GÖTZ, Johann

In vielen zeitgenössischen Dokumenten wird die Heimsuchung der Stadt Magdeburg durch die kaiserlichen Truppen unter Tilly und Pappenheim als der Höhepunkt menschlicher Grausamkeit während des 30jährigen Krieges formuliert.

Diese Einschätzung ist einseitig, denn sie berücksichtigt nicht die Greuel, die die Soldateska u.a. unter dem Befehl des Generals Götz verübte. Die Chroniken aus dieser Zeit z.B. die der Insel Rügen und der Städte Pasewalk, Cottbus und Ohlau in Schlesien sind mit Blut geschrieben. Die darin aufgeführten Grausamkeiten sind unfaßbar und selbst mit militärischen Zielen nicht zu rechtfertigen.

In seiner Brutalität wurde Götz nur von seiner Völlerei übertroffen. Daß Götz am Ende des Krieges so hohe militärische Funktionen übertragen bekam, lag zum einen daran, daß die alte Führungsriege gefallen oder durch die Syphilis neutralisiert war oder die Fronten gewechselt hatte. Zum anderen war Götz politisch pflegeleicht.

Götz besaß nicht die Besitzgier eines Bernhard von Sachsen-Weimar oder gar das Streben nach Macht eines Wallensteins (abgesehen davon, daß das geistige Niveau schon den Vergleich mit diesen beiden ausschließt); Götz genügte es zu morden, zu plündern und zu saufen.

Es gab Tage, an denen Götz so betrunken war, daß er selbst in der Nähe des Gegners das Losungswort für den Tag nur noch lallen konnte. Gehorsam wie seine Adjutanten waren, gaben sie dieses Lallen als Losungswort an die Truppe weiter...

Götz diente bereits als 16jähriger evangelischer Offizier in den Reihen der böhmischen Armee. Seine eigentliche militärische Karriere begann jedoch als Obristleutnant unter Mansfeld. Als dieser jedoch 1626 an der Dessauer Brücke von Wallenstein vernichtend geschlagen wurde, wechselte Götz die Fronten und wurde unter dessen Kommando Obrist im kaiserlichen Heer.

Seine militärischen Leistungen wurden von Wallenstein lobend erwähnt; ein Indiz dafür, daß sich auch Wallenstein nicht sonderlich an moralischen Kategorien orientierte. Denn nachdem Götz zunächst in Holstein gegen die Dänen eingesetzt wurde, ernannte ihn Wallenstein zum Gouverneur der Insel Rügen. Im April 1630 konnte Götz sich nicht mehr gegen die Übermacht der Schweden behaupten und zog sich zurück, nicht bevor er die Insel total verwüstete. Auf dem Rückzug wurde die Stadt Pasewalk geplündert, und nachdem sie die Schweden in Besitz genommen hatten, gelang es Götz im Juli 1630 durch einen Überraschungsangriff noch einmal, Pasewalk einzunehmen. Entgegen aller damals geltenden Regeln der Kriegsführung wurden Besatzung und Bevölkerung niedergemacht. Spätestens zu diesem Zeitpunkt hätte Wallenstein, der sonst sehr viel Wert auf die Einhaltung militärischer Disziplin gelegt hatte, korrigierend eingreifen müssen. Wallenstein reagierte selbst dann nicht, als Götz im Juni 1631 in einem nächtlichen Angriff die Stadt Cottbus überfiel. Cottbus war zu diesem Zeitpunkt unter dem Kommando des Obristen Nikolaus Bock von den Schweden besetzt.

Auch bei diesem Überfall wurden die schwedischen Truppen niedergemacht und die Bevölkerung unerhörten Grausamkeiten der Soldateska ausgeliefert. Ähnlich hauste Götz im September 1631 in der Niederlausitz.

Strategische militärische Erfolge konnte Götz in dieser Zeit nicht vermelden: Der Versuch, die Schweden aufzuhalten, scheiterte trotz Verstärkung durch die Kroaten des Generals Isolani.

Die kaiserlichen Truppen wurden bei Stargart von den Schweden geschlagen. Der Vormarsch der Schweden war nicht mehr aufzuhalten.

