Ferdinand III.

Im Gegensatz zu dem geschwätzigen Selbstbewußtsein seines Vaters legte Ferdinand III. eine ruhige Besonnenheit an den Tag, die ihn in den Augen der Parteigänger der Habsburger Dynastie in Österreich und Spanien für die Nachfolge auf den Thron des deutschen Kaisers geeignet erscheinen ließ.

Als Ferdinand im heiratsfähigen Alter war, beschlossen deshalb die Oberhäupter der beiden Habsburger Linien, ihn mit Maria, der Infantin von Spanien, zu verheiraten. Maria galt in Spanien als Schönheit. Sie hatte blaue Augen, ein rosiges Gesicht, war seine leibliche Base, intelligent und mehrere Jahre älter als er.

Ferdinand hatte jedoch am spanischen Hof keine gute Lobby: die Berichte über ihn waren aus ungeklärten Gründen beängstigend schlecht. Maria war jedoch folgsam, sie kannte ihre Pflicht, und außerdem war der Ehevertrag unwiderruflich geschlossen worden. Sie erwartete einen verwachsenen, stumpfsinnigen Bräutigam und verliebte sich auf den ersten Blick in ihn, als sie sich zum ersten Male begegneten und sie zu ihrer Erleichterung einem gut gewachsenen und geistig normalen Habsburger gegenüberstand.

Möglicherweise empfand zu ihrer Zeit Maria in gleicher Weise, wie reichlich zweihundert Jahre später die englische Historikerin Wedgwood, die die Persönlichkeit Ferdinands zwar mit der historischen Distanz, aber sehr menschlich skizziert:

"Der junge Ferdinand war der älteste der überlebenden Söhne, die der Kaiser von Maria, der Schwester Maximilians von Bayern, hatte. Er war in einer Umgebung aufgewachsen, wie sie ... nicht besser sein konnte. Sein Vater und seine Mutter, und später seine Stiefmutter, waren einander und ihren Kindern in ungetrübter Liebe zugetan und zogen die Kinder in der Steiermark schlicht und glücklich auf.

Klüger als sein Vater, erregte der junge Ferdinand niemals Eifersucht und fühlte sich auch nie zurückgesetzt; er kam am Ratstisch in Meinungsverschiedenheiten mit dem Kaiser, hatte seine eigene Partei bei Hofe, kritisierte die Politik des Vaters, besonders seine Finanzwirtschaft, vermied aber völlig jene garstige Gegensätzlichkeit zwischen Herrscher und Nachfolger, die oft eine dynastische Politik verbittert. Vater und Sohn bewunderten einander ob ihrer Vorzüge und kamen bei Meinungsverschiedenheiten stets zu einem Ausgleich.

Der (spätere) König von Ungarn hatte die Gutmütigkeit seines Vaters, aber nicht seinen Frohsinn geerbt. Er hatte auch viel vom einnehmenden Wesen seines Vaters. Weniger geschwätzig, war er würdevoller, ... und seine Befähigung, sich mühelos in sieben Sprachen zu unterhalten, ermöglichte es ihm, viele seiner diplomatischen Angelegeheiten selbst zu erledigen.

Äußerlich glich er der Familie seiner Mutter und hatte die melancholischen dunklen Augen, braunen Haare und markanten Gesichtszüge der Wittelsbacher.

Obwohl er zum Jagdvergnügen erzogen worden war, widmete er sich in seinen Mußestunden lieber philosophischer Lektüre, musikalischen Kompositionen, dem Elfenbeinschnitzen oder Laboratoriumsexperimenten.

Er war ruhig, nachdenklich, fast schwermütig. Ungleich seinem Vater war er bis zur Knauserigkeit sparsam.

Als Knabe ließ seine Zurückhaltung ihn einfältig erscheinen, aber als er selbstsicher wurde, machte er statt dessen den Eindruck eines tiefen Denkers, eines tieferen, als er wirklich war, denn alles in allem genommen, war er nur ein anständiger, phantasiebegabter Mensch, der sich mit Gedanken abquälte. Er besaß weder den starken Glauben an seine Sendung noch das Vertrauen auf Gott, die seinen Vater trugen; er war nicht von der Einzigartigkeit seines Zieles durchdrungen, was dem alten Kaiser einen solchen Zug von Größe verlieh.
...
Ferdinand II. war entweder sehr schlau oder sehr vom Glück begünstigt; Ferdinand III. war keines von beiden."
[1]

Dieses Urteil ist etwas zu hart, denn immerhin spielte der König von Ungarn und spätere Kaiser Ferdinand III. eine große Rolle in der europäischen Geschichte. Offenbar machte er auf seine Zeitgenossen einen größeren Eindruck als auf seine Nachwelt.

Seinen Führungsanspruch konnte er jedoch erst nach der Ermordung Wallensteins durchsetzen. Erste Versuche, die Nachfolge frühzeitig zu regeln, gab es schon im Jahre 1630. In diesem Zeitraum erreichte die kaiserliche und katholische Macht einen ihrer Höhepunkte. Dank der militärischen Überlegenheit des kaiserlichen Heeres unter Wallenstein war dem Kaiser kein Gegner gewachsen. Diese kaiserliche Machtfülle und das selbstherrliche Verhalten Wallensteins bedeuteten eine Gefährdung der Privilegien der Fürsten und provozierte ein geschlossenes Auftreten der Fürsten im Kampf um deren Sicherung. Die Fürsten verlangten einen Reichstag, auf dem die anstehenden Fragen geklärt werden sollten.

Der Reichstag wurde für den Monat Mai des Jahres 1630 nach Regensburg einberufen. Dem Kaiser kam diese Forderung der Fürsten gelegen, denn er wollte seinerseits den Reichstag u.a. dazu benutzen, den Machtanspruch des Hauses Habsburg durch die endgültige Regelung der Nachfolge zu sichern.

