ALDRINGER, Johann

Wenn der Name Aldringer in der Literatur auftaucht, wird stets darauf hingewiesen, daß er sich als Sohn armer Eltern durch sein Talent und seine Willenskraft von einem Bediensteten zu Tillys Nachfolger hochgearbeitet hat.

Mit Sicherheit entspricht diese Darstellung dem Wunschdenken und dem Klischee der damaligen Soldatenideologie: durch persönlichen Einsatz und Leistung zu Ruhm, Reichtum und gesellschaftlicher Anerkennung. Es gab Karrieren, die durch die Gunst der Stunde, d.h. zur richtigen Zeit am richtigen Ort der richtigen Person aufgefallen zu sein, so begonnen oder begünstigt wurden.

Man muß aber wissen, daß alle Söhne dieser "armen" Familie Aldringer entweder Feldmarschall oder Bischof zu Seckau oder Bischof zu Tripoli und Suffraganeus zu Straßburg wurden. Somit bleiben erhebliche Zweifel, ob Aldringen Armut überhaupt definieren konnte. Sicher ist nur, daß Aldringer in seiner Jugend Kavaliere nach Paris zur Universität und auf Reisen begleitet hat. Reisen bildet und schafft Beziehungen. So wurde Aldringer Sekretär des Grafen Johann Madruzzi in Mailand. Auf dessen Empfehlung trat er eine Stelle in der Kanzlei des Bischofs von Trident, Carolo Madruzzi, an. Aber er verlor dieses Amt durch die Mißgunst seiner Konkurrenten.

Nun fügt sich wieder eine der zufälligen Erfolgsstories an, die sich um Aldringer ranken: angeblich entschloß er sich in dem Moment, als er aus der Kanzlei trat, den Beruf dessen auszuüben, der ihm als erster begegnen würde. Durch Zufall begegnete er einem Soldaten und trat (angeblich) sofort als Gemeiner ins Kaiserliche Heer ein.

Wie es nun in armen Familien gesetzmäßig ist: ein Vetter, der zufällig auch Bischof von Salzburg und Obrist war, suchte einen tüchtigen Hauptmann, und so durchlief Aldringer rasch die niederen Offiziersränge und war 1622 bei der Belagerung Heidelbergs unter Tilly schon Obrist im Heer der Liga.

1625 war Aldringer bereits Hofkriegsrat. Welche Verdienste den Kaiser dazu bewogen haben, Aldringer zum Freiherrn von Koschütz und Groß-Lipma zu ernennen, bleibt verborgen. Offensichtlich wird er - mit einem eigenen Regiment - unter das Kommando Wallensteins gestellt und zieht mit dessen Heer als Obrist und General-Kommissar nach Niedersachsen.

Im Oktober ist er bei den Verhandlungen Wallensteins mit der Stadt Magdeburg anwesend. Dabei ging es um die Aufnahme und Verpflegung zusätzlicher Kontingente von Soldaten. Es war üblich, daß aus Sicherheitsgründen nur zahlenmäßig kleine Einheiten in die Stadt gelassen wurden, der Rest verblieb vor den Mauern. Die Stadt mußte allerdings für das gesamte Heer zahlen.

Im April 1626 marschierte Wallenstein Richtung Elbe. Ihm war gemeldet worden, daß sich Mansfeld Mansfeld mit seinem protestantischen Heer auf dem Wege nach Sachsen und Böhmen befand. Mansfeld mußte auf seinem Marsch über die Elbe setzen und dafür bot sich der Übergang bei Dessau an. Aber genau an dieser Stelle wollte ihn Wallenstein zur Schlacht stellen.

