Eggenberg, Hans Ullrich

Viele seiner Zeitgenossen taten Kaiser Ferdinand II. mit wohlwollender Geringschätzung oft als gutmütigen Tropf ab, der nach ihrer Meinung ganz unter dem Einfluß seines ersten Ministers, Ullrich von Eggenberg, stand. Diese Einschätzung war einerseits in dem scheinbaren Widerspruch zwischen dem Erscheinungsbild Ferdinands und seiner rücksichtslosen Politik begründet, deren Entwurf man Eggenberg zuschrieb und resultierte andererseits aus dem offensichtlich sehr persönlichen Verhältnis zu seinem ersten Minister.

Es ist sicher außerordentlich kompliziert für einen Monarchen, in der intriganten und konkurrierenden Hofclique einen Ratgeber zu finden, der nicht nur intelligent, sondern soweit verläßlich ist, daß bei aller Vorteilsnahme, die jedes Amt bei Hofe ermöglicht und provoziert, bei der Erteilung von Ratschlägen die Erfordernisse der Staatsraison stärker Berücksichtigung finden als berechtigte persönliche Interessen.

Eggenbergs verbindliche Manieren, sein ruhiges Wesen und seine klaren Urteile waren einige der Gründe, weshalb Ferdinand nichts ohne Eggenbergs Zustimmung unternahm. Das beweist aber nicht, daß Eggenberg die Politik des Kaisers entwarf, denn als andere Minister in späteren Jahren an Eggenbergs Stelle rückten, änderte sich Ferdinands Politik nicht!

Die Tatsache, daß Ferdinand mit Eggenberg an dessen Krankenbett Staatsgeschäfte besprach, oder ihn oft mit der Kaiserin besuchte und mit ihm speiste, bestätigt nur eine sehr enge persönliche Bindung, die aber nicht so weit ging wie z.B. im Verhältnis des Kurfürsten Friedrich V. von der Pfalz zu seinem Kanzler Christian von Anhalt , dem Friedrich seinen gesamten Willen unterordnete und von dem er politisch absolut abhängig war.



Dieses vertrauliche Verhältnis pflegte Eggenberg auch zu Wallenstein . Eggenberg titulierte Wallenstein oft auch als Sohn. Dessen Karriere bei Hofe ist ohne die Einflußnahme Eggenbergs (und Questenbergs) nicht vorstellbar.

Eggenberg war mit Sicherheit in alle wichtigen politischen und auch persönlichen Geheimnisse des Kaisers eingeweiht. Er war es, der als der eigentliche geheime Kabinettsminister die wichtigsten Gesandschaften (soweit sie nicht mit entfernten Reisen verbunden waren) selbst besorgte; er war es, der die Heiratsverträge in der kaiserlichen Familie abschloß und er war es auch, der, bereits Kammerpräsident, im Jahre 1601, als Zeuge das Testament des damaligen Erzherzogs Ferdinand abzeichnete, als dieser in den Türkenkrieg zog.

Eggenberg wurde im Jahre 1568 geboren, studierte im Ausland und versuchte sich in den Niederlanden als Hauptmann, bevor er am Hofe des Erzherzogs, des späteren Kaisers Ferdinand II. Karriere machte. 1598 wurde er Kammerpräsident. 1601 war der Freiherr von Eggenberg zugleich Landeshauptmann in Crain und 1604 Geheimer Rat und vertrautester Minister (Privado) des Thronfolgers. 1605 unternimmt er im Auftrage Ferdinands seine weiteste Reise, um dem König von Spanien zur Geburt Phillips IV. zu gratulieren.

Die in dieser Zeit von Eggenberg und dem spanischen Hof geknüpften engen Bindungen blieben erhalten und wurden durch geheime diplomatische Kontakte gepflegt. In Wien wurden in der Folgezeit keine Entscheidungen ohne Befragung des spanischen Botschafters Oñate getroffen. Wie eng die informellen und persönlichen Bindungen Eggenbergs an den spanischen Hof gewesen sein müssen, zeigt die Auszeichnung mit dem Orden des goldenen Vlieses im Jahre 1619. Dieser Orden war einer der begehrtesten ganz Europas und öffnete alle Türen.