Nach ihm sollte sein Sohn Ferdinand den Kaiserthron besteigen. Um diesen Plan durchzusetzen, benötigte der Kaiser jedoch die Zustimmung der Kurfürsten.

In der Zeit vor und während des Reichstages machte Maximilian von Bayern seinen gesamten Einfluß geltend, um den weiteren Aufstieg Wallensteins und die zunehmende Macht Ferdinands zu stoppen. Bereits siebzehn Tage nach der Erhebung Wallensteins zum Herzog von Mecklenburg beschwerte sich der Kurfürst von Mainz im Namen des Fürstenkollegiums und erklärte nachdrücklich, daß er die Wahl des Erzherzogs zum Thronfolger Ferdinands nicht garantieren kann, solange Wallenstein Oberbefehlshaber des gesamten kaiserlichen Heeres bleibt.

Gegenüber den um ihre Privilegien kämpfenden Fürsten hatte der Kaiser zwei Trümpfe, um seinen Forderungen und Wünschen Nachdruck zu verleihen: Wallenstein und das Restitutionsedikt. Mit der Entlassung Wallensteins konnte er die katholischen Fürsten, allen voran den Kurfürsten von Bayern, zufriedenstellen; mit dem Zurückziehen des Restitutionsedikts hätte er die protestantischen Fürsten gewinnen können.

Im Sommer 1630 war kein Krieg in Deutschland; Ferdinand entschloß sich deshalb zunächst Wallenstein zu opfern.

Im Juli 1630 setzten die deutschen Fürsten auf dem Reichstag zu Regensburg die Absetzung Wallensteins und die Begrenzung der Stärke des kaiserlichen Heeres auf 40.000 Mann durch.

Als der Reichstag im November 1630 beendet wurde, hatten weder der Kaiser noch die deutschen Fürsten ihre ursprünglichen Ziele erreicht: Dem Kaiser war es nicht gelungen, trotz der Entlassung Wallensteins die Nachfolgefrage zu lösen; - ganz nebenbei wurde von ihm auch die Rückzahlung der Reisekosten an Wallenstein übersehen.

Den Fürsten, die den Reichstag zur Verteidigung ihrer Interessen einberufen hatten, gelang es nicht, den Kaiser zur Rücknahme des Restitutionsedikts zu bewegen.

Lediglich Maximilian von Bayern hatte sein Ziel erreicht: Wallenstein, der "böhmische Bauer", wie ihn Maximilian verächtlich nannte, war scheinbar mattgesetzt.

In gewisser Weise war auch Ferdinand III. Nutznießer dieser Entscheidung: es war schon immer Ferdinands Herzenswunsch gewesen, den Oberbefehl über ein selbständiges kaiserliches Heer zu erhalten. Solange jedoch Wallenstein das Oberkommando hatte, wurde dieser Wunsch rundweg abgelehnt; - nun schien er am Ziel seiner Wünsche. Drei Dinge fehlten jedoch dem neuen Feldherren:

1. das Geld, um ein so riesiges Heer zu bezahlen,

2. die Logistik, die den Nachschub sicherte und

3. ein Anlaß zur Fortsetzung des Krieges bzw. ein standesgemäßer Gegner.

Denn der zu dieser Zeit auf Usedom gelandete schwedische König wurde nicht als ernsthafter Gegner angesehen: "Ein Feinderl mehr." äußerte damals der Kaiser abfällig.

1632 steht Gustav Adolf, dieses "Feinderl", vor den Toren Münchens und die mit ihm verbündeten Sachsen vor Prag!

Tilly, die einzige militärische Hoffnung des Reiches war in der Schlacht bei Breitenfeld am 17. September 1631 von Gustav Adolf geschlagen und in der Schlacht am Lech (15. April 1632) tödlich verwundet worden.

Bayern und Österreich waren unerwartet wehrlos und offen für die Schweden; Maximilian mußte aus München fliehen und Ferdinand geriet in militärische und politische Bedrängnis.

Mit der von ihnen erzwungenen Entlassung Wallensteins auf dem Regensburger Reichstag hatten die deutschen Fürsten zwar ihre "Libertät" gegenüber dem Kaiser gesichert, waren aber militärisch vom Regen in die Traufe gekommen. Selbst der Kurfürst von Bayern unterdrückte in dieser für ihn verzweifelten Lage alle Vorurteile gegen Wallenstein und drängte den Kaiser, Wallenstein als neuen Oberbefehlshaber des kaiserlichen Heeres - oder was davon übrig war - zu berufen.

An dieser Stelle muß jedoch zur Ehrenrettung Ferdinands III. vermerkt werden, daß er in diesem kritischen Moment alle persönlichen Ziele im Hinblick auf das Oberkommando und die unterschwellig stets vorhandenen Meinungsverschiedenheiten mit Wallenstein hintenanstellte, und den Friedländer persönlich bat, die Stelle als Oberbefelshaber wieder anzunehmen, denn auch dem kaiserlichen Hof war klar geworden, daß nicht Ferdinand, sondern nur ein Mann diesem "Feinderl" Paroli bieten konnte: Wallenstein.

Im April 1632 einigten sich der Kaiser und Wallenstein über die Bedingungen zur erneuten Übernahme des Oberbefehls über das Heer. Die Bedingungen wurden jetzt aber von Wallenstein diktiert. Der genaue Umfang der Zugeständnisse, die der Kaiser machen mußte, werden wahrscheinlich nie genau bekannt werden. Fakt ist nur, daß Wallenstein mit fast unbeschränkten Vollmachten zurückkehrt: Ferdinand, der Sohn des Kaisers, und Spanien hatten zukünftig keinen Einfluß mehr auf die Entscheidungen Wallensteins, und der Oberbefehlshaber erhielt ebenfalls Vollmachten für Friedensverhandlungen und das Recht, Verträge abzuschließen.