In der entscheidenden Schlacht bei Breitenfeld am 18. September 1631 erlitten die Kaiserlichen unter Tilly die empfindlichste militärische Niederlage durch den Schwedenkönig Gustav Adolf.

Götz und Marradas erhielten nach dieser Schlacht den Befehl, die verstreuten Truppen in Schlesien und Böhmen zu sammeln und gemeinsam mit den Resten der Tillyschen Regimenter den mit den Schweden verbündeten Kurfürsten von Sachsen zu überfallen.

Trotz zahlenmäßiger Überlegenheit waren beide dem militärischen Genie des inzwischen in sächsische Dienste getretenen Feldmarschalls Arnim nicht gewachsen und zogen sich nach verlorener Schlacht nach Böhmen zurück.

Im Juli 1632 hatte sich Götz mit 16 Kompanien in Groß-Glogau in Schlesien einquartiert.

Trotz ausreichender Vorräte mußte er die Stadt an den ihn belagernden sächsischen Feldmarschall Arnim übergeben. Götz erhielt freien Abzug; - ohne Fahnen und ohne Bagage.

Die geschundene Bevölkerung der von ihm und seiner Mörderbande auf dem Rückzug heimgesuchten Gebiete hatte den Verlust zu bezahlen...

Nach seiner von den deutschen Fürsten und der spanischen Krone durchgesetzten vorübergehenden Entmachtung wurde Wallenstein im Dezember 1631 vom Kaiser erneut als Oberbefehlshaber des Heeres mit fast unbegrenzten Vollmachten berufen.

Diese Konzessionen des Kaisers an Wallenstein erklären sich aus der Bedrängnis, in die Ferdinand nach dem Sieg des schwedischen Königs Gustav Adolf in der Schlacht bei Breitenfeld kam. Gustav Adolf war militärisch nicht zu bremsen, seine Truppen standen vor München und in seinen weitreichenden politischen Plänen war für das Haus Habsburg kein Platz.

Nach ersten militärischen Aktionen bei Nürnberg kam es am 16. November 1632 bei Lützen in der Nähe von Leipzig zur Entscheidungsschlacht zwischen den vereinten schwedischen Heeren unter Gustav Adolf und dem kaiserlichen Heer unter Wallenstein, in deren Verlauf Gustav Adolf tödlich verwundet wurde.

In dieser Schlacht befehligte Götz den linken Flügel der kaiserlichen Truppen.

Nachdem auf schwedischer Seite Gustav Adolf und auf kaiserlicher Seite Pappenheim gefallen waren, unternahm Götz gemeinsam mit Piccolomini einen verzweifelten Versuch, das sogenannte gelbe Leibregiment der Schweden anzugreifen. Dabei wurde Götz verwundet.

In Wien wurde der Tod Gustav Adolfs als Sieg gefeiert, die Schweden beanspruchten ihrerseits Sieger dieser Schlacht zu sein, da die kaiserlichen Truppen als erste das Schlachtfeld verlassen hatten.

Für seine bei Lützen gezeigten Leistungen wurde Götz 1633 vom Kaiser in den Freiherrenstand erhoben und zum Generalmajor befördert.

Offenbar beflügelte ihn die Beförderung, denn in den Jahren 1633 und 1634 sind seine militärischen Aktionen gegen die Schweden relativ erfolgreich.

1633 gelang es ihm nach Norden vorzustoßen und in einer großangelegten Offensive große Teile Brandenburgs und dort die Stadt Landsberg zu erobern und den Schweden in den Rücken zu fallen.

1634 erwähnen die schlesischen Chroniken seine Grausamkeiten bei der Eroberung der Orte Liebschütz, Jägerndorf, Troppau, Oels und Ohlau, die er einäschern ließ.

Der Versuch Oppeln zu erobern, scheiterte, nachdem Götz bereits beim Sturm auf die Stadt 1.000 Mann verloren hatte.

Nach der Ermordung Wallensteins am 25. Februar 1634 wird Götz anstelle des verhafteten, als Wallensteintreu geltenden Obristen Schaffgotsch, das Kommando des kaiserlichen Heeres in Schlesien übertragen.

Götz wird außerdem zum Mitglied einer Untersuchungskommission berufen, die sich mit dem angeblichen Verrat der Anhänger Wallensteins zu beschäftigen hat.

