COLLALTO, Reimbalt

Reimbalt Graf von und zu Collalto, Herr zu St. Salvator, Ray, Credazzo, Mousestere und Pirnitz, Kaiserlicher Geheimer Rat, Hofkriegsrats-Präsident, Kämmerer, Feldmarschall und Ritter des goldenen Vließes wurde 1579 geboren und in Venedig erzogen.
In dieser Zeit muß er in jungen Jahren in ein Verbrechen verstrickt gewesen sein.
Welches Verbrechen er begangen hat, ist nicht sicher überliefert, sicher ist nur, daß er verbannt wurde. Er entscheidet sich daraufhin für die militärische Laufbahn.

Unter dem Befehl von Georg Basta, des ehemaligen Lehrmeisters Wallensteins und unter Ruprecht von Eggenberg, nimmt er an den Türkenkriegen teil. Mit diesen Erfahrungen dient er später unter Kaiser Rudolph II. , Matthias und Ferdinand II. . sowohl militärisch als auch diplomatisch.

Collalto galt als sehr verläßlich, sowohl als Gesandter des Kaisers Matthias bei (wenn auch vergeblichen) Verhandlungen mit Rom über finanzielle Hilfen gegen die Türken, als auch bei der Durchsetzung unpopulärer Befehle.

1616 verhaftet er auf Befehl den berühmten Türkenkrieger Sayfried von Kollonitsch. Dieser war in Ungarn an Exzessen beteiligt, die er aber, wie sich später heraustellte, in geistiger Verwirrung begangen hat.

Komplizierter und moralisch anfechtbar (wenn Söldnerführer überhaupt eine Moral außer der ihren gelten lassen), ist die Verhaftung des Kardinals Khlesel im Jahre 1618. Der Befehl für diese Verhaftung kam vom späteren Kaiser Ferdinand II.

Angeblich soll Khlesel die Sache der evangelischen Partei begünstigt haben. In Wirklichkeit stand der Kardinal dem spanischen Einfluß am Hofe im Wege. Er hatte die Stirn, gegen die Abtretung der ungarischen und böhmischen Krone noch zu Lebzeiten des Kaisers Matthias an Ferdinand zu opponieren.

(Der Weg dieses oppositionellen Kardinals läßt sich bis ins entfernte Schloß Ambras in Tirol verfolgen; zum Glück sind diese Tugenden bei ungarischen Kardinälen nicht ausgestorben.)

In diesem Zeitraum war der Wiener Hof durch gesellschaftspolitische Umbrüche und machtpolitische Verwerfungen in Ungarn und Böhmen diplomatisch und militärisch voll ausgelastet.

1618 brachen die böhmischen Unruhen aus und Collalto warb Truppen für den Kaiser. Unter Buquoi zog er mit Marradas Marradas und Teuffenbach gegen ein böhmisches Heer, wurde aber bei Pilgram geschlagen. Im Bericht von Buquoi an den Kaiser wird Collalto jedoch lobend erwähnt.

1619 kämpft er bei Gomnitz und ist im gleichen Jahr kaiserlicher Gesandter auf dem ungarischen Landtage zu Neusohl. Dort kommt es zum Eklat mit dem Siebenbürgen-Fürsten Bethlen Gabor .

In jedem geschichtlichen Zeitabschnitt spielen Symbole eine wichtige Rolle bei politischen Auseinandersetzungen und in zwischenmenschlichen Beziehungen. Im vorliegendem Fall ging es mal wieder um die alles entscheidende Frage der Sitzordnung bei Verhandlungen. Der Stuhl des Siebenbürger Fürsten war höher gestellt als der des Collalto. Dieser aber, als kaiserlicher Gesandter, fühlte sich zurückgesetzt, veränderte die Stuhlhöhe und verteidigte sie verbissen: - man stand sich mit gezogenen Schwertern gegenüber...

Der Verhandlungsauftrag wurde erfüllt, der Krieg jedoch nicht verhindert. Collalto konnte zwar ein Bündnis zwischen den Ungarn und den Böhmen vereiteln, er erreichte auch, daß dem enteigneten Klerus dessen Güter wiedergegeben wurden. Aber er konnte nicht verhindern, daß der Kaiser bei der Wahl des ungarischen Königs übergangen und Bethlen zum König von Ungarn gewählt wurde.

