HORN, Gustav Graf

Als Gustav Adolf , König von Schweden, am 4. Juli 1630 in Usedom landete, gehörte seinem Heer auch der bisherige Oberbefehlshaber der schwedisch-finnischen Truppen in Livland, Graf Horn, mit seinem roten Regiment an.

Für Gustav Adolf sollte das Eingreifen in die formal religiösen Auseinandersetzungen zwischen dem Kaiser und den (protestantischen) deutschen Fürsten in Wirklichkeit die Vormachtstellung Schwedens unter den Anrainerstaaten der Ostsee einleiten und ausbauen. Für Horn begann das Unternehmen mit einer familiären Tragödie: er hatte seine 21-jährige Ehefrau und seine beiden Kinder auf den Feldzug mitgenommen. Seine Frau war die Tochter des einfrußreichen schwedischen Kanzlers Oxenstierna . Kurz nach der Ankunft in Deutschland infizierte sich seine Frau an einer pestartigen Krankheit. Horn ließ daraufhin seine militärischen Ämter zeitweilig ruhen und übernahm die Pflege seiner kranken Frau. Als sich der Zustand der Kranken überraschend besserte, begab ich Horn ins Hauptquartier des Königs.

Kurz darauf erlitt seine Frau einen Rückfall und starb. Der finnische Offizier, den Horn mit der Betreuung und Absicherung seiner Familie beauftragt hatte, veruntreute die ihm anvertrauten Gelder und sperrte die beiden Kinder Horns in einen Verschlag. Eines der Kinder starb an Auszehrung, das zweite - ein Mädchen - überlebte und schilderte später in einem erschütternden Bericht seine Leiden.

Horn kämpfte bereits 1631 in der vorentscheidenden Schlacht bei Breitenfeld gegen die kaiserlichen Truppen.

Nach dem Sieg bei Breitenfeld marschierte das schwedische Heer nach Westen, in das Innere Deutschlands, im Triumph durch "die Pfaffengasse", die bisher verschont gebliebenen Gebiete der großen katholischen Bistümer. Bei Höchst schlossen sich ihm der Landgraf Wilhelm von Kassel und Bernhard von Sachsen-Weimar mit Verstärkungen an. Gemeinsam überschritten sie den Main und marschierten auf Heidelberg. Da bereits abzusehen war, daß im Winter für ein so großes Heer nicht genügend Verpflegung aufzutreiben sein wird, kehrte der größte Teil des Heeres um; lediglich Bernhard von Sachsen-Weimar wurde zurückgelassen, damit er sich mit der Einnahme von Mannheim die Sporen verdienen sollte. Durch die Einnahme Mannheims und die Erstürmung der Festung Marienburg bei Würzburg war Bernhards Position beim schwedischen König soweit gefestigt, daß er nicht nur zum engeren Freundeskreis Gustav Adolfs gehörte, sondern neben den schwedischen Feldherren Horn und Baner zum Befehlshaber eines eigenen Heeresteiles ernannt wurde.

Damit begann eine verhängnisvolle Zeit gegenseitiger Rivalitäten zwischen Horn und Bernhard von Sachsen-Weimar. Besonders nach dem Tode Gustav Adolfs in der Schlacht bei Lützen, wurde von beiden Rivalen erbittert um den Oberbefehl der schwedischen Truppen gekämpft.

1633 eroberte Bernhard Höchstedt, drängte den bayerischen General Jean de Werth aus dem Altmühltal und drang im Verein mit Horn in Bayern ein. Aldringer, der sie aufhalten soll, wurde nach München zurückgedrängt, und ein großer Teil seiner erschöpften Truppen ergeben sich dem schwedischen Heer.

Im selben Jahr wurde auch Eichstädt erobert. Zum Glück für Maximilian von Bayern zerstritten sich Horn und Bernhard erneut, so daß Maximilian eine totale Niederlage erspart blieb.

Seit längerer Zeit schon bestanden zwischen beiden Feldherren tiefgreifende politische und strategische Meinungsverschiedenheiten, die die militärische Schlagkraft des schwedischen Heeres durch mangelhafte Koordination der Feldzüge ernsthaft schwächte.

Bernhard begnügte sich nicht mehr nur mit militärischem Ruhm. Schon vor der Schlacht bei Lützen hatte Bernhard ein unabhängiges Kommando verlangt. Er war ebenso wie Horn ein der schwedischen Krone unterstellter Feldherr. Beide unterschieden sich z.B. darin, daß Bernhard die Unverschämtheit besaß, schon zur Lebzeiten Gustav Adolfs zu behaupten, der schwedische König sei auf seine Leistungen eifersüchtig.

Bernhard von Sachsen-Weimar war ein schwieriger Charakter, aber es stand außer Zweifel, daß er aufgrund seines Talents ein würdiger Nachfolger Gustav Adolfs war. - Und er war sich dessen bewußt.

