Ferdinand, Kardinalinfant von Spanien

Ferdinand wurde als Sohn des spanischen Königs Philipp III. am 24. Mai 1610 geboren.
Seine Mutter war Margaretha von Österreich, die Schwester Kaiser Ferdinands II.
Schon mit zehn Jahren wurde Ferdinand Erzbischof von Toledo und Kardinal.
Als Philipp starb, äußerte er noch den Wunsch, sein Sohn Ferdinand möge sich doch zum Priester weihen lassen.

Der Umstand, daß Ferdinand Kardinal werden konnte, ohne geweihter Priester zu sein, charakterisiert die Funktion hoher Kirchenämter der damaligen Zeit in besonderer Weise: das Amt eines Bischofs, und besonders das eines Kardinals, war nur mittelbar auf die Durchsetzung religiöser Glaubenssätze fixiert; praktisch waren diese kirchlichen Würden eine andere Form der Ausübung weltlicher Macht. Ihr Machtanspruch begründete sich nicht nur auf Gottesgnadentum wie die des Kaisers und der Fürsten, sondern auf die Unfehlbarkeit des Papstes. Dadurch war der Handlungsspielraum dieser Amtsträger erweitert und im wesentlichen von den strategischen Zielen des Vatikans bestimmt.

Natürlich konkurrierten Papst und Kaiser bei den Versuchen, ihre Einflußgebiete zu erweitern; andererseits ergänzten sich Kirche und Staat ausgezeichnet, solange die Machtverteilung ausgeglichen war. Die Habsburger Monarchie ist ein Musterbeispiel des Zusammenspiels und der Konflikte machtpolitischer und religiöser Interessen.

Ferdinands weltlicher Machtanspruch leitete sich außerdem aus dem Titel eines Vizekönigs von Katalonien ab.

Als 1630 seine in die Jahre gekommene Tante Isabella Eugenia zu ihrer Unterstützung einen Statthalter für die Niederlande suchte, wurde Ferdinand als Nachfolger bestimmt.

Im Frühjahr 1633 traf er in Genua ein, um mit einem in Mailand gesammelten Heer in die Niederlande zu ziehen. Der Marsch sollte von der Lombardei über Tirol und Schwaben entlang des Rhein gehen; der Weg übers Meer war von den Holländern kontrolliert.

Der Herzog von Feria sollte ihm mit seinem Heer den Weg ebnen und sichern.

Ferdinands Plan bestand darin, auf dem Marsch durch Deutschland, die Nachschubwege vom Feind zu säubern und sie durch eine Kette von Garnisonen zu sichern.

Eine Krankheit hinderte Ferdinand an einer sofortigen Weiterreise. In dieser Zeit wurde das Heer des Herzogs von Feria durch Kämpfe mit den Truppen der schwedischen Feldherren Horn und Bernhard von Sachsen-Weimar soweit geschwächt, daß an eine Weiterreise Ferdinands nicht mehr zu denken war.

Ohne ein eindrucksvolles Heer war der Einmarsch eines Statthalters Spaniens in die Niederlande nach Meinung des spanischen Königs nicht möglich.

Da Wallenstein sich geweigert hatte, die von den Spaniern geforderten 4.000 Reiter bereitzustellen, mußte der spanische Hof 400.000 Kronen zur Anwerbung von Truppen bereitstellen, damit Ferdinand seinen Marsch im Juni 1634 antreten konnte. Die militärische Führung lag in den Händen der Feldherren Leganes und Philipp Spinola. Auf dem Weg durch Deutschland wurde das spanische Heer in Bayern durch die Reste des Heeres Ferias verstärkt. Feria selbst war Anfang Januar verstorben.

Etwa zur gleichen Zeit gelang es den kaiserlichen Truppen unter dem Oberkommando des Erzherzogs und späteren deutschen Kaisers, Ferdinands III., im Juli 1634 Regensburg von den Schweden zurückzuerobern.

Den Schweden war inzwischen bekannt geworden, daß in Südwestdeutschland der spanische Kardinalinfant im Anmarsch war und Ferdinand III. ihm nach dem Fall von Regensburg in Eilmärschen entgegenzog. Zwar versuchten die schwedischen Feldherren Bernhard von Sachsen-Weimar und Horn die Vereinigung der beiden Heere zu verhindern, aber Ferdinand III. war den von Seuchen heimgesuchten und schlecht ausgerüsteten schwedischen Heeren immer einige Tagesmärsche voraus.

Im August 1634 überschritt das Heer Ferdinands die Donau und nahm Donauwörth ein.

