Christian IV. von Dänemark

Christian war der Sohn König Frederiks II. von Dänemark.

Er übernahm 1596 nach achtjähriger Vormundschaftsregentschaft des Reichsrates die Regierungsgewalt.
König Christian IV. von Dänemark war ein außergewöhnlich befähigter Monarch, der Mut und Entschlossenheit zeigte, wenn es um die Interessen Dänemarks ging.
Sein Unglück war es, zu einer Zeit regiert zu haben, die überstrahlt wurde von seinem schwedischen Rivalen Gustav Adolf .
Zu Unrecht wird deshalb seinem Wirken und seiner Persönlichkeit von der europäischen, insbesondere von der deutschen Geschichtsschreibung zu geringe Aufmerksamkeit gewidmet. Daß er seine wirtschaftlichen und politischen Ziele nicht erreichen konnte, lag daran, daß Christian innenpolitisch gegen die tiefverwurzelte Macht eines selbstsüchtigen, verantwortungslosen Adels und außenpolitisch gegen das Genie Gustav Adolfs anzukämpfen hatte.
Sein staatsmännisches Problem war, daß er bei allen Entscheidungen und in jeder Schlacht allein stand; er hatte nicht das Glück eines Gustav Adolfs, daß er sich auf seine Stellvertreter verlassen konnte, die ihm ein Teil seiner Bürde hätten abnehmen können.

Christian war ein breitschultriger Mann von blühender Gesichtsfarbe und hatte hellblonde Haare. Er zeichnete sich durch ein gewinnendes Wesen, Mut, beißenden Humor und durch ein launisches Temperament aus.

"Ein Leben voll angespannter körperlicher Betätigung, in dem schwere Zechgelage nicht fehlten, hatte ihn nur tüchtiger gemacht. Monogamie hatte seiner kraftstrotzenden Natur niemals zugesagt, und die Anzahl seiner unehelichen Kinder wurde mit der Zeit in Dänemark zu einem Problem und im übrigen Europa zu einem Witz . Bei allen seinen vollblütigen Neigungen war er ein geistig begabter Mann, der von seinen Begabungen auch Gebrauch machte; er hat sogar eine gelehrte Korrespondenz in lateinischer Sprache mit dem Schulmeister unter den Königen, Jakob I. von England , geführt; er hatte Begabung für Sprachen und glänzte im Gespräch; in seiner nördlichen Hauptstadt hat er Kunst und Wissenschaft wie wenige vor ihm gefördert, und seine Schlösser in Kronborg und Kopenhagen spiegelten in ihrer üppigen Ausschmückung, ihren überladenen Goldornamenten und rundlichen, realistisch rosa gefärbten Gipsputten etwas von der warmblütigen, lebensstrotzenden Persönlichkeit ihres Besitzers wider. "Man konnte kaum glauben", bemerkte ein Italiener, "daß er in einem so kalten Klima geboren war.""[1]

Die strategisch bedeutsame Lage ließ Dänemark zu einem der mächtigsten nordischen Länder werden. Dänemark beherrschte den Sund, wo es von jedem durchfahrenden Schiff Zoll erhob.

Die Zolleinnahmen der Krone waren erheblich, denn es mußten viele Schiffe durch den Sund: - insbesondere die der Hanse, Schwedens und Polens. So ist es nicht verwunderlich, daß sich Dänemark ständig mit einem der zollpflichtigen Konkurrenten im Streit befandt.

Christian war halber Deutscher und beherrschte die deutsche Sprache in Wort und Schrift.
Er war Herzog von Holstein und damit deutscher Reichsfürst.
Als solcher erlebte er ab 1618 die dramatische Karriere des Kurfürsten Friedrich von der Pfalz vom König von Böhmen zum Geächteten, Verfolgten und von seinen protestantischen Bundesgenossen im Stich gelassenen.
Christian empfing Friedrich nach dessen Niederlage gegen die kaiserlichen Truppen in der Schlacht am Weißen Berg auf dessen Flucht aus Böhmen in Segeberg in Holstein und bot sich an, zwischen Friedrich und dem Kaiser zu vermitteln. Er tat es nicht aus Nächstenliebe, sondern aus politischem Weitblick; Christian war einer der Ersten, der klar erkannte, daß die Vernichtung der protestantischen Opposition in Böhmen die Macht der Habsburger im Quellgebiet der Elbe gestärkt und sie ermutigt hatte, ihre Herrschaft nach Norden bis zur Ostsee auszudehnen.

