ARNIM, Hans Georg von

Hans Georg von Arnim wurde
1581, also im gleichen Jahre wie Wallenstein , in Boitzenburg in der Uckermark geboren. Sein Vater war Bernd von Arnim (in der Literatur auch Arnimb genannt) und Geheimer Rat, Oberhofmarschall und Landvogt der Uckermark.



Ansicht von Schloß Boitzenburg um 1630.
Ursprünglich war das Schloß Boitzenburg ein Zisterzienser-Nonnenkloster.
Nach der Reformation wurde es an die Familie Arnim verkauft.

In verschiedenen historischen Quellen wird behauptet, daß die Arnims zu den reichsten und ältesten Adelsgeschlechter Brandenburgs gehörten.

Was das Alter betrifft mag dies auch zutreffen, denn man führte die Ahnenreihe auf einen Vorchard Heinrich von Arnim aus dem Jahre 1280 zurück. Wer die Uckermark kennt, weiß, daß in dieser Gegend noch viele Arnims leben und daß man dort nicht reich werden kann.

Die Arnims waren nicht reich, sie waren verschuldet. Aber sie ermöglichten ihrem Sohn die Ausbildung an der Hochschule in Frankfurt an der Oder in Theologie und Reisen in fremde Länder. Damit war er den meisten seinesgleichen in der Bildung überlegen.

1611 starb sein Vater, 1613 verlor er seine Güter. Da Hans Georg von Arnim nun von seinem Erbe allein nicht standesgemäß leben konnte, trat er als Obrist in die Dienste Gustav Adolfs . Gustav Adolf befand sich zu dieser Zeit auf seinem ersten Feldzug gegen Rußland. Arnim zeigte schon beim ersten Zusammentreffen mit Gustav Adolf in Helsingfors strategische Talente. Er schlug dem König vor, die Festung und den Eismeer-Hafen Kola zu besetzen und dadurch den Handel zwischen Rußland und England zu blockieren.

Gustav Adolf begriff sofort die Logik des Plans und gab entsprechende Befehle, die er aber später zurückzog und Arnim mit der Werbung eines Regiments in Lübeck beauftragte.

Das war der Anfang einer langen Reihe von Mißverständnissen, Eifersüchteleien und Auseinandersetzungen zwischen diesen beiden Persönlichkeiten. Arnim lernte dabei mindestens eines: sich diplomatisch zu verhalten. Typisch für dieses widersprüchliche Verhältnis war der Auftrag, im Namen des Schwedenkönigs um die Hand der Schwester des Kurfürsten von Brandenburg , Prinzessin Maria Eleonora, zu werben. Arnim, ein gebürtiger Brandenburger, spielte fünf Jahre den Postillon d´amour. Nach vielen Inkognito-Reisen, Abweisungen und Fast-Zusagen konnte er die vertrauliche Mission erfolgreich abschließen. Unklar ist, warum er kurz danach, obwohl hochgeehrt, den Dienst des Königs quittierte und mit dessen Erzfeind, dem König Sigismund III. von Polen
1621 gegen die Türken zog. Der militärische Einsatz war kurz, denn noch im gleichen Jahr schlossen Türken und Polen Frieden. 1622 kehrte er auf seine Güter zurück. Diesem kurzen militärischen Ausflug folgte ein noch kürzerer unter Mansfeld .

1624-1625 kämpfte er erneut unter schwedischer Flagge. In gewisser Weise konsequent; Arnim war immer ein Befürworter einer großen Koalition der Protestanten. Da Sachsen und insbesondere Brandenburg und auch Dänemark allein zu schwach waren, akzeptierte er zu dieser Zeit Schwedens Führungsanspruch.

Erneut verwies er in Stockholm auf die strategische Bedeutung des Hafens von Putzig im Westen Preußens. Erneut wurde sein Hinweis von Gustav Adolf nur zur Kenntnis genommen. Arnim quittierte daraufhin seinen Vertrag mit den Schweden. Offenbar nahm man ihm in schwedischen Kreisen die Niederlegung der militärischen Ämter nicht weiter übel.