Für beide Feldherren hing vom Ausgang des Treffens viel ab. Wallenstein hatte im Vorjahr taktische Fehler gemacht, und es gab Stimmen am Wiener Hof, die Wallenstein das Kommando abnehmen und es Collalto , einem erfahrenen italienischen Berufsoffizier übertragen wollten. Diese Stimmen erhielten ständig Nahrung durch Briefe, die Wallensteins gelegentliche Bemerkungen aufzeichneten und kommentierten. Auch Aldringer gehörte zu den Absendern. Wenige Tage nach der erfolgreichen Schlacht an der Dessauer Brücke am 25./26. April 1626, an der Aldringer aktiv beteiligt war, hielt Wallenstein dem verdutzten Aldringer abgefangene Briefe vor und nannte ihn höhnisch einen "Tintenkleckser" - in Anspielung auf seine frühere Tätigkeit als Sekretär. Damit traf er Aldringer offenbar an einer wunden Stelle, denn dieser hat Wallenstein die Bemerkung nie verziehen. Wallenstein hat diesem Gespräch und dessen Ursache offenbar keine so große Bedeutung beigemessen (...ich habe anderes zu gedenken..."), denn er behielt ihn nicht nur in seinem eingeren Kreis der Stabsoffiziere, sondern beauftragte ihn auch bevorzugt mit Verwaltungsaufgaben und Verhandlungsführungen.

Es muß zur militärischen Ehre Aldringers gesagt werden, daß er bei der Verteidigung der Dessauer Brücke gegen Mansfeld drei Monate auf sich und seine zwei Regimenter gestellt, ausgezeichnete Arbeit geleistet hatte, bis Wallenstein zur Verstärkung kam. Allerdings: den 20.000 Söldnern Mansfelds standen 86 Kanonen gut verschanzt gegenüber. Trotzdem konnte Aldringer beweisen, daß auch "einer von der Federprofession" militärischen Sachverstand vorweisen kann.

Ende 1626 überführte Aldringer die Gebeine des Heiligen Norbertus von Magdeburg nach Prag. Magdeburg war protestantisch, und im Selbstverständnis der katholischen Gläubigen dieser Zeit war es undenkbar, die Gebeine ihrer Heiligen Andersgläubigen zu überlassen. Der Besitz hochrangiger Reliquien war eine wesentliche Voraussetzung für die Neugründung einer Kirche oder eines Klosters. Waren doch gerade die nachgesagten Wunder des Heiligen oder seine Vermittlung der Wünsche und Gebete der Grund der Anbetung der Gläubigen. Und mit dem Strom der Pilger und Betenden kam auch das Geld und sicherte die ökonomische Position dieser sakralen Neugründungen. Die Anzahl, der religiöse Rang und die Kraft der Wunder der Reliquien legitimierten den Machtanspruch religiöser Herrscher - und oft auch den des Kaisers.

Insofern war der Auftrag Aldringers eine hohe Auszeichnung und ein Zeichen des Verhandlungsgeschicks mit den Magdeburger Stadtvätern im Vorfeld der Übergabe der Reliquien. Außerdem machte sich Wallenstein mit diesem "Geschenk" den Abt des reichen Klosters Strachow bei Prag zum Freund und dieser war der Bruder des Sekretärs des Hofkriegsrates Gerhard von Questenberg; - ein nützlicher Wiener Verbindungsmann.

1627 erobert Aldringer die Stadt Plaue an der Havel. Die dänische Besatzung wird niedergemetzelt und der Ort ausgeplündert.

1628 wird Wallenstein zum Herzog von Mecklenburg erhoben. Aldringer hat die Aufgabe, als Kaiserlicher Kommissar den Ständen dieses Landes diese Situation zu vermitteln und sie für den neuen Landesherrn in die Pflicht zu nehmen. Aldringer war immer bereit, sich Wien gefällig zu erweisen.

Im gleichen Jahr belagerte er Glückstadt und Krempe, die beiden einzigen strategisch wichtigen Orte, die die Dänen in Norddeutschland noch besetzt hielten.

Im Jahre 1629 ist Aldringer überall im deutschen Reich zu finden: zwischen Wien und Lübeck, Magdeburg und Mantua verhandelt, kämpft und bereichert er sich.

Bei ungefährer Kenntnis der damaligen Infrastruktur ist es für den heutigen Betrachter nur schwer vorstellbar, welcher persönlicher und körperlicher Einsatz notwendig war, um alle Aufgaben, die Aldringer erledigte, unbeschadet überstehen zu können. Anfang des Jahres verhandelte er mit den Magdeburger Städtvätern über die Bereitstellung zusätzlicher Mittel für Verpflegung und Unterbringung des Heeres; - vergeblich. Danach war Aldringer Gesandter bei den Friedensverhandlungen in Lübeck, deren Ratifizierung er dem Friedländer im Juli überbrachte. Der Frieden von Lübeck sah vor, daß Christian von Dänemark die norddeutschen Bistümer aufgeben und die kaiserliche Oberhoheit über Holstein, Stormarn und Dithmarschen anerkennen mußte. Gleichzeitig fungierte Aldringer als kaiserlicher Kommissar zur Restituierung der geistlichen Güter, belagerte Magdeburg, d. h. erpreßte höhere Abgaben durch Unterbindung des Handels, der Fischerei und Verwüstung der Außerwerke durch die Kroaten.