Aber diese Region war protestantisch und es gab schon ausreichend Konkurrenten, insbesondere, wenn es um die Besetzung frei werdender Bischofssitze ging.
Christians Sohn war auf den leerstehenden Bischofssitz von Verden gewählt worden und Christian beanspruchte auch Osnabrück und Halberstadt für ihn. Diesen Anspruch meldeten aber nicht nur er, sondern auch die Kurfürsten von Sachsen, Brandenburg und auch der Kaiser zur Versorgung ihrer Söhne an. Bevor jedoch daß Versorgungsproblem fürstlicher Nachkommen gelöst war, hatten die Habsburger durch den Fall des niederländischen Bredas im Jahre 1625 wieder freie Hand im italienischen Veltlin gewonnen und Frankreich war gezwungen, sich aus Norditalien zurückzuziehen.

Um die zunehmende Macht der Habsburger zu schwächen, bildete sich eine Koalition aus Dänemark, Schweden, Frankreich, den Niederlanden und England. Man entwarf Feldzugspläne für ein militärisches Eingreifen in Deutschland. Für die Ausführung der Pläne bewarben sich Dänemark und Schweden. Diese Koalition hatte jedoch mehrere Probleme: Frankreich besaß keine ausreichenden finanziellen Mittel, um seine Großmachtpläne zu finanzieren, England war unentschlossen, die Niederlande befanden sich wieder im Krieg mit Spanien und von allen wurden die Eifersüchteleien der nordischen Partner unterschätzt.

Sowohl Gustav Adolf von Schweden als auch Christian von Dänemark glaubten, der andere würde unter seinem Oberbefehl stehen. Letztlich blieb Christian übrig, um allein im Sommer 1625 die protestantische Sache in Deutschland zu verteidigen.

Die "protestantische Sache verteidigen", das bedeutete, den Befürchtungen der norddeutschen Fürsten vorzubeugen, daß durch eine verstärkte Rekatholisierung die norddeutschen Kirchengüter (Stifter), wieder an die katholische Kirche zurückgegeben werden mußten. Diese Kirchengüter wurden entgegen dem geistlichem Vorbehalt durchweg von protestantischen "Administratoren" verwaltet, und waren in der Regel die soziale Sicherung protestantischer Fürstensöhne.

Außerdem belastete die Einquartierung der Truppen Tillys, die seit 1623, (d.h.seit der Schlacht bei Stadtlohn gegen den "tollen Halberstädter"), in Norddeutschland eine ständige Bedrohung darstellten, die norddeutschen Kreise.

Der bis dahin neutrale norddeutsche Kreistag wählte daraufhin den Dänenkönig zum Kreisobersten und 1625 beschlossen die norddeutschen Stände - wenn auch widerwillig - zu rüsten; was nichts anderes bedeutet, als daß Christian innerhalb ihrer Grenzen Rekruten anwerben konnte.

Im Grunde herrste Kriegszustand in Norddeutschland, obwohl es zu keiner Kriegserklärung zwischen dem dänischen König und dem Kaiser gekommen war.
Der katholische Feldherr Tilly begegnete dem Zustand zunächst auch nur damit, daß er eine Note an Christian sandte, in der er ihn nach seinen Absichten fragte. Christian beschwichtete mit der Behauptung, daß er als Oberst des niedersächsischen Kreises es für notwendig erachtet habe, Vorkehrungen für die Verteidigung des Kreises zu treffen. Während des ganzen Sommers und Winters des Jahres 1625 wurden zwischen dem Kaiser und der Kreisständeversammlung höfliche Briefe gewechselt mit der Absicht, sie von dem Einfluß Christians zu lösen.

