BUTLER, Walter

Walter Butler entstammte einer irischen Adelsfamilie, von der er außer seinem Stammbaum, seinem sicheren Auftreten und seiner Ausbildung wenig geerbt hatte. Sein materielles Glück mußte er als Söldnerführer suchen.

Butler wird erstmalig bei kriegerischen Auseinandersetzungen auf deutschem Boden im April 1631 bei der Verteidigung Frankfurts an der Oder gegen die Schweden erwähnt. Dorthin hatte er Truppen aus Polen zur Verstärkung des kaiserlichen Heeres gebracht. Bei der Erstürmung der Stadt durch die Schweden verteidigte er mit seinem irländischen Regiment das nördliche Stadttor. Der Widerstand muß militärisch beeindruckt haben: von seinen Soldaten überlebten nur wenige, er selbst wurde von einer Musketenkugel am Arm getroffen und von einer Hellebarde an der Hüfte verwundet, bevor er aufgab.

Seine Tapferkeit imponierte selbst Gustav Adolf. Er ließ ihn zur medizinischen Versorgung nach Stettin bringen; - eine nach dem Ehrencodex der damaligen Zeit ungewöhnlich hohe Anerkennung. Nach 8 Monaten Gefangenschaft erhielt Butler von seinem Vetter - der bei der Erstürmung Magdeburgs durch die Kaiserlichen beteiligt war - eine alarmierende Nachricht. Ein Obrist, namens Böheim hatte ihn durch einen Kurier beim Kaiser angeklagt, daß angeblich durch Butlers Schuld die Stadt Frankfurt gefallen sei.

Butler reagierte sofort. Er kaufte sich für 1000 Taler frei und ließ sich von Gustav Adolf seine Tapferkeit vor dem Feind bescheinigen. Auch propagandistisch half Butler nach: alsbald erschien in Frankfurt ein Flugblatt, des Lobes voll über Butlers Taten. Feldmarschall Rudolph von Teuffenbach hatte 1631 die Verteidigung Frankfurts befehligt. Zu ihm, der sich zu diesem Zeitpunkt in Schlesien aufhielt, begab sich Butler.
Dort zwang er seinen Ankläger Böheim, öffentlich die erhobenen Anschuldigungen zu widerrufen.
Anschließend ging er ich nach Warschau, um 100 Mann Hilfstruppen (auf eigene Kosten) für den Kampf in Schlesien zu werben.

Nach erneuter Werbung von Hilfstruppen in Breslau und Krakau, stellte er sich unter das Kommando Wallensteins. Wallenstein beauftragte Butler im Januar 1632 - aus berechtigten eigenen materiellen Interessen - das Fürstentum Sagan mit 1.000 Dragonern zu sichern.

Im Mai 1632 wurde Butler zurückbeordert. Er unterstützte Wallenstein beim Entsatz Prags von der sächsischen Besatzung, um anschließend Eger zu erobern.

Um diese Zeit verheiratete sich Butler mit der Gräfin Phondana.

Sein militärisches Talent und seine Ergebenheit standen bei Wallenstein so hoch im Kurs, daß er ihm quasi seinen persönlichen Schutz anvertraute.

Mit der Ernennung Butlers zum Generalmajor erreicht dessen militärische Laufbahn ihren Höhepunkt. Für die Soldaten der damaligen Zeit war eine solche Laufbahn die Bestätigung der Hoffnungen und Träume, allein durch militärische Leistungen, persönlichen Einsatz und Gehorsam sozialen Aufstieg und gesellschaftliche Anerkennung zu erreichen, die unabhängig von Geburt und Titel waren. Die uneingeschränkte Zuneigung, die Wallenstein von seinen Offizieren erfuhr, entsprang der gegenseitigen Interessenlage: seine Feldherrenkunst sicherte ihnen reiche Beute und militärischen Ruhm; ihre Leistungen und ihr Gehorsam stabilisierten Wallensteins (einziges) Machtinstrument - das Heer.