Es wäre für die schwedische Krone zweifellos von Vorteil gewesen, einen Mann wie Arnim, der in die Geheimnisse der schwedischen, polnischen, brandenburgischen und dänischen Politik und Militärdiplomatie eingeweiht war und ein ausgezeichnetes Gedächtnis besaß, an den Hof zu binden. Man tat es nicht, - und sah sich Jahre später gezwungen, ihn gerade wegen dieser Kenntnisse zu entführen.

Arnim erhielt
1925-26 Angebote für Kommandos aus Brandenburg, Dänemark und von Wallenstein. Brandenburgs Lage war erbärmlich; die dänische Offerte erwägenswert. Schließlich entschied sich Arnim für Wallenstein, denn er wußte, daß Dänemark auf Dauer unterlegen sein würde. Die Tatsache, daß ein eifriger Protestant, wie Arnim 1626 als Obrist und Kriegsrat in kaiserliche Dienste trat, deutet einerseits darauf hin, daß der Krieg nicht - wie oft behauptet wird - den Charakter eines fanatisierten Glaubenskrieges angenommen hatte. Andererseits war auch Arnim Heerführer aus Profession. Zwar bereicherte er sich nicht so maßlos wie andere, soff seine Kameraden nicht unter den Tisch, hörte täglich die Ermahnungen seines Predigers, Dr. Preisibius, betete mit seinen Soldaten nach schwedischem Vorbild vor jedem Waffengang, hielt auf Disziplin und Schonung der heimgesuchten Bürger wie kein anderer Kommandant; - aber die Orientierung auf die und das Kokettieren mit den Machtzentren war auch dem "lutherischen Kapuziner" eigen.

Arnim kommt dem Betrachter oft wie ein Privat-Militärpolitiker mit protestantisch-moralischen Ansprüchen vor. Er besaß ein Markenzeichen: wenn ihm eine politische Entwicklung oder Entscheidung nicht paßte, legte er sein Kommando nieder; - um es später wieder aufzunehmen. Vielleicht ahnte Arnim auch, daß Wallenstein nicht bis ins Herz Katholik, sondern Pragmatiker, Machtmensch war. Vielleicht war Arnim auch - wie es der alte Graf Thurn von ihm behauptete - trotz seines frommen Lebens ein wenig falsch ...?

Wallenstein schätzte Arnim. Er nannte ihn vor Dritten einen Soldaten; eine hohe Auszeichnung in seinen Augen. Der Herzog favorisierte Offiziere, die strenge Disziplin hielten und um die herum es sauber zuging; - er liebte es, Protestanten zu engagieren.

Wallenstein brauchte immer einen Vertrauten, dem er seine Pläne, Hoffnungen, Ängst und Verbitterungen offenbaren konnte. In den folgenden Jahren war es Arnim. Seine Korrespondenz mit ihm umfaßt mehrere hundert Briefe; einmal schrieb ihm Wallenstein sogar sieben Briefe an einem Tag.

Gemeinsam begannen sie
1627 den Feldzug gegen den Dänenkönig Christian IV. . Wallenstein marschierte von Schlesien über Sagan, Cottbus die Elbe entlang Richtung Schleswig. Arnims Mission bestand darin, die Oder hinunter nach Brandenburg zu ziehen und die wichtigsten Oderpässe und Stützpunkte, wie Crossen, Frankfurt und Landsberg zu sichern. Binnen vier Wochen kontrollierte Arnim eine Kette von Garnisonen vom Lauf der Oder bis hinauf nach Pommern.

Wallenstein war hocherfreut über die Erfolge Arnims und fand sich in seinem Vertrauen in dessen militärischen Fähigkeiten bestätigt. Im Ergebnis der Erfolge beauftragte Wallenstein Arnim im Jahre
1628 bei der Eroberung Mecklenburgs mit der Belagerung Stralsunds, dem persönlich wichtigsten Anliegen des Herzogs. Schon am 30. April 1628 wurde Arnim auf Empfehlung Wallensteins zum General-Feldmarschall ernannt.