Als dann der Krieg tasächlich begann, standen die neutralen Norddeutschen zwischen den Fronten. Von einem Kriegsbeginn konnte lange Zeit keine Rede sein; zunächst marschierte Christian entlang der Weser und hätte durch einen Unfall beinahe den Krieg bereits beendet bevor er richtig begann: als er eines Abends bei Hameln die Stellungen seiner Truppen abritt, scheute sein Pferd und Christian wurde über den Festungswall sechs Meter in die Tiefe geschleudert. Wie durch ein Wunder überlebte er.

Ein gutes Gerücht ist schneller als die Wahrheit und so erhielt Tilly die Nachricht vom (angeblichen) Tod des Dänenkönigs. Diese gute Nachricht veranlaßte ihn zum Vormarsch, aber neue, verläßlichere Nachrichten und Verpflegungsmangel zwangen Tilly, sich in seine Ausgangsstellungen zurückzuziehen.

In Wien erkannte man die Gefahr eines dänischen Angriffs. Denn nur die fehlende finanzielle Unterstützung durch England und Frankreich hatte Christian bisher von einem Angriff abgehalten. Diesen Umstand nutzte der Kaiser, um mit Unterstützung Wallensteins ein eigenes Herr aufzustellen.

Ende des Jahres 1625 traf Wallenstein mit 30.000 Mann zur Verstärkung Tillys im Grenzgebiet der norddeutschen Kreise ein.

Für die Kaiserlichen verschlimmerte sich damit die Versorgungslage, denn die heimgesuchten Länder waren bereits leergeplündert und Mißernten in Deutschland und die Pest in Europa brachten den Nachschub zum Erliegen. In blinder Zerstörungswut hatten die Soldaten Dörfer in Brand gesetzt, wahllos das Vieh abgeschlachtet, die Bauern traktiert, vertrieben und getötet, Friedhöfe nach Schätzen durchwühlt und Kirchen verwüstet.

Die Pest hatte leichtes Spiel: Von Tillys 18.000 Mann waren 8.000 erkrankt, die übrigen schlecht gekleidet und alle ohne geeignete Winterquartiere.

Beim dänischen Gegner kam es ebenfalls zur Katastrophe: die zugesagten Gelder aus England blieben aus; Holland zahlte weniger als vereinbart und Frankreich stellte seine Unterstützungen ein. Den Verteidigern der protestantischen Sache blieb nur noch die Flucht nach vorn. Zu den Verteidigern zählten - als es wirklich Ernst wurde - Christian von Dänemark, Christian von Braunschweig , "der tolle Halberstädter", und Ernst von Mansfeld .

Christian von Dänemark; - mit zu großem Kopf und zu kleinem Pferd ... Der Dänenkönig hatte das größte Heer und war schon durch seine Persönlichkeit der geeignete Oberbefehlshaber; sein Pech war nur, daß seine Mitstreiter sehr komplizierte Charaktere waren und so war Mansfeld keinesfalls bereit, sich dem Dänenkönig unterzuordnen. Christian von Braunschweig war ein wenig wahnsinnig und auch schwer zu lenken; die Tasache, daß sein "Heer" aber nur notdürftig mit eisenbeschlogenen Stöcken bewaffnet war, machte ihn gefügig, sich eventuell dem Dänenkönig unterzuorndnen.

Da ein gemeinsamer Angriff unter solchen Umständen nur Streit gebracht hätte, einigte man sich auf die Formel: getrennt marschieren, vereint schlagen. Mansfeld sollte in das Bistum Magdeburg, in dem sich das Hauptquartier Wallensteins befand, einfallen, ihn dadurch militärisch binden, ihn aber umgehen, um nach Schlesien zu marschieren, wo der Fürst von Siebenbürgen, Bethlen Gabor , seinem Versprechen gemäß auf ihn warten wollte.

