der Sohn des Herzogs Wilhelm V. von Bayern und dessen Gemahlin Renata von Lothringen. Er wurde am 17. April 1573 in Landshut geboren. Maximilian erhielt eine ausgezeichnete Erziehung. Sein Lehrer war in jungen Jahren Petrejus; von 1587 bis 1592 studierte er mit seinem späteren Schwager und Kaiser, Ferdinand II. , an der Universität Ingolstadt. Die Beziehungen wurden vertieft durch Besuche am kaiserlichen Hofe.
Reisen nach Italien brachten ihn unter den Einfluß der Jesuiten.

1596 übernahm er von seinem Vater die Regentschaft; Herzog Wilhelm zog sich in ein Kloster zurück.

Sein erster Auftrag für Kaiser und Kirche war zugleich eine Verletzung der Reichsgesetze. In der reichsunmittelbaren Stadt Donauwörth war es von Seiten der evangelischen Bevölkerungsteile zu Exzessen gegen die wenigen Katholiken dieses Ortes gekommen.
Die Stadt wurde daraufhin vom Kaiser mit dem Bann belegt, und Maximilian übernahm die Aufgabe der Bestrafung der Schuldigen.

Der Umstand, daß der Kaiser eine derartige Bestrafungsaktion überhaupt anordnen konnte, deutet auf Mängel bei der Formulierung des Augsburger Religionsfriedens hin.

Auf dem Reichstag von Regensburg 1608 prallen die gegensätzlichen Auffassungen und Interessen der protestantischen Fürsten, die sich durch die Rekatholisierung der Kirche beeinträchtigt sehen, und die der katholischen Fürsten aufeinander. Letztere verlangen die Herausgabe der zu Unrecht okkupierten nord- und mitteldeutschen Kirchengüter.

Die Gegensätze schienen unüberbrückbar. Als Folge dieser widersprüchlichen Interessenlage gründen die evangelischen Fürsten am 4. Mai 1608 die Union, ein Bündnis, das ihren Forderungen Nachdruck verleihen soll. Ein Jahr später 1609 bildet sich unter Führung Maximilians die katholische Liga als Gegenbündnis. Die Fronten hatten sich verhärtet.

Die Zeitspanne bis zum Ausbruch der böhmischen Unruhen nutzte Maximilian, um die chaotischen finanziellen Verhältnisse seines Landes zu regeln. Sein Vater war nicht allein aus Liebe zu seinem Sohn ins Kloster gegangen; Bigotterie der Jesuiten, und persönliche Unfähigkeit zwangen zur Abdankung. Maximilian übernahm selbst die Oberaufsicht über das Rechnungs- und Finanzwesen und konnte die Landstände, deren er sich stets geschickt bediente, dahingehend überreden, den größten Teil der väterlichen Schulden zu übernehmen. Salzhandel und eine besondere Form von Gewerbefreiheit erschlossen neue Geldquellen. Er führte eine Akzise ein, von der auch nicht der Adel und Klerus befreit blieben. Mit dieser strengen Ökonomie war er in der Lage, den gesamten 30jährigen Krieg hindurch eine bedeutende militärische Hausmacht zu finanzieren.

Als ihm 1619 sowohl die böhmische Königskrone als auch die Kaiserkrone angeboten wurde, wies er beide zu Gunsten Ferdinands II. zurück. Einige Historiker sehen darin mangelnde Courage, andere ein kluges Kalkül. Sicher ist, daß er sich auf das Erreichbare konzentriert hat und durch den Verzicht auf die Kaiserkrone sich den späteren Kaiser verpflichtete. Es wird ihm nicht leicht gefallen sein, denn Maximilian war von bohrendem Ehrgeiz besessen; übrigens ein Merkmal aller Menschen, die körperlich nicht beeindrucken können.

Als im Jahre 1619 Graf Thurn , einer der Anführer der böhmischen Aufständischen, mit einem "Rebellen"-Heer bis vor die Tore Wiens marschiert, um nach kurzer Belagerung nach Böhmen zurückzukehren, ist der neue Kaiser zum Handeln gezwungen. Allerdings ist sein Handlungsspielraum begrenzt: er übernahm Staatsschulden in Millionenhöhe und eine disziplinlose, heruntergekommene Armee, die er nicht mehr bezahlen konnte.

Zu diesem Zeitpunkt kreuzen sich die Wege zweier Männer, die nicht nur im Augenblick Lösungsvorschläge für die militärischen Probleme des Kaisers anbieten können, sondern in gleicher Weise machtbesessen sind: Maximilian, Herzog von Bayern und Wallenstein .

