Friedrich V. Kurfürst von der Pfalz

Im Rahmen dieser Biografie Friedrichs V. können die tatsächlichen Verflechtungen der konkurrierenden politischen Interessengruppen nur skizziert werden.

Wie bei keiner anderen Person dieser Zeit - Ferdinand II. aus dem Hause Habsburg vielleicht ausgenommen - orientieren sich der Beginn und die scheinbaren Ursachen des Krieges an den Entscheidungen und Handlungen Friedrichs.

Der Kurfürst Friedrich von der Pfalz wurde in seiner Unentschlossenheit mitgerissen von den Ereignissen, die auf Grund sozialökonomischer Widersprüche und aufkeimendem Nationalismus im Laufe der Jahre ab 1609 eine scheinbare Eigendynamik entwickelten.

Er und seine Berater hatten nicht das Format, die Ursachen der politischen Krise des Reiches zu erkennen, geschweige ihnen zu begegnen.

Selten hat in der Geschichte Europas die Bedeutungslosigkeit eines Mannes eine so nachhaltige Wirkung auf seine Zeit ausgeübt.[1]

So wurde Friedrich zunächst zum Spielball und später zum Ballast der Geschichte.

Daß sein Name über Jahrhunderte bekannt blieb, sein Grab aber unbekannt ist, hat fast schon Symbolcharakter.

Wenn in der Geschichtsliteratur Friedrich von der Pfalz vorgestellt wird, begegnet dem Leser ein spontaner, sympathischer junger Mann, der durch seine Einstellung zum Leben auch in unserer heutigen, sogenannten modernen Zeit, keine Probleme hätte, einen großen Freundes- und Bekanntenkreis anzuziehen.

Es ist in diesem Zusammenhang wie immer, ein großes Vergnügen, C.V. Wegdwood zu zitieren, die es in ungewöhnlich einfühlsamer Weise versteht, in der betrachteten historischen Person den Menschen zu finden und vorzustellen.

In der Person Friedrichs offenbaren sich Persönlichkeit und Menschlichkeit in einer Weise, wie man sie in dieser Zeit der Menschenverachtung, des Zynismus und der Verrohung der Gefühle nicht mehr erwartet.

Bei aller Sympathie, die man Friedrich entgegenbringen kann, sollte nicht vergessen werden, daß Anlässe für Kriege auch dieses Ausmaßes, mitunter durch Leichtfertigkeit, Sorglosigkeit und politische Dummheit gefördert werden; Eigenschaften, die Friedrich in hohem Maße in sich vereinigte.

"Kurfürst Friedrich der V. (...) war schlank und gut gewachsen, und der besondere Reiz seiner Umgangsformen verstärkte den
angenehmen Eindruck seiner Gesichtszüge und schönen Augen. Abgesehen von gelegentlicher Verdrießlichkeit war er ein freundlicher Gastgeber und guter Kamerad, edelmütig und leicht zu erfreuen. Vornehm, vertrauensvoll, nicht fähig lange zu zürnen, zu hassen oder sich rasch zu entschließen, bemühte er sich gewissenhaft, seine Pflichten zu erfüllen, wenn auch die Freuden der Jagd, des Tennisspiels, des Schwimmens und selbst des Schlafens für ihn eine Versuchung waren.

Ein ironisches Schicksal hatte ihm keine Laster, aber alle jene Tugenden beschert, die für einen regierenden Fürsten am wertlosesten sind. Er war weder körperlich noch geistig eine starke Natur, und die vornehme Erziehung, die sein ängstliches Wesen hätte aufrütteln und ihn fähig machen sollen, für eine große Sache mit Ausdauer einzutreten, hatte das Wenige an Charakter, das ihm gegeben war, restlos zerweicht."
[1]

Friedrich V., Kurfürst von der Pfalz und König von Böhmen, wurde am 16. August 1596 geboren.

Seine Mutter Julienne war eine Tochter Wilhelms von Oranien (des Schweigers).

Friedrich IV. , der alkoholkranke Vater Friedrich V.
"Sie war ihrem kranken, trunksüchtigen Gatten mit bewundernwert unerschütterlicher Standhaftigkeit ergeben geblieben, aber sie hatte ihren Sohn dem Bereich der unbeherrschten Launen seines Vaters entzogen, indem sie ihn zur Erziehung zu ihrer Schwester nach Sedan sandte, an den Hof des Herzogs von Bouillon, des Gemahls ihrer Schwester, des anerkannten Führers der calvinistischen Partei Frankreichs.

Als sein Vater starb, war Friedrich als ein zurückgebliebener Junge von vierzehn Jahren nach Heidelberg heimgekehrt und hatte seine Erziehung unter der Obhut Christians von Anhalt, der seines Vaters und jetzt sein Kanzler war, vollendet.

Der empfindsame und anhängliche junge Prinz ließ sich willig nach den Ideen dieser älteren Personen formen, da er unbeirrbar an die Sendung glaubte, für die sie ihn ausersehen hatten; indem er sein Urteil völlig dem ihrigen unterordnete, wurde es ihm zur zweiten Natur, sich an den Herzog von Bouillon, an seinen Prediger oder an Christian von Anhalt zu wenden.

Keiner dieser Männer besaß die für eine europäische Krise erforderlichen Eigenschaften.

Der Herzog von Bouillon war der ungestüme Aristokrat gewesener Tage, tapfer, ritterlich, ehrgeizig, aber ohne jede tiefere Einsicht.

Der Prediger Schultz war, wie die meisten seiner Art, ein pedantischer, von der Macht über seinen von Gewissenszweifeln geplagten Herren berauschter Frömmler."
[1]

Als Friedrich V. von der Pfalz die Kurfürstenwürde seines Vaters übernahm, war er 17 Jahre alt. Sein Kanzler Christian von Anhalt hatte bis zu diesem Zeitpunkt alle politischen Weichen gestellt, die ihm für die Entwicklung eines unentschlossenen jungen Kurfürsten wichtig erschienen.

Er sonnte sich in dem diplomatischen Erfolg der sogenannten englischen Heirat. Es war ihm gelungen, eine Hochzeit Friedrichs mit Elisabeth , der Tochter des englischen Königs zu arrangieren.

Aus dem zunächst aus rein dynastischen Gründen geschlossenen Ehepakt wurde in kurzer Zeit eine Liebesheirat.

Brautbild Elisabeths ... mit 16 Jahren!
Elisabeth strotzte vor Gesundheit, hatte Charakter, besaß Intelligenz und Schönheit, hatte einen "ungezügelten Humor" und ihrem Stande gemäß Entschlossenheit, Starrsinn und Stolz.

Sie stritt mit ihrer Familie, gab sich keine Mühe die deutsche Sprache zu lernen, aber sie lebte mit Friedrich in ständigen Flitterwochen.

Die Zeitgenossen waren gleichermaßen entsetzt und behext von ihr.

Aus deren Urteil über Elisabeth kann man noch heute die widersprüchliche Verklemmtheit der damaligen gesellschaftlichen Etikette herauslesen.

Der Herzog Christian von Braunschweig, der "tolle Halberstädter", war offensichtlich verliebt in sie; er trug sein ganzes Leben einen Handschuh von ihr an seinem Hut als Zeichen des Versprechens, das er ihr gegeben hatte, für sie die damals verlorengegangene Pfalz zurückzuerobern.

Sein Motto, das er auch an seine Fahnen heften ließ, lautete:"Alles für Gott und für Sie".

Als eines Tages der kaiserliche General Tilly in einer Schlacht diesen Wahlspruch las, konnte dieser als gläubiger Katholik nicht begreifen, wie man den Namen Gottes gemeinsam mit "dem Sack irdischer Verderbtheit" auf eine Fahne schreiben konnte...

Wenig schmeichelhaft - für "den alten Corporal", wie ihn der Schwedenkönig nannte.

Selbst Berichte, die zweihundert Jahre nach ihrem Tode verfaßt wurden, moralisieren, daß Elisabeth durch sorglose Leichtigkeit und Vergnügen an äußerem Tande alle ernste und haushälterische Sitte vom Hofe verbannte.

Aber die Munterkeit ihres Charakters und ihre leichtbeschwingte Natur ließen sich nicht von der Meinung verkniffener Jesuitenschüler beeindrucken.

Zumal ihr Gatte sich als Ausbund aller privaten Tugenden entpuppte. Er war ein vorbildlicher Ehegatte, kümmerte sich persönlich um seine Kinder, hatte einen verschwenderisch auserlesenen Geschmack und verstand es, höfische Feste zu feiern.

Auf seine Art war er für alle deutschen Fürsten ein Vorbild.

Hätten sie diesem Vorbild nachgeeifert - vielleicht wäre aus Deutschland damals eine menschliche Kulturnation von Weltrang geworden.

Aber es war nicht die Zeit der Idylle, und die Zeichen standen in Europa auf Sturm.

Die deutschen Fürsten erwarteten von Friedrich Entscheidungen, denn er hatte auch ein politisches Erbe übernommen: er war der Führer der von seinem Vater gegründeten protestantischen Union.

Die Union war die politische und damit auch militärische Interessenvertretung der deutschen protestantischen Fürsten (mit Ausnahme Sachsens) - mit diesem Anspruch wurde sie jedenfalls gegründet.

Sie entstand als Reaktion auf die Ächtung der Stadt Donauwörth durch den Kaiser.

Während einer Prozession von Katholiken in Donauwörth war es zu Auseinandersetzungen mit der mehrheitlich protestantischen Bevölkerung gekommen. Daraufhin schickte der katholische Kaiser seinen Schwager, Maximilian von Bayern, mit seinem Heer zur "Bestrafung" der Stadt nach Donauwörth.

Anschließend verpfändete er Donauwörth an Maximilian zur Deckung der "Unkosten".

Friedrichs Verhängnis war seine Passivität. Er war keiner politischen Herausforderung gewachsen und Christian von Anhalt, sein Ratgeber in allen Lebenslagen, flößte den Fürsten kein Vertrauen ein.