Aldringer war die Seele der Verhandlungen zwischen Wallenstein, Arnim , Collalto und den kaiserlichen Räten und war außerdem noch im Dienst Maximilians von Bayern.

Auf Empfehlung Wallenstein s ging er nach Wien und wurde zum General-Wachtmeister ernannt. Auf Befehl des Kaisers nahm er unter dem Kommando Collaltos mit Gallas und Piccolomini am Feldzug gegen den Herzog von Mantua teil. Dieser Feldzug wird zum gemeinsamen Raubzug und hat offenbar diese drei Akteure für zukünftige Aufgaben zusammengeschweißt. Im Juli 1630 stürmen die Kaiserlichen die Festung Mantua. Aldringer, Gallas und Piccolomini lassen den Feenpalast von 3000 Mann umstellen, um sich ungestört bedienen zu können. Gemälde, Statuen, Möbel, Teppiche, Juwelen, das goldene Service, Silberzeug: alles wird angeblich für den Kaiser verladen - und bildet den materiellen Grundstock adliger Aufsteiger. Die kaiserlichen Obristen konnten durch die Plünderung Mantaus gewaltige Reichtümer an sich bringen. Kostbare Manuskripte werden z.T. verbrannt, der Rest verhökert. Ein Vetter Aldringers ist der glückliche Aufkäufer. Außer Mantua fällt noch Belleforte und Gazzolo. Nach dem Frieden von Chierasco wird Aldringer heimberufen und fällt plündernd mit dem Grafen Egon IX. von Fürstenberg ins Herzogtum Würtemberg ein. Er zwingt den Herzog, sich dem Kaiser zu unterwerfen und sich von den Beschlüssen des Leipziger Konvents zu distanzieren.

Im September 1631 befand sich Aldringer von Nürnberg kommend auf dem Wege zu Tilly. Dieser hatte sich in Leipzig verschanzt und wollte Zeit gewinnen, bis Aldringers Verstärkung ihm eine Auseinandersetzung mit dem von Norden anrückenden Gustav Adolf ermöglichte. Außerdem brauchten Tillys Truppen eine Erholungspause. Die schwedischen Truppen waren vereint mit den Sächsischen den Kaiserlichen zahlenmäßig überlegen. Zu allem Unglück hatte aber Tilly den Hitzkopf Pappenheim als Stellvertreter. Dem war Tilly schon seit längerem zu zögerlich und senil. Mit der Arroganz des erfolgreichen Reiterführers griff Pappenheim die Schweden an und zwang Tilly zur Schlacht. Am 19. September 1631 erhielt Aldringer, wenige Meilen von Leipzig entfernt, die Nachricht von der totalen Niederlage des kaiserlichen Heeres. Er schwenkt nach Westen in Richtung Hessen, verwüstet unterwegs die Grafschaft Henneberg und vereint sich in Fulda mit dem geflohenen Tilly und Graf Fugger. Man hielt Kriegsrat und zog in Richtung Nürnberg. Auf dem Wege dorthin verwüstete Aldringer Hessen, eroberte Rotenburg und Winsheim.

Dem greisen Tilly aber verbot der Bayernherzog, nochmal eine Schlacht mit Gustav Adolf zu wagen. Tilly war verzweifelt und mußte ohne Erfolg abziehen, obwohl sich der Schwedenkönig Bayern näherte. Aldringer hingegen wurde auf Empfehlung Wallensteins, mit dem er regen Briefwechsel pflegte, am 15. Dezember 1631 (fast gleichzeitig mit Gallas) vom Kaiser zum General-Feldzeugmeister befördert, um unter Tillys Oberkommando die Truppen in der Oberpfalz zu befehligen.

