Georg Wilhelm von Brandenburg


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U 1640

Die Politik Brandenburgs wurde ab dem Jahre 1620 in zunehmendem Maße von Graf Schwarzenberg, dem Berater Georg Wilhelms bestimmt. Seit dem Ausbruch des dreißigjährigen Krieges versuchte der Brandenburger Kurfürst neutral zu bleiben. Diese politische Illusion war durch seine militärische Schwäche begründet. Außerdem lag sein Territorium unglücklicherweise zwischen der militärischen Basis des Kaisers im Süden Deutschlands und dem Aufmarschgebiet des dänischen Königs in Norddeutschland. Zwangsläufig kam es in Brandenburg unter anderem auch zur militärischen Auseinandersetzungen zwischen Mansfeld und dem kaiserlichen Feldherrn Wallenstein , der seinerseits nichts unversucht ließ, Georg Wilhelm militärisch zu provozieren, um durch sein Eingreifen in den Krieg dessen Kurwürde in Frage zu stellen.

Auf Drängen seines Beraters, Graf Schwarzenberg, trat der Kurfürst 1627 auf die Seite Ferdinand II.

Nach der Besetzung Pommerns und der Eroberung von Frankfurt an der Oder durch den Schwedenkönig mußte Georg Wilhelm ein Bündnis mit Gustav Adolf eingehen, das er aber im Prager Frieden 1635 wieder aufgab.

Dieses von ihm ungewollte politische Bündnis hat seine Vorgeschichte:
Bevor Gustav Adolf antrat, in Deutschland die ihm angedichtete Rolle des Glaubensretters zu spielen, hatte er im Laufe der ersten zwei Jahrzehnte seiner Regierung bereits eine ganze Reihe von Eroberungskriegen geführt. Die damaligen Kriege waren systematische Plünderungs- und Raubzüge und keineswegs nationale Kriege.

Im Kampf mit Polen und Rußland war es ihm gelungen, im Stil alter nordischer Seeräuber Karelien, Livland und namentlich die wichtigen preußischen Seeplätze Memel, Pillau und Elbing der schwedischen Krone anzuschließen.

Solange allerdings Wallenstein militärisch und diplomatisch aktiv war, konnte Gustav Adolf seine imperialen Pläne einer Annexion weiterer Ostseeanrainerstaaten nicht verwirklichen (s. Anmerkung 1) . Nachdem Wallenstein 1630 auf Drängen der deutschen Fürsten seinen Oberbefehl niederlegen mußte, sah Gustav Adolf seine Stunde gekommen. Mit der Besetzung Pommerns und Mecklenburgs sollte der Schlußstein eines schwedischen Reiches gesetzt werden, das die gesamte Ostsee als Binnenmeer unter ausschließlich schwedischer Oberhoheit vorsah.

Sein Ziel (s. Anmerkung 2) war zunächst ein schwedisches Ostseereich mit der sich daraus ableitenden wirtschaftlichen Überlegenheit durch die Beherrschung der Flußmündungen der Düna, Memel und Oder.

Gustav Adolf war zu dieser Zeit im Bündnis mit Frankreich, das die zunehmende kaiserliche Macht mit äußerstem Mißtrauen beobachtete. Schon 1624 hatte sich Gustav Adolf Holland und England im Kampf gegen die Habsburger angeboten. Allerdings waren damals seine Forderungen zu hoch, und man zog den sich gleichzeitig anbietenden und offenbar genügsameren Dänenkönig vor. Nachdem aber der Dänenkönig von Wallenstein und Tilly vernichtend geschlagen wurde und die Habsburger stark wie selten zuvor regierten, waren neue Koalitionen gefragt. Diese neuen Koalitionen wurden am 23. Januar 1631 in Bärwalde von Abgesandten Richelieus und Gustav Adolf durch einen seit langem geplanten Bündnisvertrag besiegelt. Der Vertrag von Bärwalde hatte neben unbedeutenden Floskeln der freien Handelstätigkeit und des gegenseitigen Schutzes handfeste finanzielle Verpflichtungen Frankreichs zum Gegenstand. Gustav Adolf sollte auf Kosten Frankreichs ein ständiges Heer von 30.000 Fußsoldaten und 6.000 Reitern halten. Frankreich verpflichtete sich außerdem, jährlich den Gegenwert von 40.000 Reichstaler an das schwedische Schatzamt zu zahlen.