Butler bekannte sich zu dieser Zeit bedingungslos zu Wallenstein. Er hat durch ihn alles erreicht. Nur eines fehlt ihm noch: die gesellschaftliche Anerkennung; - er erbittet seine Erhebung in den Grafenstand. Seine Bitte ist in historischen Quellen nicht definitiv erwähnt. Allein Schiller setzt sie explizit in seiner Wallenstein-Trilogie ins Licht. Es ist nicht wahrscheinlich, daß Schiller diesen Vorgang aus rein dramaturgischen Gründen so ausführlich herausarbeitet. Natürlich bietet sich der Vorgang für einen dramaturgischen Kulminationspunkt persönlicher Beziehungen geradezu an, aber ebenso präzise lassen sich dadurch weitere Verhaltensmuster auch der um Butler beteiligten Offiziere aufdecken, die ohne Kenntnis der weiteren Handlungen Wallensteins sonst nicht zu erklären sind.

Wallenstein soll - so Schiller - durch "Falschheit" und "Hinterlist" den Antrag Butlers zur Ablehnung gebracht haben. Damit hat Wallenstein gegen den soldatischen Ehrencodex seiner Armee verstoßen. Dieses - vom Standpunkt seiner Offiziere - bedenkliche moralische und soziale Verhalten Wallensteins zerstört deren Illusion von unbedingter persönlicher Freiheit.

Butler und seine Umgebung sind nun nicht mehr gewillt, Wallenstein Grundrechte und Achtung einzuräumen, die ihnen selbst verwehrt wurden.

Abgesehen davon, daß Wallenstein gerade nach der Schlacht bei Lützen sehr fragwürdige persönliche Entscheidungen fällt, ist die geradezu sorglose Mißachtung der sonst sehr gepflegten Söldnerideologie die größte Gefahr, in die er sich begibt. Wallenstein wähnte sich auf dem Höhepunkt seiner Macht und unangreifbar. Aber selbst ein Mann wie Wallenstein ließ sich von den Umständen täuschen.

Im Dezember 1633 spitzte sich die Situation zwischen Kaiser Ferdinand II. und Wallenstein aufgrund von Mißverständnissen und höfischen Intrigen dramatisch zu.

Ferdinand unterzeichnete am 24. Januar 1634 ein geheimes Ächtungsdekret gegen Wallenstein und dessen Gefolgsleute Ilow und Trczka. In diesem Dekret wird zum vorläufigen Befehlshaber der Armee Wallensteins Stellvertreter, Graf Gallas, ernannt. Ihm wird die Aufgabe übertragen, den Herzog und seine beiden Mitverschworenen gefangenzunehmen und nach Wien zu bringen oder als überführte Schuldige zu töten.

Eine am 18. Februar von Ferdinand ausgestellte öffentliche Absetzungsurkunde führte zum allgemeinen Abfall der Truppen. Wallenstein versuchte sich in Eger in Sicherheit zu bringen und hoffte auf die Vereinigung mit dem schwedischen Heer unter Bernhard von Sachsen-Weimar.

Butler begleitet Wallenstein auf dessen Befehl unter dem Schutz von 200 Dragonern bei seiner Flucht nach Eger. Aber schon zu diesem Zeitpunkt hatte er die persönliche Konsequenz gezogen: er versprach dem Grafen Gallas, den Herzog gefangenzunehmen oder zu töten. Die Order des Kaisers über die Absetzung Wallensteins beseitigte alle noch vorhandenen Skrupel und erhöhte die Gleichgesinnten Butlers, Leslie und Gordon, von Mordkumpanen zu Dienern des Kaisers.

In Eger läßt Butler durch seine Dragoner die Vertrauten des Friedländers, Trczka, Kinsky und Ilow auf einem Bankett auf der Burg zu Eger umbringen. Wallenstein wird in der gleichen Nacht durch den Rittmeister Deveroux ermordet.

Die Frage der Befehlsausführung "lebend oder tot" entschied sich wahrscheinlich nach Abwägung der Höhe der Belohnung. Die Belohnung der in Eger beteiligten Soldateska regelte Butler sofort - aus der Kasse des Opfers.

Ein Trupp Dragoner nimmt Herzog Franz Albrecht von Sachsen-Lauenburg - den Friedensunterhändler Wallensteins - auf Befehl Butlers gefangen. (Die Planung und der Hergang des Mordes an Wallenstein lassen erkennen, wie tief der Kadavergehorsam ausgeprägt war und welche Furcht vor dem Feldherrn und vor dem möglichen Mißerfolg herrschte. Wallenstein war allein, seine Anhänger getötet - kein Problem, den alten Mann gefangenzusetzen. Trotzdem wurden die Vorbereitungen präziser als notwendig vorangetrieben. Zwei Kompanien wurden zur Absicherung in die Stadt geholt und mit 40 Personen Rückendeckung der "greuliche, rachgierige Mensch, vor dem manniglich sich gefürchtet hat..." getötet.)