Er nutzt die sich ihm bietende Gelegenheit gnadenlos aus: es ist Götz, der dem mit der Leitung der Kommission beauftragten damaligen König Ferdinand (dem späteren Kaiser Ferdinand III.) im April 1635 berichtet, daß die Kommission den Tod Schaffgotsch durch das Schwert und den Verlust der rechten Hand beschlossen habe...

Im Juli des gleichen Jahres wird Götz mit der Exekution beauftragt.

Götz scheint im übrigen sehr gute Verbindungen zum Wiener Hof, insbesondere zum König von Ungarn und späteren Kaiser Ferdinand III. besessen zu haben.

Dieser Umstand ist sicher in den Ereignissen und den strukturellen Veränderungen im Oberkommando des Heeres nach der Ermordung Wallensteins begründet.

Es war schon immer der Herzenswunsch Ferdinands gewesen, das Oberkommando über das kaiserliche Heer zu übernehmen, aber es war ihm nicht möglich, sich gegen Wallenstein durchzusetzen. Jetzt, nach dessen gewaltsamen Ende, konnte er sich seinen Wunsch erfüllen: gestützt auf die militärischen Kenntnisse der dem Kaiser verpflichteten Feldherren Piccolomini und Gallas führte er das kaiserliche Heer von Böhmen nach Regensburg und marschierte nach dem Fall Regensburgs Richtung Westen, um sich mit dem Heer des spanischen Kardinalinfanten zu vereinigen.

Im Jahre 1634 erringen die vereinigten kaiserlichen und spanischen Heere in der Schlacht bei Nördlingen gegen die schwedischen Heere einen endscheidenden Sieg. Dieser Sieg bedeutete das Ende der schwedischen militärischen Vorherrschaft in Deutschland; - wenn auch nicht das Ende militärischer Aktionen der Schweden.

In dieser Schlacht befehligte Götz den rechten Flügel der Kaiserlichen und brachte durch die Angriffe seiner Dragoner die Schlachtordnung des Bernhard von Sachsen-Weimar, eines der begabtesten militärischen Führer auf Seiten der Schweden, durcheinander. Der Rückzug des linken Flügels der schwedischen Truppen war für die kaiserlichen Generäle das Zeichen für ihren siegreichen Angriff auf das Zentrum der Schweden.

Für Ferdinand war dieser Sieg der erhoffte Beweis, daß die Habsburger auch ohne Wallenstein in großen Schlachten siegen können.

Wegen seiner damals hochgerühmten Tapferkeit wird Götz 1635 vom Kaiser in den Reichsgrafenstand erhoben. (Als Götz später auch noch zum katholischen Glauben übertritt, wird er zum Feldmarschall befördert.)

Für Götz ist das Jahr 1635 ausgefüllt mit der Formulierung von Beweisen für einen angeblichen Verrat seines Konkurrenten Schaffgotsch, dessen Hinrichtung und ausgiebigen Zechgelagen mit seinem Saufkumpanen Gallas an der Saar. Militärische Erfolge können dem Feldmarschall in diesem Zeitraum nicht nachgewiesen werden.

Als im Februar 1636 der bayerische General Gronsfeld resigniert sein Kommando abgibt, erhält Götz dessen Heer und den Befehl, eine Strafaktion gegen den mit den Schweden verbündeten Landgrafen Wilhelm von Hessen-Kassel durchzuführen.

Befohlene Grausamkeiten, Morde und Plünderungen erfüllte Götz wie immer - auch diesmal - zur vollen Zufriedenheit des kaiserlichen Auftraggebers: mit 25 Regimentern fällt seine Soldateska in die Wetterau ein, plündert Hirschberg und Homburg, besetzt Paderborn und rückt bis Hildesheim vor.

Der Versuch, den hessischen General Melander den Rückzug abzuschneiden, mißlingt; Melander kann sich nach Westfalen absetzen.

Götz folgt ihm, und während er die Städte Soest, Dortmund, Werle und Hamm erobert, verwüstet er Westfalen so stark, daß Melander aus Mangel an Nahrung das Land verlassen mußte.

Daraufhin vereinigt sich Götz mit den Heeresteilen Hatzfelds und Geleens, und gemeinsam suchen sie Unterhessen heim...