Diese Wahl war eine Provokation des Hauses Habsburg und eine Machtprobe.

Und wie so oft in der Geschichte: wenn diplomatische Mittel versagen, gibt es in der Regel nur eine militärische Lösung. Der Krieg gegen Ungarn brach aus, obwohl Collalto noch einmal - wenn auch erfolglos - die Probleme in Preßburg auf dem Verhandlungswege ausräumen sollte. In der Nähe der Ortschaft Enzesdorf wurde die Delegation auf dem Rückwege von den Ungarn überfallen. Collalto selbst passierte in seinem befestigten Quartier nichts, nur ein Mitglied der Verhandlungsdelegation, ein Georg Teuffel, wurde ausgeraubt und konnte sich, wie es heißt nur im Hemd, aufs sichere Schloß retten.

In diesem Krieg kommandierte Collalto 1.000 Mann im kaiserlichen Heer, das bei Eggenburg stand.

Von dort vereinigte er sich später mit dem Heer der Liga im Kampf gegen die Böhmen.

Im Juli 1620 findet man Collalto als Mitglied des österreichischen Herrenstandes zur Huldigung des Kaisers in Wien. 1621 wieder in Ungarn im Kampf gegen Budiani und die Türken. Die Erfolge scheinen wenig spektakulär gewesen zu sein, denn Collalto muß sich nach Preßburg zurückziehen und sein Name taucht erst wieder 1621 bei den Friedensverhandlungen in Mähren auf.

Im Jahre 1623 schlägt Tilly den Herzog Christian von Braunschweig ; Collalto soll ihn mit fünf Regimentern verstärken. Aber offenbar ist Collalto nicht Herr der Lage, denn diese Truppen kommen zu spät und wahrscheinlich deshalb, weil sie zu viel Zeit mit der Plünderung der Grafschaft Henneberg und der Gegend um Heiligenstadt vergeudet haben. Selbst als sie nach Ungarn kommandiert werden, um gegen Bethlen Gabor zu kämpfen, verwüsten sie die Grafschaft Mörs; - ein disziplinloser Haufen mit einem unfähigen oder gleichgültigen Kommandeur. Diese Defizite beeinträchtigen die weitere Karriere Collaltos nicht im geringsten. Schon 1624 ist er Hofkriegsrats-Präsident. Mit Bürokraten konnte er offenbar besser umgehen.

1625 führt er gemeinsam mit Questenberg und Bethlen Gabor und den Türken Friedensverhandlungen. Im Mai kommt es zu einem Friedensschluß.

Mit Wallenstein beginnt er in diesem Jahr einen sehr intensiven und vertrauten Briefwechsel, der (mit Ausnahme des Jahres 1626) bis zu seinem Tode anhält.

Als Wallenstein vom Kaiser einen erfahrenen General als Vertreter für Zeiten seiner Abwesenheit erbittet, wird Collalto vom Kaiser nominell als Feldmarschall zum Heere Wallensteins beordert.

Dieser Vorgang war typisch für die Desorganisation des Wiener Hofes. Einerseits war Collalto Präsident des Hofkriegsrates, der für die Rüstung zu sorgen und Strategien zu entwickeln hatte, andererseits war er als Regimentsoberst und Feldmarschall Wallenstein unterstellt...

Wallenstein war es recht: er konnte seine eigenen Strategien entwickeln und hatte außerdem direkten Zugang zum Monarchen.

Zunächst ist Wallenstein hoch zufrieden mit Collalto.

"Der Graf Collalto assistiert mir über alle Maßen wohl, und gewiß hätte man mir niemanden schicken können, den ich lieber gesehen hätte, denn er überhebt mich aller Mühe."

Er erhält die Aufgabe, die niedersächsischen Kreise gegen Einfälle des Dänenkönigs zu schützen und hält sich in der Gegend um Halberstadt auf. Drei Monate später verläßt Collalto verärgert das Heer und geht nach Wien. Der Kaiser fordert Collalto persönlich auf, seinen Dienst fortzusetzen und Wallenstein die frühere Achtung und Verehrung entgegenzubringen; ansonsten werde er sich persönlich um die Lösung des Problems kümmern. Auch Wallenstein droht mit der Niederlegung des Kommandos, wenn Collalto nicht in seinen Eigenmächtigkeiten gebremst wird. Die Spannungen nehmen extreme Formen an. Collalto verläßt noch vor der Schlacht an der Dessauer Brücke im April 1626, ohne Wallensteins Genehmigung, das Heer. Auf Befehl des Kaisers wird Collalto in Prag verhaftet und ihm der weitere Besuch des Hofes untersagt.