Butler gehörte offenbar zu den Offizieren, die es verstanden, ihre Taten auch werbewirksam umzusetzen. Er meldete seine Tat sofort dem Gallas, dem Kaiser und allen Offizieren seiner Umgebung. Und es war offenbar notwendig, denn es begann ein regelrechter Wettlauf der Erfolgsmeldungen: Butler bestand darauf, daß er an der Tötung aller aktiv dabei war. Im Schreiben an den Kaiser erläuterte er, wie sehr er bisher im Dienst seiner Majestät unter Wallenstein zu leiden gehabt hatte und daß die Exekution "hoffentlich ersprießlich" gewesen sein.

Als Leslie als Sprecher Gordons persönlich zur Erfolgsmeldung nach Wien reiste, sandte Butler sofort Kapitän Macdaniel als sein Sprachrohr nach ..., offenbar einige Stunden zu spät, denn Leslie wurde vom Kaiser auf der Stelle zum Grafen und Kammerherren erhoben.

Bulter war beleidigt und fühlte sich nicht ausreichend gewürdigt. Der Ruhm der "Friedländischen Exekution" schien jetzt allein über Gordon und Leslie zu strahlen; - wo er doch (nach seiner Auffassung) die Führung gehabt hatte. Er drohte daraufhin, in polnischen Dienst überzutreten.

Aber auch für Butler blieb der Lohn des Kaisers nicht aus. Es gab ja nun genügend zu verteilen - aus dem Nachlaß Wallensteins und seiner Anhänger. Butler versäumte keine Zeit und reiste mit dem Mörder Wallensteins, Deveroux, nach Wien.

Der Kaiser soll ihm die Hand gereicht und ihn für seine Tat, Treue und Redlichkeit gelobt haben. Der Bischof von Wien überreichte ihm eine goldene Kette und einen Gnadenpfennig.

Und endlich war Butler am Ziel seiner Träume: er bekam die Kammerherrenschlüssel und wurde in den Grafentand erhoben. Allerdings - was nützt ein Titel ohne materielle Basis in dieser Zeit. Butler hatte Glück! Er bekam außer dem Gut Hirschberg (von den konfiszierten Gütern Trczkas) noch 225 000 Gulden aus der übrigen Konfiskationsmasse.

Ein weiterer Traum erfüllte sich - und zwar der des Erzherzogs und Thronfolgers Ferdinand III. Nach Wallensteins Tod konnte er endlich den Befehl über das Heer übernehmen. Er zog im Mai 1634 zu dessen Musterung nach Böhmen. Butler war als Befehlshaber von 20 Kompanien Dragonern dabei.

Butler ist auch zugegen, als das Heer Regensburg belagert und einnimmt. Tapferkeit wird ihm bescheinigt in der entscheidenden Schlacht gegen die Schweden bei Nördlingen im September 1634. 24 Stunden ununterbrochenes Kommando wird ihm nachgesagt.

Nach dieser Schlacht rückt Butler vor die Festung Aurach und stürmt sie nach kurzem Widerstand. Butler zieht weiter nach Schondorf. Dort hat sich der bekannte schwedische Obrist Taupadell festgesetzt. Am 15. Dezember 1634 muß Taupadell die Stadt übergeben.

Zu diesem Zeitpunkt ist Butler schon todkrank. Noch vor Jahresende stirbt Butler in Schondorf. (Es gibt Quellen, wonach Butler im März 1643 bei Roß im Kampf für Carl I von England fiel. Wahrscheinlich handelt es sich dabei aber um Butlers Vetter Jacob.)

Über den Umfang der "Nebeneinnahmen", die so ein Feldzug den Obristen einbrachte, informiert ein Bericht des Butlerschen Feldpredigers, Pater Carve. Demzufolge wird u.a. aus Butlers "erworbener" Kriegsbeute je 20.000 Taler an die Franziskaner in Prag und an die Jesuiten überwiesen. Unbekannte Summen an andere Kleriker und Arme. Seine Schwester erhält 6.000 Taler. Der Mordkumpane Deveroux, der in Nördlingen verwundet wurde, erhält ebenfalls 20.000 Taler. Daß seine Witwe, die ihn über Pilsen nach Prag überführte, um ihn dort beizusetzen, nicht leer ausging, kann vorausgesetzt werden.



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