Der tolle Halberstädter sollte Tillys Resten ausweichen und nach Hessen ziehen, um den Landgraf Moritz für dei protestantische Sache zu gewinnen und dann gemeinsam Tilly in den Rücken zu fallen, während Christian an der Wesen entlang marschieren wollte, um Tilly in einen Frontalagriff zu verwickeln. Der tolle Halberstädter verfehlte das Ziel total. Er brachte zwar mit Mühe seine zerlumpte Truppe bis an die Grenze Hessens, dort mußte er aber erfahren, daß der Landgraf von Hessen vom Kaiser zum Verlust seiner Besitzungen verurteilt war und auf die Vollstreckung des Urteils wartete; mit den Plänen des Dänenkönigs wollte er nun nichts mehr zu tun haben. Enttäuscht und entkräftet zog sich Christian von Braunschweig nach Wolfenbüttel zurück und starb dort am 16. Juni 1626.

Auch Mansfeld hatte kein Kriegsglück. Wallenstein war von seinen Truppenbewegungen unterrichtet und wußte, daß das protestantische Heer auf seinem Weg nach Schlesien nur bei Dessau die Elbe überqueren konnte. Am 25. April 1626 tauchte Mansfeld bei Dessau an der Elbe auf. Wallenstein war zu diesem Zeitpunkt noch ein Anfänger und mußte sich seinen Ruf als militärischer Führer erst verdienen. Mansfeld war dagegen geradezu ein Veteran, der seinen leicht angewelkten Ruhm durch eine großartige Überquerung auffrischen wollte.

Mansfeld machte jedoch einen verhängnisvollen Fehler: er unterschätzte Wallenstein. Dieser hatte - gründlich wie er war - die Artillerien so geschickt gestaffelt, daß Mansfeld´s Heer beim Angriff in eine Todesfalle lief. Von seinen 20.000 Mann konnten sich nur 5.000 retten.

"Gott gab mir das Glück, Mansfeld aufs Haupt zu schlagen." schrieb Wallenstein an den Kaiser. Aber Mansfeld gab nie auf und war außerdem ein Genie bei der Anwerbung neuer Heere; schon Ende Juni des gleichen Jahres hatte er ein neues Heer von 20.000 Mann auf die Beine gestellt.

Der König von England hatte ihm ein Regiment Schotten, der Dänenkönig 5.000 Soldaten unter dem Befehl des Herzogs von Sachsen-Weimar entsandt und der König von Frankreich unterstützte ihn mit Werbegeldern. Viele Vertriebene aus den Erblanden des Kaisers strömten zu seinen Fahnen.

Mit diesem Heer, das keinen Sold erhielt, zog Mansfeld - verfolgt von Wallenstein - nach Schlesien und Mähren; eine Spur der Verwüstung hinter sich lassend. Sein Plan ging auf: Wallenstein wurde durch seine Verfolgung daran gehindert, das Heer der Dänen anzugreifen, und Mansfeld vereinigte sich mit Bethlen Gabor. Tatsächlich aber war sein Heer für die Dänen wertlos, denn Mansfeld zerstritt sich mit seinen Stellvertretern und Offizieren... In der Teilung der katholischen Heere sah Christian von Dänemark die Gelegenheit, auf die er seit den ganzen Sommer gewartet hatte. Er verließ sein Quartier im Braunschweiger Raum und marschierte südwärts gegen Thüringen in der Absicht, zwischen beiden feindlichen Heeren in das ungeschützte Süddeutschland einzufallen.

Als Wallenstein von den Absichten Christians erfuhr, schickte er Tilly 8.000 Mann Verstärkung. Tilly rückte unverzüglich vor und Christian machte kehrt, um wieder in seine gesicherte Operationsbasis bei Wolfenbüttel zurückzukehren. Mitte August konnte seine Nachhut den schnell nachrückenden Tilly noch auf Distanz halten; am 27. August mußte Christian einsehen, daß er die restlichen dreißig Kilometer bis zum befestigten Hauptlager nicht mehr ungefährdet erreichen konnte.

In der Nähe des Dörfchens Lutter, norwestlich von Goslar, bezog Christian gegen das vordringende feindliche Heer Stellung. Kleine Unebenheiten boten ihm einen geringen Vorteil und seine zwanzig Kanonen konnten die Straße kontrollieren. Seine Musketiere verteilte er einzeln unter Bäume und Sträucher; an Reitern war er Tilly um einige hundert überlegen. Das Fußvolk war aber in der Unterzahl und hielt den konzentrierten Angriffen Tillys nicht stand und floh.