Die Erkenntnis, daß Friedrich keinerlei Führungsqualitäten besaß, distanzierte mögliche Geldgeber und Koalitionspartner. Andererseits fehlte es den deutschen protestantischen Fürsten an Gründen und Courage, mit ihm zu brechen.

Die scheinbar unverhältnismäßigen politischen Reaktionen, die die Entscheidungen Friedrichs im Hinblick auf die böhmische Thronfolge bei deutschen Fürsten und am Wiener Hof hervorriefen, sind nur vor dem Hintergrund der geschichtlichen Entwicklung Böhmens und der Einflußnahme der Habsburger auf die nationalen und religiösen Ansprüche des böhmischen Adels und des städtischen Bürgertums zu verstehen.

Im gesamteuropäischen Rahmen war Böhmen zwar nur ein kleines Land, aber mit der Krone Böhmens war auch die Herrschaft über die Herzogtümer Schlesien und Lausitz und über die Markgrafschaft Mähren verbunden.

Böhmen war durch Handel und Landwirtschaft so reich, daß es mehr als die Hälfte der Verwaltungskosten des ganzen Reiches deckte.

Wenn Adel und Bürgertum eines Landes eine so stark entwickelte materielle Basis besitzen, melden sie in der Regel auch politische Ansprüche an, die in Böhmen in der Zeit des auslaufenden 16. und beginnenden 17. Jahrhunderts religiös geprägte Formen annahmen.

Die Gegnerschaft zur römischen Kirche hatte Tradition. Noch in der Zeit, in der die Böhmen der katholischen Kirche anhingen, hielten sie ihren Gottesdienst in ihrer Muttersprache ab. Ihr Schutzpatron war nicht irgendein katholischer Heiliger, sondern ihr eigener König Wenzeslaus. Jan Hus und Hieronimus von Prag wurden zwar in Konstanz als Ketzer verbrannt, aber ihre Lehren lebten weiter.

Ziska als militanter Führer der hussitischen Lehre, eroberte das Land zurück. Der erste nicht-katholische König Georg von Podiebrad, machte die hussitische Religion zur Staatsreligion.

Fünfzig Jahre später kamen Luthers Lehren nach Böhmen, und diesen folgte der Calvinismus.

In dieser Zeit des Umbruchs fiel das Königreich Böhmen nach den dynastischen Regeln dieser Zeit an die Habsburger.

Es ist schwer verständlich, warum die Böhmen die katholischen Habsburger duldeten, denn die böhmische Krone war nicht erblich; Böhmen war ein Wahlkönigtum.

Daß die Habsburger ihre Machtansprüche ungehindert durchsetzen konnten, lag in der Zerstrittenheit der Ultraquisten, Lutheraner und Calvinisten begründet, die untereinander um Privilegien kämpften.

Die habsburgischen Könige setzten den Katholizismus wieder als Staatsreligion ein und gewährten den drei anderen Religionen lediglich Duldung.

Die bisherige, auf Landbesitz beruhende Werteordnung Böhmens wurde im Zuge der ökonomischen Entwicklung durch das aufstrebende Bürgertum in Frage gestellt.

Die gesellschaftliche Sonderstellung der 14.000 (!) Adelsfamilien war im Schwinden begriffen und so unterstützte der böhmische Adel die habsburgische Regierung aus Furcht vor den militanten Calvinisten.

Diese Spaltung der Böhmen versuchte 1609 Kaiser Rudolf auszunutzen und entzog den Protestanten die religiöse Duldung.

Das löste eine Krise im Reich aus und ein drohender nationaler Aufstand zwang den Kaiser in einem sogenannten Mäjestätsbrief den protestantischen Gottesdienst zu garantieren.

Kaiser Rudolf II. machte Prag zu seiner kaiserlichen Residenz- und Hauptstadt. Der Kaiser, der mehr mit Astrologie und Astronomie beschäftigt war als mit Staatsgeschäften, wurde vom lutherischen Adel als König von Böhmen abgesetzt. Sein Bruder Matthias übernahm den Thron.

Mattias in seiner katholischen Tradition verstieß zwar nicht gegen den Inhalt, jedoch gegen den Geist des Majestätsbriefes. Die Empörung verstärkte sich in Böhmen, als Matthias auch noch seinen Regierungssitz nach Wien verlegte.

Die erneute Absetzung des Kaisers als böhmischer König scheiterte jedoch an den widerstrebenden Interessen und Bestrebungen der sich bekämpfenden nationalen Parteien.

Zur Erlangung der nationalen Unabhängigkeit waren natürlich die Absetzung der Habsburger Dynastie, aber ebenso ein Gleichgewicht der politischen Kräfte notwendig. Und eben das war unter den gegebenen Umständen nicht möglich; zumal die Angst vor dem Verlust des materiell Erreichten das letzte Wagnis ausschloß.

Die Sorge der politisch einflußreichen Kreise um die Bewahrung der Privilegien sicherte dem Kaiser die Macht.

Eine Wiederwahl eines Habsburgers war allerdings nach den Ereignissen der letzten Jahre mehr als fraglich.

Man sollte annehmen, daß die Wahl des böhmischen Königs eine Angelegenheit war, die auschließlich die Böhmen anging.

Aber der Umstand, daß die Könige von Böhmen auch Kurfürsten des Heiligen Römischen Reiches waren, machte diese Wahl zu einem Ereignis von europäischer Bedeutung.

Die Tragik dieser Verknüpfung der machtpolitischen Interessen leitet sich an dem Zweifel ab, ob Böhmen, Schlesien, die Lausitz oder Mähren historisch gesehen überhaupt zum Gebiet des Heiligen Römischen Reiches gehörten.

Matthias war kinderlos, und eine Neuwahl zeichnete sich ab. Was fehlte, war ein geeigneter Kandidat.

Es boten sich drei Kandidaten an: Erzherzog Ferdinand, Kurfürst Johann Georg von Sachsen und Kurfürst Friedrich von der Pfalz.

Christian von Anhalt hatte die letzten fünf Jahre versucht, für seinen Herrn den Weg zum böhmischen Königsthron zu ebnen.

Aber es gelang ihm nicht, eine ausreichend starke Partei zu schaffen, die stark genug war, Friedrichs Bewerbung zu unterstützen. Friedrich war nicht nur zu unerfahren und ohne Ansehen, er war Calvinist - eine Zumutung für die böhmischen Adligen und eine Gefahr für die Protestanten.

Johann Georg war als toleranter protestantischer Herrscher ein Wunschkandidat. Da er aber alle Angebote unbeantwortet ließ, war es unmöglich, ihn vorzuschlagen.

Mangels anderer, besserer Kandidaten, wurde schließlich am 17. Juni 1617 Erzherzog Ferdinand zum böhmischen König gewählt.

Das angestrebte Ergebnis der anstehenden Kaiserwahl nach dem erwarteten Tod des kränkelnden Kaisers Matthias schien somit für das Haus Habsburg gesichert.

Ferdinand dachte nach seiner Wahl zum böhmischen König keinen Augenblick daran, auch weiterhin den Inhalt des Majestätsbriefes zu garantieren, aber er war klug genug, den Anlaß für die Beseitigung der Privilegien der hoffnungslos zerstrittenen Gegenpartei zu überlassen.

Und dieser Anlaß ließ nicht lange auf sich warten.

Am 23. Mai 1618 werfen aufgebrachte Protestanten zwei kaiserliche Statthalter und einen Schreiber aus dem Fenster der Prager Burg.

Eine provisorische Regierung unter Graf von Thurn übernimmt die Macht. Graf von Thurn wird zum militärischen Oberbefehlshaber ernannt und marschiert mit einem Heer im Juni bis vor die Tore Wiens, um nach kurzer Belagerung nach Böhmen zurückzukehren.

In der ganzen Zeit der inneren Unruhen in Böhmen war Friedrichs Kanzler Christian von Anhalt politisch aktiv.

Er wollte die absehbaren Probleme nutzen, um eine Partei zu schaffen, die stark genug war, um Friedrich zum König zu wählen.

Die Probleme zeichneten sich sehr bald ab.

In Böhmen hatten die Protestanten den formellen Waffenstillstand mit den Katholiken gebrochen. Die Jesuiten wurden ausgewiesen und die katholische Stadt Krummau von Thurn angegriffen und eingenommen. Böhmen hatte das gesamte katholische Europa gegen sich aufgebracht, und der Wiener Hof nutzte die Kreuzzugsstimmung konsequent aus. Im August 1618 marschierten zwei kaiserliche Heere Richtung Prag, und die böhmischen Aufständischen nahmen hocherfreut ein Angebot Friedrichs von der Pfalz und des Herzogs von Savoyen zur militärischen Unterstützung an. Ein Heer von 20.000 Mann unter dem Feldherrn Ernst von Mansfeld überschritt die Grenze und belagerte Pilsen, den reichsten und bedeutensten Stützpunkt der Kaisertreuen.

Ganz Böhmen war begeistert, als nach fünfzehnstündigem erbitterten Kampf Pilsen am 21. November fiel.

Mansfeld und Thurn schlossen anschließend die kaiserlichen Truppen in Budweis ein und verwüsteten die österreichischen Grenzgebiete.
Böhmen schien gerettet.

Ende 1618 beruft Friedrich von der Pfalz eine Tagung der protestantischen Union nach Rothenburg ein. Er hoffte auf Beifall und finanzielle Unterstützung. Um so enttäuschter war er und sein Kanzler, daß die versammelten Fürsten seine Pläne zur Übernahme der böhmischen Königswürde durchschauten und neutral blieben.

Weder sie noch der sächsische Kurfürst waren von dem militärischen Abenteuer angetan und bereit, es zu finanzieren.

In der Zwischenzeit hatten die böhmischen Stände auf die beharrlichen diplomatischen Andeutungen der Gesandten des Pfälzer Hofes reagiert und anfragen lassen, ob denn Friedrich bereit sei, die Krone anzunehmen, wenn sie ihm denn angeboten würde.

Die Intrigen Christians von Anhalt zum Gewinn der böhmischen Krone trugen erste Früchte, und Friedrich war wohl einer der wenigen, die nicht ahnten, welcher Preis dafür zu zahlen war.