Ab 1615 ist Eggenberg Oberhofmeister der Erzherzogin, und als diese stirbt, wird er 1621 vom nunmehrigen Kaiser Ferdinand II. mit der Werbung um Leonora von Mantua beauftragt. Nach ihrer Zusage überreicht ihr Fürst Eggenberg den Verlobungsring, einen Diamanten im Wert von 15.000 Gulden und Schmuck im geschätzten Wert von 80.000 Kronen.

Nachdem Eggenberg auch den Ehevertrag verhandelt und abgeschlossen hatte, trat Eleonore Ende 1621 in Begleitung des Grafen Bruno von Mansfeld die Reise nach Österreich an. In Insbruck empfing sie der Kaiser "...hob die Knieende auf, um sie am 4. Februar 1622 zum Altar zu geleiten."

Die Ehe scheint, gemessen an den Standesehen deutscher Fürstenhäuser, glücklich gewesen zu sein.

Ferdinand hatte nicht die beste Kondition und Eleonore bekam dadurch ausreichend Gelegenheit, ihre klösterlichen Kenntnisse der Krankenpflege an ihrem Gatten zu praktizieren. Ferdinand äußerte des öfteren, daß er die Erhaltung seines Lebens nach Gott vor allem Eleonore schulde.

Natürlich erinnerte sich der Kaiser in solchen Stunden daran, daß er auch Eggenberg etwas schuldete.

Durch Vermittlung Eleonores erhielt Eggenberg ein Marquisat in Montferrat; der Kaiser selbst übertrug ihm die Herrschaft Krumau und förderte ihn beim Aufkauf konfiszierter Güter böhmischer Adliger, die nach der Niederschlagung des böhmischen "Aufstandes" preiswert an verdiente Gläubiger und Höflinge des Hofes verschleudert wurden.

Ein Jahr später wurde Eggenberg vom Kaiser zum Fürsten von Eggenberg und zum Herzog von Krumau erhoben. 1623 stellte ihn der Kaiser auf dem Reichstag von Regensburg den versammelten Kurfürsten als Reichsfürst vor.

Als im Jahre 1625 Eggenberg wirklicher Geheimer Rat und Statthalter der Österreichischen Erblande wird, ist er mit so unbeschränkten Vollmachten ausgestattet, wie sie zu seiner Zeit selbst der Erzherzog nicht hatte. Seit dieser Zeit wird keine Entscheidung am Hofe ohne Rücksprache mit Eggenberg gefällt, und nur seine Krankheit hindert ihn, stärker die politische Geheimdiplomatie zu kontrollieren.

1625 waren Bündnisverhandlungen mit Bayern und Spanien zu führen, und 1627 leitete Eggenberg die nicht zum Abschluß gekommenen Verhandlungen über die Restitution der Pfalz an den vertriebenen Kurfürsten Friedrich V.

In den Jahren vor dem Regensburger Reichstag 1630 bemühte sich Eggenberg verstärkt durch Verhandlungen mit den Kurfürsten um ein gutes diplomatisches Klima für die Wahl Ferdinands III. zum Römischen König. Ferdinand wollte den Reichstag dazu benutzen, um seine Macht zu sichern und seine Nachfolge zu regeln. Nach ihm sollte sein Sohn Ferdinand III. den Kaiserthron besteigen. Dazu benötigte der Kaiser die Zustimmung der Kurfürsten. Aber die Kurfürsten, allen voran Brandenburg und Sachsen , wollten sich darauf nicht eher einlassen, bevor Ferdinand nicht das Restitutionsedikt zurücknahm und die Herzöge von Mecklenburg wieder in ihre angestammten Rechte eingesetzt wurden.

Die mecklenburgischen Herzöge hatten 1623 den Fehler begangen, sich bedingungslos dem Dänenkönig Christian IV. im Kampf gegen den Kaiser anzuschließen. Das kostete sie nach der militärischen Niederlage Christians von Dänmark das Land und ihre Adelstitel. Am 11. März 1628 wurden alle Titel und Privilegien der mecklenburgischen Herzogtümer auf Wallenstein übertragen.

