COLLOREDO, Rudolf

Rudof Graf Colloredo gehörte nicht zum Kreis der Favoriten Wallensteins . Über ihn und seine höfischen Beziehungen schrieb Wallenstein an seinen Schwiegervater und diplomatischen Interessenvertreter bei Hofe, Graf Harrach :

"Daß sich Ihre Majestät wegen des Colloredo, daß er Generalwachtmeister sein sollte, nicht resolviert haben, sondern mein Gutachten begehrt, sag ihnen untertänig Dank, denn hätte er sein sollen, so wäre ich gewiß nicht geblieben, dieweil die Armada mit ihm wär versehen worden wie ein Dorf mit einem unsinnigen Pfaffen, denn ich kann schwören, daß ich die Zeit meines Lebens keinen größeren Sancuragine als ihn gesehen hab und sein Regiment ist in einer solchen Unordnung und gibt mir mehr zu schaffen als die ganze Armada."

Colloredo hat es trotzdem im Laufe der Jahre geschafft, die ursprünglich von Wallenstein sabotierte Position einzunehmen.

In der Schlacht bei Lützen ist er bereits Generalwachtmeister und Kommandeur einiger Kompanien Infanterie und der berüchtigten Kroatenregimenter.

Durch gefangene Kroaten seines Regiments erfuhr der schwedische König am 13./14. November 1632, daß er, entgegen seiner Befürchtungen, den kaiserlichen Truppen durch deren Aufsplitterung zahlenmäßig überlegen ist.

Er beschließt daraufhin, Wallenstein bei Lützen zur Schlacht zu zwingen.

Colloredo kann mit einer vergleichsweisen kleinen Schar die sich nun heranwälzenden Schweden einen Tag lang aufhalten.

Dadurch kann Gustav Adolf seinen Plan eines sofortigen Angriffs auf die kaiserlichen Truppen nicht umsetzen und Wallensteins Truppen können ihre Verteidigungsstellungen ausbauen.

In der sich anschließenden Schlacht wird Colloredo durch einen Kopfschuß schwer verwundet.

Wegen seiner erwiesenen Tapferkeit wird Colloredo von Wallenstein als Beisitzer im Prozeß gegen die Fahnenflüchtigen von Lützen ernannt.

Zwölf Offiziere und fünf Soldaten, die in der Schlacht bei Lützen fahnenflüchtig wurden, erwartete nach dem Willen ihres Oberkommandierenden das Todesurteil.

Im Intrigenspiel um die Ermordung Wallensteins kann ihm kein aktiver Part nachgewiesen werden. Aber er gehört zum engsten Kreis der Treuen, dem der Kaiser seinen Entschluß mitteilen läßt, Wallenstein und dessen "Mitverschworene" gefangenzunehmen oder als überführte Schuldige zu töten.

Colloredo fiel dabei die Aufgabe zu, nach der Ermordung des Generalissimus gemeinsam mit den Generälen Aldringer und Marradas die Regimenter in Südböhmen-Mähren und Schlesien erneut auf den Kaiser einzuschwören.

Als Belohnung für seine "treuen Dienste" erhielt Colloredo nach dem Sturz Wallensteins aus der konfiszierten Immobilienmasse Trczkas Schloß und den Güterkomplex Opocno.

Es gab übrigens zwei Brüder Colloredo: Rudolf und Hieronomus. Golo Mann [2] bezeichnet sie als "germanisierte Italiener", die sich, vom Kriegsverlauf begünstigt, prunkvoll in Böhmen niederließen.



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