Jedem deutschen Fürsten stand es frei, dem Vertrag von Bärwalde beizutreten, um mitzuhelfen, das kaiserliche Joch abzuschütteln. Diese Option war eine unverblümte Aufforderung an die Protestanten, sich mit Waffengewalt gegen den Kaiser zu erheben.

Während sich die protestantischen Fürsten in den Jahren nach 1619 noch für die Verfassung und die Erhaltung des Glaubens hätten zusammenschließen können, ging es jetzt weder um das eine noch das andere: es ging schlicht und einfach um die Vorherrschaft in Europa.

Der schwedische König war am 20. Juli 1630 in Stettin, der Hauptstadt Pommerns, eingezogen. Dort hatte er wenig ehrenhaft den alten, leicht schwachsinnigen Herzog von Pommern schon am ersten Tage gezwungen, mit ihm einen Vertrag abzuschließen und Geld bereitzustellen. Der unglückliche alte Herzog willigte schließlich ein, schrieb aber sofort einen Brief an den Kaiser, in dem er sich entschuldigte und sein Verhalten mit "höherer Gewalt" begründete.

Der Vertrag war nicht nur ein Diktat, er kam einer Annexion Pommerns gleich. In einem Punkt des Vertrages wird ausdrücklich darauf hingewiesen, daß "Wenn bei dem Tode des Herzogs Streitigkeiten entstehen,...so soll der König von Schweden vorerst das Land behalten, bis die Frage der Erbfolge vollständig erledigt ist und der Erbfolger die Kriegskosten an die Krone Schwedens zurückerstattet hat." Die Bitte des Herzogs, neutral bleiben zu dürfen, respektierte Gustav Adolf nicht im Geringsten. Für ihn war der Herzog nur ein alter Mann, der, wie Gustav Adolf spöttisch bemerkte, "sein Bierchen in Ruhe trinken wolle".

Das rücksichtslose Verhalten in Pommern und die Besetzung eines Teiles Brandenburgs distanzierte die übrigen protestantischen Fürsten von Gustav Adolf. Insbesondere die Kurfürsten von Sachsen und Brandenburg verweigerten sich zunächst einem Bündnis mit Schweden.

In dieser politisch und militärisch noch völlig unklaren Lage erreicht das entsetzte Europa die Nachricht von der Eroberung und vom Untergang Magdeburgs.

Magdeburg war zu diesem Zeitpunkt für alle militärischen Parteien der wichtigste strategische Punkt an der Elbe.

Nach dem von den deutschen Fürsten erzwungenem Rücktritt Wallensteins war General Tilly mit dem Oberbefehl der kaiserlichen Truppen betraut worden.

Tillys Heer war in einem außerordentlich schlechten Zustand. Die Versorgung des kaiserlichen Heeres durch Wallenstein aus Friedland erfolgte nur in dem Maße, wie bar bezahlt wurde. Eine Einquartierung der Truppen in Mecklenburg sabotierten Wallensteins Beamte auf dessen Geheiß nach Kräften. Aus gutem Grund, denn Wallenstein war seit kurzem Herzog von Mecklenburg geworden, und hatte kein Interesse an der Zerstörung seiner neuen Ressourcen durch ausgehungerte kaiserliche Soldateska. Tillys Soldaten liefen daraufhin zum Gegner über, ihre Pferde verendeten. Wallenstein wollte und Ferdinand konnte Tilly nicht helfen. In dieser verzweifelten Lage drängte Pappenheim auf einen Sturm Magdeburgs.