Bereits siebzehn Tage nach der Erhebung Wallensteins zum Herzog von Mecklenburg beschwerte sich der Kurfürst von Mainz im Namen des Fürstenkollegiums und erklärte nachdrücklich, daß er die Wahl des Erzherzogs zum Thronfolger Ferdinands nicht garantieren kann, solange Wallenstein Oberbefehlshaber des gesamten kaiserlichen Heeres bleibt.

Der Kaiser hatte zwei Trümpfe, um seinen Forderungen und Wünschen Nachdruck zu verleihen:

Wallenstein und das Restitutionsedikt. Mit der Entlassung Wallensteins konnte er die katholischen Fürsten, allen voran den Kurfürsten von Bayern zufriedenstellen; mit dem Zurückziehen des Restitutionsedikts hätte er die protestantischen Fürsten gewinnen können.

Im Sommer 1630 war kein Krieg in Deutschland; Ferdinand entschloß sich deshalb zunächst Wallenstein zu opfern, zumal die Fürsten ständig Beschwerde führten über Wallensteins Eigenmächtigkeiten, Zinserpressungen und Plünderungen. Was Ferdinand allerdings dabei gewissentlich übersah: die 60.000 Gulden für die Reise nach Regensburg hatte er sich von Wallenstein geliehen...

Im Juli 1630 zwangen die deutschen Fürsten den Kaiser auf dem Reichstag zu Regensburg, Wallenstein als Oberbefehlshaber zu entlassen und das kaiserliche Heer auf 40.000 Mann zu begrenzen. Allerdings ging der Plan des Kaisers nicht auf, mit der Entlassung Wallensteins die Nachfolgefrage endgültig zu regeln!

Zweifellos bedeutete die Entlassung aus den kaiserlichen Diensten für Wallenstein subjektiv eine schwere Enttäuschung.

Aber er wußte, daß ihn der Kaiser bald wieder brauchen wird, denn der König von Schweden war am 6. Juli 1630 in Pommerm gelandet!

In Wien wurden den Aktivitäten des "Schneekönigs" zunächst wenig Bedeutung beigemessen.

Ferdinand II. äußert in völliger Verkennung der Gefahr und der Stimmung der norddeutschen Fürsten: "Ein Feinderl mehr!". Aber 1632 steht dieses "Feinderl" vor den Toren Münchens und die mit ihm verbündeten Sachsen vor Prag!

Der Hof und die Fürsten sind in Panik: selbst Eggenberg steuert aus eigenen Mitteln 100.000 Kronen für die Werbung von Söldnern bei; ein diplomatischer Versuch, mit dem König von Dänemark ein Bündnis gegen Schweden aufzubauen schlägt fehl.

Tilly , die einzige militärische Hoffnung des Reiches wurde in der Schlacht bei Breitenfeld am 17. September 1631 von Gustav Adolf geschlagen und in der Schlacht am Lech (15. April 1632) tödlich verwundet. Bayern und Österreich sind offen für die Schweden, Maximilian und Ferdinand in Bedrängnis. In dieser für ihn verzweifelten Lage vergaß der Kurfürst von Bayern und nunmehr auch der Pfalz alle Vorurteile gegen Wallenstein und drängte den Kaiser und Eggenberg, Wallenstein als neuen Oberbefehlshaber des Heeres - oder was davon übrig war - zu berufen.

Es gelang Eggenberg und später dem Kaiser, Wallenstein mit immer neuen Zugeständnissen zu einer erneuten Übernahme des Kommandos über die kaiserlichen Truppen zu überreden.

Nach langem, taktischen Zögern übernahm Wallenstein am 15. Dezember 1631 den Oberbefehl.

Die weitreichenden Zugeständnisse an Wallenstein wurden später, als man sich Wallenstein entledigt hatte, Eggenberg zum Vorwurf gemacht. Eggenberg wurde das politische Bauernopfer, das die Fehler die bei den Verhandlungen zwischen dem Kaiser und Wallenstein gemacht wurden, auf sich nehmen mußte.