Anfang September kommt es zu Kämpfen zwischen den Schweden und den kaiserlichen Truppen bei Nürnberg. Unter großen Verlusten an Soldaten und schweren Verlusten an militärischem Ansehen mußten sich die Schweden zurückziehen. Gustav Adolf bot daraufhin Wallenstein Friedensbedingungen an, die von diesem zurückgewiesen wurden.

Als daraufhin Gustav Adolfs Heer nach Süden abzog, drängte Maximilian Wallenstein erneut, die Schweden anzugreifen. Wallenstein hatte jedoch einen besseren Plan und überließ die Verteidigung Bayerns Maximilian, der mit den schäbigen Resten seines Heeres Gustav Adolf folgte.

Wallensteins Plan war, in Eilmärschen nach Norden zu marschieren, um sich mit Holk und Pappenheim zu vereinigen und so entweder den sächsischen Kurfürsten zu zwingen, den Beistandspakt mit Gustav Adolf aufzukündigen oder durch seine Aktivitäten Gustav Adolf zu veranlassen, den Vormarsch auf Österreich abzubrechen. Gustav Adolf brach tatsächlich seinen Vormarsch auf Österreich ab, denn er lief Gefahr, von seinen Nachschublinien abgeschnitten zu werden und zog Wallenstein hinterher.

Auf dem Marsch der beiden Heere nach Norden kam es dann am 6. November 1632 bei Lützen, unweit von Leipzig zur Schlacht zwischen den kaiserlichen Truppen unter Wallenstein und dem schwedischen Heer. Im Verlauf der Schlacht wurde Gustav Adolf tödlich verwundet. Strategisch gesehen bedeutete der Tod des Schwedenkönigs jedoch nicht auch das Ende der schwedischen Intervention. Deshalb wurde Ferdinand II. von seinem Hofkriegsrat dahingehend beeinflußt, Wallenstein zu einer endgültigen militärischen Entscheidung zu drängen. Wallenstein hingegen sah den Zeitpunkt für Verhandlungen gekommen. Mit ausdrücklicher Billigung des Kaisers suchte er einen Ausgleich mit Sachsen; ohne Wissen Ferdinands verhandelte er mit Schweden und Frankreich und wurde so zu einem internationalen Machtfaktor, der bei seinen Gegnern mehr Beachtung fand als die Diplomaten des Wiener Hofes.

Mit seinen Friedensplänen geriet Wallenstein aber in unlösbare Widersprüche nicht nur mit dem kaiserlichen Hof und den Interessen Spaniens, sondern auch und vor allen Dingen mit seinen Generälen und Offizieren. Sie, die vom Krieg lebten, mußten seinen Friedensplänen mit Mißtrauen begegnen. Da ihr Oberbefehlshaber selbst kein unabhängiger Fürst war, bedeutete es für die Generäle, daß sie die Bindung zum Kaiser intensivieren mußten, wollten sie nicht ihre Existenzgrundlage verlieren.

Im Dezember 1633 spitzte sich die Situation zwischen Ferdinand und Wallenstein dramatisch zu. Die Tatsache, daß Wallenstein einen befohlenen Winterfeldzug zur Befreiung Regensburgs verweigert und stattdessen mit den Schweden und Frankreich verhandelt, wird von einer vom Kaiser berufenen Kommission als Verrat bestätigt.

Ferdinand unterzeichnete daraufhin am 24. Januar 1634 ein geheimes Ächtungsdekret gegen Wallenstein und dessen Gefolgsleute Ilow und Trczka. Das Ächtungsdekret, das den mit der Durchführung beauftragten kaisertreuen Offizieren keine Beschränkungen auferlegte, schloß den Tod Wallensteins ein.

In der Nacht vom 25. zum 26. Februar 1634 wurden die Vertrauten Wallensteins, Ilow, Trcka und Kinsky auf einem Bankett auf der Burg in Eger überfallen und ermordet.

Wallenstein selbst wird in seinem Quartier durch Devereux, einen Hauptmann des Butlerschen Regiments, ermordet. Die Meldung vom Tode Wallensteins erreichte Ferdinand am 2. März 1634. Der Kaiser ließ daraufhin scheinheilig für die Ermordeten 3.000 Seelenmessen lesen.

Für seinen Sohn, Ferdinand III., war damit der Weg zum Oberkommando der kaiserlichen Armee endgültig frei. Ferdinand besaß zwar keine militärischen Erfahrungen und erst recht nicht in der Führung eines so großen Heeres, aber er war klug genug, sich die Erfahrungen der nach dem Tod Wallensteins dem Kaiser besonders verpflichteten Feldherren Piccolomini und Gallas zu sichern. Gemeinsam marschierte man Richtung Regensburg, das von den Schweden besetzt war. Die Schweden unter Bernhard von Sachsen-Weimar und General Horn versuchten das Vorhaben Ferdinands durch einen Vorstoß auf Böhmen zu verhindern; zeitgleich mit ihnen marschierte der sächsische Feldmarschall Armin bis vor die Mauern Prags. - Ferdinand ließ sich nicht beirren und stürmte im Juli 1634 Regensburg.

Es war der ganze Stolz des Kaisers, zu erfahren, daß das Heer unter dem Kommando seines Sohnes Regensburg befreit hatte.

Den Schweden war inzwischen bekannt geworden, daß in Südwestdeutschland der spanische Kardinalinfant im Anmarsch war und Ferdinand ihm nach dem Fall Regensburg in Eilmärschen entgegenzog. Zwar versuchten die schwedischen Feldherren Bernhard von Sachsen-Weimar und Horn die Vereinigung der beiden Heere zu verhindern, aber Ferdinand war den von Seuchen heimgesuchten und schlecht ausgerüsteten schwedischen Heeren immer einige Tagesmärsche voraus.

Im August 1634 überschritt das Heer Ferdinands die Donau und nahm Donauwörth ein.