Die Chroniken sind sehr zurückhaltend bei der Beurteilung des Feldherrentalents König Christians; unbestreitbar scheint aber, daß er ein Draufgänger war.

Dreimal sammelte er seine Reiterei zum erneuten Angriff, bevor der Verlust seiner Geschütze weiteren Widerstand sinnlos machte. Der Dänenkönig verlor nicht nur die gesamte Artillerie; - er büßte über die Hälfte seines Heeres ein und konnte sich glücklich preisen, selbst am Leben geblieben und der Gefangenschaft entkommen zu sein. In seinem sprichwörtlichen Draufgängertum war er plötzlich vom Feind umringt und sein Pferd unter ihm erschossen worden. Nur durch Selbstaufopferung eines seiner Offiziere konnte sich Christian mit Mühe retten.

Jetzt zeigte sich, daß der dänische König und seine Verbündeten die politische Situation in Deutschland falsch eingeschätzt hatten. Die norddeutschen Fürsten warfen sich nun Tilly an den Hals und von allen Verbündeten aus besseren Tagen hielten nur die beiden Herzöge von Mecklenburg zu Christian. Die übrigen protestantischen Fürsten, insbesondere die Kurfürsten von Brandenburg und Sachsen waren enbenfalls an einer Beschränkung der kaiserlichen Macht interessiert, allerdings nicht bereit, den Deutschen Kaiser gegen den König von Dänemark einzutauschen. Beide deutschen Fürsten erklärten dem Kaiser ihre Loyalität.

Der Versuch, die Gegend um Wolfenbüttel militärisch zu halten wäre unter den gegebenen Umständen sinnlos gewesen. Es blieb Christian nichts anderes übrig, als sich nach Norden an die Küste zurückzuziehen und sein Winterquartier in Stade, südwestlich der Elbemündung aufzuschlagen.

Der Sieg über Christian IV. bei Lutter versetzte den Deutschen Kaiser zeitweilig in eine Art Taumel: er hielt fälschlicherweise den Dänenkönig für den mächtigsten Monarchen des Nordens und diese Fehleinschätzung sollte Jahre später dem Schwedenkönig dessen Invasion nach Norddeutschland wesentlich erleichtern.

Der König von Dänemark hatte im Winter 1627 vergeblich versucht, neue Hilfsquellen zu erschließen. Richelieu ließ ihn im Stich und die englische Regierung sandte ihm weder Geld noch Schiffe. Christian, der nicht genug Lebensmittel und Geld für seine Leute und nicht genug Pferde für seine Reiter hatte, versuchte vergeblich Ordnung unter seinen heruntergekommenen Truppen zu halten. Als sich dann im August 1627 die Überreste des Mansfeldschen Heeres ergaben, wurde Christian von Wallenstein über die holsteinische Grenze gedrängt.
Die Reste der dänischen Reiterei ergaben sich bei Halborg und Wallensteins Herr bezog in den verschont gebliebenen Dörfern Jütlands Winterquartier.

Der König von Schweden war durch den von ihm angezettelten Krieg mit Polen so beschäftigt, daß er dem gedemütigten König von Dänemark nicht zu Hilfe kommen konnte. Nach der Besetzung Jütlands leitet Wallenstein, der 1628 zum "General des baltischen und ozeanischen Meeres" ernannt wird, die Verwirklichung weitreichender maritimer Pläne ein.

Auf dem Festland hielten sich nur wenige feste Plätze der Protestanten, darunter das von Dänemark und Schweden unterstützte Stralsund. Stralsund konnte aber trotz intensiver militärischer Bemühungen von Wallenstein nicht eingenommen werden, und die dänischen Inseln waren ohne kaiserliche Flotte unangreifbar.

Trotzallem mußte Christian erkennen, daß er militärisch am Ende war und gab seine Vollmacht zu Friedensverhandlungen am 17. Dezember 1628. Wallenstein versuchte durch mildere Bedingungen einem möglichen militärischen Bündnis zwischen Dänemark und Schweden zuvorzukommen.