Am 11. Januar 1637 bekamen die Kaiserlichen durch den Landgrafen Johann von Hessen-Darmstadt weitere Verstärkung und konnten gemeinsam den schwedischen Feldmarschall Leslie bis Nordheim zurückdrängen. Erst der Vorstoß des ihnen taktisch überlegenen Schweden Baner zwang sie zum Rückzug.

Der weitere Vormarsch Baners war nicht aufzuhalten: er vertrieb die Kaiserlichen aus Hessen und Westphalen, die Sachsen aus Thüringen und konnte in den folgenden Jahren Torgau und Leipzig erobern.

Das ausgeplünderte Hessen konnte die zurückweichenden Heere sowieso nicht mehr ernähren, also zogen sie sich bis nach Sachsen in die Gegend zwischen Leipzig und Dresden zurück.

Gemeinsam mit dem sächsischen Kurfürsten entwarf man einen Operationsplan gegen Baner, aber abgesehen von einigen kleineren Erfolgen bei Wittenberg vermied man eine direkte militärische Konfrontation mit den Schweden. Selbst als Baner eine Schlacht anbot, fanden Götz und Hatzfeld im Tod des Kaisers einen triftigen Grund, die Schlacht abzulehnen. Erst als Gallas im Sommer 1636 militärische Verstärkung brachte, gelang es, Baner einzuschließen. Was dann geschah, war ein Spiegelbild der zunehmenden militärischer Unfähigkeit kaiserlicher Feldherrn:

Baner sah sich einem kaiserlichen Heere in Stärke von 40.000 Mann gegenüber. Er selbst hatte noch ca 10.000 Soldaten unter seinem Kommando.

Baner mußte der Übermacht weichen. Seine Rückzugsgefechte aber waren Glanzstücke militärischer Taktik.

Gallas, dem der Kaiser die Aufgabe übertragen hatte, die Schweden übers Meer zu treiben, machte dabei eine außerordentlich schlechte Figur. Entweder kam Gallas bei Torgau zu spät, um die Schweden zu vernichten oder er ließ Baner bei Landsberg, nachdem er ihn schon eingeschlossen hatte, entwischen.

Baner war zu diesem Zeitpunkt noch ein listiger, mit allen Wassern gewaschener Feldherr; Gallas schon von der Trunksucht gezeichnet.

Außerdem war das Offizierscorps unter Gallas zu dieser Zeit mit zu vielen zu hohen Chargen bestückt, die naturgemäß und aus Profilierungsgründen widerspruchsvolle Befehle erließen.

Unter diesen Umständen konnte Gallas noch nicht einmal eine ihm von Baner erneut angebotene Schlacht annehmen...

Zwar gelang es Gallas, Baner bis Hinterpommern zurückzudrängen, aber als dieser im Sommer 1638 durch 14.000 Soldaten aus Schweden Verstärkung erhält, war Gallas am Ende. Das Hinterland war verwüstet, die Truppe ausgehungert und demoralisiert. Gallas mußte sich bis Mecklenburg zurückziehen. Der Offensivdruck der Schweden war so stark, daß sich die kaiserlichen Truppen sogar bis an die Grenze der Erblande zurückziehen mußten.

Götz verließ mit seinen Truppen das Heer schon im September 1637, um die Hessen und Franzosen aus Ostfriesland zu vertreiben und um nach dem Tode des Landgrafen Wilhelm von Hessen-Kassel den reichstreuen und kaiserfreundlichen Landgrafen Georg von Darmstadt als Vormund in Kassel einzuführen.

Im November 1637 gelang es Götz, mit dem lange Zeit zögerlichen Herzog Georg von Lüneburg einen Beistandspakt abzuschließen und dadurch Flankenschutz für die kaiserlichen Heere zu erhalten. Diese damit gewonnenen militärischen Freiräume nutzte Götz sofort aus, um die Städte Lemgo, Bielefeld und Dortmund einzunehmen und als Winterquartiere zu befestigen. Aber auf Befehl des Kaisers mußte er diese Orte und das Bergische Land dem nachrückenden Octavio Piccolomimi überlassen.



Das folgende Jahr 1638 war für Götz ein Jahr militärischer und persönlicher Rückschläge.