In Böhmen und in den Grenzlanden zu Böhmen verschärfte sich die Lage von Monat zu Monat.

In Mähren kam es zum offenen Aufstand; die Protestanten in Ober- und Niederösterreich kritisierten Ferdiand ganz offen; Kärnten und die Steiermark standen vor einer Rebellion.

Die Lausitz, Schlesien und Mähren unterzeichneten im Juli 1619 ein Abkommen für eine gemeinsame Konförderation mit Böhmen.

Die Nöte der böhmischen Glaubensbrüder lieferten für den Fürsten von Siebenbürgen, Bethel Gabor einen willkommenen Anlaß zu einem Feldzug Richtung Ungarn.

Ungarn war halb protestantisch und sofort bereit, sich gegen das Habsburger Joch zu erheben.

Und das alles geschah in einer Zeit, in der Ferdinand auf dem Wege nach Frankfurt am Main zur Kaiserwahl war.

Im August 1619 erfolgte - auch mit der Stimme Friedrichs(!) - die Wahl Ferdinands zum Nachfolger des am 20. März 1619 verstorbenen deutschen Kaisers Matthias.

Die Gerüchteküche kochte. Der Erzbischof von Köln, ein Bruder Maximilians von Bayern, äußerte in Kenntnis der Bedeutung Böhmens für die Habsburger: "Sollte es so sein, daß die Böhmen im Begriffe ständen, Ferdinand abzusetzen und einen Gegenkönig zu wählen, so möge man sich nur gleich auf einen zwanzig- dreißig- oder vierzigjährigen Krieg gefaßt machen."

Noch am Wahltag erreicht den neuen Kaiser die Nachricht von seiner Absetzung als König von Böhmen durch die böhmischen Stände.

Der Kaiser urteilte in Kenntnis der tatsächlichen Machtverhältnisse: nur "närrische und aberwitzige Leute" könnten so etwas tun.

Friedrich von der Pfalz war nicht nach Frankfurt gereist, er hatte sich vertreten lassen. Jetzt befand er sich verdächtig nah der böhmischen Grenze. Er war einer der ersten, die von der Absetzung Ferdinands erfuhren.

Am 26. August traten die böhmischen Stände zusammen und wählten mit 100 gegen 46 Stimmen Friedrich zum neuen König von Böhmen.

Nun, wo die Entscheidungen, die sein weiteres Leben bestimmen sollten, gefallen waren, suchte er Zuflucht zum Gebet.

Zu spät mußte er erfahren, daß seine Gebete nicht erhört wurden.

Nach der Entscheidung der böhmischen Stände erbat sich Friedrich Bedenkzeit aus. Als am 12 September 1619 die Vertreter der Union in Rothenburg zusammentraten, rieten, bis auf wenige Ausnahmen, alle Vertreter Friedrich, sich nicht in die inneren Angelegenheiten Böhmens einzumischen.

Auch am Heidelberger Hof warnten ihn beinahe alle, das Angebot anzunehmen, und selbst seine Mutter, beschwor ihn, nicht nach Böhmen zu gehen. Seine Räte stellten eine Liste auf, die vierzehn Gründe für die Ablehnung und sechs für die Annahme enthielt.

Sein Hofprediger Schultz sah hingegen in der Wahl, die Böhmen getroffen hatte, einen Fingerzeig Gottes und bedrängte Friedrich, die Krone anzunehmen.

Zur endgültigen Entscheidung wird sicher auch die Meinung Elisabeths beigetragen haben.

Der jungen Kurfürstin wird die Äußerung nachgesagt, daß "sie lieber Sauerkraut mit einem König, als Braten mit einem Kurfürsten essen wolle."

Ihr Vater, der König von England war allerdings von Anfang an gegen die politischen Absichten seines Schwiegersohnes. Friedrichs Onkel, Moritz von Oranien, hat wiederum Friedrich in seinem Vorhaben bestärkt.

Friedrich war zutiefst verunsichert. Er fühlte sich nach Lage der Dinge auch moralisch nicht mehr berechtigt, die Krone anzunehmen. Denn sie wurde von den aufständischen Böhmen dem nunmehr deutschen Kaiser abgesprochen, dem er als deutscher Fürst zu Loyalität verpflichtet war. Andererseits hatte er ja gerade durch die militärische Unterstützung der Aufständischen Erwartungen erweckt, die er nicht enttäuschen konnte, ohne das Volk zu verraten, das ihm nun vertraute.

Daß ihm je Zweifel an seiner Eignung für dieses Amt kamen, ist unwahrscheinlich, aber Ängste werden ihn begleitet haben.

Die Ängste und Unsicherheiten werden deutlich in einem Brief, den er an seinen Onkel, den Herzog von Bouillon schrieb.

Darin begründet er seinen Entschluß mit den Worten:"Es ist ein Ruf von Gott, dem ich mich nicht verschließen darf...mein einziges Ziel ist, Gott und seiner Kirche zu dienen."

Bei diesem Satz könnte der Hofprediger Schultz die Feder geführt haben...

Friedrich flüchtete sich vor seinen Gewissenskonflikten zunehmend in Schutzbehauptungen.

So argumentierte er, daß er sich nicht mit dem deutschen Kaiser im Streit befinde, sondern mit einem abgesetzten König eines Landes, das außerhalb des kaiserlichen Machtbereiches lag. Damit hatte er formell Recht, aber die Machtverhältnisse ließen auch eine andere Rechtsauffassung zu - nämlich die des Kaisers oder die der Mehrzahl der deutschen Fürsten.

Was Friedrich allerdings nicht wahrhaben wollte: mit seiner Entscheidung für die böhmische Krone würde er vorsätzlich den Reichsfrieden brechen!

Am 28. September unterrichtet Friedrich die böhmischen Unterhändler, daß er die Krone annehmen wird.

Über diese Entscheidung urteilt C.V. Wedgwood mit folgenden Worten:

"Wäre es in der Geschichtsschreibung jemals möglich, eine einzige Tat als entscheidend für die folgenden Entwicklungen herauszuheben, dann könnte die Annahme der Krone von Böhmen durch den Kurfürsten Friedrich von der Pfalz eine solche Tat gewesen sein.

Durch diese Annahme zog er die Hauptfäden europäischer Diplomatie zusammen und vereinigte die Interessen des protestantischen Deutschlands mit denen der Feinde der Habsburger in ganz Europa.
[1]

Einer seiner Berater, Markgraf von Ansbach erklärte nach der Entscheidung Friedrichs: "Wir haben die Mittel zur Hand, um die Welt umzustürzen." - Wie Recht er doch haben sollte...

Sehr viel pragmatischer urteilte der Vertreter Venedigs am Wiener Hof, wenn er voraussagte, daß ganz Deutschland zu den Waffen eilen werde.

Als Friedrich in den regnerischen Nebel eines Oktobertag 1619 von Heidelberg nach Böhmen ritt, waren in ganz Europa die Signale auf Krieg gestellt:

Der Waffenstillstand zwischen Spanien und den Vereinigten Niederlanden lief aus, und der Mann, den die Holländer als den Beschützer des Rheins angesehen hatten, der sie vor dem unmittelbaren Zugriff der spanischen Heere schützen konnte, lief einem Phantom in Böhmen nach.

Außerdem hatten die Berater Friedrichs bei ihren Plänen die Interessen eines der wichtigsten Fürsten Deutschlands und Verwandten Friedrichs vergessen: Maximilians von Bayern.

Maximilian war ein weitläufiger Vetter Friedrichs und hatte bei Ausbruch des böhmischen Aufstandes die erklärte Absicht, den Konflikt mit friedlichen Mitteln beizulegen.

Außerdem war es sein Plan, zur Verteidigung der deutschen Verfassung eine Koalition der protestantischen und katholischen Fürsten herbeizuführen; eine Vereinigung von Union und Liga.

Die Annahme der böhmischen Krone durch Friedrich machte alle Ansätze in dieser Richtung zunichte.

Maximilian war natürlich entrüstet.

Man kann davon ausgehen, daß bei seinen weiteren Entscheidungen diese Entrüstung und auch lange unterdrückte Gefühle der Eifersucht auf Friedrich und seine schöne und fruchtbare Gemahlin und der Neid eines körperlich wenig beeindruckenden Menschen eine Rolle spielten.

Es war ihm sicher sehr bewußt, daß er ein alternder, kinderloser Mann war und sein Werk nicht von einem Sohn, auf den er stolz sein konnte, fortgesetzt werden würde; aber er war sich ebenso bewußt, daß er der Führer der katholischen Liga war und damit über eines der besten Berufsheere Europas verfügen konnte.

Und er wußte, der Kaiser brauchte dringend ein derartiges Heer, um seine Ansprüche durchzusetzen.

Am 8. Oktober 1619 unterzeichnete der Kaiser ein Abkommen mit Maximilian, wonach der Kurfürst von Bayern das Oberkommando aller militärischen Unternehmungen in Böhmen übertragen bekam.

Als Pfand für seine militärischen Auslagen erhielt er alle eroberten Gebiete.

In einem Geheimabkommen wurde vereinbart, daß Maximilian bei einer Niederlage Friedrichs dessen Kurfürstentitel erhalten sollte.

Damit siegte der politische Ehrgeiz Maximilians über seine sonst so gerühmte Besonnenheit. Mit der Unterschrift des Kaisers siegte ebenso verwandschaftliche Kumpanei über die von ihm bei der Kaiserwahl beschworene Achtung der Verfassung.

Die beschlossene Aberkennung der Kurfürstenwürde Friedrichs verstieß gegen die in der "Goldenen Bulle" festgelegten Grundsätze der deutschen Verfassung.

Friedrich hatte zwar vorsätzlich den Reichsfrieden gebrochen und der Kaiser konnte über seine Länder zugunsten seiner Freunde verfügen, - aber nicht ohne Bewilligung durch den deutschen Reichstag!

Alle tragenden Pfeiler der Gesellschaft waren angesägt, "um die Welt umzustürzen".