Unter dem Jubel der kaiserlichen Armee vereinten sich Anfang Dezember die Truppen Ferdinands mit den diziplinierten und sehr gut ausgebildeten spanischen Truppen. Beide Feldherren schlugen ihr gemeinsames Lager südlich von Nördlingen auf. Die Stadt Nördlingen war von einer kleinen schwedischen Besatzung gesichert, und in der Zwischenzeit kamen auch die Heere Bernhards und Horns auf Sichtweite heran.

Wenn die Vereinigung der beiden katholischen Heere einen Sinn haben sollte, dann mußte eine militärische Entscheidung jetzt vor Nördlingen erzwungen werden.

Die beiden Habsburger Vettern entwarfen einen Schlachtplan, ohne sich um die Meinung der ihnen an Alter und Erfahrung überlegenen Generäle zu kümmern.

Auf der Seite des Gegners waren die Vorbereitungen zur Schlacht von gegenseitigen Eifersüchteleien Bernhards und Horns und von einer fatalen Fehleinschätzung der gegnerischen Stärke begleitet. Außerdem standen die schwedischen Feldherrn unter Erfolgsdruck: Bernhard und Horn hatten sich zwischen einem militärischen Wagnis und einer politischen Notwendigkeit zu entscheiden.

Soviel war klar: nach der Übergabe von Regensburg und Donauwörth würde der Fall Nördlingens die protestantischen Verbündeten der Heilbronner Liga stark erschüttern und zum Spielball ausländischer, insbesondere französischer Interessen werden lassen.

Für Bernhard und Horn war ein Rückzug unter diesen Voraussetzungen ausgeschlossen. Außerdem drängte Bernhard von Sachsen-Weimar um jeden Preis auf eine Entscheidungsschlacht. Er, der sonst militärisch so umsichtig und besonnen war, wollte es nicht wahrhaben, daß ihm die kaiserlichen Truppen zahlenmäßig überlegen waren.

Die beiden Habsburger verfügten über 20.000 Fußsoldaten und 13.000 Reiter. Die Stärke der vereinigten protestantischen Truppen belief sich auf 16.000 Fußsoldaten und 9.000 Reiter, die unter Nachschubmangel litten.

Selbst als man ihm einen gefangenen spanischen Major vorführte, der auf die Frage nach dem Umfang der Verstärkung wahrheitsgemäß 20.000 Mann nannte, wollte Bernhard ihn hängen lassen, weil er von einer optimistischen Zahl von 7.000 Mann ausging; - ausgehen wollte.

Die Vorbereitungen zu der Schlacht begannen schon in der Nacht zum 6. September 1634.

Bernhard und Horn kamen in der nächtlichen Beratung zu dem Schluß, zunächst durch die Truppen Horns die Hügelrücken vor Nördlingen zu besetzen und am Morgen gemeinsam anzugreifen.

Bei den Vorbereitungen zur Schlacht ging alles schief, was schief gehen konnte. Troßwagen und Kanonen blieben im Schlamm stecken und Befehle wurden ins Gegenteil verkehrt.

Das Wort Gemeinsamkeit wurde durch die gegenseitige Eifersucht der beiden Feldherren zur Worthülse, und obwohl während der Schlacht keiner den anderen vorsätzlich im Stich ließ, gab nach der Schlacht jeder dem anderen die Schuld an der Niederlage.

Auf der Gegenseite hatten die beiden Erzherzöge eine glücklichere Lösung der Doppelverantwortung gefunden, und die disziplinierten spanischen Truppen ergänzten die Angriffe der kaiserlichen in hervorragender Weise.

Die Spanier zählten während der siebenstündigen Schlacht fünfzehn Angriffe der schwedischen Truppen. Zur Mittagszeit waren Horns Truppen am Ende ihrer Kräfte.

Horn schickte eine Meldung an Bernhard, daß er sich hinter die Linien Bernhards auf einen Hügel zurückziehen werde, um sich für die Nacht zu verschanzen. Er ging davon aus, daß er bei seinem Manöver Flankenschutz bekommen würde.

Der Rückzug der Hornschen Truppen war aber offenbar der Augenblick, auf den die Kaiserlichen und Spanier gewartet hatten. Sie verließen ihre Stellungen und griffen konzentriert Bernhards Truppen an. Obwohl Bernhard fluchend versuchte, seine schweißtriefenden Kanoniere an der Flucht zu hindern, war das Chaos total.

Horns erschöpfte Truppen, die sich gerade hinter den Linien in einem Tal befanden, prallten mit den Fliehenden zusammen. Man behinderte sich gegenseitig; Pferde verkeilten sich und stürzten, der Staub behinderte die Orientierung, und nur die heisernen Schreie der Spanier, ihr "Viva Espana", zeigten an, wo der Sieger stand.

In Heilbronn sammelten sich die Trümmer der geschlagenen Schweden.

Die Verluste der Schweden waren erheblich. Die Sieger gaben sie mit geschätzten 17.000 Toten und 4.000 Gefangenen an. Unter den Gefangenen war auch Horn.

Die Niederlage des protestantischen Heeres löste eine Flüchtlingswelle ohne gleichen aus:

"Die nach der Schlacht bei Nördlingen aus dem Süden Geflohenen starben im Flüchtlingslager zu Frankfurt oder in den überfüllten sächsischen Spitälern an Pest, Hunger oder Erschöpfung. Ihrer siebentausend wurden aus dem Kanton Zürich ausgewiesen, weil für sie weder Nahrung noch Unterkunft vorhanden war; in Hanau schloß man vor ihnen die Tore, und in Straßburg lagen sie in der Winterkälte so dicht auf den Straßen, daß die Bürger am Tage über sie wegstiegen und des Nachts durch das Stöhnen der Kranken und Hungernden wachgehalten wurden, bis der Magistrat sie, dreißigtausend an der Zahl, mit Gewalt aus der Stadt trieb."[1]

Als der Kaiser von einem Jagdausflug zurückkehrte und von einem Boten erfuhr, daß sein Sohn im gemeinsamen Kommando mit dem spanischen Kardinalinfanten einen glänzenden Sieg über die vereinten schwedischen Heere bei Nördlingen errungen hatte, brach er vor Rührung in Tränen aus.