Die Bedingungen waren für Christian hart genug: Dänemark erhielt zwar die besetzten Gebiete zurück, mußte aber die norddeutschen Bistümer (sein eigentliches Kriegsziel), aufgeben. Er mußte die kaiserliche Oberhoheit über Holstein, Stormarn und Dithmarschen anerkennen und sich zukünftig aus allen Reichsangelegenheiten heraushalten. Christian hatte letztlich keine andere Wahl und so kam es im Juni 1629 zum Frieden von Lübeck.

Mit dem Ausscheiden des Königs von Dänemark endete der letzte bewaffnete Widerstand der Protestanten im Deutschen Reich. Aber der Frieden von Lübeck beseitigte die Gefahr eines Krieges durchaus nicht: der Kurfürst von Brandenburg korrespondierte mit den Niederlanden und mit dem König von Schweden; Agenten Frankreichs und Englands hatten einen Waffenstillstand zwischen Schweden und Polen zustande gebracht und damit Gustav Adolf den Rücken für einen Krieg um die Ostsee freigemacht. Ende des Jahres 1629 meldete ein französischer Abgesandter an Richelieu, daß der König von Schweden bereits den Plan einer Invasion in Deutschland mit der schwedischen Regierung besprach.

Im Sommer 1630 war kein Krieg in Deutschland. Für die Bevölkerung war es jedoch kein Grund zum Jubeln. Zehn Kriegsjahre war mehr als die Hälfte des Reiches dem unmittelbaren Truppenbesetzungen oder Truppendurchzügen ausgesetzt gewesen, denen ein Rattenschwanz von Übeln folgte: Pest, Tierseuchen, Hungersnöte und Mißernten.

Aber es war ja nur die Bevölkerung, die den Preis zahlte.

"Kein deutscher Fürst kam, seines Heimes beraubt, in der Winterkälte um oder wurde mit Gras im Mund tot aufgefunden oder mußte es erleben, wie seine Frau oder seine Töchter geschändet wurden, und wenige, bezeichnend wenige, wurden von der Pest befallen. Ihrer Lebensbedürfnisse sicher, an vollen Tafeln, konnten sie es sich leisten, unberührt von den Leiden ihrer Mitmenschen politischen Träumen nachzuhängen"[1]

So gesehen war es für den kaiserlichen Hof keine aufregende Neuigkeit, zu erfahren, daß am 4. Juli 1630 der König von Schweden in Usedom deutschen Boden betreten hatte. Es wäre zwar sinnvoller gewesen, den schwedischen König Gustav Adolf an der Landung in Mecklenburg zu hindern, aber in Wien wurde den Aktivitäten des "Schneekönigs" zunächst wenig Bedeutung beigemessen. Ferdinand II. äußerte in völliger Verkennung der Gefahr und der Stimmung der norddeutschen Fürsten: "Ein Feinderl mehr!". 1632 stand Gustav Adolf, dieses "Feinderl", vor den Toren Münchens und die mit ihm verbündeten Sachsen vor Prag! Bayern und Österreich waren offen für die Schweden; der bayerische Kurfürst Maximilian mußte aus München fliehen und Kaiser Ferdinand II. geriet in Bedrängnis, aus der heraus er sich im April 1632 mit Wallenstein über die Bedingungen zur erneuten Übernahme des Oberbefehls über das Heer durch den Herzog einigten.

Eigentlich hatte Gustav Adolf den Angriff auf das Habsburger Reich - trotz aller Rivalitäten -gemeinsam mit dem dänischen König geplant.

Schon im Februar 1629, also noch vor Abschluß des Friedens von Lübeck, hatte Gustav Adolf versucht, Christian für den gemeinsamen Kampf zu begeistern.