Diese Rückschläge können auch als das Ergebnis einer zu beobachtenden Entwicklung gedeutet werden, in der es Götz über Jahre nicht gelang, seinen militärischen Ruf bei Hofe durch überzeugende Siege zu festigen. Auffallend ist auch, daß er zunehmend unfähig wurde, zwischenmenschliche Kontakte aufzubauen oder andere Persönlichkeiten neben sich zu dulden.

Seine Freunde - sofern er wirklich Freunde und nicht nur Saufkumpanen besaß - selektierte er nicht nach gesundem Geist, sondern nach gesunder Leber aus.

Diese Unfähigkeit, Persönlichkeit und Fähigkeiten anderer Partner anzuerkennen und zu tolerieren ist ein Merkmal alle Kommandeure, die mit zunehmender Dauer des Krieges an Niveau und Profil einbüßten. Nach dem Tod (oder der Ermordung) der alten Offiziersclique war eine neue Generation von Offizieren ohne Bildung herangewachsen, die ohne moralische Standards, aber auch ohne Überzeugung und Visionen in den Krieg zogen, lediglich getrieben von der Gier nach Beute.

Götz gelang es auch nur deshalb die Karriereleiter emporzusteigen, weil es keine fähigen Konkurrenten gab. Insofern war das Jahr 1638 für ihn der letzte Höhepunkt gesellschaftlicher Anerkennung: er wurde, nachdem er zur katholischen Kirche übertrat, zum General-Feldmarschall ernannt.

Mit diesem Vertrauensbonus ausgestattet, erhielt er vom Kaiser den Befehl, an Stelle des in Gefangenschaft geratenen Jean de Werth die von den Schweden unter Bernhard von Sachsen-Weimar belagerte Festung Breisach zu befreien.

Breisach war nach damaliger Meinung der Schlüssel zu Süddeutschland und zur Sicherung des Oberrheins.

Bernhard belagerte Breisach seit Juni 1638, er gedachte diese Stadt zum Mittelpunkt seines zukünftigen unabhängigen Herrschaftsgebietes zu machen.

Frankreich war ebenfalls an Breisach interessiert. Richelieu wendete alle Mittel an, um den Ort dem französischen Einfluß zu unterstellen und von kaiserlicher Seite wurden alle Hebel in Bewegung gesetzt, um Breisach zu befreien.

Götz erhielt den Oberbefehl über alle kaiserlichen Truppen. Sein Heer zählte damals 18.500 Mann und war aufs Beste ausgerüstet. Das Belagerungsheer Bernhards bestand aus 12.500 ausgehungerten Soldaten, deren einzige Hoffnung auf den Sieg nur darin bestand, daß die Vorräte in Breisach geringer als die ihren waren und der Hunger die Stadt endlich zur Aufgabe zwingen würde.

Auf dem Weg nach Breisach setzte Götz über den Rhein, um die Ernte im Nieder-Elsaß zu zerstören. Während des weiteren Vormarsches auf Breisach wurden beim Städtchen Befeld unvermutet 7 kaiserliche Reiterregimenter von General Taupadell, einem der favorisierten Generäle Bernhards, angegriffen und fast vollständig vernichtet. Taupadell machte glänzende Beute und erbeutete u.a. 1.000 Pferde und 13 Standarten.

Götz mußte sich nach diesem Verlust bis Offenburg zurückziehen, da er durch Taupadell von seinem Nachschub abgeschnitten wurde.

Unter dem Kommando Götz befand sich auch der ebenso ehrgeizige wie skrupellose italienische Söldnerführer Fürst Savelli. Dieser war erst einige Tage vorher aus der Gefangenschaft des Bernhard von Sachsen-Weimar trotz des damals bindenden Ehrenwortes geflohen und nutzte seine neue Freiheit, um am Hofe in Wien gegen Götz zu intrigieren. Im Ergebnis dieser Intrigen wurde festgelegt, daß sich Savelli und Götz von Tag zu Tag im Oberkommando abwechseln sollten. Damit war der Ausgang der Militäraktion veraussehbar: am 10. August 1638 wurde das kaiserliche Heer bei Wittenweiher so vernichtend geschlagen, daß von den 12.000 Soldaten nach der Schlacht nur noch 3.000 unter die kaiserlichen Fahnen zurückkehrten.

