Erzherzog LEOPOLD WILHELM

Eltern: Kaiser Ferdinand II.. (1578-1637) und Maria von Bayern (1574-1616)

Geschwister: Kaiser Ferdinand III.. (1608-1657) [verh.: 1.) Infantin Maria. (1606-1646), 2.) Maria Leopoldine von Tirol (1632-1649), 3.) Eleonora (II.). von Gonzaga (1630-1686)]; Maria Anna (1610-1665) [verh.: Kurfürst Maximilian von Bayern. (1573-1651)], Cäcilia Renata (1644) [verh.: Wladislaus IV. von Polen (1595-1648)]

Als nachgeborener Sohn wurde Erzherzog Leopold Wilhelm von seinem Vater Kaiser Ferdinand II. bereits 1619 für die geistliche Laufbahn bestimmt. Er erhielt mehrere Bistümer als Pfründen aber keine geistlichen Weihen. Eine in damaliger Zeit häufig geübte Praxis, damit ein Adeliger bei Bedarf jederzeit wieder in den Laienstand zurückversetzt werden konnte. Bereits 1625 wurde vereinbart, daß der Erzherzog nach Erreichung der Großjährigkeit in den Deutschen Orden eintreten und dort das Amt des Hochmeisters erhalten werde. Leopold Wilhelm liebte seine geistlichen Würden wenig, obwohl er persönlich fromm war und ohne Skandale lebte, er hätte es gerne gesehen, diese Ämter niederlegen zu können.

Im Herbst 1639 übertrug Kaiser Ferdinand III., da er mit der Führung der Armee durch Graf Matthias Gallas. nicht mehr zufrieden war, seinem militärisch gänzlich unerfahrenen Bruder den Oberbefehl über die kaiserlichen Truppen. Mit großem persönlichen Einsatz und Eifer übernahm Leopold Wilhelm diese Aufgabe. Altgediente Militärs wie Ottavio Piccolomini. oder Gallas standen ihm beratend zur Seite. Nach der vernichtenden Niederlage von Breitenfeld (2. Nov. 1642) legte er den Oberbefehl nieder, der vom Kaiser neuerlich Gallas anvertraut wurde. Nach der verlorenen Schlacht bei Jankau (6. März) im Frühjahr 1645 gelang es den Schweden bis knapp vor Wien vorzurücken. Wiederum bat Ferdinand III. seinen Bruder, den Oberbefehl zu übernehmen. Trotz äußerst knapper Mittel (an Geld und Menschen) gelang es, die Schweden zurück zu drängen. Ständig wachsende Differenzen über militärische Notwendigkeiten zwischen dem Erzherzog und Kurfürst Maximilian von Bayern prägten das Jahr 1646 und führten zur neuerlichen Niederlegung des Oberbefehls durch Erzherzog Leopold Wilhelm.

Bereits knapp nach dem Tod (1641) von Kardinalinfant Ferdinand. , dem Statthalter in den Spanischen Niederlanden, bemühte sich König Philipp IV. von Spanien, seinen Cousin Leopold Wilhelm als Nachfolger für dieses Amt zu gewinnen. Nach jahrelangen Verhandlungen folgte der Erzherzog im Frühjahr 1647 diesem Ruf und trat sein neues Amt in Brüssel an. Der jahrzehntelange Krieg Spaniens mit den Generalstaaten stand knapp vor seinem Ende (Friedensschluß Jan. 1648), doch der Kampf mit Frankreich dauerte noch unvermindert an. Nach anfänglichen militärischen Erfolgen, begünstigt durch die Fronde in Frankreich und den Übertritt des Prinzen von Condé auf die spanische Seite, stellten sich nach dem Ende des Bürgerkriegs in Frankreich wieder französische Erfolge ein.

Bereits ab den ersten Jahren seiner Statthalterschaft trug Leopold Wilhelm ein bemerkenswerte Kunstsammlung zusammen. Begünstigt durch den Verkauf verschiedener englischer Gemäldesammlungen, die wegen der politischen Ereignisse in England (Bürgerkrieg und Machtübernahme durch Cromwell) verkauft wurden, gelang es dem Statthalter seine berühmte Bildersammlung zusammen zu tragen. Ein großer Teil davon findet sich noch heute im Kunsthistorischen Museum von Wien. Leopold Wilhelms besondere Liebe gehörte der Musik, er ließ 1650 die erste italienische Oper in Brüssel aufführen, und der italienischen Poesie, zahlreiche Gedichte und ein Gedichtband zeugen davon.

Zu Weihnachten 1654 trat Königin Christina von Schweden, die Krone und Amt im Frühjahr niedergelegt hatte, im Beisein Leopold Wilhelms und einiger weniger Vertrauter in Brüssel heimlich zum katholischen Glauben über.

Im Frühjahr 1656 verließ Leopold Wilhelm Brüssel sein Amt. Um diesen Abschied hatte er sich beim spanischen König sehr bemühen müssen. Philipp IV. konnte (oder wollte) nicht verstehen, daß die ständigen finanziellen Probleme (Spanien zahlte schleppend bis nicht), die spanischen Verbündeten (Condé und Karl IV. von Lothringen) und die gesamte Situation im ausgelaugten Land den Statthalter zermürbten. Nach seiner Rückkehr nach Wien übernahm Leopold Wilhelm nach dem Tod seines Bruders (April 1657) die Vormundschaft für den noch minderjährigen Leopold I. Vorübergehend wurde Leopold Wilhelm, neben anderen Kandidaten, als Nachfolger seines Bruders gehandelt. Es gelang Habsburg im Sommer 1658 die Kaiserkrone für den jungen Leopold I. zu erringen. Mit Rat und Tat stand der Erzherzog seinem Neffen in den Regierungsgeschäften zur Seite. Am 20. November 1662 starb er in Wien.

Literatur:
Renate Schreiber: Erzherzog Leopold Wilhelm. Bischof und Feldherr, Statthalter und Kunstsammler. Studien zu seiner Biographie. Univ. Diss. Wien 2001



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