Sobald Friedrich die böhmische Grenze überschritt, garantierte er freimütig die böhmische Verfassung. In Prag angekommen, wurde er und seine Familie begeistert begrüßt.

Die Schönheit der Königin und der Umstand, daß sie trotz fortgeschrittener Schwangerschaft die beschwerliche Reise auf sich genommen hatte, um ihr Kind inmitten ihrer neuen Untertanen zur Welt zu bringen, brachten ihr hohe Sympathien bei den Pragern ein.

Außerdem war man in dieser lebenslustigen Stadt froh, endlich wieder feiern zu können.

Der königlichen Familie fiel es dabei nicht auf, daß Flüchtlingen aus den verödeten Grenzgebieten schon auf den Straßen und Plätze der Stadt lagerten.

Was Friedrich allerdings auffiel, war der Umstand, daß versprochene Hilfsgelder nicht eintrafen.

Friedrich von der Pfalz als König von Böhmen
Für die prächtigen Krönungsfeierlichkeiten und die Ausschmückung der Stadt in Silber und Blau und für die Brunnen, aus denen Rot- und Weißwein floß, reichte das Geld allemal.

Am 18. Dezember 1619 wurde erneut gefeiert: Elisabeth gebar einen Sohn.

Ruprecht, so hieß der Sohn, erhielt vom begeisterten Friedrich den Titel eines Herzogs der Lausitz.

Übrigens: zur gleichen Zeit starb des Kaisers ältester Sohn in Graz...

Friedrich gab sich volkstümlich, - genauer gesagt so, wie er glaubte, volkstümlich sein zu müssen.

Mit seinem Sohn fuhr er auf dem Schlitten stolz unters Volk.

Unterwegs wurden dem kleinen Prinzen beim Händeschütteln vom anhänglichen Volk die Handschuhe gestohlen...

Zwischendurch schwamm Friedrich unter dem Beifall seiner Gemahlin und der sie begleitenden Hofdamen nackt in der Moldau; das Volk war entgeistert und begeistert - einen nackten König hatte man hier noch nicht gesehen.

Auch die Räume des Hradschins waren für Neugierige zu bestaunen.

Friedrich hatte indes keine Ahnung davon, daß ihn die Hälfte seiner Untertanen bereits haßte, weil seine Kirchenvertreter ihre Gotteshäuser schändeten und die schlechtbezahlten Soldaten auf eigene Faust ihren Sold bei der Landbevölkerung eintrieben.

Die eigenen Minister und Ständevertreter nahmen seine Befehle und seine Anwesenheit nicht mehr ernst.

In Olmütz füllten bei einem Besuch Friedrichs die Behörden den Empfangssaal mit Soldaten und Bauern, um die Abwesenheit des Landadels zu vertuschen.

Als Friedrich eine Versammlung der Ständevertreter für sieben Uhr morgens einberief, ließen sie ihn wissen, daß es gegen ihre Privilegien sei, so zeitig aufzustehen.

Seine Autorität war nicht nur unterhöhlt, - sie war gar nicht mehr vorhanden.

Während des Winters wurden Feste gefeiert - wie damals in der Pfalz; nur daß diesmal kein Geld da war. So mußte woanders gespart werden: es ist überliefert, daß im Winter 1619 allein in einem einzigen böhmischen Regiment ungefähr 3.500 Mann verhungerten.

Schlechte Vorzeichen für eine Verteidigung protestantischer böhmischer Interessen.

Und diese Vorzeichen mehrten sich: schlechte Münzprägung beschleunigte die Inflation, die Untertanen wollten, jetzt selbstbewußt geworden, keine mehr sein, es gab Streit zwischen Tschechen und Pfälzer Beamten, zwischen Lutheranern und Calvinisten.

Der calvinistische Hofprediger Scultetus brachte die Stimmung der Bevölkerung zum Überlaufen, als er im Prager Veitsdom die steinernen Heiligen mit Seilen herunterreißen und die Bilder verbrennen ließ. Anschließend schickte er zwei Mägde, die die hölzernen Reliquien als Brennmaterial einsammeln sollten.

In der Bevölkerung ging das Gerücht, es sollte sogar das Grab des heiligen Wenzel aufgebrochen werden. Die Bürger griffen zu den Waffen, um die vermeintliche Entweihung zu verhindern.

Mit Bestürzung sah Christian von Anhalt, daß die günstigen Vorzeichen beim Amtsantritt Friedrichs über die tatsächliche politische Stimmung getäuscht hatten.

Die Vereinigten Niederlande, Dänemark, Schweden und die Republik Venedig erkannten zwar Friedrich als rechtmäßigen König von Böhmen an; der gemeinsame Aufstand der protestantischen Fürsten kam jedoch nicht zustande.

Frankreich, mit seinem katholischen König Ludwig XIII., gewährte den nach Paris entsandten Botschaftern Friedrichs nur den Rang kurfürstlicher Gesandten. Der Grund dafür war nicht nur die Frömmigkeit Ludwigs, sondern Neid und Angst: Elisabeth, Friedrichs Gemahlin, war die zweitnächste in der englischen Thronfolge; wenn ihr Bruder, der unverheiratete, schwächliche Prinz von Wales starb, war Friedrich nicht nur König von Böhmen, sondern mit hoher Wahrscheinlichkeit auch König von England.

Ein Ausspruch des Kurfürsten von Trier brachte die Stimmung auf den Punkt, wenn er sagte:

"Laßt sie in Böhmen kämpfen, soviel sie wollen, wir anderen wollen in unseren Ländern gute Freunde bleiben."

Unter diesen Vorzeichen riet Christian, eine Beratung der protestantischen Fürsten nach Nürnberg einzuberufen.

Außer den Vertretern der Union erschien kein Fürst des Reiches.

Keine der notwendigen Entscheidungen über die Rechtmäßigkeit der böhmischen Wahl wurde gefällt.

Die protestantischen Fürsten hatten einfach Angst, und ihre einzige Sorge bestand nunmehr darin, zu beweisen, daß sie sich an Friedrichs "Aufstand" nicht schuldig gemacht hatten.

Die Schwäche Friedrichs und seiner Diplomatie wurden in Nürnberg überdeutlich.

Während die Nürnberger Versammlung die Uneinigkeit der deutschen protestantischen Fürsten und die Führungsschwäche Friedrichs offenlegte, dokumentierte die katholische Gegenpartei in einer vom Kaiser im März 1620 nach Mühlhausen einberufenen Versammmlung Stärke und Einigkeit.

In Mühlhausen waren nicht nur die Vertreter der katholischen Liga, sondern auch die Abgesandten des Kurfürsten von Sachsen, Johann Georg anwesend.

Johann Georg hatte bisher die Stärke der Pfälzer Partei in Prag völlig unterschätzt. Vor der Wahl Friedrichs hatte er sich noch eingebildet, daß man ihm die Krone antragen werde. Heimlich hatte er gehofft, man würde ihn wählen; natürlich hätte er die Krone abgelehnt, aber aus dieser Ablehnung seine Vorteile zu sichern gewußt. Er wäre dann als Hüter der Reichsordnung und der Beschützer der Protestanten in Böhmen gegenüber dem Kaiser aufgetreten und hätte sein Gewicht am Hofe dadurch verstärken können.

Mit der Wahl Friedrichs waren nicht nur seine Hoffnungen verflogen, sondern auch seine territorialen Interessen gefährdet.

Friedrich war mit zwei Kurstimmen nicht nur einer der einflußreichsten Kurfürsten geworden, sondern als Beherrscher des Oberlaufs der Elbe und Oder und des Mittellaufs des Rheins einer der mächtigsten Fürsten Deutschlands.

Vor der Wahl Friedrichs konnte sich Johann Georg als Schiedrichter des Reiches wähnen, nach der Wahl mußte er befürchten, zwischen Brandenburg im Norden und Böhmen im Süden von wichtigen Verbindungswegen abgeschnitten zu werden.

Seine Befürchtungen wurden durch die flammenden Reden seines Hofpredigers Hoë von Hoënegg nicht nur verstärkt, sondern zunehmend zu religiösem Haß entfacht.

Dieser beschuldigte die böhmische Regierung, den lutherischen Glauben an den calvinistischen Antichrist verraten zu haben.

In diesem für ihn fundamentalen Glaubenskampf scheute er sich nicht, offen Partei für den katholischen Kaiser zu ergreifen.

Interessant sind die Formulierungen des streitbaren Predigers, die die Emotionen am sächsischen Hof eindruckvoll reflektieren:

"Der (Gott) wird alle Eurer Majestät muthwillige Feinde auf die Backen schlagen, ihre Zähne zerschmettern, sie zurücke kehren und kläglich zu Schanden werden lassen!"

Auf diesen Vorurteilen Johann Georgs konnte der Kaiser seine Strategie in Mühlhausen aufbauen.

Um sich der Unterstützung der Protestanten zu versichern, erhielten sie vom Kaiser die Zusage, daß er sich nicht in die Religionsangelegenheiten der säkularisierten Bistümer der obersächsischen Kreise mischen werde.

Die in Mühlhausen anwesenden Fürsten bzw. deren Vertreter erklärten Böhmen daraufhin zum Reichsgebiet.

Das war die Entscheidung gegen Friedrich, der damit nach der Auffassung der Fürsten den Reichsfrieden gebrochen hatte und bestraft werden konnte.

Der Kaiser erließ daraufhin am 30. April 1620 ein Mandat, wonach sich Friedrich bis zum 1. Juni 1620 aus Böhmen hätte zurückziehen müssen.

Daß Friedrich diesem Mandat nicht nachkam, war der eigentliche Anlaß zum Krieg.

Ein Kniefall vor dem Kaiser hätte den begrenzten politischen Fähigkeiten Friedrichs entsprochen und ihm zumindestens die Kurfürstenwürde und seine Erblande erhalten.

Die Zeiten, in denen die schöne Elisabeth mit ihrem König Friedrich Sauerkraut essen statt Braten speisen mußte, waren abzusehen...

Nun konnte der Kaiser alle ihm verfügbaren Truppen gegen Friedrich schicken, zur Unterwerfung eines Rechtsbrechers in einem Territorium, daß dem Kaiser von den deutschen Fürsten in aller Form und damit rechtmäßig bestätigt wurde.