Als sich im Sommer 1634 die beiden Feldherren Horn und Bernhard an der bayerischen Grenze trafen, verlangte Bernhard selbstbewußt den Titel eines Generalissimus. Horn war weniger anmaßend, aber ebenso hartnäckig und gestand ihm nur den Titel eines Generalleutnants zu...

Im Spätsommer 1634 befand sich der spanische Kardinalinfant mit 20.000 Mann Verstärkung auf dem Wege von Italien nach Süddeutschland. Horn plante, sich dem spanischen Heer am Südufer des Bodensees, bei Überlingen, entgegenzustellen. Nur widerstrebend läßt sich Horn von Bernhard dazu überreden, seine Stellung aufzugeben, um gemeinsam das kaiserliche Heer zur Schlacht zu zwingen, solange die kaiserlichen und spanischen Heere noch getrennt waren. Die Argumente Bernhards waren überzeugend: der neue Oberkommandierende, Ferdinand III. besaß noch keine militärischen Erfahrungen; sein General Gallas hatte sich verstärkt dem Suff ergeben und Arnim war zur selben Zeit mit dem sächsischen Heer in Böhmen eingefallen und marschierte auf Prag. Somit mußte sich Ferdinand entscheiden, ob er Prag verteidigen oder dem spanischen Kardinalinfant entgegenmarschieren sollte.

Am 12. Juli vereinigte sich die Truppen Bernhards mit Horns. Das gemeinsame Heer besteht aus 20.000 Mann und marschiert gegen die bayerisch-böhmische Grenze. Dadurch soll der Eindruck erweckt werden, daß man sich Arnim in Böhmen anschließen wird. Aber Ferdinand behielt die Nerven; unbeirrt marschierte er auf Regensburg, während Bernhard und Horn auf ihrem Vormarsch am 22. Juli 1634 Landshut stürmen. Die gesamte bayrische und Teile der kaiserlichen Reiterei werden vernichtet. Aldringer , der den Belagerten zu Hilfe eilen wollte, kam zu spät. Bei dem Versuch, in die umkämpfte Stadt einzudringen, kam er um; wahrscheinlich wurde er von seinen plündernden Kroaten umgebracht.

Der Sieg war aufsehenerregend, aber Ferdinand ließ sich nicht von seinem Kurs abbringen.

Kaum war Landshut gefallen, gelang es den Kaiserlichen, Regensburg einzunehmen.

Nach den militärtaktischen Regeln dieses Krieges hätte sich jetzt Ferdinand zur Verteidigung Prags zurückziehen müssen; zumindestens erwarteten das seine Gegner. Aber Ferdinand erwies sich als Stratege: er hatte mit der Einnahme Regensburgs die Verbindungslinien der protestantischen Heere unterbrochen - und marschierte weiter nach Westen. Es war ein großes Wagnis, Böhmen preiszugeben, aber seine Rechnung ging auf: Bernhard und Horn machten kehrt und marschierten ihm nach; Arnim zog sich daraufhin von Prag zurück und wartete die weitere Entwicklung erst einmal ab.

Am 16. August überschritt Ferdinand mit seinem Heer die Donau bei Donauwörth, um die Stadt anzugreifen. Einige Tage später wurde die Stadt von den kaiserlichen Truppen eingenommen. Die spanischen Truppen waren vom Schwarzwald her im Anmarsch. Aber Ferdinand hatte ein Problem: in Nördlingen, unweit von Donauwörth lag eine starke schwedische Besatzung. Auf seinem Marsch in Richtung Westen hätte er sich einem Flankenangriff ausgesetzt. Als am 26. August 1634 Bernhard und Horn das kaiserliche Heer bei Nördlingen eingeholt hatten, sahen sie die Stadt von 15.000 Mann belagert. Sie selbst verfügten zwar über 20.000 Mann, aber das Gelände war für einen Angriff mit gleichstarken Truppen ungeeignet.

In der Gegend um Nördlingen war selbst ein einzelnes Heer schwer zu verpflegen. Bernhard und Horn hofften daher, daß sich Ferdinand aus Mangel an Verpflegung kampflos zurückziehen werde. Ferdinand hatte jetzt nur zwei Möglichkeiten: hungernd auf das spanische Heer warten oder Gefahr laufen, bei einem Rückzug vernichtet zu werden. Ferdinands wartete, seine Kanonen beschossen weiter Nördlingen, und sein Heer hungerte. In der Zwischenzeit konnte der Kommandeur der schwedischen Besatzung Nördlingens nur mit Mühe eine Übergabe der Stadt durch die Bürger verhindern. Fast zehn Tage lang sah Bernhard nachts die Notraketen aufsteigen, aber ohne ausreichende militärische Verstärkung war keine Hilfe möglich. Die Verstärkung kam - aber für Ferdinand. Am 2. September jubelten die Kaiserlichen; die Spanier waren auf Sichtweite herangerückt.