Während Maximilian dem Kaiser gegen Zusicherung der Kurwürde und Verpfändung österreichischer Gebiete die Truppen seiner Liga unter dem Oberbefehl seines Generals Tilly zur Verfügung stellt, trifft sich Wallenstein mit dem Kaiser zu einem Geheimgespräch.

Wallensteins Angebot: er will aus eigener Tasche 40.000 Gulden vorschießen und ein Kürassierregiment gegen die Böhmen anwerben.
Ferdinand akzeptiert.

Noch ist Wallenstein nur auf den Beginn einer großen Karriere fixiert, Maximilian dagegen taktiert schon in höheren diplomatischen Regionen. Er nutzt die Uneinigkeit der evangelischen Fürsten und schließt mit den Wankelmütigen einen Neutralitäts- und Nichtangriffspakt; - den sogenannten Ulmer Vertrag. Damit spaltet er die Allianz seiner Gegner und hat den Rücken frei für seine militärischen Aktivitäten.

Zunächst läßt er in Oberösterreich für Ordnung sorgen. Dieser Teil der kaiserlichen Erblande ist an Maximilian verpfändet. Aber dort steht ein großer Teil des Landadels unter Waffen. Es geht somit um Geldquellen und Ressourcen, und es geht um die Wiederherstellung der alten Ordnung. Es geht auch um Disziplinierung wie damals in Donauwörth und um ein Exempel für die zukünftige gesellschaftliche Entwicklung in diesem protestantisch geprägten und aufsässigen Gebiet. Aber ohne die Hilfe Böhmens läßt sich in Österreich kein sinnvoller Widerstand organisieren. So sind die Aufständischen der Willkür der Soldateska ausgeliefert, als am 23. Juli 1620 das Heer der katholischen Liga unter dem Oberbefehl des Grafen Tilly die Grenze Österreichs überschreitet. Vor Tillys Truppen fliehen die Bauern, und die Söldner schlachten mutwillig alles Vieh ab. 25.000 Söldner vieler Nationen, von Jesuitenpredigern angefeuert, erzwingen am 4. August 1620 in Linz die Unterwerfung der österreichischen Stände.

Tilly vereinigt sich in Linz mit dem Rest des kaiserlichen Heeres und überschreitet am 25. September die böhmische Grenze Richtung Prag. In der Nacht zum 5. November ziehen sich die böhmischen Truppen bei Annäherung der vereinigten katholischen Heere heimlich zurück. Ihr Rückzug wurde von den brennenden Dörfern beleuchtet, die die marodierenden Truppen des siebenbürger Fürsten Bethlen Gabors einäscherten. Sechsunddreißig Stunden marschierten die beiden Heere fast parallel zueinander.

Christian von Anhalt , der den Oberbefehl über die böhmischen Truppen innehatte, glaubte wegen der nebligen Wetterlage nicht, daß die kaiserlichen Truppen am Morgen des 8. Novembers 1620 angreifen würden. Militärtaktisch gesehen, hatte er Recht: die vereinten katholischen Truppen waren erschöpft, hungrig und verseucht. Bucquoys selbst war krank und hielt einen weiteren Vormarsch für wenig erfolgreich. Das Land war von feindlichen Truppen besetzt, es gab kein Futter für die Pferde, und das Gelände am Weißen Berg, auf den sich die Böhmen zurückgezogen hatten, war für einen Angriff denkbar ungeeignet.

Aber er rechnete nicht mit der Verbissenheit Maximilians. Dieser bestand auf einen sofortigen Angriff und Bucquoys Stellvertreter gaben schließlich widerwillig nach.

Maximilian war zwar kein Soldat, aber er hatte den richtigen politischen Instinkt, der ihm sagte, daß ein sofortiger Angriff auf Prag den Aufstand beenden würde.

Der Oberbefehlshaber der böhmischen Truppen faßte die lange Verzögerung der militärischen Vorbereitungen der Kaiserlichen als Bestätigung seiner Annahmen auf. Deshalb war er völlig überrascht, als Tilly, durch anhaltendes Artilleriefeuer unterstützt, plötzlich im Zentrum bergauf angriff. Die Böhmen, schlecht bewaffnet, in meuterischer Stimmung und nicht auf einen Angriff vorbereitet, kamen bald ins Wanken. Die Offiziere versuchten zwar mit vorgehaltenen Degen die Mannschaften zurückzuhalten, aber als die disziplinlosen Ungarn Richtung Stadt flohen und auch der Sohn Christians auf der rechten Seite der Verteidigungslinie gefallen war, brach die Front zusammen.