Der Entschluß, in die Pfalz einzumarschieren, war bereits Ende 1619 in Brüssel gefaßt worden; die Marschorder an Spinola wurde am 23. Juni 1620 unterzeichnet.

Während in Prag wieder die alten Feindbilder ausgegraben wurden, sich die Spannungen zwischen Adel, Bürgertum und Bauernschaft verschärften, und die Stadt von einer Atmosphäre der Feindseligkeiten gekennzeichnet war, verbreitete sich im Juli 1620 in der Stadt die Meldung, Maximilian von Bayern habe mit dem Heer der katholischen Liga unter dem Oberbefehl des Grafen Tilly die österreichische Grenze überschritten.

Nach Sicherung der Interessen Maximilians in Oberösterreich überschritt am 26. September das vereinigte Heer der Liga und der Kaiserlichen die böhmische Grenze.

Die Prophezeiung der Katholiken, Friedrich werde nur ein "Winterkönig" sein, schien sich zu erfüllen.

Das Frühjahr und den Sommer 1620 hatte er mit Jagdausflügen oder dem vergeblichen Versuch, Geld aufzutreiben, vertan.

Zunächst verbrauchte er seine Privatmittel, um das Heer der Böhmen um 7.000 Mann zu verstärken. Als Hilfsersuchen selbst bis nach London keinen Erfolg brachten, verpfändete er seine Juwelen.

Dann verfolgte er die Juden und Katholiken, um an Geld zu kommen, das er für Artillerie und Pferde benötigte.

Eine allgemeine Wehrpflicht durchzusetzen scheiterte an der Stimmung der Bauern. Von ganz Schlesien wurden nur 400 Reiter bereitgestellt.

Den Adel verprellte Friedrich mit der Ankündigung, die Leibeigenschaft abschaffen zu wollen und dem geistlosen Versuch, einen neuen Huldigungseid einzuführen.

So lagen die Dinge, als sich das 25.000 Mann starke vereinigte katholische Heer Friedrichs Hauptstadt näherte.

Das böhmische Heer war in einem beklagenswerten Zustand: ohne Geld, hungernd, vom Typhus heimgesucht, plünderte es demoralisiert die Bauern aus. Mansfeld hielt zwar noch immer Pilsen, aber seine Soldaten liefen einfach nach Hause. Die Offiziere, die das hätten verhindern können, betranken sich ungestraft in den Schänken der Stadt. Ohne Geld keine Disziplin. Eine Meuterei wurde im letzten Moment durch den heranrückenden Feind verhindert.

Dieser Feind bestand aus Söldnern vieler Nationen, die durch Jesuitenprediger angefeuert wurden. Die größten Kanonen waren nach den Aposteln benannt und der Kaiser hatte feierlich erklärt, den Oberbefehl hätte die Muttergottes selber. - Was wiederum zu Meinungsverschiedenheiten zwischen Maximilian und dem Befehlshaber der kaiserlichen Truppen Bucquoy führte.

Zwei Tagesmärsche südlich von Prag war Friedrich bei dem zusammengewürfelten Haufen des sogenannten böhmischen Heeres erschienen; - gerade noch rechtzeitig, um den Streit zwischen Thurn und Christian von Anhalt über den Oberbefehl zu schlichten.

Hier erschien auch Mansfeld, um zu verkünden, daß sein Vertrag abgelaufen war und da der König keine weiteren Mittel bereitstellen konnte, er sich sämtlicher Verpflichtungen entbunden sähe.

Friedrich hoffte nun noch auf die Verstärkungen, die ihm der Siebenbürger Fürst Bethlen Gabor versprochen hatte.

Aber diese zügellosen Truppen waren eher eine Belastung. Sie brachten Friedrich bei seinen Bauern noch mehr in Mißkredit. Sie metzelten ihre Gefangenen nieder, brannten die Dörfer ab und bekämpften bei ihren Raubzügen selbst ihre verbündeten Truppen.

An eine offene Feldschlacht war nicht zu denken.

In der Nacht zum 5. November zogen daraufhin sich die böhmischen Truppen heimlich zur Verteidigung Prags zurück.

Die Heimlichkeit hatte schnell ein Ende, denn brennende Dörfer, die durch die ungarischen Raubmörder heimgesucht wurden, säumten den Weg der marschierenden Truppe und zeigte den Kaiserlichen jede ihrer Bewegungen an.

Am Abend des 7. Novembers bezogen die böhmischen Truppen unter den Oberkommando Christians das Plateau des Weißen Berges, der Prag um einiges überragte und eine taktisch gute Ausgangsstellung gegen einen angreifenden Feind bot.

Christian war sich so sicher, daß die kaiserlichen Truppen unter den gegebenen Umständen nicht angreifen werden, daß er noch nicht einmal Befehle für den folgenden Tag ausgab.

Die gegebenen Umstände waren die, daß das katholische Heer hungrig, verseucht und völlig erschöpft war, die Pferde kein Futter hatten, weil die Umgebung verwüstet und durch Bethel Gabors Truppen ausgeplündert war und der 8. November nebelig und kalt war.

Außerdem trennte ein Fluß die Verteidiger von den Angreifern, die bei einem Angriff auch noch bergauf hätten stürmen müssen.

Die Kommandeure der Truppen Maximilians rieten von einem Angriff ab. Maximilian setzte hingegen auf einen sofortigen Angriff. Da Bucquoy erkrankt war, stimmten die Offiziere mißmutig Maximilians Plan einer Schlacht zu.

Die lange Verzögerung, die durch den Kriegsrat Maximilians entstand, bestärkte Christian in seiner Annahme, daß es nicht zum Kampf kommen werde.

Um so überraschter war er, als Tilly, durch starkes Artilleriefeuer unterstützt, plötzlich im Zentrum angriff.

Zunächst hielten die Böhmen dem Angriff stand. Aber als Christians Sohn, der den rechten Flügel der Böhmen kommandierte, fiel, und auch noch die Ungarn in heilloser Flucht über die Moldau setzten, brach die rechte Front zusammen.

Auf der Linken versuchten die Offiziere mit vorgehaltenem Degen die Mannschaften zu disziplinieren, aber außer der mährischen Leibgarde, die sich nicht ergab, durchbrachen die Soldaten die Front Richtung Prag.

Friedrich saß mit englischen Gesandten in Prag beim Mittagsmahl.

Er war guter Laune, denn man hatte ihm versichert, daß der Krieg heute und auch in nächster Zeit nicht stattfinden wird, der Feind sei zu schwach.

Nach dem Mahl wollte er seine tapferen Krieger begrüßen und soll in Begleitung von 500 Reitern ausgeritten sein. Als er vor das Stadttor ritt, kamen ihm die ersten Flüchtlinge entgegen.

Kurz danach kam auch völlig zerzaust und verzweifelt Christian von Anhalt angeritten.

Friedrich brachte in Panik seine Frau mit den Kindern eiligst über die Moldau. Das Durcheinander war so groß, daß man den jüngsten Prinzen beinahe vergessen hätte und alle galanten Bücher der Königin zum Entsetzen der späteren heuchlerisch moralischen, katholischen Eroberer zurückgelassen wurden.

Glücklicherweise hatte man bei den Durcheinander an die Juwelen des Königs gedacht. Sie waren in den kommenden Jahren die einzige finanzielle Sicherheit der Familie.

Am Abend drängte der engere Kreis der Vertrauten, Friedich, die Stadt sofort Richtung Schlesien zu verlassen. Man fürchtete nicht umsonst um sein Leben, denn der Mob fahndete schon nach ihm, um ihn den Feind als Preis für die eigene Sicherheit auszuliefern.

Er hatte nur noch wenig Freunde. Am frühen Morgen gelang ihm, begleitet von seiner Familie und nur wenigen Räten, die Flucht nach Breslau. Acht Wagenladungen mit Friedrichs Haushaltsgut blockierten die Tore des Hradschins und fielen den Plünderen in die Hände.

Aus der Masse der kostbaren Stoffe, Degen und Juwelen brachte ein Wallone die Insignien des Hosenbandordens zu Maximilian.

Er erhielt dafür vom Herzog von Bayern 1000 Taler...

Maximilian selbst kehrte mit den besten Pferden als Beuteanteil des geschlagenen Friedrich nach München zurück. Während sich Maximilian für seinen selbstfinanzierten, siegreichen Krieg vom Bischof von Freising segnen ließ, gab es keine Gnade für die besiegten Prager Bürger.

Noch eine ganze Woche nach der Schlacht blieben die Tore der Stadt geschlossen, und die Soldateska konnte nach Herzenslust rauben und morden.

Der Beichtvater Maximilians genoß dabei aus nächster Nähe den Triumph, wie die Worte des Siegers während des Unterwerfungszeremoniells auf der Prager Burg, dem Direktorium der böhmischen Stände "die Tränen in die Augen" trieben.

Der Irrglaube war besiegt und die "Irregeleiteten" köpfte man am 21. Juni 1621 auf dem Prager Altstädter Ring.

Zwölf Köpfe und die rechte Hand des Grafen Schlick wurden auf der Karlsbrücke aufgesteckt und blieben dort zehn Jahre als Warnung und Mahnung an den fehlgeschlagenen Aufstand.

Spott, Hohn und Verrat begleiteten Friedrich auf seiner Flucht.

Die Tatsache, daß sein Hosenbandorden in die Hände Maximilians gefallen war, veranlaßte Flugblattschreiber eine Karrikatur Friedrichs in Umlauf zu bringen, auf der er mit heruntergerutschten Strümpfen zu sehen war. Andere Flugblätter zeigten einen Postillon, der nach einem jungen Mann und seiner Familie suchte, der im vorigen Winter noch König war...

Gewöhnlich wurde er nun als der "treulose Fritz" oder als der "Herzkönig" bezeichnet, - als Symbol des Königs mit dem geringsten Wert in einem Kartenspiel.

Seine ehemaligen Ratgeber, diplomatischen Drahtzieher und Mitkämpfer wechselten skrupel- und würdelos die Seiten.

