FERIA, Herzog von

Don Gomez Alvarez de Figueroa y Cordova, Herzog von Feria, so sein vollständiger Name, betrat den Kriegsschauplatz in Deutschland erst 1633, zu einem Zeitpunkt also, als der Stern Wallensteins bereits im Sinken begriffen war und das Haus Habsburg alle Gelegenheiten zu einer Friedenslösung dieser aus der Kontrolle geratenen Gesellschaftskrise hatte ungenutzt verstreichen lassen.

Bis dahin hatte Feria eine geradezu fabelhafte diplomatische Karriere absolviert:

Sein sprichwörtliches Gedächtnis allein wird es nicht gewesen sein; eher seine fachliche Autorität auf dem Gebiet der Staatswissenschaft und sicher auch seine gesellschaftlichen Beziehungen, die ihn, kaum achtzehnjährig, als spanischen Gesandten nach Rom zur Beglückwünschung des Camillo Borghese zur Wahl als Papst Paul V. führten.

Ein ähnlicher Auftrag führt ihn 1610 nach dem Tode Henry´s IV. an den französischen Hof zu Maria von Medici.

1616 wird er Vizekönig der Provinz Valencia und geht 1616 als Gouverneur nach Mailand.

Dort tritt er auch die Nachfolge im Amt als General und Oberkommandierender der spanischen Truppen in Italien an.

Dieses Amt war nicht nur repräsentativ; ihm waren strategische Aufgaben übertragen.

Diese strategischen Aufgaben leiteten sich aus dem Unvermögen der spanischen Flotte ab, die Gebiete in den spanischen Niederlanden mit Waffen, Soldaten und Handelsgütern ausreichend zu versorgen. Es gab nur zwei Wege, die Versorgung aufrechtzuerhalten: den Weg von Norditalien durch das Veltlin oder über die Alpenpässe des Herzogs von Savoyen.

Die Spanier strebten nach der Alleinherrschaft im Veltlin. Dieses Tal war der Schwachpunkt des gesamten Habsburger Reiches. Durch dieses strategische Territorium an der Grenze zur Republik Venedig und der Schweizer Eidgenossen mußten alle Truppen- und Geldtransporte aus Norditalien, um entweder auf dem Inn nach Österreich oder auf dem Rhein nach den Niederlanden zu gelangen.

Die ganze Konstruktion des Habsburger Reiches wurde durch spanisches Geld zusammengehalten und von spanischen Truppen gestützt. Gelang es, das Veltlin zu sperren, stürzte das ganze Gebäude zusammen.

Für die Sicherung der spanischen Herrschaftsansprüche in diesem politisch sensiblen Gebiet, insbesondere aber der Militärtransporte durch dieses Tal war Feria verantwortlich.

Dem standen die Befindlichkeiten der Schweizer Eidgenossen und die machtpolitischen Interessen der Republik Venedig und der französischen Regierung entgegen.

Im Jahre 1633 erhielt Feria den Auftrag, dem Kardinalinfanten von Spanien auf dessen geplanten Marsch von Italien am Rhein entlang nach den Niederlanden den Weg zu ebnen und militärisch zu sichern. Ferdinand sollte seine kranke Tante Isabella Eugenia, die greise Tochte Philipp II., als Statthalter der Niederlande ablösen.

Dieser Plan bestand schon sehr lange und stammte aus einer Zeit, als der spanische Hof in Wallenstein den Garanten ihrer Interessen in den zu erwartenden Auseinandersetzungen mit protestantischen Fürsten, schwedischen Feldherren und französischen Heeren beim Durchmarsch durch das Rheintal ansah. Auf dem Marsch durch Deutschland sollten die Nachschubwege vom Feind gesäubert und durch eine Kette von Garnisonen gesichert werden.
Solange dieser Plan existierte, solange kannten ihn auch die Gegner der Habsburger.

Die spanischen Habsburger brauchten den ungehinderten Landweg am Rhein entlang, um ihre Truppen und Gelder von Norditalien zu ihren Stützpunkten in den Niederlanden zu bringen.

Die Vereinigten Niederlande und der König von Frankreich ihrerseits suchten - und fanden u. a. in Bernhard von Sachsen-Weimar und dem schwedischen Kanzler Axel Oxenstierna - Verbündete, die diese Transporte unterbanden.