Unter dem Jubel beider Armeen vereinten sich Anfang September die kaiserlichen Truppen Ferdinands III. mit den diziplinierten und sehr gut ausgebildeten spanischen Truppen. Als sich bei der Begegnung der Heere beide Vettern auf Sichtweite genähert hatten, stiegen sie vom Pferde, liefen sich entgegen und umarmten sich. Die Heere schlugen ihr gemeinsames Lager südlich von Nördlingen auf. Die Stadt Nördlingen war zu diesem Zeitpunkt von einer kleinen schwedischen Besatzung gesichert, und in der Zwischenzeit kamen auch die Heere Bernhards und Horns auf Sichtweite heran.

Wenn die Vereinigung der beiden katholischen Heere einen Sinn haben sollte, dann mußte eine militärische Entscheidung jetzt vor Nördlingen erzwungen werden.

Die beiden Habsburger Vettern entwarfen einen Schlachtplan, ohne sich um die Meinung der ihnen an Alter und Erfahrung überlegenen Generäle zu kümmern.

Auf der Seite des Gegners waren die Vorbereitungen zur Schlacht von gegenseitigen Eifersüchteleien Bernhards und Horns und von einer fatalen Fehleinschätzung der gegnerischen Stärke begleitet. Außerdem standen die schwedischen Feldherrn unter Erfolgsdruck: Bernhard und Horn hatten sich zwischen einem militärischen Wagnis und einer politischen Notwendigkeit zu entscheiden.

Soviel war klar: nach der Übergabe von Regensburg und Donauwörth würde der Fall Nördlingens die protestantischen Verbündeten der Heilbronner Liga stark erschüttern und zum Spielball ausländischer, insbesondere französischer Interessen werden lassen.

Für Bernhard und Horn war ein Rückzug unter diesen Voraussetzungen ausgeschlossen. Außerdem drängte Bernhard von Sachsen-Weimar um jeden Preis auf eine Entscheidungsschlacht. Er, der sonst militärisch so umsichtig und besonnen war, wollte es nicht wahrhaben, daß ihm die vereinten kaiserlichen und spanischen Truppen zahlenmäßig überlegen waren.

Die beiden Habsburger verfügten über 20.000 Fußsoldaten und 13.000 Reiter. Die Stärke der schwedischen Truppen belief sich auf 16.000 Fußsoldaten und 9.000 Reiter, die unter Nachschubmangel litten.

Selbst als man Bernhard einen gefangenen spanischen Major vorführte, der auf die Frage nach dem Umfang der Verstärkung wahrheitsgemäß 20.000 Mann nannte, wollte Bernhard ihn hängen lassen, weil er von einer für ihn optimistischen Zahl von 7.000 Mann ausging; - ausgehen wollte.

Die Vorbereitungen zu der Schlacht begannen schon in der Nacht zum 6. September 1634.

Bernhard und Horn kamen in der nächtlichen Beratung zu dem Schluß, zunächst durch die Truppen Horns die Hügelrücken vor Nördlingen zu besetzen und am Morgen gemeinsam anzugreifen.

Bei den Vorbereitungen zur Schlacht ging alles schief, was schiefgehen konnte. Troßwagen und Kanonen blieben im Schlamm stecken, und Befehle wurden ins Gegenteil verkehrt.

Während der Schlacht ergänzten die disziplinierten spanischen Truppen die Angriffe und Abwehrgefechte der Kaiserlichen in hervorragender Weise.

Die Spanier zählten während der siebenstündigen Schlacht fünfzehn Angriffe der schwedischen Truppen.

Zur Mittagszeit waren Horns Truppen am Ende ihrer Kräfte.

Horn schickte eine Meldung an Bernhard, daß er sich hinter die Linien Bernhards auf einen Hügel zurückziehen werde, um sich für die Nacht zu verschanzen. Er ging davon aus, daß er bei seinem Manöver Flankenschutz bekommen würde.

Der Rückzug der Hornschen Truppen war aber offenbar der Augenblick, auf den die Kaiserlichen und Spanier gewartet hatten.

Sie verließen ihre Stellungen und griffen konzentriert Bernhards Truppen an. Obwohl Bernhard fluchend versuchte, seine schweißtriefenden Kanoniere an der Flucht zu hindern, war das Chaos total.

Horns erschöpfte Truppen, die sich gerade hinter den Linien in einem Tal befanden, prallten mit den Fliehenden zusammen. Man behinderte sich gegenseitig; Pferde verkeilten sich und stürzten, der Staub behinderte die Orientierung, und nur die heisernen Schreie der Spanier, ihr "Viva Espana", zeigten an, wo der Sieger stand.

In Heilbronn sammelten sich die Trümmer der geschlagenen Schweden.