Der Sieg der katholischen Truppen bei Nördlingen wird vielfach

in seinen Auswirkungen gleichgesetzt mit dem Sieg der Protestanten unter Führung Gustav Adolfs 1631 bei Breitenfeld.

Tatsächlich war die Schlacht bei Nördlingen militärisch vielfach dramatischer als es damals die Schlacht bei Breitenfeld für die Kaiserlichen war, und sie war für die protestantische Sache verhängnisvoller.

Militärisch bedeutete sie das Ende der schwedischen und den ruhmvollen Höhepunkt der spanischen Armee.

Aber sie brachte nicht den langersehnten Frieden.

Nach der Schlacht bei Nördlingen schien es kurzzeitig eine Zeitspanne des militärischen und politischen Gleichgewichts zu geben. Keine der bisher aktiven europäischen Mächte war aber in der Lage, der machtpolitischen Entwicklung eine entscheidende Wende zu geben.

Obwohl es die letzte Möglichkeit für einen Frieden in Deutschland war, wollte keine der beteiligten Parteien den Frieden wirklich; vielleicht mit Ausnahme des Kurfürsten von Sachsen. In dieser Atempause vor dem letzten Kräftemessen versuchte jede Seite sich die Ressourcen und Führungspersönlichkeiten zu sichern, die für einen Erfolg notwendig erschienen.

Das Haus Habsburg konnte sein militärisches Übergewicht nach Nördlingen nicht ausbauen, da der spanische Teil der Truppen danach gegen die Niederlande kämpfte. Die schwedischen Mittel waren aufgebraucht, und nur mit französischer Unterstützung konnten die Heeresteile notdürftig bezahlt werden.

Diplomatisch ging die Initiative für die protestantische Sache auf Richelieu über; für Deutschland eine Tragödie. Obwohl das Ansehen des Hauses Habsburg seinen Höhepunkt erreicht hatte, begann nun der offene Kampf zwischen den Bourbonen und den Habsburgern. Allerdings standen die diplomatischen Aktivitäten und politischen Ziele Richelieus zu dieser Zeit in keinem Verhältnis zu der militärischen Stärke Frankreichs.

Frankreich konnte deshalb nicht verhindern, daß der sächsische Kurfürst Johann Georg ohne die Bevormundung durch die Schweden nun freie Hand für seine Verhandlungen mit dem Kaiser hatte, die ein Jahr später mit dem Frieden von Prag ihren diplomatischen Höhepunkt fanden.

Die meisten der ursprünglich mit den Schweden verbündeten protestantischen Fürsten schlossen sich in der Folgezeit diesem Frieden von Prag an.

Dieser Frieden von Prag war "...das beste Stück Friedensarbeit, das bisher auf einer der beiden Seiten, wenigstens dem Anschein nach, geleistet worden war. Die Richtigkeit dieser Gedankengänge bewies die schließliche Annahme eines großen Teiles der Materie beim westfälischen Frieden..."[1]. In Stichworten nur soviel zum Inhalt:

· Amnestie für jedermann, ausgenommen waren die Böhmen im Exil und die Familie Friedrichs von der Pfalz, des "Winterkönigs".

· Der Calvinismus blieb von der religiösen Toleranz ausgeschlossen.

· Die Besitzstände der protestantischen und katholischen Vertragspartner bleiben auf dem Stand des Jahres 1627 auf die Dauer von 40 Jahren festgeschrieben. In dieser Zeit verzichtete der Kaiser auf die Durchsetzung des Restitutionsediktes, was praktisch einer Aufhebung gleich kam.

· Das Reichskammergericht wird von Protestanten und Katholiken paritätisch besetzt.

· Bayern behält die Oberpfalz, und die Kurwürde bleibt bei Bayern.

· Die Lausitz und Magdeburg fallen an Sachsen.

· Der Kurfürst von Sachsen, Johann Georg, behielt weiterhin ein halb unabhängiges Heer als Verbündeter des Kaisers.

· Der Kaiser erhält den Oberbefehl über eine Reichsarmee zum gemeinsamen Kampf gegen fremde Armeen im Reichsgebiet.

· Sonderbündnisse unter deutschen Fürsten wurden zukünftig für ungesetzlich erklärt.

Dieser kluge Opportunismus, der das Vertragswerk auszeichnet, war jedoch vor allem das Werk Ferdinands III., der die Verhandlungen verantwortlich führte. Der Kaiser, sein Vater, hatte nicht die diplomatische Weitsicht.

Bis zur letzten Minute hatte Ferdinand II. Skrupel wegen der Rücknahme des Restitutionsediktes. In seiner politischer Beschränktheit dachte er sogar daran, den König von Frankreich durch die Schenkung des Elsasses dazu zu bewegen, sich militärisch neutral zu verhalten. Dadurch sollte die finanzielle Unterstützung der Feinde Ferdinands unterbrochen werden.

Sein Sohn, der nunmehrige König von Ungarn, war mehr Pragmatiker als Katholik und konnte dieses Vorhaben verhindern. Er war eher bereit, Kirchenbesitz an protestantische deutsche Fürsten abzutreten als Habsburger Besitzungen am Rhein zu verschenken.

Wäre sein Vater zu diesen Zugeständnissen schon 1630 auf dem Reichstag in Regensburg bereit gewesen, er hätte Deutschland im Kampf gegen Gustav Adolf einigen können.

Am 28. Februar 1635 unterzeichnete Ferdinand III., König von Ungarn, in Laun einen (zunächst vorläufigen) Waffenstillstand mit Sachsen.

Mit dem Frieden von Prag schien es kurze Zeit, als wenn sich die politische Situation im Reich stabilisieren würde und ein Ausgleich der Interessen möglich wäre.