Bernhard und Horn hatten sich nun zwischen einem militärischen Wagnis und einer politischen Notwendigkeit zu entscheiden. Soviel war klar: nach der Übergabe von Regensburg und Donauwörth würde der Fall Nördlingens die protestantischen Verbündeten der Heilbronner Liga stark erschüttern und zum Spielball ausländischer insbesondere französischer Interessen werden lassen. Für Bernhard und Horn war ein Rückzug unter diesen Voraussetzungen ausgeschlossen. Horn bemühte sich, eine Schlacht in Unterzahl zu vermeiden. Die vereinten kaiserlichen und spanischen Heere verfügten über 20.000 Fußsoldaten und 13.000 Reiter. Die spanische Infanterie war vorzüglich ausgebildet und diszipliniert. Die vereinten protestantischen Truppen konnten 16.000 Fußsoldaten und 9.000 Reiter aufbieten, die zudem unter Nachschubmangel litten. Die erschöpfte schwedische Besatzung von Nördlingen war für eine Schlacht ohne militärische Bedeutung. Bernhard drängte um jeden Preis auf eine Entscheidungsschlacht. Er, der sonst militärisch so umsichtig und besonnen war, wollte es nicht wahr haben, daß ihm die kaiserlichen Truppen zahlenmäßig überlegen waren. Selbst als man ihm einen gefangenen spanischen Major vorführte, der auf die Frage nach dem Umfang der Verstärkung wahrheitsgemäß 20.000 Mann nannte, wollte Bernhard ihn hängen lassen, weil er von einer optimistischen Zahl von 7.000 Mann ausging; - ausgehen wollte.

Die Vorbereitungen zu der Schlacht begannen schon in der Nacht zum 6. September 1634.

Bernhard und Horn kamen in nächtlicher Beratung zu dem Schluß, zunächst durch die Truppen Horns die Hügelrücken vor Nördlingen zu besetzen und am Morgen gemeinsam anzugreifen. Bei den Vorbereitungen zur Schlacht ging alles schief, was schief gehen konnte. Troßwagen und Kanonen blieben im Schlamm stecken und Befehle wurden ins Gegenteil verkehrt. Das Wort Gemeinsamkeit wurde durch die gegenseitige Eifersucht der beiden Feldherren zur Worthülse und obwohl während der Schlacht keiner den anderen vorsätzlich im Stich ließ, gab nach der Schlacht jeder dem anderen die Schuld an der Niederlage.

Auf der Gegenseite hatten die beiden Erzherzöge eine glücklichere Lösung der Doppelverantwortung gefunden, und die disziplinierten spanischen Truppen ergänzten die Angriffe der kaiserlichen in hervorragender Weise. Die Spanier zählten während der siebenstündigen Schlacht fünfzehn Angriffe der schwedischen Truppen. Zur Mittagszeit waren Horns Truppen am Ende ihrer Kräfte. Horn schickte eine Meldung an Bernhard, daß er sich hinter die Linien Bernhards auf einen Hügel zurückziehen werde, um sich für die Nacht zu verschanzen. Er ging davon aus, daß er bei seinem Manöver Flankenschutz bekommen würde. Das war aber offenbar der Augenblick, auf den die Kaiserlichen und Spanier gewartet hatten. Sie verließen ihre Stellungen und griffen konzentriert Bernhards Truppen an. Obwohl Bernhard fluchend versuchte, seine schweißtriefenden Kanoniere an der Flucht zu hindern, war das Chaos total.

Horns erschöpfte Truppen, die sich gerade hinter den Linien in einem Tal befanden, prallten mit den Fliehenden zusammen. Man behinderte sich gegenseitig; Pferde verkeilten sich und stürzten, der Staub behinderte die Orientierung und nur die heisernen Schreie der Spanier, ihr "Viva Espana", zeigten an, wo der Sieger stand.

In Heilbronn sammelten sich die Trümmer der geschlagenen Schweden. Bernhards Pferd war unter ihm erschossen und ihm gelang - obwohl verwundet - die Flucht mit einem Pferd eines seiner Dragoner.

Die Verluste der Schweden waren erheblich. Die Sieger gaben sie mit geschätzten 17.000 Toten und 4.000 Gefangenen an. Es war das Ende für Schwedens militärische Autorität.

Ansucht der Burganlage Burghausen
Auf dieser Festung Burghausen
war Horn von 1636 bis 1641
der prominenteste Gefangene.
Unter den Gefangenen war auch Horn. Weil die Regierung in Stockholm nicht bereit war, ihn freizukaufen, war Horn acht Jahre in kaiserlicher Haft.

1642 kam er über Frankreich zurück nach Schweden und wurde dort u.a. Präsident des Kriegskollegiums. Mit dem Titel eines Reichsmarschalls (1653) endete seine militärische Laufbahn.



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