Die Verluste der Schweden waren erheblich. Die Sieger gaben sie mit geschätzten 17.000 Toten und 4.000 Gefangenen an.

Unter den Gefangenen war auch Horn.

Der Sieg der katholischen Truppen bei Nördlingen wird oft in seinen Auswirkungen gleichgesetzt mit dem Sieg der Protestanten unter Führung Gustav Adolfs 1631 bei Breitenfeld.

Tatsächlich war die Schlacht bei Nördlingen militärisch vielfach dramatischer als es damals die Schlacht bei Breitenfeld für die Kaiserlichen war, und sie war für die protestantische Sache verhängnisvoller.

Militärisch bedeutete dies das Ende der schwedischen und den ruhmvollen Höhepunkt der spanischen Armee.

Aber sie brachte nicht den langersehnten Frieden für Deutschland.

Nach der Schlacht bei Nördlingen schien es kurzzeitig eine Zeitspanne des militärischen und politischen Gleichgewichts zu geben.

Keine der bisher aktiven europäischen Mächte war aber in der Lage, der machtpolitischen Entwicklung eine entscheidende Wende zu geben.

Obwohl es die letzte Möglichkeit für einen Frieden in Deutschland war, wollte keine der beteiligten Parteien den Frieden wirklich; vielleicht mit Ausnahme des Kurfürsten von Sachsen.

Das Haus Habsburg konnte sein militärisches Übergewicht nach Nördlingen nicht ausbauen, da der spanische Teil der Truppen danach gegen die Niederlande kämpfte. Die schwedischen Mittel waren aufgebraucht, und nur mit französischer Unterstützung konnten die Heeresteile notdürftig bezahlt werden.

Zwar versuchte Ferdinand III. seinen Vetter aus Spanien davon zu überzeugen, den Herbst über in Deutschland zu bleiben und das gemeinsam begonnene Werk zu vollenden. Aber der Bestimmungsort des Kardinalinfanten war Brüssel und keine noch so dringenden Bitten stimmten ihn um. Fast unmittelbar nach der Schlacht trennte sich das kaiserliche und spanische Heer und der Kardinalinfant marschierte mit einigen kaiserlichen Hilfstruppen unter Piccolomini in Richtung Rhein.

Ende 1634 überschritt der Kardinalinfant die flämische Grenze und zog mit großem Prunk in Brüssel ein. Er kam nicht als Priester; darum hatte ihn die inzwischen verstorbene Isabella gebeten. Kardinäle waren in Brüssel als Statthalter sehr ungern gesehen. In Scharlachrot und Gold gekleidet und mit dem Schwert seines burgundischen Vorfahren Karl V. nahm er nun die Stelle des Statthalters ein.

Die Porträts, die von ihm aus dieser Zeit existieren, zeigen ihn als Prinz mit schmalem Gesicht, flachsblonden Locken, in voller Rüstung mit dem Marschallstab in der Hand auf einem sich aufbäumenden Pferd. Diese kriegerische Aufmachung war in vielen europäischen Höfen Mode und kompensierte in der Regel militärische Inkompetenz. Nicht so bei Ferdinand: er hatte das Kriegshandwerk gründlich gelernt und spätestens bei Nördlingen sein Meisterstück abgeliefert.

Zunächst ersetzte er den verkrusteten und zum Teil unfähigen Beamtenapparat durch neue Männer: die berühmten Generale Aytona, der Herzog von Lerma, Fuentes und Leganes setzte er an die Spitze des Heeres.

Die entmachteten Bürokraten waren seine ersten Gegner.

Im Lande selbst besänftigte Ferdinand, wie vor sechzig Jahren Don Juan, die Flamen durch geschickte Diplomatie, Takt und Liebenswürdigkeit. Der Erfolg seiner Diplomatie wurde besonders sichtbar, als Frankreich und die Vereinten Niederlande mit einem Angriff drohten: die Flamen fürchteten, nicht befreit, sondern von den Eindringlingen aufgeteilt zu werden und klammerten sich an das Haus Habsburg als Beschützer ihrer Unversehrtheit.

Die Probleme erwuchsen Ferdinand nicht aus der ihm übertragenen Aufgabe als Statthalter der Niederlande, sondern aus den Aktivitäten, die Madrid gegen ihn einleitete.

So wurden die Befugnisse Ferdinands heimlich beschnitten und und ein ihm untergebener Mann, Aytona, wurde bevollmächtigt, Befehle aus Madrid über die des Kardinalinfanten zu stellen...