Nie war der Kaiser mächtiger gewesen: der Sieg bei Nördlingen hatte die Moral der kaiserlichen Truppen wiederhergestellt.

Die protestantischen Städte fielen den vorrückenden Kaiserlichen unter den Generälen Werth, Piccolomini und Isolani wie reife Früchte in den Schoß: am 15. September fällt Göppingen; am 16. September Heilbronn; am 18. Waiblingen; am 20. September zieht Ferdinand III. in Stuttgart ein und unterstellt ganz Württemberg der Gewalt des Kaisers.

Piccolomini und die Spanier nehmen am 18. September Rothenburg, überschreiten am 19. den Main und erobern am 30. September Aschaffenburg. Im Juni 1635 müssen sich die schwedischen Truppen bis an die französische Grenze zurückziehen und tatenlos zusehen, wie Nürnberg, Ulm, Frankfurt am Main, das Heidelberger Schloß und Worms von den Kaiserlichen erobert wurden.

Erst als Frankreich Spanien und seinen Verbündeten den Krieg erklärte, konnten die Schweden und damit auch Bernhard mit verstärkten Hilfen der Franzosen rechnen.

Aus seiner starken Position heraus gelingt es dem Kaiser auch, am 22. Dezember 1636 die Nachfolgefrage zu regeln, an deren Durchsetzung er in ähnlich starker Position im Jahre 1630 gescheitert war. Sein Sohn, Ferdinand III., König von Ungarn, wird auf dem Reichstag zu Regensburg zum Römischen König gewählt.

Es war der letzte politische Akt Ferdinands II. Kurz nach seiner Rückkehr vom Reichstag nach Wien stirbt er am 15. Februar 1637.

Nach dem Tode seines Vaters wird Ferdinand im Februar 1637 als Ferdinand III. zum Kaiser ausgerufen. Weitere elf Jahre Krieg sollten seine zukünftige Politik und das Aussehen Deutschlands prägen.

Bei Antritt seiner Regentschaft bot sich ihm das Deutsche Reich lediglich als bloßer geografischer Begriff an, mit untereinander konkurrierenden Fürstentümern, die zudem wechselnde Koalitionen eingingen, um ihre Privilegien zu wahren. Der Versuch seines Vaters, das Reich mit Waffengewalt unter dem Kreuz der katholischen Religion zu einigen, war mißlungen. Auch Ferdinand III. gelang es in seiner Regierungszeit nicht, die ursprünglich anerkannte Autorität des Kaisers wiederherzustellen.

Glücklicherweise hatte er durch eine Heirat die Ostgrenze des Reiches sichern können: dem verschlagenen Sigismund war Ladislaus IV. als König von Polen auf den Thron gefolgt. Zunächst erwies sich Ladislaus als wenig verläßlicher Partner, - bis ihm Ferdinand seine Schwester, Erzherzogin Cecilia Renata, zur Frau bot. Ladislaus ließ sich von der guten Partie überzeugen und wurde zum Bundesgenossen Österreichs.

Das deutsche Reich war verwüstet und Ferdinand war zum Frieden bereit. Diesem Bestreben nach Frieden standen die Interessen Richelieus und Oxenstiernas gegenüber.

Als Haupthindernis auf diesem Weg sollten sich jedoch Entwicklungen außerhalb Deutschlands erweisen: der bankrotte spanische Hof, Aufstände in Katalonien und Portugal sowie die schwindende militärische Kraft des spanischen Heeres und im Gegensatz dazu, die zunehmende Schlagkraft der französischen Armee.

Aber ohne die Hilfsgelder aus Spanien war Ferdinand nicht in der Lage, sein Heer zu bezahlen, und ohne Bezahlung fraß das Heer wie ein Parasit das Land kahl.

Mit Zustimmung aller Kurfürsten beschloß der Kaiser noch vor Jahresende 1640 einen Reichstag einzuberufen. Ferdinand III. eröffnete am 13. September 1640 den Reichstag in Regensburg.

Am 10. Oktober 1641 wurde der Reichstag von ihm beendet. Die ungewöhnlich lange Dauer des Reichtages erklärt sich zum einen durch die verworrene politische Situation, der sich die Teilnehmer gegenüber sahen, und zum anderen durch den Versuch des schwedischen Feldherrn Baner, den Reichtag durch einen militärischen Vorstoß zu sprengen.

In der zweiten Januarwoche 1641 erschien Baner mit seinem Heeresteil vor Regensburg und forderte die Übergabe der Stadt. Die Donau war zugefroren und die Schweden machten Anstalten, den Fluß zu überschreiten und die Stadt einzuschließen.

Ferdinand behielt einen kühlen Kopf und weigerte sich, den Reichstag zu schließen; im Gegenzug ließ er die Stadt befestigen und die außerhalb der Mauern liegenden Besatzungen verstärken. Sein Kalkül ging auf: der Fluß taute auf, und der Feind mußte sich zurückziehen.

Der Reichstag schien sich zunächst ganz nach den Wünschen Ferdinands zu entwickeln.

Die Versammlungsatmosphäre war von allgemeiner Friedensstimmung und Kompromißbereitschaft gekennzeichnet. Die Gesandten bestätigten die gegenwärtige Stärke des kaiserlichen Heeres und und dessen anteilige finanzielle Unterstützung durch die jeweiligen Fürsten. Man einigte sich auf eine allgemeine Amnestie im Reich.

Als Ende des Jahres 1640 die Bedingungen für einen allgemeinen Frieden auf der Basis der Regelungen des Prager Friedens diskutiert wurden, kippte die Stimmung um.

Das hatte im wesentlichen zwei Ursachen:

· die außenpolitische Ursache war die Erneuerung des schwedisch-französischen Bündisses und

· innenpolitisch trug der Tod des Kurfürsten von Brandenburg zum Stimmungsumschwung bei.