König Friedrich war mit seinen englischen Gästen noch beim Frühstück davon überzeugt, daß die kaiserlichen Truppen nach Lage der Dinge den Rückzug antreten würden. Nach dem Frühstück ritt er mit 500 (!) Reitern aus, um seine tapferen Krieger kämpfen zu sehen. Als er durch das Stadttor ritt, kamen ihm die ersten flüchtenden Soldaten entgegen; wenig später auch Christian von Anhalt...

Den Hof ergriff Panik, und Friedrich floh zunächst nach Breslau. Tilly errang gemeinsam mit den Truppen des kaiserlichen Generals Bucquoy einen totalen Sieg über das Heer des böhmischen Königs Friedrich in der Schlacht am Weißen Berg.

Einen Tag nach der Schlacht rückten die Sieger in Prag ein. Es begann eine Plünderungsorgie. Man konnte aus dem Vollen schöpfen, hatten doch die reichen Adligen ihre wertvollsten Güter in die vermeintlich sichere Stadt gebracht. Alle wesentlichen Kunstschätze fielen den Siegern in die Hände; auch die wertvolle Wenzelskrone. Prag ist für die Sieger offen und reich an Beute; die Stadt hatte sich fast ohne einen Schuß ergeben. Für die Besiegten gab es keine Gnade. Eine Woche lang waren die Tore der Stadt geschlossen und die Soldaten konnten nach Herzens Lust plündern und schänden.

Maximilian nahm sich als Beuteanteil die besten Pferde aus dem Marstall des geflohenen Königs. Acht Wagenladungen Beutegut, die Friedrich in der Eile seiner Flucht nicht mit nach Breslau nehmen konnte, warteten auf einen neuen Besitzer. Aus der Masse der im Hradschin verstreuten Juwelen, Seiden und kostbaren Waffen brachte ein Wallone Maximilian die Insignien des Hosenbandordens Friedrichs und erhielt dafür tausend Taler.

Nach der nun folgenden militärischen Säuberungsaktion des kaiserlichen Heeres, war in Böhmen kein nennenswerter Widerstand mehr zu befürchten. Als anschließend Tilly von Maximilian den Befehl erhält, die Pfalz zu erobern, verquicken sich persönliche und Reichsinteressen. Natürlich waren protestantische Gefahrenherde auszuschalten, aber es war für Maximilian allemal billiger, diese Gefahrenherde mit dem vereinten kaiserlichen Heere und dem der Liga zu neutralisieren als allein mit dem Heer der Liga, das aus eigener Tasche bezahlt werden mußte.

Die einzelnen militärischen Etappen bis zum Erreichen des großen strategischen Zieles, der Kurwürde, verlaufen - vom Standpunkt Maximilians betrachtet - ohne nennenswerte Rückschläge:

Im November 1621: beauftragt Maximilian Tilly mit der Verfolgung Mansfelds . Dieser begabte, rücksichtslose Söldnerführer hatte noch eine Armee für Friedrich V. unter seinen Fahnen.

Tilly, der allein Mansfeld nicht schlagen kann, drängt Mansfeld aber aus der Oberpfalz und bezieht dort selbst Winterquartier.

Der Begriff Winterquartier steht für tausende menschliche Tragödien und die sinnlose Vernichtung persönlicher Existenzen und materieller Ressourcen. Viele der von Tillys Truppen verursachten, z. T. entsetzlichen Verwüstungen hatten ihre Ursache auch darin, daß sich die Söldner an der Bevölkerung für ihren entgangenen Sold schadlos hielten. Unvollständige Soldzahlungen hatten die Disziplin in Tillys Heer schon im Sommer 1621 untergraben. Seine Soldaten rächten sich nun mit der Zügellosigkeit des Eroberers an den Dörfern der unglücklichen Oberpfalz für ihre Armut. In den Städten waren sie sogar plündernd in die Spitäler und Pesthäuser eingebrochen und hatten so die Seuche in ihre eigenen Reihen eingeschleppt und über das Land verbreitet.

27. April 1622: Mansfeld versucht durch militärisches Eingreifen beim Dörfchen Mingolsheim Tilly an der Vereinigung mit dem spanischen Feldherrn Cordoba zu hindern.

6. Mai 1622: Der Markgraf von Baden überschreitet den Neckar und versucht dadurch, Tilly und Cordoba zu trennen. Nach anfänglichen Erfolgen werden seine Truppen von Tilly und Cordoba geschlagen.

Die Vereinigung der Heere Tillys und Cordobas gelingt im Mai 1622. Damit ist Tilly´s Schlagkraft wiederhergestellt.

Mai/Juni 1622: Tilly verfolgt Mansfeld in Eilmärschen zum Main, um zu verhindern, daß Mansfeld Christian von Braunschweig bei der Überschreitung des Mains unterstützt.