Gut unterrichtete Leute aus den Niederlanden wurden bei Hofe nicht angehört und in ihrer diplomatischen Wirkung neutralisiert. Abgesehen von solchen totalen politischen Fehlleistungen des spanischen Königs bestand das Problem für Ferdinand darin, daß er als Statthalter dem König unterstellt war und keinen Einspruch erheben konnte.

1635 schlugen die Franzosen unter dem Kommando des Herzogs von Chastillon fast gleichzeitig mit der Kriegserklärung die bei Namur stationierten spanischen Truppen. Der Plan der Franzosen war, sich anschließend bei Maastricht mit dem Prinzen von Oranien zu vereinigen. Aber die Holländer zierten sich, taktierten zu vorsichtig und unterschätzten den Eifer, die Beliebtheit und das militärische Können des Kardinalinfanten. Die entrüsteten Franzosen zogen sich daraufhin zurück.

Ferdinand, verstärkt durch kaiserliche Truppen unter Piccolomini und durch die Kroaten Isolanis, konnte im Gegenzug bis Jahresende die Städte Diest, Goch, Gennep, Limburg und Schenk einnehmen und Maastricht einschließen.

Auch das Jahr 1636 begann für die Habsburger recht verheißungsvoll: Ferdinand III. wurde als Nachfolger des alternden Kaisers bestätigt, die letzten weltlichen Kirchenfürsten hatten sich für den Frieden von Prag und gegen ihre ehemaligen Verbündeten entschieden, der Kurfürst von Bayern bekam von seiner vierzig Jahre jüngeren Gemahlin einen Sohn, das Veltlin war gesichert, das rechte Rheinufer von kaiserlichen Truppen besetzt, und das erstarkte kaiserliche Heer stand vor Paris.

Ferdinand von Spanien setzte auf dem flachen Land die noch aktiven protestantischen Priester ab; im Gegenzug taten die Holländer das Gleiche mit den katholischen Priestern...

Auch militärisch schien Ferdinand eine glückliche Hand zu haben. Hirsen in Holland, Chatelet und Chapelle in Frankreich wurden erobert. Luxemburg, dessen Straßen von den Holländern unsicher gemacht wurden, lies er durch Kroaten sichern. Außerdem wurde die Pfalz wieder besetzt.

Jedoch im Jahre 1637 gelang dem Prinzen Friedrich Heinrich von Oranien ein außergewöhnlicher Erfolg. Nach einer Belagerung, die ein halbes Jahr Gesprächsstoff in Europa war, ergab sich Breda am 10. Oktober. Die Festung war zwölf Jahre in spanischem Besitz gewesen, und ihr Verlust bedeutete die erste ernsthafte Niederlage für den Kardinalinfanten.

Daß es ihm trotz aller Anstrengungen mißlang, Breda zu befreien, ermutigte alle seine heimlichen Gegner am Madrider Hof offen aufzutreten. Sie wurden in ihrer unqualifizierten Kritik bestärkt durch weitere militärische Rückschläge Ferdinands in den Niederlanden: so bedeutende Orte wie Chapelles, Landrey und Damvilliers gingen an die Franzosen verloren; der Versuch, Maubeuge einzunehmen wurde von den Franzosen nicht nur vereitelt, Ferdinand wurde von ihnen sogar über den Fluß Sambre bis fast nach Bergen zurückgeworfen.

Obwohl sich die militärische Lage in den folgenden Jahren durch Erfolge bei Antwerpen, Chastillon und Geldern etwas entschärfte, konnte er 1640 den Fall der Stadt Arras nicht verhindern.

Während der Feldzüge im Jahre 1641 erkrankte Ferdinand und zog sich nach Brüssel zurück, wo er am 9. November 1641 im Alter von 32 Jahren starb.

Vagen Angaben zufolge soll ein Geschwür im Unterleib aufgegangen sein. Wie vergiftet im wahrsten Sinne des Wortes die Atmosphäre in Brüssel gewesen sein muß, beweisen die Gerüchte, nach denen Ferdinand von Agenten des Hofes vergiftet wurde. Angeblich hatte man in Madrid die Befürchtung, daß sich Ferdinand mit Hilfe Frankreichs zum unabhängigen Regenten der spanischen Niederlande etablieren würde.

Um diese Behauptung zu untermauern, wurde ein weiteres Gerücht in Umlauf gebracht, demzufolge der französische Hof beabsichtigt hätte, Ferdinand mit der Tochter des Herzogs von Orlean zu vermählen.

Diese Befürchtungen waren völlig aus der Luft gegriffen, denn die Ursachen für den Niedergang des Ansehens Spaniens in den Niederlanden lagen in der Unfähigkeit des Königs und seiner Höflinge, die Lage in Spanien selbst zu stabilisieren.