Der König von Dänemark zuckte damals nur mit den Schultern und argumentierte, die deutschen Fürsten würden nicht mittun und sein verarmtes, erschöpftes und zur Hälfte vom Feind überranntes Dänemark könne keinen Pfennig mehr aufbringen. Der moralisierende Hinweis Gustav Adolfs auf die Pflichten eines Königs zur Verteidigung des Protestantismus reizte Christian zu der Frage: "Was haben Eure Majestät in Deutschland zu schaffen?". Gustav Adolf soll einen Augenblick sprachlos gewesen sein, um dann entrüstet zu antworten: "Ist es nötig, danach zu fragen?".

Es kam zu keiner gemeinsamen militärischen Aktion; - bei der nach Auffassung des Schwedenkönigs der König von Dänemark sich natürlich hätte unterordnen müssen!

In der Folgezeit und besonderns nach dem Tode Gustav Adolfs versuchte sich Christian IV. von Dänemark mit wechselndem Erfolg als Vermittler der Konfliktparteien Schweden und Deutschland. Der damalige schwedische Kanzler Oxenstierna lehnte aber eifersüchtig "ein Diktat von Friedensbedingungen" durch Dänemark ab...

Der Dänenkönig hatte einige unglückliche diplomatische und militärische Entscheidungen getroffen, die allesamt den Schweden genügend Grund gaben, mißtrauisch zu bleiben und zu gegebener Zeit alte Rechnungen mit Dänemark zu begleichen.
So hatte er einen Handelsvertrag mit Spanien unterschrieben und seinen Sohn an die Tochter des Kurfürsten von Sachsen, einen abtrünnigen, ehemaligen Verbündeten Schwedens und nunmehr offenen Verbündeten des Kaisers verheiratet. Die Anhebung der Sundzölle zum Ausgleich der Fehlbeträge in der dänischen Staatskasse machten ihn zum verhaßten Mann für die schwedischen Machthaber.

Ohne Kriegserklärung fiel das schwedische Heer unter seinem Befehlshaber Torstensson auf Befehl des schwedischen Kanzlers Oxenstierna im Dezember 1643 in Holstein ein und überrannte bis Januar ganz Jütland. Erst dann geruhte die schwedische Regierung eine Erklärung abzugeben, die ihr Handeln rechtfertigen sollte.

Diese Aktion stieß auf einhelligen Widerstand der übrigen europäischen Konfliktparteien und hätte die sich anbahnenden Friedensverhandlungen entscheidend gefährden können. Die Franzosen drohten, die Unterstützungen einzustellen. Der Kaiser versuchte, die Dänen militärisch zu unterstützen, aber der ständig betrunkene kaiserliche General Gallas machte aus dem an sich guten Plan eine mittlere militärische Katastrophe. Im Seegefecht bei Kolberg, das der Dänenkönig selber befehligte und dabei ein Auge verlor, konnte Christian einen schwedischen Angriff auf Kopenhagen vom Meer her verhindern.

Erst als die damals achtzehnjährige Tochter Gustav Adolfs, Christina , offiziell den schwedischen Thron bestieg, wurde der dänisch-schwedische Krieg beendet. Unter Vermittlung Brandenburgs unterzeichneten die beiden nordischen Gegner im November 1644 den Frieden von Brömsebro. Im Frieden von Brömsebro verlor Dänemark die Ostseeinseln Gotland und Ösel und die Gebiete um Jämtland und Härjedalen etwa in der Mitte der skandinavischen Halbinsel. Die Landschaft Halland - Seeland und dem Sund gegenüber - behielten die Schweden für dreißig Jahre als Pfand "für dänische Erfüllungspolitik". Sie vergaßen es bis zum heutigen Tage zurückzugeben...

Schwedische Schiffe passierten seither den Öresund zollfrei! Damit wurde auch eines der unrühmlichsten Kapitel der diplomatischen Karriere Oxenstiernas abgeschlossen.

Im Ergebnis dieses Krieges mit Schweden in den Jahren 1643 bis 1645 scheiterten endgültig alle machtpolitischen Pläne Dänemarks, die Ost- und Nordsee zu beherrschen.

Nach dem Tode Christian IV. von Dänemark war das Land ökonomisch und militärisch geschwächt und litt unter schweren Konflikten zwischen dem Reichsrat, dem Adel und den übrigen Ständen.



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