Als nämlich dessen Sohn die Nachfolge antrat, erklärten die Vertreter Brandenburgs, daß für sie der Frieden von Prag keine weitere Verhandlungsgrundlage sei. Sogleich folgten die kleineren Fürsten diesen Argumenten, da sie jetzt endlich einen Wortführer für ihre bisher unterdrückten Sonderinteressen gefunden hatten. Dieser plötzliche Stimmungsumschwung zeigte, daß die beschworene Reichseinheit nur solange Bestand hatte, solange die Furcht vor äußeren Feinden eine Opposition gegen den Kaiser unterdrückte. Brandenburg stellte 1641 die Kampfhandlungen gegen die Schweden ein.

Ferdinand mußte diesen Sonderfrieden akzeptieren, denn eigentlich war der Erfolg des Brandenburgers eine offene Anklage gegen den Kaiser, endlich mit dem von ihm beschworenen Frieden Ernst zu machen. Im Mai 1641 sprach man in Europa sogar davon, daß Ferdinand eigentlich keinen Frieden haben wollte und der Reichstag nur eine List sei, um seine wahren Ziele zu verschleiern.

Ferdinand blieb als Folge der veränderten politischen Entwicklungen nichts anderes übrig, als im November 1641 den Reichstag mit der Entscheidung zu schließen, Bevollmächtigte zu wählen, die auf der Basis des Prager Friedens und einer allgemeinen Amnestie Friedensgespräche mit den ausländischen Gegnern aufnehmen sollten.

Obwohl der kaiserliche Amnestieerlaß bereits am 30. November 1641 in Brandenburg ausgerufen wurde, kamen die Verhandlungen keinen Schritt weiter. Jede Partei schob den Grund für die Verzögerungen auf die jeweils andere Verhandlungsdelegation; in Wirklichkeit waren alle Probleme hausgemacht: Frankreich forderte einen Titel für die Herzogin von Savoyen, der von Österreich abgelehnt wurde, Braunschweig-Lüneburg löste das Bündnis mit den Schweden und wollte einen Sonderfrieden mit dem Kaiser, Schweden lehnte die Vermittlerrolle Dänemarks ab und Christine, die junge Königin von Schweden, war nicht mehr bereit, den Kurfürsten von Brandenburg zu heiraten.

Für Ferdinand wurde mit zunehmender Dauer der Vorverhandlungen die Lage auch militärisch brisanter: sein Bruder, Erzherzog Leopold, wurde von dem schwedischen Feldherrn Torstensson bei Breitenfeld vernichtend geschlagen. Er verlor dabei 5.000 Mann an Gefallenen, 4.500 Gefangene, sechsundvierzig Kanonen, fünfzig Wagen mit Munition und die Kriegskasse. Als sich die Reste des geschlagenen Heeres wieder gesammelt hatten, ließ Leopold die überlebenden höheren Offiziere erschießen, die niederen hängen und die Mannschaft wegen Feigheit dezimieren...

Er selbst ließ sich am Leben, empfing in Pilsen öffentlich die Kommunion und bat Gott um Hilfe. Diese Hilfe hätte er vor der Schlacht erbitten müssen, denn eigentlich hatte Leopold eine theologische Ausbildung; Feldherr war er nur aus Leidenschaft...

Am Nordufer des Bodensees fiel Überlingen in französische Hand, und der Kardinalinfand Ferdinand von Spanien, mit dem gemeinsam Ferdinand III. bei Nördlingen einen so beeindruckenden Sieg über die Schweden errungen hatte, war in den Niederlanden gestorben.

Als der Stern Ferdinands und der Habsburger zu sinken begann, berief der Kurfürst von Mainz einen Deputationstag nach Frankfurt am Main ein, um Fragen, die sich aus den Ursachen und Verlauf des Krieges ergeben hatten, zu besprechen. Ferdinand glaubte, mit einer solchen Versammlung die Einmischung ausländischer Mächte, wie Schweden und Frankreich zukünfig politisch neutralisieren zu können und dadurch die diplomatische Aktivität zurückzugewinnen.

Der Plan Ferdinands, die deutschen Fürsten in Frankfurt zusammenzurufen, wurde zunächst durch einen geschickten Schachzug der Schweden vereitelt: die schwedischen Bevollmächtigten in Hamburg veröffentlichten ein Manifest, worin sie alle Stände einluden, ihre Beschwerden vor eine internationale Friedenskonferenz zu bringen.

Als Versammlungsorte waren Osnabrück für Schweden und Münster für Frankreich bestimmt worden. Die Zusammenkunft sollte am 25. März 1642 beginnen. Ferdinand lies diplomatisch ungeschickt den Termin verstreichen, brachte sich damit in Europa um sein diplomatisches Ansehen und bestätigte damit ungewollt die Vorurteile, die sich gegen seine Politik richtete.

Ferdinand glaubte allen Ernstes, daß eine Versammlung deutscher Fürsten die inneren Schwierigkeiten Deutschlands beheben und vor allem den religiösen Frieden ohne fremde Einmischung bringen könnte. Er überschätzte dabei sein persönliches Ansehen im Fürstenkollegium und den Friedenswillen Schwedens und vor allem Frankreichs.

Richelieu war zwar im Dezember 1642 gestorben; er konnte jedoch noch die Realisierung seines Planes erleben, daß ein französisches Heer von hohen technischen Fähigkeiten und guter Disziplin augebaut wurde. Diesem französischen Heer gelang es im Mai 1643 in der Schlacht von Rocroy die spanische Armee entscheidend zu schlagen.

Dieser Sieg veränderte das militärische Kräfteverhältnis in Europa entscheidend. Nach der Schlacht von Rocroy mußte Ferdinand die Zustimmung zu Verhandlungen mit Frankreich und Schweden geben.

