Caretto di Grana, Francesco de


Über Caretto schrieb Wallenstein an Harrach:"Ich schwöre, daß ich lieber wollte ins Spital gehen, als ihn bei mir haben, und von Tag zu Tag mag ich ihn weniger leiden."

Was Wallenstein an Caretto abstieß, war dessen materielle Gier, die das Maß der zur damaligen Zeit gewiß nicht zimperlichen Offiziere um ein Vielfacher überstieg.

Von den Kontributionen, die er für die Verpflegung des Heeres eintrieb, wußte keiner, wohin sie flossen. Wenn Caretto zum Beispiel Geiseln aus einer deutschen Stadt mitschleppte, verlangte er von deren Angehörigen entsprechend hohe Preise für deren Freilassung. Sobald er merkte, daß die Gelder bereitgestellt waren, schraubte er die Höhe des Lösegeldes höher.

Für sein unverschämtes Verhalten wurde Caretto von Wallenstein seines Kommandos enthoben. Die Bitte Carettos, ersatzweise das Kommando über die Festung Raab, einem Bollwerk gegen die Türken übertragen zu bekommen, schlug Wallenstein mit der Begründung aus, daß die Qualifikation Carettos für eien Festungskommandanten nicht ausreiche und er ihn sowieso "...für ein großes disparato halte". Dadurch wurde Caretto am Wiener Hofe in der Fraktion der Intriganten ein willkommener Bundesgenosse im Kampf gegen Wallenstein.
Bedenklich an den historischen Entscheidungen, die am Wiener Hof gefällt wurden, ist allerdings die Tatsache, daß solche Kreaturen den Kaiser mit "Ratschlägen" heimsuchen durften.


Im Dezember 1633 spitzte sich die Situation zwischen Kaiser Ferdinand II. und Wallenstein aufgrund von Mißverständnissen und höfischen Intrigen dramatisch zu.

Ferdinand unterzeichnete am 24. Januar 1634 ein geheimes Ächtungsdekret gegen Wallenstein und dessen Gefolgsleute Ilow und Trczka. In diesem Dekret wird zum vorläufigen Befehlshaber der Armee Wallensteins Stellvertreter, Graf Gallas, ernannt. Ihm wird die Aufgabe übertragen, den Herzog und seine beiden Mitverschworenen gefangenzunehmen und nach Wien zu bringen oder als überführte Schuldige zu töten.

Noch bevor Wallenstein in Eger ermordet war, reiste Caretto durch Böhmen, nur mit der Aufgabe ausgefüllt, wer nach der Ermordung des Friedländers welchen Teil des Wallensteinschen Vermögens erhalten sollte. Nach der Ermordung des Herzogs in Eger lobte Caretto ungefragt: "...die Exekution hätte wirksamer nicht durchgeführt werden können, hätte man sie jahrelang geplant und geprobt."

Kaum verbreitete sich die Nachricht von der Ermordung Wallensteins, konfiszierte Caretto Wagen und Pferde des in Schlesien verhafteten Grafen Schaffgotsch. Auf kaiserliche Anordnung mußte er sie wieder herausrücken; ein Wink des Kaisers, daß Belohnung nicht zur Selbstbedienung ausarten dürfe.


Danach versuchte Caretto durch Verleumdung an das Vermögen der Trczkas heranzukommen: Die Gräfin Trczka sei ja gewiß gut und fromm, aber sie ist eine Harrachtochter... Außerdem hätte sie 600 Briefe nach dem Tode ihres Mannes verbrannt. - Selbst mit der Angst vor der Wahrheit ließen sich offenbar Geschäfte machen.

Allerdings: während alle Meuchelmörder mit Geld und Ländereien verwöhnt wurden, mußte Caretto noch fünf Jahre heftig klagend auf seinen "Lohn" warten; - letztlich wurde aber keiner vergessen.

Im Laufe der Jahrhunderte wurde aus diesem Landraub verwurzeltes Eigentum, und aus Mördern der Stolz des deutschen Adels; - auch wenn er oft nur germanisiert war...



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