Tilly und Cordoba erreichen den Main vor Mansfeld beim Brückenkopf von Höchst westlich von Frankfurt. Es gelingt ihnen nicht, Christian am Übergang zu hindern und sich mit Mansfeld zu vereinigen.

Tillys Soldaten brauchen Ruhe und Erholung und für ihre Pferde Futter. Dafür fehlte aber das Geld, und das Land war verwüstet. Mansfeld und Christian kämpfen sich nach Bergen op Zoom durch.

19. September 1622: Besetzung und Plünderung der Stadt Heidelberg durch die Truppen von Tilly.

Sobald Tillys Truppen sich in der Pfalz festgesetzt hatten, wurden auf Veranlassung Maximilians die protestantischen Kirchen in Heidelberg geschlossen, die Universität aufgelöst und auf Veranlassung Maximilians von Bayern die großartige Bibliothek als Dankopfer über die Alpen geschafft und dem Vatikan übergeben. Die berühmte "Biblioteca Palatina" auch "Mutter-Bibliothek" genannt, hat eine bewegte Geschichte: 3.500 Handschriften Das Lorcher Evangeliar
...wenn Sie das Bild vergrößert sehen wollen:
klicken Sie das Bild bitte an ! gingen auf Eselsrücken über die Alpen nach Rom. Dort wurden sie als gesonderter Bestand der "Vaticana" aufgestellt.

Napoleon Bonaparte nahm 1797 einen Teil als Beute nach Paris. Nach seinem Sturz wurde diese "Palatina" wieder zurückgeführt. 1816 gab der Vatikan etwa 850 Handschriften deutscher Sprache zurück.

Dieses "Dankopfer" machte sich für Maximilian bezahlt: Der Vatikan beteiligte sich an der Finanzierung der Liga. Bis August 1623 flossen 620.000 Gulden aus Rom in die Kassen der Liga.

September/Oktober 1622: Tilly und Cordoba vollenden die Unterwerfung der Pfalz.

Am 25. Februar 1623 war Maximilian endlich am Ziel seiner Träume; er wurde auf dem Reichtage zu Regensburg mit der Pfälzer Kurwürde belehnt, nachdem Ferdinand sie dem Bayern schon 1619 mündlich und 1621 schriftlich zugesagt hatte. Allerdings nur um den Preis eines Verfassungsbruchs. Die Verfassung Deutschlands wurde dem dynastische Ehrgeiz Maximilians geopfert. Maximilian, der immer eifersüchtig auf die Zunahme der kaiserlichen Macht war, hatte sich gegen alle Bedenken dazu hergegeben, die Verfassung, die er zu schützen vorgegeben hatte, zu brechen.

Im Grunde war dieser Reichstag zu Regensburg nur ein Deputationstag, eine allgemeine Kurfürstenversammlung, die der Kurfürst von Mainz schon sehr wiederwillig einberief.

Laut Verfassung war der Kaiser nicht berechtigt, einen Reichtag eigenmächtig einzuberufen. Die Kurfürsten von Mainz und Trier erhoben deshalb aus Verfassungsgründen Einspruch und die Kurfürsten von Sachsen und Brandenburg äußerten außerdem religiöse Bewegründe gegen die Einberufung. Um schwierigen Entscheidungen auszuweichen, hatten die beiden Kurfürsten nur Vertreter entsandt die keine Vollmachten hatten. So konnten sie sich später eventuell damit herausreden, daß die in Regensburg getroffenen Entscheidungen nicht rechtsverbindlich seien.

Als wichtigste Entscheidung war die Übertragung der Kurwürde des geächteten Kurfürsten Friedrich V. von der Pfalz auf Maximilian vom Kaiser schon längere Zeit vorher durch aktive Beeinflussung der Fürsten vorbereitet worden. Aber fast alle bedeutenden Fürsten waren dagegen; außer dem Kurfürsten von Köln, - dem leiblichen Bruder Maximilians. Selbst die spanische Partei am Hofe trat für die Übertragung der Kurwürde zu Gunsten des ältesten Sohnes Friedrichs ein. Das wäre legitim, denn eine Abdankung unter Druck war laut Verfassung gestattet, nicht jedoch eine Absetzung.

Da dieser Plan aber die Macht des Hauses Habsburg gestärkt hätte, war der Papst dagegen.

Die Macht des Kaisers war allerdings auch dann gestärkt, wenn er die Abtretung der Kurwürde durchsetzen würde.

Der Kurfürstentag von Regensburg dauerte sechs Wochen. In dieser Zeit trat selbst der Vater Maximilians aus seinem dreißigjährigen Klosterleben heraus, um seinen Sohn vor unüberlegten Handlungen zu warnen; für Maximilian kein Grund, auf seine sonst so religiöse innere Stimme zu hören.