Am 20. Mai 1631 wurde Magdeburg von den kaiserlichen Truppen erobert und ging in Flammen auf. Von der ganzen Stadt blieben außer dem Dom und der Liebfrauenkirche nur einige elende Fischerhütten übrig. Fast die gesamte Einwohnerschaft büßte bei der Katastrophe ihr Leben ein. Von den 30.000 Einwohnern Magdeburgs waren ungefähr 5.000 am Leben geblieben.

Gustav Adolf stand in diesen Tagen mit seinem Heer in Saarmund, keine zwei Tagesmärsche von Magdeburg entfernt. Er, der sich so gern als "Retter des deutschen Protestantismus" sah, war untätig und wartete ab, obwohl er den Donner der Belagerungsgeschütze hören konnte ...

"Magdeburg ist gefallen für das Evangelium", das waren fortan seine einleitenden Worte bei Ansprachen und Proklamationen. Obwohl die Wortwahl zynisch genug war, kann Gustav Adolf nicht vom Vorwurf ernstzunehmender Historiker freigesprochen werden, diese Phrase unverschämter Heuchelei nur deshalb benutzt zu haben, um das Entsetzen der protestantischen Welt über die Magdeburger Katastrophe propagandistisch für seine Ziele auszunutzen.

Wohl oder übel gaben nun die Kurfürsten von Sachsen und Brandenburg ihre Neutralität schrittweise auf.

Den Anfang machte unfreiwillig der Brandenburger Kurfürst. Denn ihm gegenüber führte Gustav Adolf weitere überzeugende Argumente an: er marschierte mit seinem Heer vor die Hauptstadt und ließ die Kanonen auf das Schloß richten. Willkommener Anlaß war ein Mitte Juni getroffenes Übereinkommen zwischen Georg Wilhelm von Brandenburg und Gustav Adolf, wonach sich der Kurfürst von Brandenburg, der Schwager Gustav Adolfs, bereiterklärt hatte, den Schweden die Festung Spandau zu überlassen. Doch dann plagte Georg Wilhelm die fürstliche Tugend der Kaisertreue, und er versuchte sich der Verpflichtung zu entziehen. Aber Gustav Adolf handelte schnell und konsequent. Georg Wilhelm brach angesichts der Kanonen völlig zusammen.

Zunächst schickte er seine Schwiegermutter und seine Gemahlin zu Gustav Adolf, um ihn zu besänftigen. Gustav Adolf war jedoch Herr der Lage und sah keinen Grund, seine Ziele den Tränen fremder Schwiegermütter zu opfern. Einige Stunden später erschien Georg Wilhelm persönlich und biederte sich mit dem Vorschlag an, das kleine Mißverständnis mit einem guten Tropfen aus der Welt zu schaffen. Gut gelaut nahm der Schwedenkönig den Vorschlag auf und trank, den historischen Quellen zufolge, vier Humpen guten Weins.

Einen Tag später, am 22. Juni 1631 unterzeichneten beide einen Vertrag, demzufolge Brandenburg den schwedischen Truppen alle Hilfsquellen und die Festungen Spandau und Küstrin auf Kriegsdauer zur Verfügung stellt. "Alle Hilfsquellen" bedeutete u.a., daß eine monatliche Kriegssteuer von 30.000 Talern (zusätzlich zu den Quartier- und Verpflegungskosten) von der Bevölkerung aufgebracht werden mußte.

Diese brutale Erpressung traf einen Kurfürsten, der dem Betrachter noch nach 350 Jahren Mitleid abverlangt. Georg Wilhelm, der Kurfürst von Brandenburg, befand sich politisch und persönlich in einer verfahrenen Situation: er war als Calvinist Fürst eines lutherischen Staates; sein erster Minister war Katholik und er selbst hatte eine Schwester Friedrichs von der Pfalz , des geächteten Königs von Böhmen geheiratet. In Berlin beherbergte er seine Schwiegermutter, die ihm ständig zusetzte, für ihren entthronten Sohn etwas Entscheidendes zu unternehmen. Obwohl Gustav Adolf sein Schwager war, hatte er ihn nun mit Kanonen in ein agressives protestantisches Bündnis gezwungen. Politisch einfältig, war er sogar kaisertreu, obwohl der Kaiser und auch Wallenstein ihn ständig provozierten, um ihm den Krieg zu erklären und einen Grund zu finden, ihm seine Kurwürde abzuerkennen. Und trotzdem wollte Georg Wilhelm neutral bleiben, denn die Dinge schienen sich durch die politischen Aktivitäten des sächsischen Kurfürsten günstig für die Protestanten zu entwickeln:

Johann Georg, der Kurfürst von Sachsen hatte ein protestantisches Konvent nach Leipzig einberufen. An diesem Konvent nahmen alle protestantischen und die meisten calvinistischen Fürsten teil und unterzeichneten eine Erklärung, die als Ursache allen Übels auf das Restitutionsedikt verwiesen und den Verfall fürstlicher Rechte und die Mißachtung der Verfassung beklagten. In dieser Erklärung schrieb Johann Georg auch fest, daß er für die Verteidigung seines Landes und die Rechte der deutschen Protestanten aufrüsten werde und ernannte als Führer seines Heeres Wallensteins besten Feldherrn, Hans Georg von Arnim . Das sächsische Heer war nicht groß genug und auch nicht ausreichend ausgebildet, aber kein erfahrener Feldherr, auch nicht Gustav Adolf, würde den Fehler begangen haben, ein von Arnim befehligtes Heer zu unterschätzen.

Endlich hatten die deutschen Protestanten einen Führer, ein Programm, eine Erklärung an den Kaiser und einen Feldherrn, der in der Lage war, eine Drohung auch wahrzumachen.

Allen protestantischen Fürsten war klar, daß durch das Eingreifen und den Vormarsch Gustav Adolfs eine weitere Neutralitätspolitik zukünftig unmöglich war.

Allen war es klar, - nur dem Kaiser nicht. Ferdinand war kein politischer Stratege, sondern fühlte sich als der Anführer eines Kreuzzuges. Wahrscheinlich ist auch, daß er in seiner politischen Beschränktheit die Macht Gustav Adolfs und die Gefahr, die von ihm ausging, nicht richtig erkannte. Ferdinand nahm das Restitutionsedikt nicht zurück!

So erschien es den deutschen Fürsten - bis auf eine Ausnahme - denn doch besser, mit den in ihre Länder eingedrungenen oder an ihren Landesgrenzen stehenden Schweden zu kämpfen, als ohne ausreichende kaiserliche Unterstützung gegen sie. Außerdem war der Fall Magdeburgs für alle Protestanten eine Warnung.

Die in der Literatur gepflegte Legende von dem braven, gottesfürchtigen Heer von Glaubensstreitern stützt sich lediglich auf das Verhalten der Schweden in der ersten Zeit nach ihrer Landung. Aber die anfängliche Zurückhaltung der Schweden rechtfertigt die Legende nicht und wurde in den Folgejahren ad absurdum geführt. Zu Beginn der Okkupation in Deutschland mußte Gustav Adolf einfach alle Exzesse seiner Soldateska unterdrücken, wenn seine Propaganda, als Befreier der Protestanten angetreten zu sein, glaubwürdig bleiben sollte.

Außerdem wollte er ja Pommern und Mecklenburg dem schwedischen Reich einverleiben, so daß er, hätte er Plünderungen erlaubt, seinen eigenen Besitz ruiniert hätte. Sobald aber Gustav Adolf sich militärisch stabilisiert hatte hatte und ihm das Bündnis mit den protestantischen Fürsten sicher war, ließ er seine Truppen plündern und rauben; - auch in den Ländern der Verbündeten.

