DIODATI, Giulio

Wenige Tage vor der Schlacht bei Lützen, als Wallenstein sich entschlossen hatte, dem Schwedenkönig von Weißenfels aus entgegenzuziehen, wird Diodati mit einem Trupp Kroaten mit Kundschafteraufgaben nach Zeits beordert.

Um einen zügigen Vormarsch der kaiserlichen Truppen zu garantieren, soll er vorrangig dafür geeigneten Straßen und Wege erkunden und außerdem die Bewegungen des Gegners beobachten.

In der Schlacht bei Lützen kämpft Diodati auf dem linken Flügel der Kaiserlichen.

Aus eigenem Erleben verfaßt er später für den Kaiser einen historisch mustergültigen und lebendig geschriebenen Bericht vom Verlauf der Schlacht.

Natürlich nicht objektiv und z.T. für den heutigen Zeitgeschmack gewöhnunfgsbedürftig. So schildert er z.B. die Wiedereroberung der Kanonen durch den Reiterangriff Pappenheims und das Ergebnis der Beschießung der sogenannten Gelben und Blauen Brigaden der Schweden durch die Kaiserlichen:

(Die Beschießung hat die schwedischen Brigaden)"...in einem Augenblick in einen Berg von Toten verwandelt, ein bewundernswerter Anblick"...

An einer anderen Stelle seines Berichtes schildert er eine angebliche Verwundung Wallensteins, die im Übrigen teilweise auch so von der Geschichtsschreibung aufgenommen und weiterverbreitet wurde: "Mit gewohnter Unerschrockenheit befand sich der Generalissimus allenthalben an der Spitze seiner Truppen, brachte, wo Unordnung entstanden war, die Gewichenen wieder ins Gefecht, ging ins Gemenge mit dem Feind...Seine Hoheit wurde von einer Musketenkugel in die linke Hüfte getroffen, blieb aber...sowhl von diesem Schuß, der nicht in die Haut eindrang, als vor tausend anderen Kanonen- und Musketenkugeln bewahrt.Nahe bei ihm erhielt der Graf Harrach, sein Oberstkämmerer, eine Musketenkugel in die Kehle, die durch das Ohr ausdrang..."

Inhalt und Form der Kriegsberichterstattungen haben sich offenbar bis zum heutigen Tag nicht wesentlich verändert...

Ursprünglich sollte Graf Caretto in Wien mündlich über den Verlauf der Schlacht berichten und u.a. die Notwendigkeit begründen, warum Quartier gerade in den Erblanden des Kaisers genommen werden mußte.

Unterwegs erkrankte Caretto. Nun wurde Diodati nach Wien geschickt; diesmal mit einem von Wallenstein verfaßten Postscriptum, in den der Tod Gustav Adolfs bestätigt wird:

"Der König ist gewiß tot, mit vielen Wunden auf der Walstatt tot geblieben."

Diodati traf am 29. November 1632 in Wien ein und durfte dem Kaiser persönlich vortragen, was er dann später schriftlich im Bericht niederschrieb. Diodati erledigte sich seines Auftrages eindrucksvoll mit hohem diplomatischen Geschick und stand seit dieser Zeit beim Kaiser und beim König von Ungarn in hoher Gunst. Diese Gunst wurde zur Gnade, als Diodati als einer der ersten Generale sich auf Anraten von Gallas und Piccolomini von Wallenstein distanzierte und am 17. Februar 1634 heimlich mit seinen Truppen aus Pilsen abzog; - noch vor dem zweiten Pilsener Bündnis. Wallenstein soll darüber sehr erbittert gewesen sein, aber Diodati tat genau das, was bereits in den kaiserlichen Papieren formuliert war: er befolgte nur noch Befehle, die von Gallas oder Piccolomini erteilt wurden.