Doch nicht nur militärisch tut sich Arnim hervor. Auch erste diplomatische Kontakte mit den Schweden werden aufgenommen. Arnims Freund, der schwedische Kanzler Oxenstierna , versucht, das kaiserliche Hilfskorps von 10.000 Mann an den Polenkönig zur Unterstützung im Kampf gegen die Schweden zu torpedieren. Widerstrebend wird Arnim vom Kaiser mit diesem Korps nach Polen befohlen und trifft bei Stum am 27. Juni in der ersten Schlacht direkt auf Gustav Adolf, seinen Lehrer.

Gustav Adolf wird geschlagen und entkommt nur mit Mühe der Gefangenschaft. Die Trophäen des Sieges schickt Arnim an Wallenstein.

Der König von Polen ist zwar des Lobes voll, aber sparsam in der weiteren Unterstützung. Arnim nimmt dies und eine Krankheit zum offiziellen Anlaß, Wallenstein um seine Abberufung und Entlassung zu bitten.

Tatsächlisch war er an einem politischen Scheideweg angelangt, der seine Wege und die Wallensteins zukünftig trennt. Wallenstein vertrat immer seinen Standpunkt eines zentralistischen Staates nach französischem und spanischem Vorbild. Es war sein Ziel und ein offenes Geheimnis, daß er einen starken Kaiser auf Kosten der Macht der Fürsten wünschte. Arnim aber klagte, daß er deshalb den Kaiser nicht weiter unterstützen könne, weil der "Gottes Wort ausrotten und die deutschen Fürsten zu Sklaven ... machen" wolle.

Trotz dieser unterschiedlichen Standpunkte waren beide im steten Briefwechsel. Wallenstein versprach darin u.a., sich beim Kaiser für Arnim dafür zu verwenden, daß die Schulden von 264.500 Gulden, die der Kaiser bei Arnim hatte, beglichen werden. Diese hohen Schulden waren offensichtlich auch der Grund, daß Arnim am 21. Juni 1631 als Feldmarschall in kursächsische Dienste trat. Die ehemaligen Kriegsgefährten Bindauff und Dam Bitzthum von Eckstedt, beide Sachsen, folgten seinem Vorbild.

Dieser Amtsantritt beim Kurfürsten von Sachsen, Johann Georg hatte auch einen handfesten diplomatischen Grund und war, wenn man so will, ein Ausdruck der politischen Grundeinstellung Arnims in diesen und den folgenden Jahren.

Arnim hatte schon in den letzten Monaten seiner Tätigkeit als kaiserlicher Feldmarschall den Standpunkt vertreten, daß die Angelegenheiten der protestantischen Stände auch ohne Einmischung von Schweden, Dänen und Franzosen gelöst werden können und gelöst werden müssen, wenn die Vernichtung nationaler Ressourcen noch gestoppt werden soll. Arnim hatte unter diesem Gesichtspunkt eine rege diplomatische Aktivität zwischen den Kurfürsten von Brandenburg und Sachsen entfaltet.

Aber beide Kurfürsten hatten nicht das Niveau, den politischen Weitblick und die Courage, diese Strategie umzusetzen. Hinzukam, daß sich ihre Räte durch Kurzsichtigkeit, Eigennutz und Neid auszeichneten. Arnim blieb jedoch seinem politischen Credo treu. Das Ergebnis waren Kritik, Intrigen und Verdächtigungen sowohl von Seiten der Schweden als auch des Wiener Hofes. Man muß dem sächsischen Kurfürsten Johann Georg jedoch zugute halten, daß er ihm in für Arnim kritischen Situationen stets politischen Rückenhalt verschafft hat. Allerdings darf dabei nicht unerwähnt bleiben, daß diese Situationen vom sächsischen Kurfürsten oft selbst verursacht wurden oder wenigstens gebilligt waren.

Nachdem Tilly im Mai
1631 Magdeburg "erobert" hatte, war abzusehen, daß sein heruntergekommenes Heer sich nach Sachsen wälzen würde, um sich dort mit Beute zu beladen und die Mägen vollzuschlagen.

Gustav Adolf hatte sich schon vorher an die Kurfürsten von Brandenburg und Sachsen gewandt, als diese in Leipzig berieten. Aber sein Vorschlag zur Befreiung Magdeburgs wurde damals gleichgültig aufgenommen. Jetzt bedurfte es der Vermittlung Arnims, damit sich das sächsische und schwedische Heer zusammentaten, um am 17. September
1631 bei Breitenfeld Tilly zur Schlacht zu stellen. Arnim hatte den Oberbefehl über das sächsische Heer.