Ursache der Meinungsverschiedenheiten waren mißverstandene Zuständigkeiten.

Wallenstein hatte der Herzogin von Braunschweig für den Transport von zwanzig Faß Wein und sonstigen Waren einen Geleitbrief erteilt. Dieses Papier sollte Sicherheit vor Plünderungen bieten, war aber offenbar in diesen Zeiten nicht mehr Wert als ein Talisman. Der Transport wurde von einem Regiment überfallen und ausgeraubt, das mittelbar Collalto unterstand. Vielleicht wollten die im Raub geübten Soldaten ihrem Oberkommandierenden nur eine Freude bereiten, denn Wallenstein war ein Freund eines guten Tropfens und anderer Delikatessen. Aber die Herzogin beklagte sich bei Wallenstein.

Dieser griff persönlich ein. Er erzwang nicht nur die Herausgabe der Beute, was bei deren Begehrlichkeit schon ein Wunder war, sondern enthob den verantwortlichen Offizier auch seines Postens.

Collalto hatte dazu einen völlig anderen Standpunkt. Mit Recht verwies er darauf, daß die Bestrafung eines Offiziers nur von dem ihm übergeordneten Offizier erfolgen kann. Ein Wort gab das andere und sicher waren es einige zuviel.

Daß diese Mißverständnisse zu solch tiefgreifenden Zerwürfnis führen konnten, liegt auch an Wallenstein und seiner Art der Bewertung zwischenmenschlicher Kontakte.

Einerseits war er als einsamer Mensch geradezu hilfesuchend zutraulich und nannte z.B. Collalto "Herr Bruder", eine Ehre, die er sonst keinem seiner Offiziere erwies. Andererseits genügte eine geringe Erschütterung der Vertrauens, um die Zuneigung in Hass umschlagen zu lassen.

An seinen Schwiegervater schrieb Wallenstein über Collalto: "Daraus sehe ich, daß er ein schlimmer, falscher Mensch ist..."

Es dauerte aber nicht lange und beide schreiben sich wieder wie eh und je und vertragen sich...

Die Reaktionen Collaltos sind auch vor dem Hintergrund der Machtkämpfe am Wiener Hof und dem persönlichen Ansehen Wallensteins in dieser Zeit verständlich:

Wallenstein war als Oberkommandeur eines so großen Heeres noch eine unbekannte Größe und hatte im Vorjahr nach Ansicht seiner Kritiker große taktische Fehler gemacht. Nach deren Ansicht war er zu zögerlich nach Norden vorgerückt und zu spät auf dem Kriegsschauplatz eingetroffen. Insbesonders die "spanische Fraktion" bei Hofe, unterstützt von Stralendorff und Slawata, wollte ihm den Oberbefehl entziehen und Collalto übertragen. Wer wie Collalto eine so starke Hausmacht im Rücken hat, braucht sich auch keine großen Sorgen um seine weitere Zukunft zu machen.

Collalto war kurze Zeit danach auch wieder mit dem Kaiser ausgesöhnt, quittierte den Heeresdienst und war jetzt vorläufig nur noch im Kabinett als Hofkriegsrats-Präsident tätig.

Die Stimmung innerhalb des Hofkriegsrates schildert sehr eindruckvoll ein späterer Amtsinhaber, Eugen von Savoyen:

"Das Haupthindernis des österreichischen Kriegswesens war bisher die üble Organisation des Hofkriegsrates. Nicht nur die Bildung einer ordentlichen Armee, selbst die ersten Generale und die siegreichsten Feldzüge wurden dadurch aufgehalten, wovon die Behandlung des großen Wallenstein und meine eigene Beweise sind. Als ich endlich Präsident davon wurde, bestand er zum Teil aus neidischen Menschen, deren Eifersucht alle meine vorigen Operationen zu tadeln wußte, oder aus überklugen Theoretikern, welche, obwohl sie nicht einmal ein Detachement anführen konnten, doch alles besser wissen wollten..."