Götz wurde verwundet und verlor seine Kanzlei. Beide Kommandeure beschuldigten sich anschließend gegenseitig, die Niederlage verschuldet zu haben.

Weitere Teile des kaiserlichen Heeres unter Herzog Karl von Lothringen erlitten am 14. Oktober bei Thann eine totale Niederlage.

Der erneute Versuch von Götz, vereint mit den Truppen des Generals Lamboy, Bernhards Belagerungsring zu durchbrechen, scheiterte ebenfalls: am 15. Oktober griff Götz mit 14.000 Soldaten die Schanzen Bernhards bei Breisach an. Nach fünf Angriffswellen schien Götz nahe daran zu sein, endgültig zu siegen, als der erkrankte Bernhard wieder den Oberbefehl übernahm und die Kaiserlichen in den Rhein drängte.

Ein letzter vergeblicher Versuch von Götz, im November mit der Verstärkung durch den Grafen Fürstenberg den Belagerungsring zu durchbrechen, ließ die kaiserlichen Pläne zur Befreiung Breisachs endgültig scheitern.

Am 17. Dezember 1638 ergab sich die ausgehungerte Stadt; Breisach, "der Schlüssel zum Rhein und das Tor nach Deutschland" war gefallen.

Im Dezember 1638 erschien im Lager des kaiserlichen Heeres in Landshut Graf Philipp von Mansfeld und verhaftete Feldmarschall Götz im Namen des Kaisers und des Kurfürsten von Bayern.

Götz wurde beschuldigt, Savelli in der Schlacht bei Wittenweiher nicht ausreichend unterstützt zu haben und er soll beim Angriff auf Breisach tatenlos zugesehen haben, als General Lamboy, angeblich kurz vor dem Sieg, von den Schweden wieder aus den Schanzen geworfen und über die Brücke getrieben wurde.

Was sich in den folgenden Monaten in Wien hinter verschlossenen Kanzleitüren des Hofes und an öffentlichen Propagandafeldzügen abgespielt hat, verblüfft auch heutige, von Medien-Meinungsmachern betroffene Betrachter. Nicht nur daß Götz in mehreren Voträgen versuchte, den Kaiser von der Notwendigkeit und Logik seines Handelns zu überzeugen und seine Gemahlin bei Hofe sämtliche Beziehungsfäden knüpfte, - auch die Gegenseite war ungewöhnlich aktiv!

Savelli und alle Neider verfaßten Schmähschriften und verteilten Flugblätter, in denen Götz außer den unterlassenen Hilfeleistungen unter anderem vorgeworfen wurde, er hätte mit den Schweden und Franzosen Kontakte gehabt, und die Niederlage der kaiserlichen Truppen vor Breisach wäre abgesprochene Sache gewesen.

Die öffentlichen Angriffe und Verleumdungen wurden so offensiv geführt, daß allgemein angenommen wurde, Götz würde hingerichtet werden, zumal auch bekannt wurde, daß man Götz "wol über die Maaßen hart zugesetzt und ihn eben lang am Kreuz hängen" ließ.

Aber zur allgemeinen Überraschung wurde Götz am 17. August 1640 auf dem Reichtag in Regensburg vom Kaiser und dem Kurfürsten von Bayern für unschuldig und frei erklärt, und Götz erschien am 7. September persönlich auf dem Reichstag.

Allerdings hatte die militärische Karriere einen Knick erhalten; erst im Jahre 1643 fing Götz dort an, wo seine Karriere schon einmal begonnen hatte: als Kommandeur des kaiserlichen Heeres in Schlesien.

Dort versuchte er vergebens, den schwedischen Feldherrn Torstensson davon abzuhalten, nach Mähren zu marschieren.

Einer der Orte, der von den Schweden besetzt und das Objekt der Begierde Götzens war, war die Stadt Schweidnitz. Schweidnitz war - wie ganz Schlesien - katholisch, die Schweden evangelisch und so ließen sich die Ratsherrn und die Geistlichkeit auf konspirative Verhandlungen mit dem nun katholischen Götz ein. Gegen entsprechende Privilegien sollten die kaiserlichen Soldaten durch einen unterirdischen Gang die schwedischen Besatzer überrumpeln.