Die sächsische Reiterei mit dem Kurfürsten bot nach Aussagen von Gustav Adolf "einen erfreulichen und schönen Anblick". Mit blankgeputzten Waffen, hellfarbigen Halstüchern und Mänteln sahen sie wie aus dem Ei gepellt aus; nur waren es unerprobte Truppen mit jungen Adligen als Offizieren. Als nach zwei Stunden Kampf die eigenen Kanonen dem Feind in die Hände fielen und auf die eigene Reiterei feuerten, begann die Truppe zu schwanken. Johann Georg war zwar auf der Sauhatz tapfer, aber als auch noch die Kroaten mit blitzenden Säbeln und barbarischen Geschrei auf die Sachsen einstürmten, wendete er sein Pferd, gab ihm die Sporen und hielt nicht eher an, bis er das 24 km entfernte Eilenburg erreicht hatte. Zwei Reiterregimenter folgten dem Beispiel ihres Fürsten und machten damit alle Bemühungen Arnims zunichte, die Fronten wiederaufzubauen. Arnim rettete sich mit Resten des Heeres zu den Schweden, die jetzt allein die Wucht des Angriffs der kaiserlichen Truppen abfingen und zum erfolgreichen Gegenangriff übergingen.

Der sicher geglaubte Sieg Tillys endete mit einem Fiasko: 12.000 Tote, 7.000 Gefangene und der Verlust der gesamten Artillerie. Aber weit höher als diese materiellen Verluste war die moralische Wertung des Sieges der Schweden einzuschätzen; das Blatt hatte sich nach 13 Jahren Krieg zugunsten der Protestanten gewendet.

Das Tragische darin war nur, daß kein deutscher Fürst militärisch oder diplomatisch in der Lage war, sich an die Spitze der Verteidigung der protestantischen Sache zu stellen. Durch die Flucht hatte sich der sächsische Kurfürst der Möglichkeit beraubt, als gleichberechtigter Partner mit Gustav Adolf zu verhandeln. Johann Georg mußte sich nun nicht dem deutschen Kaiser, sondern dem schwedischen König fügen. Vielleicht hat gerade dieser demütigende Umstand, daß sich jetzt ein schwedischer König als Schiedsrichter über Deutschlands Protestanten aufschwang, die spätere Haltung Arnims entscheidend mitbestimmt. Unbeirrt hat Arnim in späteren Jahren versucht, den Einfluß ausländischer Mächte zurückzudrängen oder wenigstens zu neutralisieren. Oft genug fand er sich mit seinem Standpunkt zwischen den Fronten.

Anfang Oktober
1631 überschritten die sächsischen Truppen die schlesische Grenze, am 25. Oktober drangen sie in Böhmen ein, am 10. November verließ Wallenstein das ihm anvertraute Prag und am 15. November besetzte Arnim die Stadt im Namen des Kurfürsten. Anschließend wurde Arnim nach Dresden berufen und mit langwierigen diplomatischen Verhandlungen aufgehalten. In dieser Zeit übernahm Wallenstein auf Drängen des Kaisers wieder den unbeschränkten Oberbefehl über die kaiserlichen Truppen. Schon im Mai 1632 zog er wieder in Prag ein und brachte kurze Zeit später ganz Böhmen in seine Gewalt.

In dieser Zeit wurde Arnim von Gustav Adolf verdächtigt, geheime Verhandlungen mit Wallenstein geführt zu haben. Nicht zu unrecht, wie man weiß - aber mit Wissen und Billigung seines Kurfürsten. Die Quelle der Verdächtigungen war Graf Thurn, der einen kleinen schwedischen Truppenteil im Verband des sächsischen Heeres befehligte. Fakt war, daß Arnim nichts unternommen hatte, um Wallenstein beim Rekrutieren zu hindern, ja er hatte offen erklärt, er werde nicht weiterkämpfen, wenn bis Mai
1632 nicht Frieden sei: Er hatte sich ohne Kampfhandlungen nach Schlesien zurückgezogen, Groß-Glogau erobert und war offensichtlich nicht bereit, Wallenstein militärisch in den Rücken zu fallen. Dadurch wurde Gustav Adolf gehindert, nach Wien zu marschieren, denn sollten sich bei einem Feldzug dorthin Ferdinand und Johann Georg zu einem Sonderfrieden entschließen - was bei der schwankenden Haltung des Sachsen durchaus im Bereich des Möglichen lag - saß das schwedische Heer in Österreich fest.