Um zu einer Lösung zu gelangen, machte der Kaiser den Kurfürsten Zugeständnisse: Die Kurwürde wurde nur auf Lebzeiten zuerkannt und konnte bei Maximilians Ableben auf die Kinder Friedrichs rückübertragen werden. (s. Anmerkung 1) Am 23. Februar 1623 wurde Friedrich abgesetzt; zwei Tage später wird Maximilian mit Friedrichs Kurwürde belehnt.

Die feierliche Zeremonie zur Amtseinführung Maximilians war peinlich genug: Die Vertreter Sachsens, Brandenburgs und Spaniens fehlten. Der Kurfürst von Mainz vollzog die Zeremonie mit deutlichen Anzeichen von Verlegenheit, stockte in seinen Reden, kratzte sich am Kopf und konnte nur zur Kenntnis nehmen, daß auch die Antrittsrede Maximilians wenig Stil hatte.

Die spanischen Gesandten weigerten sich, Maximilian zu beglückwünschen; Erzherzogin Isabella drückte offen ihr Bedauern aus. Die Kurfürsten von Sachsen und Brandenburg verweigerten dem neuen Kurfürsten die Anerkennung.

Der Riß zwischen Katholiken und Protestanten war gefährlich erweitert worden. Aber Ferdinand hatte sich allen Beschränkungen kaiserlicher Macht durch die deutschen Fürsten erfolgreich widersetzt; - auch gegen die deutsche Verfassung.

Maximilian hatte hingegen mit dem verbrecherischen Mißgriff alle Ansprüche auf die Führung einer Zentralpartei deutscher Fürsten verspielt. Kein Fürst konnte ersthaft den Raub der Kurwürde billigen. Die Kurwürde stand zukünftig immer zwischen ihm und seiner Pflicht als Deutscher. Letztlich war er es, der beim Westfälischen Frieden dafür sprach, das Elsaß an Frankreich abzutreten; den Preis, den Deutschland zahlte, damit Maximilian die Kurwürde behalten durfte!

Der Verlust des Elsaß wiegt Maximilians Verdienste für Deutschland nicht auf.

Um die oppositionelle Stimmung nicht weiter aufzuheizen, wurde Maximilian die Oberpfalz erst 1628 erblich überlassen; im Gegenzug mußte er das Erzherzogtum Oberösterreich dem Kaiser wieder zurückgeben.

Sobald Tillys Truppen die Pfalz mordend und plündernd heimgesucht hatten, kam ein Schwarm von Missionaren und Predigern über die ausgehungerte und von Seuchen heimgesuchte Bevölkerung. Die Auswanderung wurde verboten. Maximilian war nun ganz vom religiösen Sendungsbewustsein durchdrungen. Er wendete alle Mittel zur Durchsetzung der katholischen Religionslehre an. Schon 1628 konnte er verzeichnen, daß 14.258 Personen zum wahren, zum katholischen Glauben bekehrt wurden.

Der Ausbruch des dänischen, zum Teil mit ausländischen Hilfsgeldern finanzierten Krieges, macht ein neues, schlagkräftiges kaiserliches Heer notwendig.

Schon 1624 hatte Maximilian vom Kaiser verlangt, er möge ein größeres Heer aufstellen und mit den Truppen der Liga vereinigen. Sein Ziel war es, weiter die entscheidenden Hebel der militärischen Macht zu bedienen, denn die Macht des Kaisers reichte nur so weit, wie dessen militärischer Arm. Die Entwicklung nahm jedoch einen ungewollten Lauf.

Im Jahre 1625 trat in der Person Wallensteins ein fähiger, diplomatisch geschickter, machtbewußter und militärisch wie ökonomisch erfolgreicher Gegenspieler auf, der bald ein gefürchteter Gegner Maximilians wurde.

Wallenstein wird 1625 Herzog von Friedland und Oberbefehlshaber des kaiserlichen Heeres, das er selbst angeworben hat; Tilly ist nur noch Befehlshaber des Ligaheeres. Ein Jahr später sind bereits 111.000 Mann unter Waffen, und alle Schlüsselstellungen werden durch kriegserfahrene Männer besetzt, die Wallenstein aus ganz Europa zulaufen. Dazu gehören Piccolomini , Aldringer , Colloredo , Gallas und andere. Diese Männer stehen zu dieser Zeit auf dem Höhepunkt ihrer militärischen Leistungsfähigkeit und stützen die militärische Karriereleiter Wallensteins.

Einer der die Entwicklung Wallenstein argwöhnisch beobachtete, war Maximilian.