Im Frühjahr 1932 zog Gustav Adolf, von den Bürgern umjubelt, in Nürnberg ein. Maximilian - aus Angst, seine Länder zu verlieren - flehte den Kaiser an, Wallenstein zurückzuholen und schloß sich unter Aufgabe der Neutralität Tillys Heer in Ingolstadt Ingolstadt an. Damit lieferte er Gustav Adolf den gewünschten Grund, um in Bayern einzufallen. Schlacht bei Rain am Lech

...ein Klick vergrößert das Bild Im April 1632 kommt es bei Rain am Lech zur Schlacht zwischen den kaiserlichen Truppen unter Tilly und den Schweden. Tilly wird tödlich verwundet, sein Stellvertreter Aldringer durch eine Falkonetkugel am Kopf getroffen und "übel beschädigt". Angesichts der mißlichen Situation zog Maximilian die Reste seines Heeres schnellstens zurück. Der größte Teil des Trosses und der Geschütze fiel in die Hände der Schweden. 400 Kilometer vom Schlachtfeld entfernt, in Göllersdorf in Österreich akzeptierte inzwischen der Kaiser die Bedingungen Wallensteins für seine Rückkehr.

Im August 1632 stehen Aldringer und Wallenstein, die sich vorher in Eger vereint hatten, bei Nürnberg wieder dem Schwedenkönig gegenüber.

Die Situation des Königs hat sich durch einen feuchten Sommer verschlimmert. Nahrungsmangel und Seuchen dezimieren Menschen und Pferde. Allein die Reiterei verliert ohne Feindeinwirkung ein Viertel ihres Bestandes. Die Disziplin der Soldateska ist nur mit Mühe aufrechtzuerhalten. Ein Friedensangebot der Schweden lehnt Wallenstein auf Grund seiner militärischen Überlegenheit ab.

Am 2. September greift Gustav Adolf an. An diesem Tage vollbringen Aldringers Truppen wahre Wunder. Das Kampfgetümmel ist so dicht, daß sich Aldringer plötzlich mitten unter den Schweden wiederfindet. Es heißt, er spielte in dem Moment einen schwedisch-deutschen Kommandeur, bis er sich wieder hinter die eigenen Linien retten kann.

In dieser Schlacht fielen 60 Offiziere, darunter die Obersten Fugger, Caraffa und Chiesa.
Wallenstein ist von Aldringer und seinem Truppenteil begeistert. In seinem Schreiben an den Kaiser schildert er nicht nur ungewohnt euphorisch den Sieg, sondern ausdrücklich auch die Verdienste Aldringers.

Selten kam es vor, daß Wallenstein einen anderen so offensichtlich den Ruhm gönnte. Die Verwundeten werden sofort prämiiert: 400 Gulden für die Obristen, 300 für die Hauptleute, 40 Gulden für die Korporale und 10 Gulden für die Knechte; - und es gab keine Strafen.

Entgegen der Empfehlungen und Bitten des Bayern-Herzogs verfolgt Wallenstein nicht die nach Süden abziehenden Schweden, sondern zieht nach Norden, um ihnen den Nachschub und den Rückzug abzuschneiden. Er weiß: Gustav Adolf hatte innerhalb von 2 Wochen 15.000 Mann verloren, - ein Drittel seines Heeres.

Aldringer trennt sich bei Coburg von Wallenstein,um Bayern gegen Horn zu verteidigen. Er erobert Landsberg und Güntzburg von den Schweden zurück. Am 13. Oktober 1632 wird er zum General-Feldmarschall befördert, im November des gleichen Jahres in den Reichsgrafenstand erhoben. Wallenstein und Aldringer bleiben im Briefwechsel, aber die Aufgaben Aldringers im Süden Deutschlands und sein eigenes Zögern hindern ihn daran, Wallenstein bei Lützen zu stärken. Die Schlacht wäre anders verlaufen.