Thurns ältester Sohn schloß sich nach der verlorenen Schlacht mit seinen 3.000 Mann den Siegern an. Ob er soweit ging, an der Plünderung Prags teilzunehmen, ist nicht bekannt.

Christian von Anhalt, Friedrichs rechte Hand, floh nach Schweden.

Von dort schrieb er Bittbriefe an den Kaiser, in denen er ungeniert behauptete, von Friedrich irregeführt worden zu sein.

Friedrich seinerseits baute einen seelischen Schutzwall aus überlebten Argumenten um sich auf.

Als er vom Kaiser zur förmlichen Unterwerfung und Abbitte aufgefordert wurde, antwortete er aus tiefster Überzeugung, daß ein Mann, der im Recht sei, nicht abbitten könne.

Falls aber der Kaiser die Verfassung Böhmens garantieren, das Invasionsheer zurückziehen und Friedrich für seine Auslagen entschädigen würde, werde er, Friedrich eine Abdankung in Betracht ziehen.

Das bedeutete nicht nur eine persönliche Herausforderung an den Kaiser, das hieß zugleich indirekt, daß die deutschen Fürsten in Mühlhausen ein Fehlurteil gefällt hatten, oder doch mindestens einer Erpressung erlegen waren.

Bis zu seinem Lebensende hielt Friedrich an der These fest, daß er nicht den Reichsfrieden gebrochen habe.

"Von der Schlacht auf dem Weißen Berge bis in die Todesstunde folgte er den Weisungen dieses Gewissens mit einem bewundernswerten Glauben und mit beklagenswerten Ergebnissen."[1]

Ein Rückzug in die Pfalz war nun auch nicht mehr möglich, denn der spanische Feldherr Spinola hatte von Flandern aus mit 25.000 Mann die Pfalz erobert. Keiner der protestantischen Fürsten der Union, auch Wilhelm von Oranien nicht, machten Anstalten, die Pfalz, wie verabredet, zu verteidigen.

Friedrich besaß - wenn überhaupt - nur noch drei Trümpfe, genauer gesagt drei Hoffnungsträger: das Heer Mansfelds, die Begeisterung Bernhards von Sachsen-Weimar, den "tollen Halberstädter" und das Heer des Markgrafen Georg Friedrich von Baden-Durlach.

Ernst von Mansfeld saß mittellos, geächtet und untätig in Pilsen fest. Auf seinen Kopf war ein Preis von 300.000 Talern ausgesetzt, eine für damalige Zeiten ungeheure Summe.

Für ihn gab es nur zwei Möglichkeiten: entweder neue Auftrag- und damit Geldgeber zu finden oder sein Ausscheiden aus dem Kriege zu erkaufen. Dazu mußte er kampfbereit und gefährlich bleiben.

Ein Feldherr seiner Größe und Bedeutung hatte auch und gerade in Friedenszeiten nicht nur die Aufgabe, das Heer zu ernähren und auszurüsten; er war auch für die Ernährung und Unterbringung des gewaltigen Troß verantwortlich, der zwar vom Heer gesondert lebte, aber für dieses eine wesentliche Bedeutung besaß.

Der Troß bestand aus Kanonieren, Mechanikern, Pferdeknechten, Dienern, geraubten Weibern, deren Kindern, Hausierern, Quacksalbern, Vagabunden, Dieben und Huren.

In der Regel war der Troß drei- bis fünfmal größer als das Heer.

In Mansfelds Troß wurden wöchentlich sechs bis sieben Kinder geboren.

Wenn die Stimmung im Heer unter Kontrolle bleiben sollte, mußte auch der Troß satt werden.

Dafür mußte die betroffene Bevölkerung "aufkommen".

Mansfeld bot sich und sein Heer dem Herzog von Savoyen, Venedig und den Vereinigten Niederlanden an. - Ohne Erfolg.

Im Frühjahr 1621 versuchte er in Heilbronn einen Vertrag mit den Fürsten der protestantischen Union abzuschließen; - man war nicht mehr an Friedrich V. interessiert, denn dieser war am 29. Januar 1621 vom Kaiser geächtet worden.

Die Ächtung Friedrichs war ein Verfassungsbruch und widersprach dem Eid, den der Kaiser bei seiner Wahl zur Sicherung der Privilegien der Fürsten hatte beschwören müssen.

Der Protest des Fürsten wurde von Ferdinand zurückgewiesen und mit einem Abrüstungsbefehl an die protestantischen Fürsten verbunden.

Am 1. April erklärten sich die Fürsten der Union aus Angst vor möglichen Gefahren, zur Auflösung ihres Heeres bereit, wenn Spinola, der mit seinem spanisch Heeresteil die Pfalz besetzt hielt, ihnen ihre Neutralitätsrechte garantiere.

Die deutschen protestantischen Fürsten glaubten, den Krieg beenden zu können, indem sie Friedrich opferten.

Die vorgeblichen Verteidiger der Verfassung opferten damit nicht nur ihren Führer, sondern auch ihre Grundsätze.

Die deutschen Fürsten hatten nicht begriffen, daß das Problem nicht mehr Friedrich und sein zusammengebrochenes Königreich Böhmen war. Zum Problem wurden die spanischen Truppen in der Pfalz, die mit ihrer Präsenz den zunächst innerdeutschen Konflikt durch Einbeziehung der Interessen der Niederlande und Frankreich zum europäischen Konflikt ausweiteten. Und dieser nun europäische Konflikt sollte auf deutschem Boden ausgetragen werden.

Der Erste, der dies begriff und aussprach, war der König von Dänemark. England, Frankreich und auch die Niederlande begriffen viel zu spät, daß sie die Besetzung der Pfalz hätten garnicht erst zulassen dürfen. Die 30.000 Pfund, die nun die englische Regierung für die Union bereitgestellt hatte, nützten Friedrich und den Pfälzern nichts mehr. Lediglich Heidelberg konnte die spanischen Truppen noch kurze Zeit aufhalten.

Die in der Pfalz stationierten Spanier waren vor allen Dingen für die Niederlande eine unmittelbaren Bedrohung, denn am 9. April 1621 lief der Waffenstillstand mit Spanien ab.

Jetzt erst wurde Holland aktiv.

Brieflich wurde Mansfeld eine Belohnung versprochen, falls er zur protestantischen Seite hielt. Mit dem König von Dänemark wurde ein Bündnis abgeschlossen und am 14. April 1621 wurde Friedrich und Elisabeth als König und Königin von Böhmen mit allen Ehren eines regierenden Souverän in Haag empfangen.

Am 27. April unterschrieb Friedrich einen Vertrag, der ihm die Hilfe der Holländer bei der Rückeroberung der Pfalz versprach.

Friedrichs beschränkter diplomatischer Verstand hatte damit den deutschen Boden, deutsche Städte und Dörfer und die deutsche Bevölkerung Fremdlingen und ausländischen Abenteurern ausgeliefert.

Schon vorher hatte Mansfeld einen Vertrag mit Maximilian abgeschlossen. Durch geschickte Manöver vermittelte er in Wien den Eindruck, daß er von der von ihm besetzten Oberpfalz in Böhmen einfallen werde.

Nach kurzen Verhandlungen verpflichtete er sich für eine ansehnliche Summe schriftlich, nicht wieder für Friedrichs Interessen zu kämpfen.

Nach der Unterzeichnung marschierte er völlig unbelastet von seinen vertraglichen Zusicherungen, plündernd Richtung Westen in die Rheinpfalz, um sich mit den restlichen englischen Verbündeten Friedrichs zu verbünden.

Dieser Vertragsbruch bot für Maximilian den ersehnten Vorwand zum militärischen Einfall in die Rheingebiete.

Es hatte in der Zwischenzeit nicht an diplomatischen Versuchen gefehlt, Friedrich wieder in seine Erblande einzusetzen.

Insbesondere die spanische Krone versuchte Friedrich unter spanischem Schutz wieder auf den Thron zu lancieren. Das hätte mehrfache Vorteile gehabt: Einerseits konnte dadurch die englische Meinung beruhigt werden und damit die Gefahren, die durch Störungen der englischen Flotte im Ärmelkanal entstehen konnten, beseitigt werden. Andererseits ließ sich durch die spanische Dauerpräsenz jederzeit ein Durchmarsch von Süden durch Reichsgebiet legitimieren.

Es gab noch einen weiteren spanischen-englischen Plan: Friedrich sollte gezwungen werden, zu Gunsten seines ältesten, siebenjährigen Sohnes abzudanken. Dieser sollte nach Wien gebracht und am Hofe des Kaisers erzogen werden. Später sollte er eine der Töchter des Kaisers heiraten.

Dieser Plan, der der Verfassung nicht widersprach, fand sogar die Unterstützung des sächsischen Kurfürsten.

Aber Friedrich weigerte sich abzudanken, seinen Sohn dem Kaiser auszuliefern und spielte sich sinnloserweise weiterhin als Fürsprecher der leidgeplagten böhmischen Bevölkerung auf.

"Wenn Friedrich und Elisabeth sich mit dem englisch-spanischen Plan abgefunden hätten und unter gewissen Bedingungen nach Heidelberg zurückgekehrt wären, hätt es keinen Dreißigjährigen Krieg gegeben."[1]

So kam es, daß im Frühjahr 1622 drei Heere bereitstanden, um für Friedrichs Interessen zu kämpfen: im Elsaß stand Mansfeld, in Westfalen hatte Christian von Braunschweig ein Heer auf Kosten der Holländer aufgestellt und der Herzog Georg Friedrich von Baden-Durlach stand bereit, für Friedrich gegen Tilly zu marschieren.

Wären die drei Heere am Rhein vereint gewesen, hätte Tilly gegen die dann 40.000 Mann schlechte Karten gehabt.

So sah es auch die Erzherzogin Isabella, die ihre Agenten zu Mansfeld schickte, um ihn zu bestechen.