Eigentlich konnte er sich nicht beklagen: er war in den Kreis der Kurfürsten aufgestiegen, konnte die Politik des Heiligen Römischen Reiches mitbestimmen und an der Kaiserwahl teilnehmen. Aber sein Erfolg wurde durch einige Schönheitsfehler getrübt:

Wallenstein, der "böhmische Bauer" war reicher als die Geschlechter des Hochadels und der Favorit des Kaisers geworden. Hinzu kam, daß für den konvertierten Katholiken Wallenstein die Religion bei der Ausübung führender Positionen eine Nebenrolle spielte. Entscheidend für Beförderungen war die fachliche Qualifikation. Für Maximilian, der einen Glaubenskrieg aus Überzeugung führte, war dies ein unhaltbarer Zustand.

Maximilians Verbitterung wurde noch dadurch gesteigert, daß Wallenstein, ohne Rücksicht auf angestammte Rechte, durch Verdrängung der niederdeutschen Reichsfürsten die Macht des Kaisers ganz gegen den Plan Maximilians stärkte.

Wallenstein gab ganz unverholen zu, daß man nach seiner Ansicht "...keine Fürsten und Kurfürsten (braucht); es ist Zeit, denselben das Gasthütel abzuziehen; wie auch in Hispanien und Frankreich Ein König ist, als soll auch in Deutschland nur Ein Herr allein seyn."

Beunruhigend war für Maximilian auch die Tatsache, daß Wallenstein ein zäher Verhandlungspartner war, kaufmännisches Geschick besaß und der Kaiser ihm mehr und mehr finanziell verpflichtet war.

Wallenstein stand bereits im Ruf übersteigerter Überheblichkeit und Anmaßung. Er herrschte bereits über ein Viertel von Böhmen und seine wirtschaftliche Tüchtigkeit war entscheidend für die ökonomische Konsolidierung der gesamten Region. In den Jahren 1627 / 1628 gab es in Deutschland keine Macht, die es mit dem Kaiser und seinem Feldherrn Wallenstein hätte aufnehmen können.

Neid, Wut und Empörung machten sich unter den deutschen Fürsten und den Spaniern breit, als am 11. März 1628 alle Titel und Privilegien der mecklenburgischen Herzogtümer auf Wallenstein übertragen wurden. Der spanische Botschafter schrieb:"Der Herzog (Wallenstein) ist so mächtig, daß man ihm fast dankbar sein muß, wenn er sich mit einem Land wie Mecklenburg begnügt."

Dieser scheinbare Höhepunkt der kaiserlichen und katholischen Macht und das selbstherrliche Verhalten Wallensteins (s. Anmerkung 2) mußten ein geschlossenes Auftreten der Fürsten im Kampf um ihre Privilegien provozieren. Die Fürsten verlangten einen Reichstag, auf dem die anstehenden Fragen geklärt werden sollten. Ferdinand seinerseits wollte den Reichstag u.a. dazu benutzen, den Machtanspruch des Hauses Habsburg durch die endgültige Regelung der Nachfolge zu sichern. Nach ihm sollte sein Sohn Ferdinand III. den Kaiserthron besteigen. Um diesen Plan durchzusetzen, benötigte der Kaiser jedoch die Zustimmung der Kurfürsten.

Der Reichstag wurde für den Monat Mai 1630 nach Regensburg einberufen. Die Stimmung auf dem Reichstag war durch Gerüchte, Befürchtungen, Ängste und offene Konfrontation gekennzeichnet.

In der Zeit vor und während des Reichstages machte Maximilian von Bayern seinen gesamten Einfluß geltend, um den weiteren Aufstieg Wallensteins und die zunehmende Macht Ferdinands zu stoppen. Bereits siebzehn Tage nach der Erhebung Wallensteins zum Herzog von Mecklenburg beschwerte sich der Kurfürst von Mainz im Namen des Fürstenkollegiums und erklärte nachdrücklich, daß er die Wahl des Erzherzogs zum Thronfolger Ferdinands nicht garantieren kann, solange Wallenstein Oberbefehlshaber des gesamten kaiserlichen Heeres bleibt.

Der Kaiser hatte scheinbar nur die Wahl, entweder Maximilian und den katholischen Fürsten nachzugeben und damit die Nachfolge seines Sohnes auf den Kaiserthron zu sichern oder rückhaltlos auf Wallenstein zu vertrauen, um mit Waffengewalt seine Souveränität zu sichern.

Eine militärische Option hätte Konsequenzen in mehrfacher Hinsicht gehabt:

erstens eine offene Feindschaft zwischen dem Kaiser und den deutschen Fürsten; zweitens eine unzumutbare Abhängigkeit des Kaisers von Wallenstein, falls die Machtprobe zu Gunsten Ferdinands und der militärischen Führung ausgefallen wäre; aber: sie brächte eine Machtfülle, wie sie bisher kein deutscher Kaiser besaß.