Strategisch gesehen hätte eine durch Spanien geschützte Rheinebene Wallenstein in seinen militärischen Aktionen Sicherheit versprochen. Die Stimmung des Friedländers änderte sich aber sofort, als er erfuhr, daß Feria ein von ihm unabhängiges Kommando spanischer Truppen befehligen sollte. Als er auch noch die Order bekam, General Aldringer zur Unterstützung der spanischen Vorhut, die unter Feria bei Insbruck wartete, abzukommandieren, weigerte er sich beharrlich, die Verstärkung bereitzustellen. Selbst als der spanische Botschafter persönlich um Hilfe bat, weigerte sich Wallenstein, Aldringer mit seinen Dragonern ziehen zu lassen.

Aber Aldringer, ein sehr geschickter Taktiker, der die Zeichen der Macht sehr gut zu deuten verstand, hatte bereits selbst und damit gegen Wallenstein entschieden. Er war bei Schongau mit Feria zusammengetroffen und hatte sich bereiterklärt, ihm seine Truppen zur Verfügung zu stellen; - mit oder ohne Wallensteins Zustimmung!

Am 29. September 1633 vereinigten sich die Heere Aldringers und Ferias bei Ravensburg und am 3. Oktober befreiten sie Konstanz, am 20. Oktober Breisach.

Die militärischen Erfolge sind um so verwunderlicher, wenn man weiß, wie heruntergekommen und ausgehungert beide Habsburger Heeresteile zu diesem Zeitpunkt waren.

Andererseits muß man wissen, wer damals Breisach verteidigte: die Rheingrafen Hans Philipp und Otto Ludwig - zwei militärische Versager.

Bei Kenntnis der Strategie Bernhards von Sachsen-Weimar relativieren sich diese Siege: Bernhard opferte vorübergehend Breisach, um in das militärische Machtvakuum Bayern einzufallen, und bereits am 14. November 1633 zog Bernhard unter dem Jubel der überwiegend protestantischen Bevölkerung in Regensburg ein.

Während noch der Wiener Hof den Verlust Regensburg der unentschlossenen Haltung Wallensteins anlastete, hatten Feria und Aldringer nach unnötigem Kompetenzgerangel Breisach wieder aufgeben müssen. Am 28. Oktober verlor Feria eine Schlacht bei Sulz gegen den überraschend schnell heranrückenden schwedischen Feldherrn Horn.

Der anschließende Rückzug der spanischen Truppe kam einer mittleren Katastrophe gleich: es gab keinen Proviant, die Soldaten desertierten in Massen, und die Schweden verfolgten den Rückzug über die Donau und den Lech mit ständigen Attacken.

Die vorsätzlichen Verwüstungen Bayerns durch Bernhards Truppen und die entsetzlichen, durch Hunger provozierten Ausschreitungen der kaiserlichen Soldateska führten zum bewaffneten Kampf der bayerischen Bauern gegen die durchziehenden spanischen Soldaten. Dem Heer Aldringers wurde sogar das Winterquartier verweigert.

Die Städte Fürth, Bayreuth, Calw und Eichstädt waren zerstört; die abgebrannten Dörfer zählte niemand mehr.

Zu dieser Zeit befand sich der englische Botschafter und sein Gefolge auf der Reise nach Regensburg. Seine Berichte schildern den Alptraum:

"Von Köln bis hierher sind alle Städte, Dörfer und Schlösser in Trümmern, ausgeraubt und niedergebrannt...." in Neunkirch "fanden wir bei unserer Ankunft ein brennendes Haus und keine Seele im Dorf,.." später stolperten sie über zwei Leichname, von denen einer "frisch aus dem Grab gescharrt worden war."

In Neustadt "das einst eine schöne Stadt war, aber jetzt ausgeplündert und jämmerlich niedergebrannt..., sahen wir fast verhungerte Kinder auf den Türschwellen sitzen..."

Der militärische Auftrag, dem spanischen Kardinalinfanten den Weg für seinen Vormarsch nach den Niederlanden zu ebnen, war von Feria gründlich verfehlt worden.

Feria sollte seinen obersten Befehlshaber nicht wiedersehen. Wer wie Feria bereits Vizekönig von Valencia und Gouverneur von Mailand war, dem wird der ruhmlose Ausgang des militärischen Ausfluges nach Süddeutschland mit Sicherheit das spanische Selbstbewußtsein geraubt haben.

Ob es nun die empfundene Schmach, der verletzte Stolz oder die Entkräftung des verwöhnten Körpers waren, - als Feria mit seinem verhungerten Gefolge auf bayerischen Boden am 24. Dezember 1633 im Schloß am Starnberger See ankam, war er bereits schwer erkrankt.

Er starb nach dem Empfang durch den bayerischen Kurfürsten Maximilian am 12. Januar 1634 in München.



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