Aldringer tritt nun ab 1633 als Bayerischer Feldherr selbständig auf. Schon im Januar erobert er nach 3maligem Sturm die Stadt Kempten. In Kempten wiederholen sich die gleichen Greuel wie bei der Erstürmung Magdeburgs durch Tilly. In direkter Gegnerschaft mit Horn verhält sich Aldringer sehr geschickt; er zwingt ihn, sich zurückzuziehen. Während sich Aldringer aber Richtung Füssen und Schongau wendet, erobert der nachrückende Horn Kaufbeuren, belagert aber Kempten vergebens. Gegen zwei so erfahrene Gegner wie Horn und Bernhard von Sachsen-Weimar gelingt es Aldringer allein auf die Dauer nicht, erfolgreich zu sein. Auch die Vereinigung mit dem spanischen Heer unter Feria ´s brachte keine Verbesserung der Lage. Nur die Zahl der bewaffneten Plünderer hatte sich um 10.000 Mann erhöht. Das zusammengetrommelte, erbärmlich ausgerüstete spanische Heer war ohne Artilleriepferde, Wagen, Munition und ohne Brot, Fleisch, Bier.

Noch am 29. September 1633 beharrte Wallenstein in einem Schreiben an den Kaiser auf seiner Weigerung, Aldringer mit den Spaniern zu vereinigen. Aber Aldringer hatte schon selbst entschieden und Wallenstein getäuscht, ohne daß dieser es merkte - sicher mit Rückendeckung Maximilians. Wallensteins Verachtung, die er für seine Generäle hegte, raubte ihm den Blick dafür, daß die Front der ihm verpflichteten Offiziere zu bröckeln begann.

Am 3. Oktober befreiten Aldringers und Feria´s Heere Konstanz; am 20. Oktober Breisach. Die Befreiung Breisachs hatte bei Hofe oberste Priorität. Es wurde geradezu Mode, von Breisach zu reden. Deshalb konnte Maximilian mit seinem Veto gegen den westlich gerichteten Vorstoß der vereinigten Heere auch nichts ausrichten. Es wurde ja auch ein großer, vor allen Dingen propagandistischer Erfolg.

Aber militärstrategisch gesehen war es ein Fehler: Bayern war offen für schwedische Einfälle. Die Quittung kam prompt. An dem Tag, an dem Aldringer in Breisach einzog, nahm Bernhard von Weimar Ulm; am 29. Neuburg. Am 31. Oktober standen sie unterhalb Ingolstadt und wurden von den dort stationierten Bayern nicht am Vormarsch auf Regensburg gehindert. Am 4. November standen die Schweden vor Regensburg. Bernhard war gierig auf Regensburg und seine Leute - bewaffnete Bettler, wie er sie bezeichnete - waren nur durch Plünderungen und ungehemmtes Morden zu befriedigen.

Die strategische Bedeutung von Regensburg war enorm. Schon der sterbende Tilly hatte bei seinem Tod "Regensburg" auf den Lippen. Wer Regensburg hatte, dem stand das Land bzw. Oberösterreich offen und wem es gelang, die evangelischen Bauern für sich zu gewinnen, konnte bis Wien marschieren.

Noch hätte eine gemeinsame Aktion aller verstreuten Teile des kaiserlichen Heeres die Katastrophe verhindern können, aber Wallenstein schätzte die Lage falsch ein und auch andere Heerführer kamen eher zögerlich den Hilferufen Regensburgs nach. Maximilians Sorge galt auch eher der Festung, nicht den Einwohnern des nach seinen Äußerungen ungeliebten "schwedischen Regensburg".

Am 14. November 1633 fiel Regensburg. Der Fall Regensburgs brachte Aldringer in den Verdacht, daß seine Pläne Breisach zu befreien und damit Bayern dem Einfall der Schweden preiszugeben, mit Wallenstein abgesprochen waren. Man unterstellte Wallenstein, daß seine gesamten militärischen Handlungen darauf abzielten, Bayern und damit Kurfürst Maximilian zu ruinieren; - als späte Rache.

Aber Aldringer hatte Ende 1633 andere Sorgen, als sich um Verdächtigungen am Wiener Hof zu kümmern: er fand kein Winterquartier! Maximilian von Bayern weigerte sich, die 84 Kompanien Aldringers in seinem Erblande Winterquartier zu geben. Und er hatte allen Grund dazu: Die Zustände der bayrischen Bauern verschlechterten sich 1632/33 drastisch. Die Ernten waren durch die durchziehenden Truppen vernichtet worden, und die kurfürstlichen Beamten beschlagnahmten den Rest rücksichtslos.