Während Mansfeld noch Verhandlungen führte, über den Preis, um den er sich zurückziehen sollte, verließ Friedrich heimlich und verkleidet sein Exil in Haag, und kam am 22. April 1622 zum Jubel seiner Untertanen und zum Entsetzen Mansfelds in seiner Pfälzer Heimat an.

Nun stand Mansfeld vor der Frage, sich für Friedrich oder für sich zu entscheiden. Als Geächteter brauchte Mansfeld ein Generalpardon, reichlich Geld und nach Möglichkeit ein kleines, aber eigenes Fürstentum. Das aber konnte er nur erreichen unter der Fahne Friedrichs - und auch nur dann, wenn er siegreich war.

Also entschied er sich zunächst für seinen neuen Dienstherren und setzte auf das rechte Rheinufer über, um den anrückenden Tilly an der Vereinigung mit den spanischen Truppen unter Cordoba zu hindern.

Es gelang ihm zwar, Tilly bei Mingolsheim unter Verlusten zurückzuschlagen, doch während Mansfeld auf Georg Friedrich von Baden wartete, gelang es Tilly, sich mit Cordoba zu vereinigen.

Nun hatten Friedrich und seine Verbündeteten ein Problem: allein waren sie zu schwach, um Tilly und Cordoba eine Schlacht zu liefern, außerdem hatten sie kein Geld, um ihre Truppen zu bezahlen.

Das Geld schleppte zur gleichen Zeit Christian in Form seines Kriegsschatzes mit sich. Genauer gesagt, war es schlicht und ergreifend Kriegsbeute, die der "tolle Halberstädter" der Bevölkerung und den Bistümern durch Drohung, Erpressung und Mord in monatelangen Beutezügen geraubt hatte. Er stand zwar im Rufe gotteslästerlicher Barbarei, aber Christian sah dies etwas lockerer; immerhin gab er die Gebeine der Heiligen wieder zurück, nachdem er ihre Reliquienschreine hatte einschmelzen lassen.

Christian war nicht nur ein wenig toll, - er war auch ein bißchen verrückt.

Auf diese Stütze zukünftiger kurfürstlicher Herrschaft hoffte auch der Markgraf von Baden, als er mit seinen Untertanen über den Neckar setzte. Der Markgraf zierte sich aus gesellschaftlichen Vorurteilen, mit Mansfeld gemeinsame Sache zu machen und setzte ohne dessen Unterstützung über den Fluß, als er zu seiner Überraschung den Truppen Tillys und Cordobas gegenüberstand.

Die Ausgangslage war jedoch nicht aussichtslos, da der Gegner mangelhaft verpflegt und durch einen geteilten Oberbefehl geschwächt war.

Der Beginn der Schlacht brachte den badischen Truppen Vorteile. Zwei spanische Kanonen wurden erobert und der ganze spanische Flügel kam ins Wanken, als ein Wunder geschah:

Der Legende nach schwebte plötzlich über den badischen Linien eine weißgekleidete Frau, und einer der spanischen Soldaten, der von Geburt an stumm war, rief "Sieg! Sieg!".

In der modernen Kriegsberichterstattung würde die weiße Frau folgendermaßen beschrieben werden: "Ein graue Rauchfahne über den Linien der Truppen des Markgrafen von Baden bestätigte den Kaiserlichen, daß das Munitionsdepot des Gegners durch einenen Volltreffer in die Luft gesprengt wurde."

Durch die nun folgenden Angriffe der Kaiserlichen wurden die Soldaten des Markgrafen gezwungen, nach langem, heldenhaften Widerstand ihre Geschütze aufzugeben und zu fliehen.

Die Legende berichtet weiter, daß Georg Friedrich allein, erschöpft und im Sattel schwankend nachts am Stadttor von Heilbronn erschien und den verdutzten Wächter zurief: "Gebt mir einen Trunk, ich bin der alte Markgraf". Richtig ist allerdings, daß er als gebrochener Mann mit einigen unglücklichen Kämpfern am 7. Mai in Stuttgart eintraf.

Vom militärischen Standpunkt gesehen war diese Niederlage von geringer Bedeutung. Zwei Drittel des Heeres konnten während der nächsten Tage wieder gesammelt werden, aber der Markgraf von Baden scheint Skrupel gehabt zu haben, seine Untertanen erneut in eine Schlacht zu führen. Als Verbündeter hatte er damit ausgespielt.

Nun kam es darauf an, daß Christian von Braunschweig möglichst unbeschadet über den Main kam. Tilly und Cordoba erwarteten ihn bereits; Mansfeld verspätete sich, ihn beim Übergang zu unterstützen.

Christian verfügte über ungefähr 15.000 Mann und drei Kanonen, von denen zwei nicht zu gebrauchen waren.

Bei Höchst ging er in Angesicht der vereinten Feinde über den Main. Das Unternehmen konnte wahrscheinlich nur von einem Tollen, ja Verrückten befohlen werden. Spätere Militärhistoriker, insbesondere spanische, werteten das Unternehmen als vernichtende Niederlage. Das ist objektiv falsch. Natürlich hatte Christian 2.000 Mann und seine drei Kanonen verloren, aber er hatte auch sein Ziel erreicht. Oder anders ausgedrückt: die vereinten katholischen Heere unter Tilly und Cordoba konnten nicht verhindern, daß Christian über den Main setzte, sich mit Mansfeld vereinigte, unwesentliche Verluste bei der Reiterei und den Kriegsschatz gerettet hatte. Außerdem hatte sich bisher niemand daran gestoßen, daß sich Christian nicht um das Leben der einfachen Soldaten kümmerte; - im Gegensatz zu Mansfeld.

Der war es auch, der durchsetzte, das sich die vereinigten Heere über den Rhein nach Landau zurückziehen sollten.

Christians Beute war nicht ausreichend für die Bezahlung des gesamten Heeres und Mansfeld, dessen wertvollster Besitz sein Heer war, war das ganze Frühjahr und den Sommer übelgelaunt, krank und eifersüchtig auf Christian, den jungen Fürsten, der mit seiner lärmenden Art die gesamte Tischunterhaltung an sich riß.

Die drei Führer der Notgemeinschaft Friedrichs paßten menschlich überhaupt nicht zusammen. Friedrich langweilte die Offiziere mit seinen ständigen Erklärungen, daß er sich doch rechtlich gesehen nicht mit dem Kaiser im Kriege befinde, Mansfeld entwarf stets neue Strategien, wie Christian eigentlich über den Main hätte setzen müssen und Christian prahlte bei Tisch damit, wieviele junge braunschweigische Herzöge er in Paderborn gezeugt habe.

Nach drei Wochen in Mansfelds Gesellschaft hatte Friedrich endgültig genug.

Das erste Mal in seinem Leben mußte er miterleben, wie Krieg geführt wurde. Auf dem Marsch durch den Elsaß legten die Truppen eine Stadt und dreißig Dörfer in Schutt und Asche. In Straßburg hatten zehntausend Flüchtlinge vor ihnen Schutz gesucht, und der Stadt drohte eine Hungersnot. Das Land war so verwüstet und die Dörfer so verödet, daß Mansfeld sein Heer nicht mehr ernähren konnte.

Offenbar glaubte Friedrich, daß im Kriege zwischen Gut und Böse unterschieden wird, denn er beklagte in einem Brief:"Es sollte ein Unterschied zwischen Freund und Feind gemacht werden, aber diese Menschen ruinieren beide in gleicher Weise... Ich glaube, sie sind vom Teufel besessen und machen sich ein Vergnügen daraus, alles in Brand zu stecken. Ich werde froh sein, wenn ich sie verlasse."

Am 13. Juli 1622 kippte die Stimmung endgültig um. Auch Mansfeld hatte es satt, weiterhin in Friedrichs Diensten zu stehen. Er und Christian von Braunschweig wurden von ihren vertraglichen Verpflichtungen entbunden und zogen Richtung Niederlande.

Friedrich hatte jetzt weder ein Heer noch sein Land und fast keine Dienerschaft, die er bezahlen konnte. Er zog sich zu seinem Onkel, den Herzog von Bouillon nach Sedan zurück und erholte sich beim Baden und Tennisspiel.

Während Friedrich Tennis spielte und Mansfeld und Christian in den Niederlanden den Helden spielten, vollendeten Tilly und Cordoba die Unterwerfung der Pfalz. Nach elfwöchiger Belagerung zogen die Verteidiger Heidelbergs unter militärischen Ehren ab.

Am 19. September 1622 wird die Stadt Heidelberg durch die Truppen Tillys besetzt und geplündert.

Die protestantischen Kirchen in Heidelberg wurden geschlossen, die Universität aufgelöst und auf Veranlassung Maximilians von Bayern die großartige Bibliothek als Dankopfer dem Vatikan übergeben.

Die berühmte "Biblioteca Palatina" auch "Mutter-Bibliothek" genannt, hat seitdem eine bewegte Geschichte:

3.500 Handschriften gingen auf Eselsrücken über die Alpen nach Rom. Dort wurden sie als gesonderter Bestand der "Vaticana" aufgestellt.

Napoleon Bonaparte nahm 1797 einen Teil als Beute nach Paris. Nach seinem Sturz wurde diese "Palatina" wieder zurückgeführt. 1816 gab der Vatikan etwa 850 Handschriften deutscher Sprache zurück.

Für Maximilian machte sich dieses "Dankopfer" bezahlt: Der Vatikan beteiligte sich an der Finanzierung der Liga. Bis August 1623 flossen 620.000 Gulden aus Rom in die Kassen der Liga.

In den Monaten September/Oktober 1622 vollenden Tilly und Cordoba die Unterwerfung der Pfalz.

Unterwerfung bedeutete in diesem Fall die Rekatholisierung der Bevölkerung mit allen Mitteln. Missionare terrorisierten die ausgehungerte und von Seuchen geschwächte Bevölkerung.

Ein Auswandern war unter Strafe verboten.

Die Lehren des Calvinismus wurden ausgemerzt.

Im Winter 1622 schmiedeten Friedrich und Elisabeth in Haag neue Pläne im Kampf gegen den Kaiser.