Gustav Adolf wollte Gewißheit über die Haltung Arnims. Er versuchte die Schwierigkeit dadurch zu lösen, daß er Arnim aus den kurfürstlichen Diensten in schwedische Dienste locken wollte. Aber Arnim ließ sich nicht bestechen. Im Juni
1632 zog er seine letzten Truppen aus Böhmen zurück und zwang dadurch Gustav Adolf zu Vertragsverhandlungen und Konzessionen mit den protestantischen Fürsten und Städten. In der Zwischenzeit übernahm Wallenstein das Heft des Handelns.

Im September
1632 kam es zur Schlacht mit den Schweden bei Nürnberg. Aber erst eine weitere Schlacht im sächsischen Raum sollte die Entscheidung bringen, denn die Bündnisse des Königs zerbrachen. Umso größer wurde der Argwohn des Schwedenkönigs, als er bemerkte, wie zögerlich ihm Arnim bei Lützen zur Unterstützung gegen Wallenstein entgegenzog. Der Argwohn war durchaus berechtigt, denn Johann Georg wollte den Erfolg der Schlacht abwarten. Siegte Gustav Adolf, wäre er ihm weiterhin ein unzuverlässiger Bundesgenosse geblieben. Wenn Wallenstein siegreich wäre, hätte Johann Georg mit seinem ungeschwächten Heer ein gutes Faustpfand für einen Frieden mit dem Kaiser.

Daß die Taktik des Sachsen so oder so ähnlich angelegt war, zeigt die Auszeichnung, die Arnim unmittelbar nach der Schlacht bei Lützen erhielt. Er wurde mit der damals höchsten Charge eines General-Lieutnants dekoriert.

Dieses taktische Verhalten Johann Georgs war nur der Ausdruck einer langfristig angelegten Strategie zur Herbeiführung entweder eines Sonderfriedens zwischen dem Kaiser oder eines allgemeinen Friedens in Deutschland. Jeder, der am Konflikt Beteiligten entwickelte - je nach Interessenlage - nun neue Pläne und knüpfte Kontakte bzw. signalisierte entsprechende Verhandlungsbereitschaft. Wallenstein war sich darüber im klaren, daß er nach dem Tod des schwedischen Königs Sachsen seine Interessen und Führungsanspräche erneut geltend machen mußte.

Er zog sich deshalb nach der Schlacht bei Lützen nicht nur deshalb eilig nach Böhmen zurück, weil seine Verluste so hoch waren, sondern auch aus politischen Erwägungen. Er wollte damit Johann Georg seinen guten Willen beweisen und ihn zum Frieden animieren.

Arnim und Wallenstein standen in ständigem Briefwechsel. Nachdem es Oxenstierna im April
1633 gelungen war, die als Heilbronner Liga bezeichnete Vereinigung zur Verteidigung der protestantischen Sache zu gründen und damit den Führungsanspruch Schwedens erneut zu etablieren, kam es zum politischen Bruch mit dem Kurfürsten von Sachsen und den Schweden. Auch und vor allem Arnims Hoffnungen waren damit begraben. Geschickt versuchte Wallenstein diese Phase der politischen Ernüchterung zu nutzen und bot Arnim an, das sächsische Heer ins kaiserliche Lager zu bringen, um dann gemeinsam die Schweden aus Deutschland zu treiben. Damit lag er ganz auf der Linie, die Arnim vertrat. Arnim schrieb damals: "Sollte der Krieg länger dauern, so wird das Reich völlig zerstört werden. Wer aufrichtigen ehrlichen Sinnes ist, dem muß das Herz bluten; wenn er das Reich so im Unglück sieht, muß er sich nach Frieden sehen. So geht es mir. Deswegen habe ich mir keine Gelegenheit entgehen lassen ..., sondern habe Freund und Feind zum Frieden gedrängt ... Unser geliebtes Deutschland wird fremden Menschen zum Opfer fallen und der ganzen Welt ein beklagenswertes Beispiel sein."