(Offenbar ist die Stimmung in Amtsstuben über Jahrhunderte hinweg ein konstanter Zustand...).

Das Jahr 1628 war allgemein mit Klagen der Kurfürsten über die steigenden Lasten des Krieges, besonders durch die der Wallensteinschen Truppen ausgefüllt.

Das war der Anfang einer lange vorbereiteten Kampagne der spanischen Partei am Hofe zur Entmachtung Wallensteins. Natürlich war die Macht Wallensteins, insbesondere nach der erfolgreichen Schlacht an der Dessauer Brücke wieder gefestigt. Aber es gab noch andere Interessenkonflikte, die einer Lösung durch höchste Gremien bedurften.

Zum einen war die Möglichkeit eines Friedens in Deutschland noch nie so günstig gewesen wie in den Jahren 1628 / 1629. Zum anderen wurde den Kurfürsten zunehmend klar, daß Wallensteins Ziele u.a. darin bestanden, das Haus Habsburg durch Schwächung der Macht der Kurfürsten zu stärken. Aber noch war der Kaiser bei der Thronfolgeregelung auf die Stimmen der Kurfürsten angewiesen. Und so wurden alle Aktivitäten Wallensteins vor allem vom Kurfürsten von Bayern mit Mißtrauen verfolgt und mit kritischen Einschätzungen kommentiert, die einzig und allein das Ziel hatten, den Herzog zu entmachten.

Natürlich hatten die Kriegslasten objektiv ein Maß erreicht, daß nicht überschritten werden durfte, wenn sich die wirtschaftliche Basis, d.h. in erster Linie die Bauernschaft, kurzfristig wieder erholen sollte. Dazu war es notwendig, den Umfang der Söldnertruppen zu reduzieren. Das war durchaus möglich, denn eine militärische Bedrohung durch ausländische Mächte war in diesen Jahren nicht gegeben und die innerdeutschen Probleme hätten sich durch die wiedererstarkte kaiserliche Macht zu diesem Zeitpunkt auch diplomatisch lösen lassen.

Erste Ansätze eines Truppenabbaus hatte Collalto zu regeln:

im Mai 1628 ging er nach Thüringen, um die bei Altenburg stehenden kaiserlichen Truppen abzudanken.

Der Kurfürst von Sachsen beklagte sich über die in der Lausitz stationierten Truppen; Collalto reformierte daraufhin 4.000 Mann Kavallerie. Im August erhielt er jedoch von Wallenstein die Mahnung, die Entlassung der Truppen nicht zu übereilen...

In den vergangenen Jahren hatten die katholischen Fürsten und besonders Maximilian mehr oder weniger intensiv an einem Plan gearbeitet, die seit dem Augsburger Religionsfrieden von den protestantischen Fürsten säkularisierten Kirchengüter in den Besitz der katholischen Kirche zurückzuführen.

Vom Standpunkt Maximilians nicht ganz uneigennützig, denn der bayerische Kurfürst hätte damit seine Hausmacht wesentlich vergrößert. Für seinen Vetter wollte er Osnabrück, sein Bruder hatte schon die Bistümer Münster, Lüttich, Hildesheim und Paderborn. Zunächst war der Kaiser von dieser Idee nicht recht begeistert, aber im Laufe der Zeit begriff er, daß ein richtig durchgeführtes Restitutionsedikt auch die Macht seiner Dynastie gewaltig stärken würde. 1628 nahm dieser Plan eine zentrale Stellung in Ferdinands Innenpolitik ein. Der Entwurf eines entsprechenden Planes wurde auch Collalto zur Begutachtung vorgelegt. Interessant ist dabei nicht so sehr, daß auch das Urteil Collalto gefragt war, sondern vielmehr seine Formulierungen und Reaktionen zu diesem Plan. Seiner Meinung nach war das Edikt zwar gut, aber in der Umsetzung befürchtete er, daß es zu einem Religionskrieg kommen könnte.

Abgesehen davon, daß das Edikt nur im Hinblick auf die Interessen des Auftraggebers, nämlich die des Kaisers, gut war und nicht zu einem Religionskrieg sondern zu einem Umverteilungskrieg führen mußte, zeigt sich die ganze opportunistische Haltung Collaltos darin, daß er neben den übrigen Ämtern, die er bereits inne hatte, nun auch noch das Amt eines Direktors für die Konfiskation der ehemaligen Kirchengüter übernahm; - ein Amt, das nach seiner eigenen Empfehlung bzw. Einschätzung der Auswirkungen des Ediktes eigentlich nicht existieren sollte...