Am 4. Dezember 1644 wurde der Kongreß von Münster eröffnet. Obwohl dieses Datum zweieinhalb Jahre nach dem ursprünglich von den schwedischen Gesandten genannten Termin lag, war die Versammlung erst möglich durch die Thronbesteigung der Königin Christine von Schweden. Dieser jungen Königin konnte man nicht schmeicheln oder sie täuschen: sie war klug und hartnäckig und sie wollte auf jeden Fall Frieden, selbst ohne Gebietsvergrößerung für Schweden.

Es dauerte allerdings noch drei Jahre und zehn Monate, bis sich Ferdinand durch die ungünstige militärische Entwicklung in seinem Reich entschloß, ins Unvermeidliche zu fügen und den Friedensvertrag zu unterschreiben.

Als Ferdinands Gesandte zur Unterschrift in Münster eintrafen, hatten sie den Chiffreschlüssel verloren, so daß die Note des Kaisers nicht entschlüsselt werden konnte. Nachdem dieses Hindernis beseitigt war, begann eine endlose Diskussion über die Reihenfolge der Unterschriften auf dem Friedensvertrag, und erst am 24. Oktober 1648 wurde er tatsächlich unterzeichnet.

Das Ereignis wurde durch drei Salven aus siebzig Kanonen begrüßt, die auf den Wällen der Stadt standen; - es waren nicht die letzten Schüsse des 30jährigen Krieges.

Fünfeinhalb Jahre nach Unterzeichnung der Friedensdokumente, im Mai 1654, zogen die letzten feindlichen Söldner aus Deutschland ab: es war die schwedische Besatzung von Vechta.

Als Ferdinand III. am 2. April 1657 starb, war von dem Lebenswerk der Habsburger nicht mehr geblieben, als die noch vereinten Länder Österreich, Böhmen, Ungarn, Schlesien, Steiermark, Kärnten, Krain und Tirol; also die Länder, die später das Kernland der österreichisch-ungarischen Monarchie bildeten.

Ferdinand hatte sich bei den Verhandlungen in Münster zu sehr - ja fast auschließlich - als Vertreter der Interessen Österreichs und deren Nachbarstaaten präsentiert und wurde deshalb von der europäischen Diplomatie zukünftig auch so behandelt.

Durch die Bestätigung der Rechte der Fürsten, Bündnisse schließen zu dürfen, wurde durch den Frieden der Zerfall des Reiches vollendet.

Viel blieb nach dreißig Jahren Krieg auch nicht mehr vom Reich übrig: Schätzungen gehen davon aus, daß dreiviertel der Bevölkerung Deutschlands ermordet oder geflüchtet waren. Einzelne Landesteile waren völlig menschenleer. In Würtemberg waren von ehemals 400.000 Einwohnern 48.000 übrig. In der ganzen Pfalz zählte man im Jahre 1636 noch 200 Bauern. Im Eisenacher Oberland war nur noch ein Zehntel der Bevölkerung am Leben.

In Brandenburg und Schlesien gab es nach Aussagen von Augenzeugen mehr Wild als Bauern. Wer von Krieg und Hunger verschont wurde, erlag der Pest.

Aus den Resten des Deutschen Reiches entstanden Österreich, Bayern, Sachsen und Brandenburg, das spätere Preußen, - die zukünftige europäische Großmacht.

In diesem Zusammenhang erscheint es sinnvoll, an dieser Stelle die wichtigsten Vereinbarungen des Westfälischen Friedens aus [13] zu zitieren:

"Am 24. Okt. wird offiziell nur zwischen dem Kaiser, Frankreich (Münster) und Schweden (Osnabrück) Friede geschlossen, doch bilden die beiden Vertragsdokumente das bis zur Auflösung des Reiches wichtigste Reichsgrundgesetz.

Frankreich wird im Besitz der 1522 besetzten Reichsstädte und der inzwischen gleichfalls besetzten gleichnamigen Stiftsgebiete Metz, Toul, Verdun bestätigt und erhält den Sundgau, die Landgrafschaften im Ober- und Unterelsaß, die Vogtei über 10 elsässische Reichsstädte und das Besetzungsrecht im rechtsrheinischen Philippsburg sowie Breisach. Komplizierte, absichtlich unklar gelassene Rechtsverhältnisse führen bald zu neuen Annexionen.

Schweden erhält Vorpommern mit Rügen und Stettin, die Stadt Wismar und die Stifter Bremen und Verden; doch bleiben diese Gebiete Reichslehen, während der König von Frankreich für seine Erwerbungen ausdrücklich nicht die Reichsstandschaft erhält.

Brandenburg erbt vertragsgemäß Hinterpommern und wird für den Verlust Vorpommerns mit den Stiftern Kammin, Halberstadt und Minden und der Anwartschaft auf Magdeburg entschädigt.

Kursachsen behält die schon 1623 erworbenen Lausitzen, Bayern die Oberpfalz und die Kurwürde, doch wird für den wiedereingesetzten Sohn des "Winterkönigs" (Karl Ludwig, bis 1680) eine achte Kurwürde geschaffen.

Die Fürsten werden durch das Recht, Bündnisse zu schließen, praktisch souverän; das Reich wandelt sich damit in einen Staatenbund.

Das praktisch längst vollzogene Ausscheiden der Niederlande und der Schweiz wird jetzt anerkannt.

In kirchlichen Fragen wird der Augsburger Religionsfriede bestätigt und auch auf die Calvinisten ausgedehnt; Reichskammergericht und Ausschüsse sollen paritätisch besetzt, für den Bestand der geistlichen Güter der Zustand des "Normaljahres" 1624 als bindend angesehen werden.

Das landesherrliche Reformationsrecht bleibt bestehen, den andersgläubigen Untertanen wird aber Hausandacht und bürgerliche Gleichberechtigung zugebilligt.

Dieser Durchbruch des Toleranzgedankens beendet die konfessionellen Kämpfe in Deutschland, wenn man auch von echter Gewissensfreiheit noch weit entfernt ist, insbesondere in den österreichischen Erblanden."



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