Danach sollten sich u.a. Bethlen Gabor, die Türken, der König von Dänemark und die Kurfürsten von Sachsen und Brandenburg zur einer gemeinsamen Front im Kampf um die Rechte Friedrichs und die Vernichtung der Habsburger zusammenschließen.

Aber bei Friedrich fehlte es an Geld und bei den Betroffenen an Zutrauen zu der Sache.

In diplomatischen Kreisen spöttelte man:"Die Pfalz wird wahrscheinlich bald ein großes Heer auf den Beinen haben, denn der König von Dänemark wird ihr tausend Salzheringe liefern, die Holländer zehntausend Butterkisten und England hunderttausend Gesandte."

Für Friedrichs Interessen fanden sich keine Verteidiger, und der Kaiser sah die Zeit für gekommen, die Versprechungen des Geheimabkommens vom 8. Oktober 1619 gegenüber Maximilian einzulösen.

Zwar konnte der Kaiser einen Reichstag nicht eigenmächtig einberufen, aber zur allgemeinen Kurfürstenversammlung, die für den 10. Januar 1623 vom Ferdinand nach Regensburg einberufen wurde, kamen weder alle Kurfürsten noch waren die, die anwesend waren, für den Plan des Kaisers, die Kurfürstenwürde Maximilian zu übertragen.

Aber wie so oft in den entscheidenden Fragen, die die deutsche Verfassung betrafen, für die sie sich angeblich verantwortlich fühlten, wichen die protestantischen Fürsten einem politischen und damit einem zwangsläufig militärischen Wagnis aus und fanden keinen gemeinsamen Standpunkt.

Keine Macht in Deutschland konnte den Kaiser zu diesem Zeitpunkt daran hindern, seine politischen Ziele politisch durchzusetzen.

Die Fürstenversammlung in Regensburg dauerte sechs Wochen.

Von den anwesenden Fürsten und dem Vertreter der spanischen Krone wurde jedes Argument aufgeführt, das eine Übertragung der Kurwürde an Maximilian verhindern konnte. Selbst der betagte Vater Maximilians trat aus seiner beinahe dreißigjährigen Zurückgezogenheit des Klosters hervor, um seinen Sohn vor unüberlegten Handlungen zu warnen.

Aber der persönliche Ehrgeiz Maximilians und die Konsequenz Ferdinands siegten.

Am 23. Februar 1623 wurde Friedrich von der Pfalz die Kurwürde aberkannt. Zwei Tage später erhielt Maximilian von Bayern die Kurwürde übertragen.

Ein einziges Zugeständnis machte der Kaiser den anwesenden Fürsten: Die Kurwürde wurde nur auf Lebensdauer übertragen und konnte beim Ableben Maximilians auf die Kinder Friedrichs rückübertragen werden.

Der Fürstentag in Regensburg nahm ein vorzeitiges Ende, weil die Protestanten nicht mit dem neuen Kurfürsten zusammensitzen wollten.

Die protstantischen Fürsten und Abgesandten auf dem Regensburger Fürstentag bekundeten ihre Mißbilligung unter anderem damit, daß sie weitere finanzielle Unterstützungen für Kriegszüge des Kaisers verweigerten.

Der abgesetzte Kurfürst von der Pfalz hatte zwar keine ausreichend starke Partei unter den protestantischen Fürsten gehabt, aber die Macht des Kaisers hatte auch ihre Grenzen. Sie reichte nur soweit, wie sie des Kaisers Heere durchsetzen konnten.

Friedrichs Chancen standen außerordentlich schlecht: der König von England, der sich um eine Heirat zwischen der spanischen Infantin und dem Prinzen von Wales bemühte, zog als Beweis seines guten Willens die englische Besatzung aus dem letzten Stützpunkt Friedrichs, der Festung Frankental zurück. Außerdem engagierte er sich für den Plan, den Sohn Friedrichs mit der Tochter des Kaisers oder einer Nichte Maximilians zu verloben.

Die Könige Schwedens und Dänemarks wollten nicht gemeinsam gegen die Habsburger kämpfen und Frankreich hatte eigene innenpolitische Probleme zu lösen. Die Holländer konnten keine weiteren Subsidien zahlen, und der Angriff Bethel Gabors ließ auf sich warten.

Was ihm blieb, war ein für seine Verhältnisse unwürdiges Exil.

"Jagd und Gartenbau waren seine bescheidenen Genüsse. Sein heiteres Gemüth und die Überwindung zur Genügsamkeit ließen keinen verzehrenden Gram in seiner Seele aufkommen, ein stilles Familienglück gewährte ihm Ersatz für den verlorenen äußeren Glanz".

Es blieb ihm auch nichts anderes übrig. Die Holländer hatten ihm in Rhenen bei Haag einen Wohnsitz zugewiesen, die eigenen finanziellen Mittel waren aufgebraucht, und er lebte von den spärlichen Zuwendungen seiner englischen Verwandten.

Zu Beginn des Jahres 1632 zeichnete sich ein Silberstreif am königlichen Horizont ab.

Im Februar 1632 erschien Friedrich auf Einladung des siegreichen schwedischen König Gustav Adolfs in Frankfurt am Main und wurde von ihm mit fast übertriebener Ehrerbietung empfangen.

Die deutschen protestantischen Fürsten nahmen es Gustav Adolf sogar übel, daß er Friedrich nicht nur als Kurfürsten betrachtete, sondern darauf bestand, daß ihm alle Titel eines regierenden Monarchen ohne Auslassung gegeben wurden.

Obwohl es der verwundeten Seele Friedrichs sicher sehr gut getan hat, von einem König gleichberechtigt behandelt zu werden, mißtraute er doch sehr bald den Absichten seines neuen Verbündeten. Als er später erfuhr, daß Gustav Adolf ihn in der Pfalz als Vasallen der schwedischen Krone wiedereinsetzen wolle, zeigte er Charakter, und weigerte sich unter diesen Umständen den Titel eines deutschen Kurfürsten anzunehmen.

Damit befand er sich in guter Gesellschaft fast aller deutschen Fürsten, die nicht davon begeistert waren, den Kaiser durch den Eroberer Gustav Adolf zu ersetzen.

Er folgte dem schwedischen König auf seinem Vormarsch bis nach München. Von dort schrieb er an Elisabeth, die sich zu dieser Zeit in Holland aufhielt: "Es sind hier viele schöne Sachen, die man jedoch nicht leicht fortbringen könnte; wäre es aber auch leicht, so würde ich Nichts nehmen."

So viele Skrupel hatte sein Vetter Maximilian nicht gezeigt, als er Heidelberg eroberte...

Noch war Gustav Adolf der Sieger im Kampf gegen die Habsburger und als solcher glaubte er die Bedingungen für die Wiedereinsetzung Friedrichs diktieren zu können. Nach erfolglosen Gesprächen trennten sich beide in Neustadt an der Aisch.

Während sich Friedrich, auf neue Verhandlungen vertröstet, nach Frankfurt am Main begab, hatte Wallenstein erneut das unbeschränkte Oberkommando über die kaiserlichen Heere übertragen bekommen.

Der letzte Kampf beider großer Heerführer hatte begonnen.

Mit dem Tode Gustav Adolfs am 16. November 1632 in der Schlacht bei Lützen verflogen auch die letzten vagen Hoffnungen Friedrichs auf eine Wiedereinsetzung in seine Erblande. Friedrich erhielt die Nachricht vom Tode des Schwedenkönigs in Frankfurt am Main. In tiefer Niedergeschlagenheit begab er sich daraufhin nach

Bacharach am Rhein. Er war 36 Jahre alt, vorzeitig gealtert und so von Sorgen gezeichnet, daß ihn sein eigener Bruder nicht erkannte.

Am Rhein herrschte Hungersnot und in Bacharach die Pest.

Die Folgen des Krieges, den er mit verschuldet hatte, hatten ihn eingeholt.

Vielleicht hätte eine sofortige Flucht ihn das leichte Fieber überstehen lassen, aber der Trübsinn hielt den nun Heimatlosen fest.

Er starb am 29. November 1632 an einem heftigen Fieber, offensichtlich an den Folgen der Pest.

Ob er in Bacharach, in Mainz oder in einem Keller eines Weinhändlers in Metz gestorben ist, darüber gehen die Berichte auseinander.

Der Leichnam Friedrichs wurde vor den heranrückenden Kaiserlichen von Ort zu Ort transportiert, und soll letztlich in einem Privathaus in Metz oder in Sedan beigesetzt worden sein.

Die letzte Ruhestätte des verachteten Heimatlosen ist unbekannt.

Seine Gattin, die schöne Elisabeth, lebte längere Zeit unter unverhältnismäßigen Bedingungen in Holland. 1661 ging sie zurück nach England und starb dort, angeblich hochverschuldet, im Jahre 1662 .

Als Nachtrag sei vermerkt, daß das Leben Elisabeths noch einen versönlichen Abschluß fand:

Sophie, Kurfürstin von Hannover.
Ihr Sohn erhielt später vom Kaiser den Kurfürstentitel verliehen, den man seinem Vater aberkannt hatte.
Ihre Tochter Elisabeth Carlotte, heiratete den Kurfürsten Georg Wilhelm von Brandenburg. Aus dieser Ehe ging Friedrich Wilhelm, genannt der Große Kurfürst hervor, dessen Sohn Friedrich I. der erste König von Preußen wird.
Ihr Neffe besteigt als König Karl II. den englischen Thron und setzt die Traditon der Stuards fort. Ihre Tochter Sophie heiratete 1658 den Welfenherzog Ernst August. Seit 1662 war sie an seiner Seite protestantische "Bischöfin" von Osnabrück. 1680 zog sie als Herzogin in das hannoversche Leineschloß ein. 1692 erreichte der Herzog die Erhebung seines Landes zum Kurfürstentum. 1701 entschied das Parlament in London, daß Sophie, Kurfürstin von Hannover und alle ihre Erben künftig die Krone Englands tragen sollten. Sie selbst erlebte die Thronfolge nicht mehr. Doch noch in ihrem Sterbejahr (1714) bestieg ihr Sohn als Georg I. den Thron.
Damit setzten sich die Stuard-Traditionen bis heute fort.




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