Ferdinand war keine Spielernatur. Eines war ihm aber bewußt: er konnte sich die Wahl seines Sohnes zum Römischen König erkaufen, wenn er Wallenstein opferte. Er war bereit, seinen Feldherrn zu opfern; - allerdings noch nicht zu dieser Zeit.

Doch die Zeit kam. Im März 1630 übersandte der Kurfürst von Mainz allen Landesfürsten eine Einladung zu einem im Sommer geplanten Kurfürstentag. Im Sommer 1630 war kein Krieg in Deutschland. Aber die Jahre davor mit ihrem Elend von Truppendurchzügen und Truppenbesetzungen, den Hungersnöten, Tierseuchen und der Pest hatten von der Bevölkerung entsetzliche Opfer gefordert. Wenn sich Deutschland wieder erholen sollte, war es höchste Zeit, den Krieg zu beenden. Doch gab es keinen Fürsten in Deutschland, der zu dieser Zeit die Beilegung des Krieges auch nur erwogen hätte.

Auch Maximilian kam nur nach Regensburg, um Wallenstein zu stürzen. Der Zeitpunkt war günstig. Wallenstein hatte alle kaiserlichen Ratgeber und die spanische Partei sowieso gegen sich. "Ich habe mehr Krieg mit etlichen Ministern als mit allen den Feinden" schrieb er einmal dazu.

Maximilian als Wortführer der Kurfürsten stellte von vornherein klar, daß nichts zu besprechen sei, bevor nicht der Kaiser sein Heer reduziert und einen neuen Oberbefehlshaber ernannt hat.

Am 24. August stimmte Wallenstein, der sich mit seinem Gefolge in Memmingen aufhielt, seinem formellen Rücktritt zu.

Nach dem Rücktritt Wallensteins glaubte Maximilian sein Ziel erreicht zu haben: das militärische Übergewicht über Ferdinand. Der Kaiser hingegen konnte außer einigen außenpolitischen Erfolgen sein eigentliches Ziel, die Thronfolge seines Sohnes zu regeln, nicht erreichen. (s. Anmerkung 3) Maximilians Triumph war nur von kurzer Dauer. Die mit Frankreich geschlossenen Bündnisse werden von Richelieu ganz anders gedeutet, als Maximilian sie verstanden hatte.

In Mecklenburg war der Schwedenkönig Gustav Adolf aufmarschiert. Das kaiserliche Heer unter Tilly ist nicht in der Lage, den beispiellosen Siegeszug Gustav Adolfs aufzuhalten. Die Protestanten überrennen ganz Deutschland und stehen in kürzester Zeit vor München .

Maximilian muß aus der Stadt fliehen. Sein Feldherr Tilly stirbt an seinen in der Schlacht am Lech erlittenen Verwundungen. Österreich ist für die schwedischen Heere offen.

In der Stunde der größten Gefahr erklärt sich Wallenstein auf Drängen des Kaisers erneut bereit, das Oberkommando der kaiserlichen Truppen zu übernehmen; - aber zu seinen Bedingungen. Doch wenn Maximilian gehofft hatte, daß Wallenstein eine Entscheidungsschlacht erzwingen wollte, so sah er sich getäuscht. Der überließ den Schweden zunächst Bayern und versuchte deren Nachschub aus dem Norden abzuschneiden.

Erst bei Lützen kam es am 16. November 1632 zu der großen Entscheidungsschlacht, in deren Verlauf Gustav Adolf fiel. Nach dem Jubel am Hofe drängte der Kaiser auf eine militärische Entscheidung; Wallenstein setzte auf Verhandlungen.

Einem alten und so mächtigen Gegenspieler wie Wallenstein nun förmlich ausgeliefert zu sein, konnte einen Machtmenschen wie Maximilian nicht ruhen lassen. Die Ruhe war für Maximilian nach der Besetzung Regensburg durch die Schweden sowieso dahin. Nach Meinung der kaiserlichen Berater war Wallenstein nach der Schlacht bei Lützen einer weiteren Entscheidungsschlacht ausgewichen, um - wie ausgestreute Gerüchte besagten - mit den Schweden und Sachsen geheime Friedensverhandlungen zu führen. Als zudem der Feldherr eigenmächtig und unter Mißachtung kaiserlicher Befehle im Dezember 1633 den Feldzug gegen das besetzte Regensburg abgebrochen hatte, um sich nach Böhmen ins Winterquartier zurückzuziehen, eskalierte der Konflikt mit Maximilian. Maximilian bezichtete Wallenstein, seine eigenen Länder mit Hilfe der kaiserlichen Truppen vor dem Zugriff der Schweden zu sichern, während er Regensburg dem Feind überlassen würde.