Als Aldringer versuchte, im Land Winterquartier zu beziehen, kam es zur allgemeinen Erhebung. Bayern weist Aldringers zerlumpte, hungernde Soldaten ab, der Bischof von Salzburg will sie nicht und Oberösterreich weigert sich auch. Die demoralisierten Soldaten kümmern sich nicht mehr um Befehle und schießen auf die Bauern, die Widerstand leisten. Daraufhin stehen Ende Dezember zwanzig- bis dreißigtaußend Bauern unter Waffen und halten die Straßen gegen Aldringer und seine hungernden Truppen besetzt.

Maximilian, der zum ersten Mal seine Untertanen fürchtete, zwang Aldringers Truppen in Unter-Österreich Quartier zu nehmen, nicht in Kärnten und Steiermark. Aber Bayern stand mit seinem Elend nicht allein.

Wallenstein hatte sein Heer wieder auf den kaiserlichen Domänen in Böhmen einquartiert, Schlesien war ausgeraubt; Sachsen am Boden. In einer solchen Situation hilft entweder ein Frieden oder es muß ein Schuldiger her. Der Schuldige war schnell gefunden: Wallenstein.

Seine äußerst unkluge, ja arrogante Vorgehensweise des letzten Jahres und besonders der letzten Monate des Jahres 1633 dem Wiener Hof gegenüber, führte schon im Dezember 1633 dazu, daß der Kurfürst vom Bayern vom Kaiser die Meldung erhielt, er, der Kaiser, wolle Wallenstein den Oberbefehl abnehmen. Man wolle sich zuvor nur der Loyalität der Generäle versichern. Aus diesem Grund sind von Blumenthal zu Gallas und Walmerode zu Aldringer geschickt worden. Warum gerade zu diesen beiden? Zunächst: Gallas und Aldringer waren verschwägert. Das wog mehr als anderes, man hatte auch gemeinsam in Italien geraubt. Außerdem: Gallas, immer leichtlebig, selten genial, oft unfähig, war durch das Angebot des Oberbefehls unter dem König von Ungarn zu locken. Aldringer selbst hatte außerdem durch die Vereinigung mit den spanischen Truppen unter Feria zu erkennen gegeben, daß er dem Kaiser und nicht mehr Wallenstein gehorchte. Sicher kam jetzt auch bei ihm die Angst vor der möglichen Rache des Feldherrn als Motiv hinzu.

Auf jeden Fall war Anfang Februar 1634 Aldringer über alle Konsequenzen des Planes informiert. Der Bischof von Wien konfrontierte ihn nicht nur mit Wallensteins verwerflichen Praktiken, sondern auch mit dem bereits gefällten Urteil: "e numero mortalium exturbare" - aus der Zahl der Sterblichen eleminieren. Mit Datum vom 13. und 15. Februar erließ Gallas den Befehl, keiner Order mehr von Wallenstein zu gehorchen, sondern allein Befehle von Gallas, Aldringer, Piccolomini, Suys und Marradas auszuführen. Einen ähnlich lautenden Befehl erließ der Kaiser am 18. Februar.

Das kaiserliche Patent zur Absetzung war schon in den Händen Aldringers und der übrigen Mitwisser des Komplotts, die Verbreitung wurde aber bis zum 15. Feburar hinausgezögert.

Kurz vor Wallensteins Ermordung trafen sich noch einmal Gallas, Aldringer und Marradas in Frauenburg zur letzten Verabredung. Die Angst vor einem Fehlschlag erfaßte die Helden. Aldringer versuchte für den Fall des Falles durch räumliche Distanz den nötigen Vorsprung zu gewinnen, während sich Gallas und Piccolomini bei Wallenstein in Pilsen aufhielten. Wallenstein hatte in Pilsen seine ergebensten Anhänger und die diesen unterstellten Truppen um sich versammelt. Am 23. Februar war Aldringer noch einmal in Wien, um kaiserliche Instruktionen zu empfangen.