Bevor es allerdings soweit kam, wurde das Komplott von den Schweden entdeckt und die Kollaborateure geköpft...

Im Oktober 1643 erkrankte Gallas und mangels Masse erhielt Götz das Kommando über das gesamte kaiserliche Heer. Nun stand er vor der ihn überfordernden Aufgabe, die Schweden sowohl aus Schlesien als auch aus Mähren herauszudrängen.

Aber Götz gehörte offensichtlich zu den Menschen, die zwar nicht die erforderlichen Fähigkeiten für die Lösung von Problemen besaßen, aber zumindestens den Eindruck erwecken konnten, daß es ihnen gelingen könnte, und das Glück hatten, daß sich die Probleme auch ohne ihr Zutun zu ihrem Gunsten lösten.

Denn im September erhielt Torstensson von der schwedischen Regierung den Befehl, Richtung Norden zu marschieren: Schweden hatte Dänemark den Krieg erklärt!

Nun gewann Götz den Spielraum, den er für seine Art der Kriegsführung brauchte: er überfiel Torstensson auf seinem Rückzug bei Wartenberg, nahm ihm mehrere Standarten ab, und gemeinsam mit dem wiedergenesenem Gallas belagerten sie Zittau, das sich schließlich ergab.

Im Januar 1644 versuchte Götz - wieder einmal vergeblich - die Stadt Wohlau zu stürmen, als er den Befehl erhielt, einen Feldzug gegen Rakoczi vorzubereiten. Rakoczi war Fürst von Siebenbürgen und Nachfolger von Bethlen Gabor, der aus seiner Sonderstellung als Pufferstaat Ungarn, zwischen dem östlichsten Teil des Habsburger Reiches und den Türken immer seine politischen Vorteile zu ziehen wußte. Rakoczi versuchte, diese Traditionen fortzusetzen und die militärische Schwäche des Kaisers politisch und eventuell territorial auszureizen. Die Belagerung seiner Festung Kaschau durch Götz sollte ihn disziplinieren. Aber drei Dinge sprachen gegen den Erfolg: erstens konnte Götz die Festung nicht einnehmen, seine Verluste und der Hunger seiner Mannschaft waren zu groß, zweitens singnalisierte Rakoczi an den Kaiser (scheinbare) Friedensbereitschaft und drittens nahm er Verbindung mit den in Schlesien verbliebenen Schweden auf. Im Ergebnis dieser diplomatisch eindruckvollen Politik sah sich Götz plötzlich in einen Zwei-Fronten-Krieg verwickelt: in Ungarn wurde Rakoczi und in Schlesien und Polen die Schweden aktiv. Eine Unvorsichtigkeit des Siebenbürger Fürsten verhinderte eine totale Niederlage von Götz: bei dem übereilten Versuch, die kaiserlichen Truppen von ihren Nachschubwegen abzuschneiden, wurde Rakoczi bei St. Andreas von Götz besiegt. Um diesen Erfolg komplett zu machen, erhielt Götz Verstärkung durch die Truppen des kaiserlichen Feldmarschalls Graf Hans Christoph von Puchaim.

Das Verhalten Götz bei Erscheinen eines zweiten Feldmarschalls war berechenbar: als Puchaim Götz einen gemeinsamen Angriff auf den Feind vorschlug, kam es zwischen beiden zum Streit; Götz zog seine Pistole und schoß Puchaim in die Wange. Damit hatte er gegen die elementarsten Regeln der Offiziersehre verstoßen, wurde von seinem Kommando enthoben und durch Don Hannibal Gonzaga ersetzt. Götz fing an zu kränkeln und Puchaim zog sich (nunmehr auch nicht ganz gesund) vom ungarischen Kriegsschauplatz zurück.

Spätestens in den Jahren ab 1640 waren die Ressourcen der am Krieg beteiligten europäischen Länder und Koalitionen verschlissen.

Deutschland war ruiniert. Die verfeindeten Truppen kämpften nur noch um den Erhalt ihrer Existenz. Der Krieg war von keiner kriegsführenden Seite zu gewinnen.