Als es im Jahre 1633 zum Bruch zwischen dem Kaiser und Wallenstein kommt, gehört Eggenberg neben Trautmansdorff, dem Bischof von Wien, dem Pater Lamormain und dem spanischen Botschafter Oñate zum engsten Kreis der Eingeweihten, die die Ermordung Wallensteins nicht nur erwägen, sondern auch beschließen!

Wie weit damals die Verurteilung Wallensteins bereits gediehen war, ergibt sich aus dem Bericht des Bayerischen Gesandten Richel am Wiener Hofe an Kurfürst Maximilian von Bayern. In diesem heißt es:

"Eggenberg habe ihm versichert, daß alle Befehle bereits ausgefertigt seyen; den Executoren sey aufgetragen, sicher und dextre zu Werke zu gehen und nichts zu übereilen, um keine ruptur bei der Armee zu veranlassen; das Wenn? und das Wie? sey ihnen anheimgestellt. Was für ein remedium getroffen werde, habe er, Richel, noch nicht erfahren können; da sich aber Eggenberg vernehmen lassen, daß ebenso leicht und weniger Gefahr, den Friedländer gleich umzubringen, als zu fangen, so nehme er daraus ab, daß auf dem ersten Wege Anstalt getroffen worden...".

Auf gut Deutsch: die Ermordung Wallensteins wurde auch am Wiener Hof als die optimale Lösung des Problems angesehen!

Die tieferen Ursachen, die den Gesinnungswandel Eggenbergs im Verhältnis zu Wallenstein hervorgerufen haben, sind aus den historischen Quellen nicht zweifelsfrei herauszulesen.

Aus Berichten des Grafen Khevenhüller soll Eggenberg von einem angeblich schriftlichen Plan Wallensteins erfahren haben, demzufolge die kaiserlichen Erblande und Teile Italiens schon für den Fall einer Machtübernahme verteilt wurden.

Zum Beispiel sollte Trczka Mähren, Gallas das Herzogtum Glogau und Eggenbergs böhmische Besitzungen und Eggenberg selbst, für den Fall, daß er zu Wallenstein halten würde, sollte die innerösterreichischen Erbländer erhalten.

Solche Gerüchte waren aber kurz vor Wallensteins Tod absichtlich in den Führungsebenen der Militärs ausgestreut worden, um Wallenstein unglaubwürdig zu machen.

Piccolomini machte sich dabei besonders verdient.

Wallenstein war von jeher einer der meistverleumdeten Machtmenschen des damaligen Europas gewesen. Nun drohten ihn allerdings die Gerüchte zu erdrücken. Ein gefährliches Gerücht belastete ihn sehr bei Hofe: die Behauptung, daß ihm die Böhmen die Königskrone angetragen hätten.

Die Gerüchte waren - wie neuere Forschungen bestätigen - nicht aus der Luft gegriffen. Im September 1633 waren die Verbündeten der antihabsburgischen Koalition bei vorbereitenden Gesprächen für Verhandlungen mit Wallenstein bereit, bei einem Übertritt in ihr Lager die ihm von den böhmischen Exilanten angebotene Königskrone anzuerkennen. Wahrscheinlich ist Eggenberg einem dieser Gerüchte aufgesessen.

Andere Quellen versuchen Eggenberg mit der Behauptung zu entlasten, er habe bis zuletzt nicht an den Verrat Wallensteins geglaubt und dessen Verhalten (?) versucht zu entschuldigen und sei deshalb in Ungnade gefallen.

Fakt ist, daß der Thronfolger, Ferdinand III., Eggenberg stets mit Mißtrauen betrachtete. Als Ferdinand III. Eggenberg 1634 verabschiedete, hat er ihm den für damalige Zeiten privilegierten Titel "Ew. Liebden" verweigert. (Graf Khevenhüller wird es mit Genugtuung zur Kenntnis genommen haben...)

Eggenberg zog sich nach seiner Entlassung auf seine Güter in der Steiermark zurück.

Von Gram und Koliken geplagt starb er noch im gleichen Jahr, am 18. Oktober 1634, im Alter von 67 Jahren in Laibach.



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