Einer der ersten Befehle an Diodati hatte das Ziel, General-Feldzeugmeister Ernst Georg von Sparr über den Inhalt der kaiserlichen Ächtungspatente zu informieren. Anschließend sollte er Richtung Eger ziehen, den Herzog am Abzug hindern und gleichzeitig die Bewegung der heranziehenden Schweden beobachten und darüber berichten.

Die ersten Beobachtungen teilte er einen Tag vor der Ermordung Wallensteins dem Gallas mit: der Herzog von Friedland sei in Eger ganz verlassen; - mit anderen Worten: es geht keine Gefahr mehr von ihm aus...

Nichts kann den Charakter dieses Mannes eindrucksvoller dokumentieren als seine eigenen Briefe und Meinungsäußerungen.

Nach seiner Rückkehr in das von Wallensteins Troß fluchtartig gräumte Pilsen, schreibt er an Piccolomini, offensichtlich erleichtert, auf keinen Widerstand gestoßen zu sein und mit einer Mischung aus Selbstüberschätzung und Unterwürfigkeit, die schwachen Charakteren zweifellos eigen ist:

"Ich werde hier betrachtet, als wäre ich der Messias, und Euer Exzellenz werden betrachtet werden als käme Gott selbst."

Noch am Tage der Ermordung Wallensteins schreibt er, ebenfalls an Piccolomini: er habe alles so organisiert, "..daß an einem günstigen Erfolge nicht zu zweifeln (sei), wenn nicht Gott die Hand von uns abzieht"; und in einem Brief an Gallas erwähnt er - sich nicht ohne Eigennutz sich auch für andere verwendend - Butler sei nur deswegen bei Wallenstein in Eger, weil er dazu gedrängt und mit Gewalt genötigt wurde; dem Gordon habe er, Diodati, die nötigen Weisungen erteilt. Der Erfolg hat offensichtlich doch viele Väter; - und die erhoffte Belohnung hat viele offene Hände. Auch Diodatis Hände füllten sich mit Dukaten.

Am Tage nach dem Mord, noch ehe er vom Tode Wallensteins erfahren hatte, notierte er an Piccolomini: " ...wenn Suys 2 Regimenter schickt, so werden sie gegen Eger vordringen und die 5 Compagnien des Trczka leicht zusammenhauen können, die wahrscheinlich nicht in die Stadt gelegt sind."

Als Diodati für seine kaisertreuen Taten u.a. das Kommando über das Alt-Sächsische Fußregiment verliehen bekommt, übertrifft er sich im Dankesschreiben an den Hof mit den Worten: "...ich werde suchen, mich des Titels Euerer Creatur würdig zu machen."

Diodati finden wir noch im selben Jahr bei der Musterung des Heeres durch den neuen Oberkommandierenden, Ferdinand III., in Böhmen wieder. Unter dessen Oberbefehl und unter dem Kommando von Gallas zieht er gegen Regensburg und wird beim Sturm auf Regensburg am 3. und 4. Juni 1634 verwundet.

Im November 1634 zog Graf Philipp von Mansfeld durch das Wetterau Richtung Main. Er sollte verhindern, daß der Feind das von den Kaiserlichen belagerte Heidelberg entsetzt. Er forderte Diodati auf, ihn mit seinen Truppen zu verstärken. Diodatis Regimenter standen zu diesem Zeitpunkt bei Würzburg; er sollte Richtung Odenwald und Neckar zu Mansfeld stoßen. Im Juli 1635 stand Diodati unter dem Befehl von Gallas vor Mainz. In der Stadt hatten sich die Schweden unter Gysbrecht von Hohendorp verschanzt. Eine ihrer Verteidigungstaktiken bestand darin, das feindliche Lager und die Laufgräben zu beschießen und dabei vorsätzlich Offiziere aufs Korn zu nehmen.

Da Gallas nach Worms weitergereist war, befehligte Diodati das Belagerungsheer. Bei einer Inspektion der Laufgräben wurde Giulio Diodati am 12. Juli 1635 durch eine Musketenkugel in den Kopf getroffen.



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