Was die schwedischen Truppen tatsächlich für den Kampf begeisterte, war nicht ihr protestantisches Sendungsbewußtsein, sondern wird durch die Worte deutlich, mit denen Gustav Adolf vor der Schlacht von Breitenfeld zu seinen Offizieren sprach:

"Ihr habt gesagt, selig würdet ihr bei mir wohl, aber nicht reich. Bisher war dazu keine Gelegenheit: wenn ihr euch aber diesmal ritterlich haltet, so habt ihr mit den ewigen auch zeitliche Güter zu erwarten. Nicht nur ist das feindliche Lager eure Beute, sondern auch die Pfaffengasse wird euch mit einem einzigen Streiche eröffnet."

Aller Welt war klar, daß Gustav Adolf ins Zentrum des Habsburger Reiches bis nach Wien marschieren wollte.

Gustav Adolf glaubte zu dieser Zeit, für die Fürsten im norddeutschen Raum ein geeigneter König und Beschützer ihrer Interessen zu sein: Gustav Adolfs Mutter, Christine von Holstein-Gottorp, war eine Enkelin des Landgrafen Philipp von Hessen und seine Gattin war die Schwester des Kurfürsten von Brandenburg. Seine einzige Tochter Christine war ihrerseits an den Erben von Brandenburg versprochen. Er rechnete damit, daß im Laufe der Zeit die schwedische Dynastie zunehmend im mitteleuropäischen Adel aufgegangen wäre, bis auch der schwedische Staat im Laufe der Generationen in den fortgeschritteneren und dichterbesiedelten Staaten Deutschlands aufging.

So europäisch der Gedanke Gustav Adolfs auch war, die norddeutschen Fürsten waren von der Idee, den berechenbaren, in dieser Zeit auch militärisch relativ schwachen deutschen Kaiser, durch einen starken Eroberer auszutauschen, nicht sonderlich eingenommen. Neben rein egoistischen Gesichtspunkten war es vor allem die Art und Weise, mit der Gustav Adolf deutsches Land unter seine Marschälle aufteilte, die die Beliebtheit des Schwedenkönigs nicht gerade steigerte.

Selbst die engen verwandtschaftlichen Bindungen Gustav Adolfs zu Georg Wilhelm ließen den Schwedenkönig nie seine Ziele aus dem Auge verlieren. Dabei begann alles so romantisch:

Gustav Adolf befand sich seit langem in Liebesdingen auf einem gefährlichen Weg: nicht nur, daß er die nach Meinung des Hofes falschen Frauen liebte und für sie nicht nur in seinen Mußestunden Gedichte schrieb. (Ein Gedicht z.B. schrieb er über die Tugend! Allerdings diente der Titel offenbar nur zur Tarnung der recht erotischen Offenheit des Inhalts...)

Nach Meinung seines Predigers begriff Gustav Adolf nicht die Schwere seiner Pflicht und Verantwortung. Darum verlangte der Kirchenmann echte Reue und Buße und die Garantie, weiterhin der Versuchung zu widerstehen. Da nach Meinung des Predigers nur eine Heirat allen Versuchungen einen Riegel vorschieben konnte, konzentrierte er seinen Eifer auf die Suche nach einer geeigneten Kandidatin.

Die ersten zarten Fäden wurden in Richtung Brandenburg gesponnen. Ob es die ausgesprochene Schönheit der Marie Eleonore war, die die Aufmerksamkeit des schwedischen Königs erregte oder nur der Reiz, seinem feindlichen polnischen Vetter, der ihn als König von Schweden nicht anerkannte, die Braut seines Sohnes auszuspannen, ist unerheblich, denn - um dies vorwegzunehmen - die Ehe wurde glücklich.

Sicher spielten auch strategische Ziele eine Rolle, denn das Herzogtum Preußen benötigte einen neuen Regenten. Der alte Regent, Albrecht Friedrich, war seiner Sinne nicht mehr mächtig.

Nach dem Erbrecht war der Kurfürst von Brandenburg, Johann Sigismund, der neue Regent von Pommern. Wer also die schöne Braut aus Brandenburg bekam, erhielt als Brautgeschenk ein strategisch wichtiges Gebiet des deutschen Kaiserreiches, das ihm einen starken politischen Einfluß im Fürstenkollegium sicherte. Außerdem spielten Preußen und Pommern eine entscheidende Rolle in den Plänen Gustav Adolfs, die Vorherrschaft über die Ostsee zu gewinnen.