(Fast könnte man meinen, es handelt sich hier um Äußerungen der Patrioten der Befreiungskriege gegen die napoleonische Fremdherrschaft!)

Vielleicht hätte der Plan Wallenstein verwirklicht werden können, aber er stieß bei Arnim auf Vorbehalte. Arnim hatte Eigenschaften, die die einen als Charakter, die anderen als Fehler bezeichneten: Er besaß eine nüchterne Ehrlichkeit und eine gefühlsbetonte Anhänglichkeit an seine Sache, die er vertrat. Hinzukam ein beinahme tragisches Ehrgefühl. Diese Eigenschaften standen nun zwischen ihm und dem (vermeintlichen) Verrat, der sein Land vielleicht hätte retten können. Seine Kompromißlosigkeit versperrte ihm auch den Blick dafür, daß die Liga von Heilbronn das Geschick Deutschlands mit den Interessen Oxentiernas und Richelieus zu stark verknüpft hatte, um es auf "ehrlichem und geradem" Wege wieder lösen zu können.

Arnim arbeitet unbeirrt für einen allgemeinen Frieden - und sonst nichts. Diese Haltung führte zwangsläufig zu Spannungen, ja zu einem Riß zwischen ihm und dem sächsischen Kurfürsten. Johann Georg war bereit, für einen Sonderfrieden mit dem Kaiser Oxenstierna im Stich zu lassen.

So zogen sich die Verhandlungen über einen Frieden, den Arnim wünschte und Wallenstein zu wünschen vorgab, solange in die Länge, bis letzlich Wallenstein am 25. Februar 1634 in Eger ermordert wurde.

Am 2. März
1634 morgens erfuhr Arnim, was in Eger geschehen war. Tief erschüttert schrieb er, daß eine so blutige Tat unter einem christlichen Kaiser noch niemals geschehen sei. Nun wolle er selber mit Verhandlungen auch nie wieder etwas zu tun haben. In beiden Behauptungen irrte er. Zum einen kannte er offenbar die Geschichte des christlichen Kaisertums nur lückenhaft und zum anderen sollte seine weitere Tätigkeit vor allen Dingen durch seine diplomatischen (Verhandlungs-)Aufgaben bestimmt werden. Seine spätere schwedische Gefangenschaft beweist dies. Interessant ist, daß auch die Mörder Wallensteins den Versuch unternahmen, Arnim gefangenzunehmen. Man wollte ihn in die Falle locken und schickte ihm einen Trompeter mit einem fingierten Brief des toten Kinsky , versiegelt mit dessen Petschaft. Der Trompeter kam zu spät!...

Arnim hatte Mühe, als vertrauter Brieffreund Wallensteins einer Untersuchung zu entgehen. Und er hatte alles Glück der Welt, denn wäre er in die Hände der Mörder Wallensteins gefallen, hätte man bei ihm die Instruktionen des sächsischen Kurfürsten gefunden, die ihn drängten, mit Wallenstein Kontakt aufzunehmen und des Herzogs Bedingungen anzunehmen. - Vorausgesetzt, sie dienten der evangelischen Sache.

Arnim wußte, daß er nur durch Zufall einer Gefangennahme entkommen war, und daß ihm die Geheimverhandlungen fast seine Position und vielleicht seinen Kopf gekostet hätten. Er schrieb deshalb an Johann Georg: "Dem grundgütigen Gott habe ich meinesteils nicht genugsam dafür zu danken, daß sich meine Abfertigung (gemeint ist damit seine verspätete Abreise nach Eger) so lange verweilet, denn durch das Mittel bin ich diesem großen Unglück entgangen...

