GORDON, Johan

Als Kommandant von Eger besaß er das Vertrauen Wallensteins. Wallenstein war sich seiner sicher, denn er hatte ihn mit dem Kommando des vorher in Zittau stationierten Böhmischen Regiments betraut und ihm den Oberbefehl mehrerer in Schlesien befindlicher Regimenter in Aussicht gestellt. Das Vertrauen ging soweit, daß Gordon u.a. mit Butler und Leslie zu dem Kreis von Offizieren gehörte, den der Herzog in seinen Plan einweihte, seine Ziele auch mit Hilfe der feindlichen Armee zu verfolgen. Er hatte es ihnen freigestellt, ihm zu folgen oder ihn zu verlassen.

Gordon (und Leslie) - ein wenig einfältiger und weniger nachtragend als Butler - gelobten anfänglich für Wallensteins Pläne einzustehen.

Erst als ihnen Butler die kaiserlichen Ächtungspatente und die Befehle Gallas und Piccolominis gezeigt hatte, setzte sich der praktische Söldnerverstand durch. Der Mord wurde beschlossen und ausgeführt.

Am folgenden Tage wurden durch Butler und Gordon alle in der Umgebung stationierten Offiziere schriftlich von der Ermordung Wallensteins informiert und ersucht, auf dem Posten zu verbleiben und nunmehr dem Kaiser zu gehorchen.

Vorsorglich wurden Gordons Reiter ausgeschickt, um den Herzog Franz Albrecht von Sachsen-Lauenburg gefangenzunehmen. Franz Albrecht war aus Regensburg auf dem Wege zu Wallenstein. In seinem Auftrag hatte er mit dem Herzog Bernhard von Sachsen-Weimar Friedensverhandlungen zwischen Schweden, Kursachsen und Wallenstein geführt. Der Herzog wurde bei Tirschenreut gefangengenommen.

Die Ermordung Wallensteins erfolgte in der Nacht vom 25. zum 26. Februar 1634.

Bereits am 6.März versicherte der Kaiser in einem an Gallas gerichteten Schreiben den Obristen Butler und Gordon seine Gnade wegen ihrer Treue und Redlichkeit. - Und er versprach, sie zu belohnen.

Der Lohn Gordons bestand aus 178.000 Gulden. Es gibt andere Hinweise, nach denen er statt dessen zwei Friedländische Güter erhalten haben soll, wieder andere sprechen ihm die Güter des Grafen Kinsky im Königsgrätzer Kreis zu.

Über Gordons spätere Laufbahn und sein Ende ist nichts näheres und viel Widersprüchliches bekannt.

Eine Quelle berichtet, er sei am Freitag, dem 12. Juni 1637 von einem seiner Landsleute in Prag erstochen worden. Andere Hinweise schließen dies aus, denn im November 1639 erobert er bzw. sein Regiment die Festung Drießen unweit von Landsberg, und in einem Schreiben von 1640 wird erwähnt, daß er sich in Hohenburg aufhält.

Im Mai 1648 wird gemeldet, daß die Schweden in Wismar "der Kaiserliche Obrist Gordon, welcher vor diesem bei dem Wallensteinschen Massacre zu Eger Hand anlegen helfen, durch die Schweden gefangen eingebracht hätten."




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