Die Ereignisse überschlugen sich: am 24. Januar 1634 unterschrieb der Kaiser ein geheimes Absetzungspatent, am 25. Februar wurde Wallenstein ermordet. Für Maximilian war die Ermordung Wallensteins sicher eine Erlösung. Ein machtpolitischer Gewinn war Wallensteins Tod für Maximilian nicht.

Einen unmittelbaren Anteil am Mord an Wallenstein wird ihm nicht nachzuweisen sein. Aber eine Beteiligung am diplomatischen Ränkespiel und eine aktive Mitarbeit an der Konstruktion einer Verschwörer- und Verratsthese kann ihm nicht abgesprochen werden. Frei nach dem Motto "steter Tropfen höhlt den Stein" war sicher jedes vertraute Gespräch mit dem Kaiser ein Sargnagel für Wallenstein.

Mit 62 Jahren heiratete er die um fast vierzig Jahre jüngere Tochter des Kaisers Ferdinand II., Maria Anna; seine erste Gemalin war 1635 gestorben. Sie überlebte ihn um 14 Jahre.

Maximilian I. von Bayern starb am 17. September 1651 im 79. Lebensjahr in einer kahlen Zelle bei den Jesuiten in Ingolstadt. Andere Quellen berichten, er sei im Ingolstädter Schloß gestorben. Maximilian gehörte zu den wenigen, die den Beginn und das Ende des Krieges miterlebt und mitgestaltet hatten.

In seinem Testament hatte Maximilian verfügt, daß sein Leichnam auf drei Gräber verteilt werden soll:
Das Herz sollte auf persönlichen Wunsch in der Gnadenkapelle in Altötting beigesetzt werden; das entsprach einer alten Tradition der Wittelsbacher.
Die Eingeweide wurden in der Wittelsbacher Gruft der Liebfrauenkirche in Ingolstadt bestattet.
Der restliche Leichnam wurde in einem Kupfersarg mit bayerischem Wappen und den Insignien der Kurfürstenwürde nach München überführt.
Noch heute kann man im Münchner Zentrum, unweit der Feldherrenhalle, von der aus den Betrachter Maximilian und sein Feldherr Tilly grimmig anschauen, den schlichten Sarg in der Gruft der Jesuitenkirche Sankt Michael betrachten.

Nach seinem Tode kursierten spöttische Flugblätter auch über Maximilian. Er habe die "Bayerische Kranckheit" gehabt, heißt es darin. Sein Leib sein aufgedunsen wie ein "grosser Hungarischer Ochsenwanst", denn er hat sich überfressen am (Hermelin-)Futter des pfälzischen Kurhuts, es sei ihm speiübel geworden vom reichlich genossenen pfälzischen Wein; die Melancholie aber rührt vom Raub der "Calvinischen Bibliotheca" her. Der Hofnarr auf dem Flugblatt träumt, sein Herr werde sich erleichtern, indem er seinen Mageninhalt erbricht: pfälzische Städte und einen großen Haufen Bücher...

Lassen wir noch einmal C.V. Wedgwood mit einer abschließenden Betrachtung zum Lebenswerk Maximilians zu Worte kommen:

"Er hatte das Zeug zu einem Verfassungsanhänger; er war ein kluger Kopf und mochte das Eingreifen eines Fremden in deutsche Angelegenheiten nicht, aber seine Untat (hier wird auf seine Kurfürstenwürde Bezug genommen) trieb ihn aus dem deutschen in das spanische Lager, und aus dem spanischen in das französische. Hätte er im entscheidenden Zeitpunkt an Deutschland und nicht an Bayern gedacht, so hätte er den Krieg beenden können; 1620 hielt er alle Trümpfe in der Hand, aber er verzettelte sie.

Nach dem einen Staat gemessen, über den er herrschte, kann er vielleicht als großer Mann gelten; er erweiterte die Grenzen seines Landes und wurde der angesehenste weltliche Fürst Deutschlands.

Legt man an ihn aber den größeren Maßstab der ganzen Nation, der er angehörte, und den des Reiches, dem unerschütterlich ergeben zu sein er sich rühmte, so ist er entweder ein Betrogener oder ein Betrüger, wahrscheinlich bis zu gewissem Grade beides."
[1]

Wenn es stimmt, daß, wie C.V. Wegdwood behauptet, Maximilian I. von Bayern ein kluger Mann war, dann war er ein Verräter an der deutschen Sache.



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