Die politische Situation in Europa war chaotisch:

Der Kaiser war mit den deutschen Ständen zerstritten, die Franzosen mit den Holländern und Spaniern, die Holländer mit Spanien sowieso, und die Schweden okkupierten Teile Dänemarks.

Die Bevölkerung in Deutschland wurde ohne Erbarmen und ohne Rücksicht von der Soldateska ausgeplündert. Dabei spielte es keine Rolle, ob die durchziehenden Heere kaiserlich, schwedisch, französisch, katholisch oder evangelisch waren. Die Bauern wußten sich oft nicht anders als durch Aufstände zu helfen. In dieser Situation war die Hoffnung auf Frieden die einzige Hoffnung, die die Menschen noch besaßen. Und diese Hoffnung sollte ein Friedenskongreß in Westfalen erfüllen.

Am 4. Dezember 1644 wurde in Münster und Osnabrück der westfälische Kongreß eröffnet.

Während des Kongresses und auch noch reichlich drei Jahre und zehn Monate nach dem Zusammentritt des Kongresses dauerte der Krieg an.

Bereits während der ersten Kongreßjahre 1644 bis 1645 verschlechterte sich die politische und militärische Lage für den Kaiser.

Das kaiserliche Heer unter Gallas war durch den schwedischen Feldherrn Torstensson in Holstein ausgehungert und bis Bernburg zurückgedrängt worden. Tatsächlich war das kaiserliche Heer so heruntergekommen, daß sich Gallas heimlich über Magdeburg nach Böhmen zurückziehen mußte, um einer totalen Niederlage zu entgehen. Um nach Meinung des Kaisers das Schlimmste zu verhindern, erhielt Puchaim das Oberkommando in Ungarn und Götz eine Handvoll Regimenter, um in Böhmen und Schlesien die Schweden aufzuhalten.

Anfang 1645 überschritt Torstensson das Erzgebirge und marschierte in Eilmärschen auf Prag. Bei Jankau, ungefähr fünfzehn Kilometer von Tabor entfernt, stellten sich ihm vereinte kaiserliche und bayerische Truppen entgegen. Die bayerische Reiterei unter Götz und Werth war das Rückgrat des Heeres, und beide Truppenteile waren an Zahl den Schweden überlegen.

Torstensson war jedoch seinen Gegnern taktisch weit überlegen. Er wählte für die von den Kaiserlichen angebotene Schlacht ein unebenes, dichtbewaldetes Gelände aus, das das Übergewicht insbesondere der bayerischen Reiterei zunichte machte.

So kam es zu keiner richtigen Schlacht, sondern zu einer Anzahl von Scharmützeln, in deren Verlauf Torstensson zunächst Götz irritierte und ihn dann angriff, als dieser im Nachteil war. Götz befand sich auf dem rechten Flügel unversehens zwischen Teichen und bewaldeten Hügeln und konnte seine Reiterei nicht in Angriffsposition aufstellen als er von den Schweden angegriffen wurde. Die bayerische Reiterei konnte sich nur durch die Flucht retten, und Götz selbst wurde dabei von einer Falkonetkugel tödlich verletzt.

Als die Infanterie vom Tode Götz erfuhr, verließ sie in Panik ihre Geschütze. Der verzweifelte Versuch der kaiserlichen Truppen, die Schweden aufzuhalten, führte im schwierigen Gelände zu schweren Verlusten.

Der einzige, der das Blatt hätte wenden können, der kaiserliche General Hatzfeld, geriet dabei in schwedische Gefangenschaft. Die Reste der kaiserlichen Truppen und der bayerischen Reiterei flohen in Richtung Prag.

Seit jenen Tagen war für fehlgeschlagene Aktionen in Böhmen das Sprichwort überliefert: "soviel ausrichten, wie Götz bei Jankau".

Der Weg nach Prag war für Torstensson frei. Lediglich die große Armut Böhmens, die zwar Wein, aber kein Brot für die schwedischen Soldaten aufbringen konnte, milderte die befürchtete Wirkung der verlorenen Schlacht für die Habsburger.

Götz wurde am 1. April 1645 in Prag in der Kirche St. Emaus begraben.

Seine Witwe, Apollonia Gräfin von Hoditz heiratete fünf Jahre später den Feldmarschall Graf Pompejo.



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