Der Polenkönig war zweifellos im Vorteil, denn er war gleichzeitig der Lehnsherr des Herzogtums Preußen. Außerdem waren sein Sohn und der junge Kurfürst von Brandenburg befreundet. Die Entscheidung über die Heirat, soviel war klar, würde jedoch die Kurfürstin Anna von Brandenburg treffen, denn ihr Gatte, Johann Sigismund, stand unter dem Pantoffel.

Gustav Adolf hatte bei der Kurfürstin Anna schlechte Karten, denn sie erklärte im Zorn, daß sie lieber ihre Tochter begraben als nach Stockholm geben werde. Sie konnte es sich leisten: es wimmelte in Brandenburg von Freiern von Format und europäischem Einfluß. Der Prinz von Wales, Wilhelm von Oranien, Christian IV. von Dänemark und Wladislaw, der Sohn des Polenkönigs waren darunter. Allerdings: bei seinem potentiellen Schwiegervater, dem alten Kurfürsten, war Gustav Adolf Favorit, und bei Marie Eleonore der einzige Kandidat, der für sie in Frage kam.

Auf der Suche nach Selbstbestätigung versuchte der alte Kurfürst an seiner Gattin vorbei eine Entscheidung herbeizuführen. Er ließ dem schwedischen Hof mitteilen, daß für ihn nur Gustav Adolf als Schwiegersohn in Frage käme und man doch möglichst die Vorbereitungen zur Hochzeit forcieren möchte. Als die Girlanden schon an den Wänden hingen und der Wein kühl gestellt war, kamen zwei Briefe in Stockholm an. Ein wohlwollender vom alten Kurfürsten; der andere war von Anna und sein Inhalt sprühte Gift und Galle: was eventuelle Mitteilungen ihres Gemahls, des Kurfürsten angehe, so sei diesen keine Bedeutung beizumessen, da seine geistigen Kräfte nach seiner Krankheit geschwächt wären...

Der Blamierte war Gustav Adolf; auf den Adelssitzen Schwedens witzelte man, und sein persönlicher Freund Oxenstierna warnte ihn davor, Zielscheibe europäischen Spotts zu werden.

Aber der König gab nicht auf. Mehrere Inkognitoreisen nach Berlin überzeugten schließlich die Kurfürstin, und Marie Eleonore himmelte ihren Held aus dem Norden sowieso an. So kam es zur Verlobung, während der Bruder der Braut gerade die Heirat seiner Schwester mit Wladislaw in Krakau aushandelte. Da sich Schweden und Polen im permanenten Kriegszustand befanden, kam es auf diesen Affront nun auch nicht mehr an.

Am 25. November 1620 fand die Hochzeit auf dem Stockholmer Schloß statt. Drei Tage später wurde Marie Eleonore zur Königin von Schweden gekrönt.

Die verwandtschaftlichen Bindungen zum Schwedenkönig haben Georg Wilhelm also nicht viel genutzt. Er stand im Gegenteil den imperialen Plänen seines Schwagers, einer Annektion weiterer Ostseeanrainerstaaten mit seinem Anspruch auf Pommern, im Wege. Gustav Adolf nutzte die Aufkündigung des Bündnisvertrages zwischen Brandenburg und Schweden im Ergebnis des Prager Friedens von 1635 aus und verhinderte 1637 den durch Erbvertrag festgelegten Erwerb Pommerns durch den Kurfürsten.

Georg Wilhelm zog sich daraufhin 1638 nach Preußen zurück. Allerdings waren dort die Kriegsschäden infolge des Schwedisch-Polnischen Krieges ebenso gravierend wie in den übrigen Teilen des Reiches.

Erst sein Sohn Friedrich Wilhelm, der in die Geschichte mit dem Titel der Große Kurfürst eingegangen ist, konnte die Kriegsschäden beseitigen.


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