Im selben Jahr wurde er auf Wallensteins Vorschlag neben dem Grafen Heinrich Schlick , Wolffgang von Mansfeld und Arnim offiziell zum kaiserlichen Feldmarschall ernannt.

Im Mai 1629 wird Collalto in Wien zum Mitglied des Unter-Österreichischen Herrenstandes erhoben und vom Kaiser zum General-Leutnant für den italienischen Feldzug berufen. Alle europäischen Mächte hatten den Tod des Herzogs von Mantua und die sich daraus ableitende Nachfolgefrage zum Anlaß genommen, militärisch zu intervenieren, um ihre Interessen und Ansprüche in Oberitalien geltend zu machen. Insbesondere Spanien und Frankreich kämpften dort um die Hegemonie. Und gegen alle kämpfte die Pest. Auch später gegen die kaiserlichen Truppen.

Collaltos Heer wurde taktisch geschickt ohne großes Aufsehen gesammelt, und bevor die ausländischen Gesandten und der römische Nuntius überhaupt davon Kenntnis hatten, waren die wichtigsten Pässe bereits besetzt. Man war diplomatisch auf eine Einmischung des Kaisers nicht vorbereitet, denn er hätte in Italien von Rechts wegen nicht eingreifen dürfen. Wallenstein schriebt an "...den Herrn Bruder" Collalto, daß er doch bitte nicht die Venezianer irritieren solle; sie möglichst zum Freund machen.

Am 25. Mai 1629 erfolgte die Musterung des Heeres bei Lindau. Unter seinem Befehl stehen so bekannte Obristen wie Aldringer , Merode, Sultz und Gallas .

Schon jetzt deutet sich eine schwere Krankheit an, die Collalto, nachdem er Ostiano erobert hat, in Mailand dazu zwingt, das Kommando an Gallas und Aldringer zu übergeben.

Die Truppen des Hauses Habsburg unterstützen vor allen Dingen spanische Interessen. Mit dem zeitgleich in Oberitalien einfallenden Spinola wird abgesprochen, daß Spinola in Casale und Montferrat, Collalto in Mantua militärisch aktiv werden.

Collalto zieht sich, von der Krankheit gezeichnet, (die historische Quellen mit Halsschwindsucht benennen) nach Marignano am Lago Maggiore zurück. Er kann beruhigt das Kriegsgeschehen abwarten, denn Gallas - damals noch nicht durch Suff heruntergekommen und durch Kopfgeld für den Mord an Wallenstein korrumpiert - schlägt am 19. Mai 1630 das Venezianische Heer bei Gailo und drängt es bis Valezzo zurück.

Der Herzog Carl von Nevers unterbreitet Collalto seine Ansprüche auf Mantua, wird aber zurückgewiesen und muß erleben, wie nach harten Kämpfen Gallas und Aldringer Mantua am 18. Juli 1630 erobern und diese reiche Stadt ausplündern.

Selten konnten bis dahin unbedeutende Feldherren sich im Namen des Kaisers so ungehindert mit so reicher Beute bedienen. Wallenstein ist damit vorgewarnt, wie sich seine Kommandeure in zukünftigen Feldzügen benehmen werden.

Nach der Eroberung Mantuas zieht sich Collalto nach Piemont zurück. Die fortschreitende Krankheit zwingt ihn, den Kaiser um die Abberufung von seinem Kommando zu bitten. Seinem Wunsche wird entsprochen und er erhält außerdem vom Kaiser ein Geschenk in Höhe von 400.000 Gulden.

(Zum Vergleich: für die fünfjährige Arbeit an den Fresken zur Ausgestaltung der fürstbischöflichen Residenz Würzburg erhielt der weltberühmte Maler Tiepolo 25.000 Gulden.

Die Türken ließen sich für 100.000 Gulden zu einer Verlängerung des Friedens überreden...)

Es war die letzte Auszeichnung, die Collalto erhielt; er starb am 19. November 1630 in Chur im Graubündener Land.



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