Ich werde untertänigst bitten, Euer Kurfürstliche Durchlaucht wollten mich ins Künftige mit den Friedencverhandlungen verschonen, und nur dazu gebrauchen, was meiner Profession gemäß. ... Lieber will ich mich alle Stunden mit dem Feinde schmeißen, als noch ein einziges Mal zu tractiren (
verhandeln), und hoffe dadurch Euer Kurfürstlichen Gnaden mit göttlicher Hilfe nützlichere Dienste zu leisten..."

Die "nützlicheren Dienste" boten sich in Form der Fortsetzung des Krieges in Schlesien an. Arnim schlug im Mai
1634 die kaiserliche Armee bei Liegnitz in einer großen Schlacht.

Der Gegner verlor 4.000 Tote, Arnim machte 1.000 Gefangene und eroberte 10 Kanonen. Aber die Spannungen zwischen den Schweden und Sachsen, die schon vor diesem Feldzug offensichtlich waren, nahmen zu. Sie wurden verstärkt durch Streitigkeiten der beiden Kommandierenden, Baner und Arnim über die Besetzung befestigter Stellungen in Schlesien.

Baner traute Arnim nicht und wagte sich nicht weiter nach Schlesien hinein. Es war für ihn deshalb eine Beruhigung, gemeinsam mit Arnim in Böhmen einzufallen.

Mitte
1634 standen beide Heere vor Prag, - an dem Tage, an dem Regensburg von den Kaierlichen unter dem jungen Ferdinand erobert wurde. Vor Prag ereilte sie auch die Kunde von der verlorenen Schlacht bei Nördlingen. In Nördlingen ging das vereinte protestantische Heer unter Horn und Bernhard gegen die vereinten Heere Ferndinands und des spanischen Kardinalinfanten unter. 17.000 Gefallene und 4.000 Gefangene waren das Ende Schwedens und der protestantischen Sache.

Die Niederlage von Nördlingen zwang nicht nur die Heere Arnims und Baners zum Rückzug, sondern bedeutete auch die Lösung der Bündnispflicht zwischen dem Kurfürst von Sachsen und Baner. Das immer loser werdende Band wurde völlig aufgelöst durch den Frieden von Prag am 30. Mai
1635 zwischen Sachsen und dem Kaiser. Während des ganzen Jahres 1634 hatte Johann Georg - sehr zum Ärgernis Oxenstiernas - Friedensverhandlungen mit Wien geführt. Es war im und dem Kaiser ernst mit dem Frieden und der Vertreibung der Eindringlinge. Diese Ernsthaftigkeit führte zu Kompromissen, vor denen man sich vor 4 Jahren noch gesträubt hatte. Der Kaier war bereit, das Resitutionsedikt aufzuheben.

Der Sieg von Nördlingen verschob die Machtverhältnisse zwar zugunsten des Kaisers; hätte man das Entgegenkommen schon 1630 in Regensburg gezeigt - Gustav Adolfs Deutschland-Politik wäre wahrscheinlich ohne Chance gewesen.

Die Bedingungen des Prager Friedens waren verführerisch: volle Amnestie für jedermann - ausgenommen die Böhmen im Exil; Sonderbündnisse unter den deutschen Fürsten sollten künftig ungesetzlich sein; Johann Georg konnte weiterhin einen (fast) unabhängigen Oberbefehl über sein Heer als Verbündeter des Kaisers behalten.

Für jemanden, der mit Friedenshoffnung erfüllt war, stellte dieser Friede die beste Grundlage dar, die von beiden Seiten bisher erarbeitet wurde.

Auch Arnim war zunächst von solcher Freude erfüllt, daß er sogar ein Gedicht auf diesen Frieden verfaßte.

Im Laufe der weiteren Verhandlungen wurde ihm jedoch - im Gegensatz zu seinem Kurfürsten - klar, daß dieser Friedensschluß in Wirklichkeit ein neues Kriegsbündnis war - und zwar mit der Gegenseite. Arnim hatte immer einen dritten deutschen, evangelischen Weg angestrebt; mit Österreich friedlich auskommen, ohne sich ihm zu unterwerfen; von den Schweden getrennt, ohne ihnen in den Rücken zu fallen. Sein bereits zitiertes Ehrgefühl hinderte ihn, einen Vertrag zu akzeptieren, der die Schweden ausschloß.