Die Finanzen waren bankrott, die Inflation erschreckend, die Flotte durch die Holländer vernichtet, und der Exporthandel war nur mit Hilfe der Handelsschiffe der eigentlich feindlichen Holländer möglich.

Die Lage in den spanischen Niederlanden war praktisch unhaltbar geworden: selbst wenn Spanien Unterstützung hätte ermöglichen können, die großen Verkehrsadern des Habsburger Reiches von Italien nach Flandern waren von Frankreich besetzt; den Seeweg kontrollierten die Holländer. Im Jahre 1640 wurde jede Hilfe Spaniens an Flandern eingestellt.

Der Kardinalinfant mußte sich mit Befehlen und Gegenbefehlen herumschlagen, die ihm sogar befahlen, Truppen nach Spanien zu senden, damit man sie gegen das aufständische Portugal einsetzen könne.

Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist der Tod Ferdinands auf physische Erschöpfung zurückzuführen, die seine ohnehin schwache Gesundheit untergrub.

Die Tatsache aber, daß man in den Niederlanden auch an das Gerücht einer Vergiftung glaubte, verdeutlicht das geschwundene Vertrauen an die moralischen Grundwerte einer für den vorgeblich wahren Glauben kämpfenden europäischen Großmacht, aber verdeutlicht auch die Sympathien, die Ferdinand in Flandern offenbar entgegengebracht wurden.

1643 wurde sein Leichnam durch Frankreich nach Spanien gebracht. Seinem letzten Wunsch gemäß wurden für ihn 12.000 Seelenmessen gelesen.

Durch seinen Tod wurden plötzlich 430.000 Kronen aus geistlichen Einkünften vakant. Zum Testamentsvollstrecker hatte Ferdinand den Erzbischof von Mecheln und seinen großen Förderer, Rivalen und politischen Drahtzieher in Madrid, den Grafen von Olivarez, ernannt.

So gesehen bewegte sich Ferdinands Leben im Kreis um Olivarez: durch seine Annäherung und Anpassung an Olivarez wurde ihm die weltliche Karriere als Statthalter der Niederladen geebnet, von Olivarez wurden seine Pläne behindert und in ihren Wirkungen neutralisiert und in dessen Händen und unter seiner Kontrolle wurde das Erbe Ferdinands zur historischen Konkursmasse des in sich zusammenbrechenden spanischen Imperiums gelegt.

An der Nachfolgeregelung der Statthalterschaft durch den spanischen König zerbrach übrigens die politische Allianz, die das Haus Habsburg in Wien und Madrid verband. Graf Olivarez hatte sich zunächst für den Erzherzog Leopold, den Bruder Kaiser Ferdinands III. ausgesprochen. Leopold hatte sich in Deutschland lediglich durch die planmäßige Vernichtung der ihm unterstellten Heere einen unrühmlichen Namen gemacht, hatte aber - im Gegensatz zu allen anderen Kandidaten - ein ähnlich einnehmendes Wesen wie der Kardinalinfant. Der verwöhnte und versnobte Brüsseler Mob und die flämischen Beamten hätten ihn als kaiserlichen Prinz wahrscheilich gut aufgenommen.

Dieser Kompromiß zwischen dem Herrschaftsanspruch der spanischen Krone und den Bürgern eines unterdrückten Staates wurde durch eine kurzsichtige und insofern für den König von Spanien typische Fehlentscheidung zunichte gemacht:

Philipp IV. entzog sich in seinen Entscheidungen schon seit längerem einer politischen Logik, und so erschreckte er die Niederländer mit dem Gegenplan, seinen Sohn, Don Juan, als Statthalter einzusetzen. Im Prinzip war an Don Juan nichts auszusetzen, wenn man davon absah, daß er erst zwölf Jahre alt war.

Die Empörung der Niederländer erklärte sich aus dem Umstand, das Don Juan zwar der Sohn des Königs, seine Mutter aber die Schauspielerin Maria Calderon war. Und von einem "Bastard", wie man Abkömmlinge nicht fürstlicher Inzuchtstammbäume nannte, darüber waren sich die Niederländer einig, wollte man nicht regiert werden.

Durch die anmaßende Postenverteilung des spanischen Königs brüskiert, entzogen sich die österreichischen Habsburger in der Folgezeit den moralischen Verpflichtungen gegenüber ihren spanischen Verwandten.

Die Amtseinführung Don Juans wurde übrigens aufgrund anhaltender Proteste hinausgeschoben. In der Übergangszeit sorgte ein unfähiger Don Francisco de Melo dafür, daß die spanischen Niederlande in den folgenden Jahren für Spanien verloren gingen.



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