Dem Hof und insbesondere dem jungen König von Ungarn war klar, daß Aktionen in Pilsen das Heer gespalten und evtl. zu einem Bürgerkrieg in Böhmen geführt hätten. Wallenstein mußte vom Heer isoliert werden. Unter den Offizieren kam es zu wilden Gerüchten, deren vermutliche Quelle der volkstümliche Piccolomini war. Wallenstein mußte was unternehmen: Er ließ nochmals seine führenden Offiziere zusammenrufen. Aber Piccolomini verließ am 15. Februar heimlich die Stadt, Aldringer war angeblich durch Krankheit verhindert. Gallas wurde zu Aldringer geschickt, um ihn zu holen, denn Wallenstein war die Anhänglichkeit Aldringers an Maximilian bekannt. Keiner von beiden kam zurück. Während Aldringer und sein Schwager unweit von Pilsen die Positionen besprachen, wurde Wallenstein in Eger ermordet.

Jetzt mußte Aldringer nur rechtzeitig am Hof erscheinen, um sich seine Treue belohnen zu lassen. Er erhielt die Kinsky-Herrschaft Teplitz, das Trautmannsdorffsche und das Trezkasche Haus in Prag und 94.000 Gulden. Selten ist ein Mittäter mit so wenig aktiver Beteiligung und mit so geringem persönlichen Risiko so reich abgegolten worden. Nach der Verteilung der Geschenke begab sich Aldringer konsequenterweise unter das Kommando seines Gönners - nach Bayern. Nachdem sich sein Heer - verstärkt durch den Bayerischen Generalwachtmeister Jean de Werth - auf ca. 10.000 Mann verstärkt hatte, zog es vor Straubingen.

Am 1. April 1634 wurde Straubingen eingenommen. Wegen schlechten Wetters wurde sodann jenseits der Isar folgerichtig Winterquartier bezogen. Aldringer wurde zur Beratung des bevorstehenden Feldzuges nach Wien beordert.

Im Mai begleiteten er und Gallas den König von Ungarn, Ferdinand , der nunmehr das Oberkommando übernommen hatte, zur Musterung des Heeres nach Böhmen. Von dort rückte das unter Aldringer und Gallas vereinte Heer auf Regensburg. Im Verlauf der Ausführungen wurde auf den Fall von Regensburg am 14. November 1633 bereits eingegangen. Seit der Zeit war Regensburg von den Schweden besetzt und stand gegenwärtig unter dem Kommando des schwedischen Generals Lars Kagg. Die Belagerung begann sofort und Kagg ersuchte Horn und Bernhard von Weimar, die sich in Augsburg aufhielten, um Hilfe. Sie kamen zu spät. Mangel an Ausrüstung und Nahrung, starker Regen und Gewitter hinderten sie am zügigen Vormarsch. Außerdem hielten sie sich zu lange mit der Belagerung Landshuts auf. Aldringer marschierte in Eilmärschen auf Landshut, um die Belagerten zu entlasten. Der Kommandant in Landshut war von Aldringers Verstärkung informiert und verweigerte die Übergabe.

Die Schweden kamen in Zeitnot und stürmten am Abend des 22.Juli 1634 Landshut.

Aldringer stürmte mit seinen Soldaten in die bereits umkämpfte Stadt. Im Gedränge der fliehenden Besatzung und der Bürger erhielt Aldringer einen Schuß durch Hals und Achsel. Er fiel von der Brücke und starb entweder schon beim Sturz mit dem Pferde oder in der Isar. Es muß ein totales Chaos gewesen sein, beleuchtet vom Brand der Stadt und begleitet von Schreien der Fliehenden. Gerüchten zufolge ist Aldringer von seinen eigenen Kroaten bei den Versuch erschossen worden, Ordnung in das Chaos zu bringen.

Aldringer war mit der Schwester des Grafen Gallas, Gräfin Arco, verheiratet. Er war kinderlos, denn seine Frau starb kurz nach ihm in Passau am Kindbettfieber.

Seine Brüder, Johann Mark Aldringer und Paul Aldringer (auch alles Kinder der erwähnten armen Familie) waren Bischöfe und Erben der Immobilien und des riesigen Vermögens aus dem Raub in Mantua. In ihren Besitz kamen auch die seltenen Manuskripte der dortigen Bibliothek. Wie es heißt wurde er nach seinem Tode vom Kaiser und vom Kurfürsten von Bayern hoch geehrt.

Aldringer liegt im Kloster Bruel bei Regensburg begraben.



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