Es gab noch einen weiteren guten Grund, skeptisch zu sein: er - Arnim - hatte bisher im Interesse Kursachsens gegen den Kaiser gekämpft. Ein Charakter wie der Arnims konnte sich nicht vorstellen, nunmehr als Kaiserlicher (also für seine ehemaligen Gegner) gegen seine ehemaligen Verbündeten zu kämpfen. Arnim erhielt im Juni
1635 den verlangten Abschied in würdevoller Weise: er könne, wenn er wolle, jederzeit seine Feldherrnstelle wieder einnehmen. Arnim zog sich zunächst auf seine Güter zurück. Aber noch 1635 wurde er vom Kurfürsten von Brandenburg nach Dresden geschickt, wo er sich Inhalte des Prager Friedens erläutern lassen sollte.

An Angeboten von anderer Seite fehlte es nicht: Frankreich trat an Arnim mit einem verlockenden Angebot heran, um französische Truppen den Schweden zuzuführen.Piccolomini hätte unter diesen Umständen angenommen; Arnim lehnte ab ...! Und er ließ keine Gelegenheit aus, um auf einen allgemeinen Frieden hinzuarbeiten. Die Schweden beobachteten Arnims Aktivitäten mit Argwohn. Als bei ihnen der Verdacht aufkam, Arnim wollte die Dänen zu einem Krieg gegen die Schweden aufwiegeln, wurde er im Auftrag Oxenstiernas (einem Freund Arnims!) durch ein Kommando schwedischer Soldaten auf seinen Landsitz in Boitzenburg überfallen und entführt. Zunächst nach Stettin und weiter nach Stockholm. Dort traf er am 13. Mai
1637 ein und wurde angeblich in ein vergittertes Zimmer im 2. Stock eines von 20 Schergen bewachten Gebäudes gesteckt.

Immerhin gelang es ihm, sich Feilen, Stricke, einen Degen und 2 Pässe für seine Diener zu organisieren.

Im Herbst
1638 gelang ihm die Flucht. Wie das Schicksal so spielt, wartete an der Küste ein segelfertiges Schiff, das ihn am 25.November 1638 nach Hamburg brachte. Er ließ sich Zeit auf dem Wege nach Dresden, denn er kam dort erst im Mai 1639 an.

Die Freude des Kurfürsten soll groß gewesen sein; er kam auch zur rechten Zeit. Man war sich in Kreisen der Kurfürsten nun trotz allen gegenseitigen Mißtrauens einig darüber, sich der unerträglichen Belastung durch Schweden und Franzosen zu entledigen. Arnim, wohlbekannt mit den schwedischen Verhältnissen und nun eingeschworener Feind der Schweden, wurde sofort mit wichtigen diplomatischen Missionen beauftragt. Er pendelte im Auftrag
1939 zwischen Dänemark und Wien.

1641 versuchte er, den noch unentschlossenen jungen Kurfürsten von Preußen, Friedrich Wilhelm gegen die Schweden zu gewinnen. Seine Aktivitäten erweiterte er auf Braunschweig, Bremen und nochmals Dänemark.

Auf dem Reichstag in Regensburg bot er dem Kaiser an, ein Heer von 16.000 Mann auf eigene Kosten (!) gegen die Schweden aufzustellen. Natürlich war der Kaiser geneigt.

Arnim erhielt eine kaiserliche und kursächsische Bestallung als Generalissimus über ein weiteres Bundesheer, welches in Schlesien ausgehoben werden sollte.

Inmitten dieser Vorbereitungen erkrankte Arnim und starb sehr schnell am 28. April
1641. Mit seinem Tod endete auch das weitläufig angelegte militärische Unternehmen eines erstarkten kaiserlichen Heeres. Arnim wurde unter Anwesenheit des Kurfürsten und der sächsichen Prinzen in der Kreuzkirche in Dresden beigesetzt. Ob ein Abgesandter des Wiener Hofes anwesend war, ist nicht überliefert.

Arnim war tapfer, geistesgegenwärtig und unverheiratet.

Seine hochverschuldeten und durch den Krieg verwüsteten Güter kaufte sein Vetter, Carl Rudolph. Mit diesem starb die ältere Boitzenburger Linie der Arnims aus.



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